Saturday, 25. June 2016
28.12.2013
 
 

Mond-Verschwörung auf Chinesisch: Was macht der Atompilz im Display?

Andreas von Rétyi

Welche Absichten verbindet China mit seinem Mondprogramm? Gegenwärtig machen rätselhafte Bilder und Informationen über Yutu die Runde. Ein Modell des chinesischen Mondrovers war auf der Internationalen Industriemesse in Shanghai zu sehen, dahinter ein Großbild unserer Erde, allerdings mit einem Atompilz über Europa! Der friedliche »Jadehase« Yutu etwa als Vorreiter eines chinesischen Star-Wars-Programms? Und was hat es mit den Gerüchten auf sich, Yutu hätte auf dem Mond völlig vergebens nach Apollo-Relikten gesucht?

Da tun sich offenbar echte Abgründe auf. Der chinesische Mondflug sorgt jedenfalls hier und dort für einige Verwirrung hinsichtlich seiner wahren Hintergründe. Welche Absichten verfolgt das Reich der Mitte wirklich?

Mit Nachdruck und, wie man deutlich feststellen kann, auch durchaus erfolgreich wird hier ein ehrgeiziges Mondprogramm umgesetzt, bei dem es aber offenbar nicht nur um friedliche Forschungszwecke geht. Vielmehr stehen sehr handfeste Ambitionen im Visier der großen Planer. So auch eine intensive wirtschaftliche und möglicherweise zudem militärische Nutzung. Von der ökonomischen Seite des Ganzen war an dieser Stelle kürzlich bereits die Rede.

 

Doch auch die eher kriegerische Fragestellung scheint eine Diskussion wert, vor allem, seit sie durch eine sehr befremdlich anmutende Tatsache genährt wird: Auf der 15. China International Industry Fair am 5. November 2013 wurde ein Modell des Mondrovers Yutu präsentiert, benannt nach dem »Jadehasen« als treuem Begleiter der chinesischen Mondgöttin Chang'e. Das in goldene Folie gehüllte sechsrädrige Gefährt stand auf einem Stück imitierten Mondbodens, im Hintergrund eine ausladende Grafik – unser Erdball, metergroß wiedergegeben. Soweit nichts Ungewöhnliches. Ganz klar, dass China auf dieser internationalen Messe seinen aktuellen Mondrover stolz vorführte.

Allerdings fiel einigen Besuchern sowie auch etlichen Medien beim näheren Hinsehen dann doch etwas wirklich Bedenkliches auf: Das Riesenporträt unserer Erde zeigt über Europa einen aufsteigenden Atompilz! Konkreter gesagt, scheint die bedrohliche Wolke direkt über Moskau aufzusteigen. Wie verträgt sich dieses ultimativ kriegerische Signal mit Yutus Charakterisierung durch Li Benzheng, den Vizechef des chinesischen Mondprogramms? Benzheng spricht immerhin von einem Symbol der »Freundlichkeit, Reinheit und Lebendigkeit«, darüber hinaus betont er: »Yutu spiegelt die friedfertige Nutzung des Weltraums durch China wider.« Das muss man dann aber erst einmal mit dem nuklearen Signal jenes wirklich bemerkenswerten Dioramas in Einklang bringen. Kein ganz triviales Problem. Oder doch?

Während so mancher Besucher verdutzt und irritiert vor dem Display stand, um besorgt in eine derartige Zukunft zu blicken, machten alle möglichen Spekulationen die Runde. Der erste Gedanke ist natürlich: Dieses Bild muss manipuliert worden sein, der Atompilz und die von ihm ausgehenden seismischen Wellen wurden mit einem PC-Programm zur Bildbearbeitung nachträglich eingebaut, um diesen makabren Scherz dann blitzschnell im Internet zu verbreiten und eine neue tolle Verschwörungstheorie zu erschaffen. Das Originalbild kann dieses erschreckende Detail unmöglich aufweisen. Doch stellt sich schnell heraus, dass angesehene Nachrichtenagenturen und -sender genau das gleiche Bild inklusive Atompilz veröffentlicht haben. Er ist überall zu sehen.

 

Ganz offenkundig wurde hier nichts manipuliert, keine Fälschung, kein Schwindel, das Bild ist echt. Tatsächlich wurde es genau in dieser Form ausgestellt, und sämtliche Besucher konnten es sehen. Wenn Li Benzheng die Wahrheit sagt – und wer wollte Gegenteiliges unterstellen? –, dann kann hier nur ein peinlicher Schnitzer passiert sein. Man benötigte eine Abbildung der kompletten Erde aus dem All, so, wie sie eben vom Mond aus zu sehen ist. Und da kam diese Grafik gerade recht. Die Gestalter des Dioramas standen wohl unter Zeitdruck, übersahen den nuklearen Pilz, und urplötzlich stand der friedfertige Rover in einem satanischen Weltuntergangsszenario, und das ganz offiziell auf einer internationalen Messe.

