Tuesday, 30. August 2016
01.11.2010
 
 

NASA wird Führungsrolle zur Asteroidenabwehr übernehmen

Andreas von Rétyi

Kosmische Querschläger können auch unseren Planeten bedrohen. Auch im erdnahen Raum bewegen sich unzählige Asteroiden auf Bahnen, die manchmal ungemütlich nahe an die Erde heranführen. Viele dieser Objekte sind bislang unentdeckt geblieben, Vollständigkeit in der Erfassung der bedrohlichen Population wird wohl nie erreichbar sein. Doch die US-Weltraumbehörde soll künftig mehr tun, um derlei Überraschungsgäste aus dem All rechtzeitig zu entdecken und möglichst auch vom Kurs abzubringen.

Ist dies wirklich notwendig oder lediglich Vorwand jener Kalten Krieger, die endlich wieder eine Spielwiese für neue Waffensysteme benötigen?

Die US-Weltraumbehörde NASA wird künftig die Führungsrolle zur Abwehr von Asteroiden übernehmen, die unsere gesamte Zivilisation bedrohen können. Dies kündigte unlängst John Holdren an, Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen Haus.

In Briefen an die Vorsitzenden verschiedener Kongresskomitees erklärte Holdren, die NASA werde Verantwortlichkeiten übernehmen, die über das Mandat von 2005 hinausgingen. Der ursprüngliche Auftrag sah vor, rund 90 Prozent der potenziell gefährlichen Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 140 Meter zu entdecken und zu verfolgen. Bis jetzt fand die Weltraumbehörde 903 von geschätzt mehr als 1000 Asteroiden mit Durchmessern von einem Kilometer und mehr, die unserer Erde näher als 50 Millionen Kilometer kommen. In der 100-Meter-Klasse existieren ungleich mehr erdnahe Himmelskörper.

Insgesamt wird wohl nie Vollständigkeit zu erreichen sein, wenn es darum geht, all jene Objekte zu erfassen, die irgendwann vielleicht einmal unseren Planeten bedrohen können. Kritiker meinen, wir hätten ja wohl schon genügend Probleme auf dieser Welt, um uns nun auch noch um recht unwahrscheinliche Kollisionsereignisse zu kümmern. Und wirklich: Wer hat schon einen Asteroidenabsturz, einen Kometentreffer oder auch nur einen kleineren Meteoritenfall erlebt?

Diese Ereignisse sind so selten, dass Gelehrte, die einstmals davon sprachen, Steine könnten wirklich vom Himmel fallen, von ihren Kollegen verlacht und verspottet wurden. Demnach scheint es auch heute eher so, als ob hier entweder versucht wird, neue Gelder für wissenschaftliche Programme loszueisen oder aber vielleicht sogar einen Vorwand zum Test sehr fortschrittlicher Waffensystemen zu finden. Wo könnten diese Systeme besser und verborgener erprobt werden als im Weltraum?

Jede Forschung beinhaltet natürlich die Möglichkeit, auch zu wenig erfreulichen Zwecken eingesetzt zu werden – dies liegt allein in der Hand der Menschen, die damit befasst sind und dafür bezahlt werden. Wir wissen auch, dass vermeintlich zivile Forschungsprojekte ebenso für geheimdienstliche Programme missbraucht wurden, unter dem Vorwand harmloser Forschung. Es gibt genügend Beispiele hiefür, und somit ist auch keineswegs gesichert, dass nicht auch in diesem aktuellen Fall Ähnliches geschehen kann oder geplant ist.

Auf der anderen Seite besteht das Problem kosmischer Kollisionen ohne jeden Zweifel. Natürlich sind selbst kleinere Ereignisse dieser Art selten, doch der Zufall hat bekanntlich kein Gedächtnis und zudem kam es in größeren Zeitabständen immer wieder auch zu katastrophalen Abstürzen von Asteroiden- und Kometenmaterie.

Wir wissen bis heute nicht, was 1908 wirklich in der sibirischen Tunguska-Region havarierte. Die meisten Experten sind sich einig: Es war ein größerer Meteorit, der rund 2000 Quadratkilometer Waldland verwüstete. Doch etliche Details sind damit nicht zu erklären – weder die gefundene Radioaktivität noch der von vielen Zeugen beschriebene Kurswechsel. Es wird wohl weiter geforscht werden müssen. Dennoch sind auch große Meteoritentreffer eine unbestreitbare Tatsache. Große Einschlagkrater belegen dies. Zudem lassen sie auch Altersbestimmungen zu – und eine Aussage zur Häufigkeit wirklich großer Treffer. So sind aus der letzten Jahrmillion vier Einschlagkrater gesichert, die jeweils von einem Körper von rund einem Kilometer Durchmesser gerissen wurden. Rund alle 250 000 Jahre kollidiert unsere Erde mit einem solchen Brocken. Der nächste ist zumindest laut Statistik bereits »überfällig«.

