Donnerstag, 8. Dezember 2016
26.09.2012
 
 

Neue Entdeckung: Riesenkomet im Anflug?

Andreas von Rétyi

Die letzten Tage über herrschte einige Aufregung zum Fund eines neuen Kometen. Er stammt aus den entlegensten Winkeln unseres Planetensystems, bewegt sich nun offenbar erstmals in dessen innere Regionen hinein und wird im kommenden Jahr sehr knapp an der Sonne vorbeiziehen. Derzeit nur ein winziges Pünktchen, könnte Komet C/2012 S1 (ISON) im Jahr 2013 zu einem der spektakulärsten »Schweifsterne« werden, die von unserer Erde aus je zu sehen waren. Doch bei Kometen weiß man nie …

In den vergangenen Jahren herrschte an der nördlichen Hemisphäre eher Kometenflaute. Trotzdem werden sich etliche Leser bestimmt noch an die hellen »Schweifsterne« der Endneunziger erinnern – Hyakutake von 1996 und vor allem auch Hale-Bopp ein Jahr später. Aufregung löste vor Kurzem zwar Komet Elenin aus, denn das Internet kochte vor aberwitziger Meldungen über, die den Kometen als große Gefahr für die Erde verkaufen wollten. Am Ende blieb dann lediglich der Komet

selbst auf der Strecke: Eine aus der Sonne geschleuderte Front heißen Plasmas erwischte ihn frontal im Anflug und zerstäubte den eher kleinen kosmischen Brocken vollständig.

 

Jetzt gelang den russischen Beobachtern Witali Newski und Artjom Nowitschchonok die Entdeckung eines Kometen, der bemerkenswerte Bahndaten vorweisen kann. Das Objekt zeigte sich erstmals am 21. September 2012 auf vier je 100 Sekunden belichteten CCD-Aufnahmen mit dem 0,4-Meter-Teleskop des International Scientific Optical Network (ISON). Der lichtstarke Reflektor bei Kislowodsk in Russland erfasste den unscheinbaren Punkt in einer Entfernung der sechseinhalbfachen Erddistanz von der Sonne, somit 6,5 Astronomische Einheiten (AE) oder knapp eine Milliarde Kilometer, während das Objekt noch schwächer war als ein Hunderttausendstel der schwächsten mit bloßem Auge sichtbaren Sterne. Das dürfte sich mit der Zeit allerdings deutlich ändern. Noch ist die Bahn nicht exakt bestimmt, doch die jetzt ermittelten Werte lassen immerhin bereits interessante Rückschlüsse zu. Demnach wird der als C/2012 S1 (ISON) bezeichnete Komet gegen Ende November 2013 mit lediglich 0,012 AE, also weniger als 1,8 Millionen Kilometern Distanz über die Sonnenoberfläche hinwegziehen. Zum Vergleich: Unser Stern selbst misst 1,4 Millionen Kilometer! Dann, Anfang Januar 2014, gelangt »ISON« mit etwa 0,4 AE Abstand in Erdnähe. In diesem Zeitraum zwischen November 2013 und Januar 2014 könnte er ungewöhnlich hell werden. Schon jetzt zeigt sich klar die Entwicklung einer Gas-Staubhülle oder Koma um den Kometen, der sich augenblicklich den Gefilden der Jupiterbahn nähert. Aufnahmen, die während der vergangenen Tage durch ein 0,25-Meter-Teleskop gemacht wurden, lassen die Koma bereits erkennen. Am 24. September wurde die offizielle Entdeckungsmeldung publiziert.

 

Der Komet wird während seines Helligkeitsmaximums im Sternbild Skorpion stehen, also sehr weit südlich in einer Sommerkonstellation. Die Beobachtung wird daher nicht so einfach sein, wie es den Anschein haben könnte, wobei manche Kommentatoren schon jetzt davon sprechen, dass ISON wohl so außergewöhnlich hell wird, dass er sogar am Taghimmel zu sehen sein dürfte. Selbst, wenn sich das bestätigt, bleibt der Komet sehr südlich und somit tief am Horizont. Im Dezember 2013 dürfte seine Helligkeit dann wieder merklich nachlassen, die Sichtbarkeit in mittleren nördlichen Breiten aber besser werden.

 

Komet ISON könnte einige Überraschungen bergen, was ohnehin typisch für die unsteten Schweifsterne ist. Auch wenn er der Sonne sehr nahe kommt, zählt er nicht zur beinahe schon legendären Gruppe der berühmten »Sonnenstreifer« oder »Sungrazer«, die nach ihrem Entdecker Heinrich Kreutz auch »Kreutz-Gruppe« benannt ist und schon viele helle, berühmte Kometen an den Himmel gezaubert hat. Heute werden mit der Sonnensonde SOHO ständig neue, wenn auch kleinere Vertreter dieser interessanten Gruppe entdeckt, die wohl auf einen vor vielleicht schon 2.000 Jahren auseinander geborstenen, gigantischen Ursprungskometen zurückgeht. Die Bahn von ISON deckt sich nicht mit diesen Körpern, ähnelt aber auffallend dem Orbit eines anderen berühmten »Kollegen«, des großen Kometen von 1680, dessen riesiger Schweif damals wie eine »göttliche Zuchtrute« am Himmel drohte und die Menschen in Angst und Schrecken versetzte.

 

Der bekannte amerikanische Kometenforscher John Bortle stellte sofort die Ähnlichkeit der Bahnen der beiden Objekte fest, ergänzt aber, seine Überlegung sei bislang »blanke Spekulation«. Überhaupt können auch Fachleute derzeit nur Mutmaßungen anstellen und die weitere Entwicklung abschätzen. Kometen sind unzuverlässig, und so erklärt auch Karl Battams vom Sungrazer Comet Project: »In diesem Stadium werfen wir nur mit Pfeilen auf die Scheibe – im besten Fall ist der Komet groß, hell und schnürt im übernächsten November eng um die Sonne. Er wäre extrem hell – vielleicht gar negative Größenklassen – und würde für Beobachter in der nördlichen Hemisphäre wenigstens für ein paar Monate ein Objekt fürs bloße Auge werden. Andererseits können sich Kometen aber auch auflösen.«

 

ISON scheint wie gesagt ein völlig »unverbrauchter« Komet zu sein, der das innere Sonnensystem zuvor noch nie besucht hat. Wenn er gleich bei dieser ersten Begegnung so nahe an die Sonne gelangt, könnte das seine tiefgefrorene innere Struktur bersten lassen. Nicht nur die starke Erhitzung, auch die enorme Gravitation käme möglicherweise einem Todesurteil für den Kometen gleich. Vieles kann passieren. Astronomen weltweit verfolgen das Objekt nun sehr genau. Der Verfasser wird den neuen Kometen unter anderem ebenfalls mit einem 0,4-Meter-Teleskop per CCD-Detektor wiederholt ins Visier nehmen und über die weitere Entwicklung berichten.

 

Auch der Komet C/2011 L4 PANSTARRS könnte zu einem »Sensationskometen« werden, und zwar schon im Frühjahr 2013. Doch hier bleibt die künftige Entwicklung letztlich genauso abzuwarten. Denn vieles kann geschehen, Kometen sind immer Überraschungsgäste. Und Prognosen können dabei ganz schön schief gehen. Es ist eben genau so, wie der berühmte Kometenforscher Fred Lawrence Whipple zu sagen pflegte: »Wenn Sie schon wetten müssen, dann wetten Sie auf ein Pferd, nicht auf einen Kometen.«

 

 


 

 

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