Sunday, 25. September 2016
02.03.2016
 
 

Der Stealthbomber fürs 21. Jahrhundert: Neues aus der »Schwarzen Welt« des Pentagons?

Andreas von Rétyi

Ende Februar legte die US-Luftwaffe ein erstes Bild ihres künftigen Superbombers vor. Er soll die ziemlich in die Jahre gekommenen Vorgängerflugzeuge ablösen. Sogar heute noch utopisch anmutende Modelle wie der B-2-Stealthbomber gehören eher zum alten Eisen. Nur: Wird uns jetzt wirklich die neueste Technologie enthüllt?

 

Patrioten stimmen bereits ein Klagelied auf den Verfall der militärischen Geheimhaltung in den USA an. Da gibt das Pentagon nun doch tatsächlich ein Bild seines neuesten Kindes frei und präsentiert ein erstes Bild, auf dem der B-21 zu sehen ist. So wird er kurz genannt, »der erste Bomber für das 21. Jahrhundert«, Nachfolger des legendären B-2-Bombers »Spirit«. Und der wiederum galt lange Zeit als Nonplusultra unter den geheimen Northrop-Entwicklungen.

 

 

Berühmt geworden als »Tarnkappenbomber«, folgt diese große Maschine dem Konzept der Nurflügler, wie sie von den deutschen Gebrüdern Horten entwickelt worden waren. Sowohl deren Schulflugzeug Ho VII als auch der Kampfjet Ho IX, beides Prototypen, wurden im Jahr 1945 als technologische Kriegsbeute per Schiff in die USA verfrachtet.

 

 

Schon die amerikanischen Bomber B-35 und YB-49 waren als Nurflügler ausgelegt; sie flogen erstmals im Jahr 1946 beziehungsweise 1947, wobei die YB-49 während eines Folgefluges aus nicht geklärten Gründen abstürzte. Beide waren Produkte des US-Flugzeugbauers und Unternehmers John Knudsen Northrop, der schon länger mit Nurflügelkonstruktionen experimentiert hatte.

 

Nach einem Programmstopp im Jahr 1950 begannen dann 1974 die Arbeiten an der B-2 »Spirit«, alles natürlich unter strikter Geheimhaltung. Parallel wurde die Tarnkappentechnologie weiterentwickelt und eine rechnergestützte Flugsteuerung zum Einsatz gebracht. Als Teststätte für den extrem teuren Bomber diente fast schon selbstredend die verborgene Militärbasis Area 51 am Groom Lake, US-Bundesstaat Nevada.

 

Die beinahe sprichwörtliche Geheimhaltung dort sorgte über Jahrzehnte hinweg für strikte Verschwiegenheit. Nicht anders beim Stealthbomber. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Am 20. April 1988 war es schließlich soweit – der einzigartige Bomber wurde der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt. Allerdings geschah das lediglich in Form einer einigermaßen genauen Zeichnung. Die aber schien sensationell genug.

 

Das US-Avionikmagazin Aviation Week konnte noch gegen Ende desselben Jahres eine Komplettfotografie des Flugzeugs präsentieren. Und nach den daraufhin bald folgenden ersten Flügen des eher lichtscheuen Ungetüms fand schließlich im Jahr 1999 der erste Kampfeinsatz von B-2-Maschinen über dem Kosovo statt.

 

Seither sind also bald 20 Jahre vergangen. Von einer Weiterentwicklung war zwischenzeitlich nicht viel mitzubekommen. Soll heißen: faktisch nichts. Offenbar werkelten die diversen US-Geheimfabriken wieder unter den striktesten Maßgaben der Verschwiegenheit an neuen Konzepten. Ab und an tauchten unbekannte Flugzeuge über den weiten Testgeländen auf, einige bizarre Sichtungen lassen sich allerdings bis heute nicht zuordnen.