Ein Zusammenstoß mit Körpern der Größenordnung ab etwa einem Kilometer wäre für unsere Welt, so, wie sie heute strukturiert ist, bereits zivilisationsgefährdend. Die Spuren der Rieskatastrophe zwischen Schwaben- und Frankenalb lassen sich heute als vergleichbarer Einschlag deuten und erlauben anhand geologischer Anomalien so einige Schlussfolgerungen über das, was sich damals in unseren Regionen abspielte.

Ein Kilometer-Asteroid riss hier vor rund 15 Millionen Jahren einen zunächst acht Kilometer weiten und drei Kilometer tiefen Krater in die Erdkruste, verdampfte dabei explosionsartig und heizte das Epizentrum auf die rund fünf- bis sechsfache Oberflächentemperatur unserer Sonne auf. Eine gigantische Druckwelle raste über das Land und grub sogar enge Rillenmuster in den Kalkstein, veränderte die Mikrostruktur von Quarz und schmolz Granit in verschiedenen Stadien auf. Bei der Druckentlastung direkt nach der Explosion federten die stark komprimierten Gesteine wieder zurück, der geschmolzene Untergrund floss von den Rändern zum Kraterzentrum, während die Außenzone absackte und den Krater auf seinen jetzigen Durchmesser von mehr als 20 Kilometer ausweitete. Doch die sekundären Wirkungen reichten viel weiter: Zwischen den Alpen und Norddeutschland wurde alles höhere Leben vernichtet. Eine Asche- und Staubwolke dehnte sich über das Land aus und verbreitete sich hoch oben in der Stratosphäre. Noch größere Einschläge könnten den gesamten Globus durch diesen Effekt einhüllen und in eine Eiszeit führen. Bei einem Meerestreffer würden Tsunamis von Kilometerhöhe die Küstenlinien überrollen und ganze Städte im Ozean verschwinden lassen.

Wirklich langfristig betrachtet, muss wieder mit einem vergleichbaren Ereignis gerechnet werden. Daher sind die aktuellen Überlegungen grundsätzlich schon angebracht, eine Suche nach solchen bedrohlichen Himmelskörpern zu intensivieren und auch über geeignete Abwehrmaßnahmen nachzudenken.

Sobald ein möglicherweise gefährlicher Asteroid entdeckt wird, ist die NASA den neuen Richtlinien zufolge verpflichtet, andere Organisationen wie den US-Katastrophenschutz FEMA darüber in Kenntnis zu setzen. Der ehemalige US-Astronaut Russell »Rusty« Schweickart sieht in den Plänen zu einer verstärkten Asteroidenüberwachung einen großen Schritt nach vorne und darin auch einen geeigneten Ausgangspunkt, den Kongress um Bewilligung weiterer finanzieller Mittel zu bitten. Mit einem allerdings vergleichsweise sehr niedrigen Etat bestehe die Möglichkeit, unseren Planeten gegen die permanent drohende Gefahr einer Asteroidenkollision zu schützen. Eine kurzfristig einberufene Arbeitsgruppe empfiehlt die Einrichtung eines Koordinationsbüros zur Planetenverteidigung. Diese neue Zentrale solle mit einem Jahresbudget von rund 250 Millionen US-Dollar versorgt werden. Nun darf man sich darüber streiten, ob ein derartiger Etat angebracht und demnach also sinnvoll ist, oder ob unserer Planet und seine Bewohner keinerlei Weltraumabwehr benötigen. Unbestreitbar ist, dass der Himmelskörper, der unseren Planeten irgendwann mit absoluter Gewissheit treffen wird, schon jetzt irgendwo im Dunkel des Raumes unterwegs ist.

Gegenwärtig sieht das Budget des Präsidenten für 2011 eine Verdreifachung des Etats für Aktivitäten zur Entdeckung erdnaher Objekte vor, eine Steigerung von 5,8 Millionen US-Dollar auf 20,3 Millionen Dollar.

Hinsichtlich der Methoden zur Ablenkung von Asteroiden auf Kollisionskurs fallen die Informationen Holdrens eher vage aus. Die diesbezügliche Einschätzung der Regierung befinde sich derzeit noch »in einem frühen Stadium«. Natürlich wäre es sehr interessant und wichtig, hier bald einmal nähere Details zu erfahren.

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