Saturday, 27. August 2016
10.03.2016
 
 

NASA-Projekt im Visier: »Stealth«-Linienflug jenseits der Schallmauer

Andreas von Rétyi

Rund 20 Jahre nach dem Aus für die legendäre Concorde will die NASA den Überschall-Passagierflug mit einem neuen Projekt wiederaufleben lassen. Sie entwickelt einen effizienten, leisen Überschalljet. Die Initiative findet sich im NASA-Budget für das Jahr 2017 und wird wohl auch für das Pentagon stimulierend sein. Schon so manches Programm, das ganz zivil begonnen hat, fand letztlich dann willkommene Aufnahme in militärischen Kreisen.

 

Mit dem Absturz von Air-France-Flug 4590 schien auch das Ende eines Traums besiegelt gewesen zu sein. Infolge einer Verkettung fataler Umstände stürzte damals die dritte Concorde der Hauptserie unmittelbar nach dem Start vom Flughafen Paris-Charles de Gaulle in ein Hotelgebäude und brannte aus. Damals starben sämtliche 109 an Bord befindlichen Personen sowie vier Hotelgäste.

Eine maßgebliche Ursache für das Unglück war ein auf dem Rollfeld liegendes Metallteil. Es hatte sich von einer fünf Minuten früher von derselben Piste aus gestarteten DC-10 gelöst und riss einen Reifen der Concorde auf. Fragmente prallten mit hoher Geschwindigkeit auf die Tragfläche.

 

Vermutlich löste Funkenbildung daraufhin einen Brand aus. Zeugen erklärten allerdings, der Reifen sei bereits zuvor beschädigt gewesen, weshalb die Maschine überhaupt erst von der Rollbahnmitte abkam und über das verlorene Metallteil hinwegrollte.

 

Zudem habe es jedoch bereits Versäumnisse während der Wartung der Concorde gegeben. Auch das hätte zur Katastrophe beigetragen.

 

Zum gerichtlichen Prozess in Frankreich wurde der Richterin vorgeworfen, den »Concorde-Mythos« aufrechterhalten zu wollen. Nur deshalb habe sie die Schuld vollends der US-Fluggesellschaft angelastet. Die Tragödie setzte der Karriere der Concorde jedenfalls ein trauriges Ende. Überhaupt blieb wenig Hoffnung, den Passagier-Überschallflug mit diesem Superjet zu etablieren. Hohe Betriebskosten, die Energiekrise und juristische Hindernisse standen einer Erfolgsgeschichte spürbar entgegen. Auch durfte das Hoheitsgebiet der USA ab April 1973 aufgrund eines Verbots der obersten US-Luftfahrtbehörde FAA nicht mehr von zivilen Überschallflugzeugen überflogen werden.

 

Möglicherweise wird sich das alles in Zukunft wieder ändern, denn die US-Raumfahrtbehörde NASA entwickelt ehrgeizige Pläne, jene Überschall-Ära für Linienjets bald wiederaufleben zu lassen. Dies soll im Rahmen der New-Aviation-Horizons-Initiative gelingen, die erstmals im NASA-Budget für 2017 aufscheint.

 

Unlängst kündigte NASA-Chef Charles Bolden dieses besondere Vorhaben in Washington an und erklärte hierzu, seine Behörde arbeite intensiv daran, Flüge »grüner, sicherer und ruhiger« werden zu lassen, um gleichzeitig »Flugzeuge zu entwickeln, die schneller reisen, und ein Flugsystem zu konstruieren, das effizienter agiert«. Es sei »erwähnenswert, dass nun bereits 70 Jahre verstrichen sind, seit Chuck Yeager die Schallmauer in einer Bell X-1 brach, als Bestandteil der Hochgeschwindigkeitsforschungen unserer Vorgängerbehörde«.

 

Nun sollen Ingenieure des Lockheed-Martin-Konzerns ein umfassendes erstes Konzept ausarbeiten, um die Quiet Supersonic Technology (QueSST) auf den Weg zu bringen, eine neue, geräuscharme Überschalltechnologie. Machbarkeitsstudien sollen untersuchen, wie weit akzeptable Schallniveaus erreichbar sind, um eine Art Überschall-»Herzschlag« zu erzielen, der eher einem weichen Klopfen ähnelt als dem typischen lauten Knall beim Durchbrechen der Schallmauer.

 

»Entwicklung, Bau und Testflug eines ruhigen Überschall-X-Jets, darin besteht der nächste logische Schritt auf unserem Weg, die Industrie zu ihrer Entscheidung zu befähigen, Überschallreisen für die fliegende Bevölkerung zu öffnen«, so hält Jaiwon Shin als führender Repräsentant der Aeronautics Research Mission der NASA fest.

 

Sicherlich bietet das Projekt auch Perspektiven, die sich das Pentagon bestimmt nicht entgehen lassen wird. Akustische Stealth-Technologie ist dort ohnehin schon lange ein eigenes Thema.

 

Für die Entwicklungsarbeit am NASA-Projekt werden dem Lockheed-Konzern wie auch verschiedenen Subunternehmern zunächst insgesamt 20 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. Dabei sollen unter anderem die grundlegenden technischen Anforderungen und Elemente für das Design bestimmt werden. Diese Phase zur Konstruktion eines Überschalljets mit niedrigem Schalllevel (Low Boom Flight Demonstration, LBFD) soll außerdem untersuchen, wie die Akzeptanz eines solchen Projekts auf breiterer Ebene ausfällt.

 

Die auf zehn Jahre ausgelegte New-Aviation-Horizons-Initiative der NASA setzt sich das Ziel, Treibstoffverbrauch, Emissionen und Schallniveau zu senken – alles durch innovatives Flugzeugdesign, das wohl von der typischen Kombination Rumpf/Tragfläche abweichen wird. Für gewöhnlich wird es sich bei den ersten Testflugzeugen um bemannte Maschinen von der Hälfte der für die Serienprodukte geplanten Dimensionen handeln.

 

Aktuelle Grafiken orientieren sich derzeit sichtlich an der Concorde und erinnern beinahe an einen Papierflieger. Bleibt abzuwarten, ob dieser futuristische Papierflieger am Ende vielleicht doch nur ein kostspieliger Papier-Tiger werden wird.

 

 

 

 


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