 

Am vergangenen Freitag publizierte nun also die US-Luftwaffe ein erstes Bild des B-2-Nachfolgers, der wieder als Langstreckenbomber ausgelegt ist. Luftwaffenministerin Deborah Lee James kündigte diesen Long-Range Strike Bomber (LRS-B) auf dem Air Warfare Symposium der Luftwaffenvereinigung in Orlando, Florida, an. Der »erste Stealthbomber des 21. Jahrhunderts« soll dann konsequenterweise die Bezeichnung B-3 tragen.

 

Wie James erläutert, wurde dieses moderne Militärflugzeug von Anfang an auf der Grundlage einer Reihe von Anforderungen entworfen, die erlauben, bereits vorhandene und weitgehend ausgereifte Technologien zu verwenden. Luftwaffenstabschef General Mark A. Welsh III. erklärt: »Die Plattformen und Systeme, die uns in den vergangenen 50 Jahren groß gemacht haben, werden uns in den kommenden 50 Jahren nicht groß machen.

 

Es gibt viele andere Systeme, die wir auffrischen oder sanieren müssen, um die Überlebensfähigkeit gegenüber aktuellen und noch aufkeimenden Gefahren sicherzustellen … Der einzige Weg, dies zu schaffen, besteht darin, alte Potenziale abzustoßen, um die neuen zu bauen.«

 

Wurden damit bereits zu viele Geheimnisse preisgegeben, wie manche jetzt befürchten? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Eher schon wurde hier mit einem Minimum an Information operiert, gerade genug, um einigen Abgeordneten den Eindruck eines real existenten Programms zu vermitteln. Denn bisher zirkulierte nichts Konkretes über den Bomber, weshalb alles wie ein rein hypothetisches Konzept wirkte.

 

Loren B. Thompson, Militärexperte am Lexington-Institut in Virginia, bestätigt diese Einschätzung. Und jetzt? Hat sich wirklich etwas geändert? Eher kaum. Dazu muss man wissen, dass jenes einzige Bild des neuen Bombers nicht etwa die Fotografie eines Prototypen zeigt, sondern lediglich eine Grafik, ähnlich wie einst im Fall der ersten öffentlichen Präsentation des B-2-Bombers. Allzu konkret fällt das nun wirklich nicht aus. Offiziell liegt sonst noch kaum etwas Handfestes vor. Denn der LRS-B muss erst noch gebaut werden – der Auftrag hierfür ging wiederum an Northrop Grumman.

 

Wenn man nun einen Blick auf jene eine Grafik wirft, kommt unmittelbar Ernüchterung auf: Der neue Bomber ist vom alten kaum zu unterscheiden. Nichts wirkt radikal verändert, nichts innovativ. Die Zeit scheint hier in den vergangenen Jahrzehnten regelrecht stillgestanden zu haben. Anscheinend hat man in den vergangenen 30 Jahren überhaupt nichts Neues entwickelt, Revolutionäres schon gar nicht.

 

Es mag sein, dass die Qualitäten des »Neulings« im Inneren versteckt sind. Doch haben erfahrene Flugzeugbeobachter ‒ unter ihnen auch Bill Sweetman ‒ in den vergangenen Jahren einige exotischer wirkende Flugzeuge über den Testgebieten der westlichen USA beobachtet. Demnach werden hier also doch fortschrittlichere Projekte verfolgt, über die offiziell noch kein Sterbenswörtchen verloren wird.

 

Die öffentliche »Enthüllung« des B-21-Bombers durch die US-Luftwaffe ließ nun wirklich nichts durchblicken. Es wäre ja äußerst wünschenswert, wenn die militärische Evolution endlich zum Stillstand käme. Was an mörderischen Waffen existiert, reicht wahrlich mehr als genug und sollte besser ungenutzt verrotten, als von stets noch schlimmeren Nachfolgern ersetzt zu werden. Wären da nur nicht all jene »aktuellen und noch aufkeimenden Bedrohungen«, gegen die sich die Welt künftig verteidigen wird müssen.

 

 

 


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