 

Nun gibt es unzählige Weltraumaufnahmen unseres Erdballs. Da muss es schon wirklich mit dem Teufel zugegangen sein, wenn der Zufall ausgerechnet dieses Bild wählte. Wollte man also vielleicht eine gar nicht so versteckte Botschaft an die Welt senden? Muskeln spielen lassen? Nur, welchen Sinn sollte eine chinesische Nuklearattacke machen, gerade bei den wirtschaftlichen Interessen Chinas? Und wenn die Grafik überhaupt keinen Atomblitz suggerieren will, sondern das Resultat eines gewaltigen kosmischen Einschlags auf der Erde? Derlei Darstellungen liegen natürlich auch bei Raumfahrtagenturen meist zuhauf vor. Dann könnte man sich schon eher vorstellen, dass die Gestalter des Dioramas dieses unpassende Motiv erwischten und ohne näheres Hinsehen für ihre Ausstellung verwendeten. Dafür, dass man sich nicht zu viel Zeit bei der Gestaltung des Ganzen nahm, könnte auch die seltsame Orientierung der Erdachse sprechen. Sie erscheint komplett zur Seite gekippt – oder wollte man damit noch Schlimmeres andeuten?

 

Wie auch immer, bislang liegt keine klare und ausführliche offizielle Stellungnahme vor. Unabhängig von diesem Display bleibt allerdings die ernste Frage nach militärischen Absichten des chinesischen Mondprogramms bestehen. Hierzu kursieren verschiedene Informationen, darunter auch seitens der Beijing Times vom 3. Dezember, denen zufolge chinesische Experten die Errichtung einer Missile-Basis auf dem Mond diskutieren. Erste chinesische Astronauten, landesspezifisch als »Taikonauten« bezeichnet, sollen ab dem Jahr 2030 auf dem Mond landen, auf dem bis 2050 eine Basis realisiert werden soll. Berichten zufolge könnte der Mond dann in eine tödliche Waffe verwandelt werden.

 

Chen Qiufa, Direktor der China National Space Administration (CNSA), machte seinerseits deutlich, China lehne eine Militarisierung des Weltraums ab, man hege keine militärischen Ambitionen im All. Nun ist Qiufa eine Schlüsselfigur des chinesischen militärisch-industriellen Komplexes und würde entsprechende Pläne nicht ohne Weiteres enthüllen. Gegenwärtig kursiert noch eine andere ungewöhnliche Geschichte um Qiufa: Angeblich stamme von ihm die Behauptung, China habe mit dem Yutu-Rover nach geglückter Landung sofort Ausschau nach den Apollo-Landeplätzen gehalten, doch gebe es keinerlei Anzeichen einer amerikanischen Mondlandung. Rein gar nichts. Man habe die Landekoordinaten mehrfach überprüft, doch sei da nichts zu finden gewesen.

 

Diese Äußerungen würden allerdings überhaupt keinen Sinn ergeben. Völlig ungeachtet der Frage, ob die Amerikaner nun auf dem Mond waren oder nicht, befindet sich Yutu keineswegs in der Lage, dies zu kontrollieren. Dazu sind die Landeorte viel zu weit voneinander entfernt. Die Mission Chang'e 3 setzte mit Yutu in der Region von Sinus Iridum auf, während selbst die nächsten Landeplätze Apollos viele Hundert Kilometer davon entfernt liegen. Gerade die umstrittene Apollo-11-Mission erfolgte weit abseits von Yutus Wirkungsradius im Meer der Ruhe. Rund 2000 Kilometer trennen die beiden lunaren Gebiete voneinander. Da dürfte es kaum ein größeres Wunder sein, wenn keine Spuren zu finden sind.

 

Die ganze Geschichte ist auf Mondstaub gebaut und gibt lediglich Kritikern von »Verschwörungstheorien« jeglicher Art Auftrieb. Und ob die seltsame Pilzwolke im Yutu-Diorama eine tiefere militärische Bedeutung des chinesischen Mondprogramms andeutet und nicht rein zufällig dorthin kam, müsste ebenfalls noch geklärt werden. Zumindest sind die Bilder authentisch, was der Angelegenheit zumindest einen doch seltsamen Charakter verleiht.

 

 

 

 


 

 

 

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