Wednesday, 27. July 2016
02.05.2011
 
 

Medizinische Komplizenschaft in Guantanamo

Andreas von Rétyi

Wie jetzt durch eine gründliche Sichtung verschiedener medizinischer Akten und Falldaten  nachgewiesen werden konnte, hat medizinisches Personal wesentliche Fakten zu Folterungen an Häftlingen von Guantanamo Bay ignoriert und vertuscht. Dieses Ergebnis wurde jetzt in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Autoren gehen davon aus, dass das zuständige ärztliche Personal in vielen Fällen keine Ursachenforschung schwerer Schädigungen an Insassen des Gefangenenlagers von Guantanamo Bay durchgeführt hat, und dies in voller Absicht.

Guantanamo Bay ist nach wie vor ein Schreckensort jenseits von Recht und Gesetz. Das Internierungslager an der Südspitze Kubas hält auch heute noch Hunderte von Häftlingen ohne rechtliche Grundlage in Gefangenschaft. Bekanntlich werden sie als »ungesetzliche Kämpfer« unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten.

Ungeachtet nachgewiesener oder vermuteter extremistischer bzw. terroristischer Hintergründe der Insassen müssten die Rechte von Kriegsgefangenen gewahrt bleiben. Stattdessen treten schwere psychische und physische Folter auf den Plan, zählen zur Tagesordnung. Die Schließung von »Guantanamo«, kurz GTMO oder Gitmo, steht auch unter der Regierung Obama noch aus. Die Macht der eigentlich Mächtigen ist einfach zu groß. Über die Vorfälle auf GTMO drangen über die Jahre hinweg teils grausame Einzelheiten an die Öffentlichkeit. Dennoch wohl nur die Spitze des berühmten Eisbergs! Dass an einem solchen Ort vor allem Abschottung, Verschwiegenheit sowie Vernebelung das Bild beherrschen, versteht sich weitgehend von selbst. Zur Vernebelung hat laut einer neuen Untersuchung auch das Verhalten des auf GTMO tätigen medizinischen Personals beigetragen.

Medizinische Aufzeichnungen und Fall-Akten zeigen, dass die zuständigen Ärzte und deren Mitarbeiter den Ursachen von physischen Verletzungen oder psychischen Symptomen in keiner Weise nachgegangen sind. Der für eine medizinische Menschenrechtsgruppe beratend tätige Vincent Iacopino sowie US-Brigade-General Stephen Xenakis haben neun Fälle gründlich studiert, um Belege für Misshandlungen zu finden. Die von diesen Häftlingen geschilderten, an ihnen eingesetzten »Verhörmethoden« entsprechen internationalen Definitionen von Folter. Hierzu zählten unter anderem massive Schläge, die zu Knochenbrüchen führten, sexuelle Misshandlungen, Scheinhinrichtungen und Beinahe-Ertrinken – das berühmte »Waterboarding«. Außerdem auch Schlafentzug, Zwang zu quälenden Körperpositionen, Schläge, verbale Drohungen, Isolation und Anwendung von Temperaturextremen. Tatsächlich stimmten die Schilderungen der Insassen mit den medizinischen Aufzeichnungen zu körperlichen Schädigungen und psychischen Symptomen überein. Allerdings versäumte das Personal, nach den Ursachen jener Verletzungen oder Störungen zu fragen. Vor allem bei den »Auslösefaktoren« wurde vernebelt und verfälscht. Die starken psychischen Schädigungen, wie sie durch die Folter ausgelöst wurden, schrieben die Ärzte beispielsweise einer »Persönlichkeitsstörung« zu oder bezeichneten sie als die »üblichen Stressoren einer Gefangenschaft«. Alles also im grünen Bereich, angeblich.

Zudem gab es auch noch einen Austausch von relevanten Informationen zwischen dem ärztlichen Personal und den »Verhör«-Spezialisten. So wurde bei einem Gefangenen das Wissen über dessen chronisches Rückenleiden genutzt, um ihn durch entsprechend quälende Körperhaltungen gefügig zu machen.

Die Autoren der neuen Untersuchungen gelangen zu dem Ergebnis, dass das aus den Reihen des US-Verteidigungsministeriums stammende medizinische Personal auf GTMO völlig darin versagte, seine grundsätzlichen Pflichten zu erfüllen. Iacopino und Xenakis resümieren: »Das volle Ausmaß von medizinischer Komplizenschaft in der US-Folterpraxis wird unbekannt bleiben, bis eine gründliche und unparteiische Untersuchung stattfindet, die auch entscheidende, derzeit noch geheim eingestufte Informationen mit einbezieht.«

 

 


 

 

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