Spionage-Satellit abgeschossen
Andreas von Rétyi
Jetzt ist es amtlich – der US-Spionage-Satellit USA 193, über den wir bereits wiederholt berichteten, wurde abgeschossen. Diese Kurzmeldung soll einige aktuelle Informationen vermitteln.
Schon seit Wochen hing der amerikanische Spionage-Satellit NROL-21 USA 193 offenbar wie ein Damokles-Schwert über unseren Köpfen. Bald nach dem Start im Dezember 2006 waren Probleme aufgetreten, die nun zu seinem vorzeitigen Ende führten. Der Flugkörper näherte sich auf einer spiralförmigen Bahn mehr und mehr der Erde.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Aufgaben dieses künstlichen Erdtrabanten nie enthüllt wurden, doch hatte dieser Umstand angesichts der augenblicklichen Situation keine Priorität. Vielmehr wurde uns klar gemacht, dass das Objekt zur ernsten Gefahr werden könne, sollten seine Trümmer auf den Erdboden stürzen. Giftiger Treibstoff und andere nicht näher definierte Toxine hätte frei werden und dabei Menschen und Tiere lebensgefährlich bedrohen können. Nun wurde der Satellit von einer Navy-Rakete abgeschossen und explodierte über dem Pazifik.
Nachdem zu befürchten war, dass etwa die Hälfte der abstürzenden Teile des etwa busgroßen Satelliten am Boden auftreffen würde, fällte US-Präsident Bush die endgültige Entscheidung, das gefährliche Objekt per Abschuss aus dem Verkehr zu ziehen. Eine derartige Aktion wurde zumindest offiziell noch nie durchgeführt. In Anbetracht des unüberschaubar gewordenen Weltraumschrotts fragt sich, ob nie zuvor ein Satellit einen für uns gefährlichen Wiedereintritt hatte. Damit verbindet sich gleichsam der Umkehrschluss, dass sich an Bord von NROL-21 möglicherweise Materialien befanden, die noch gefährlicher waren als uns gesagt wird. Oder aber, dass der Satellit willkommenes Ziel für ein hoch geheimes neues US-Waffensystem im Sinne der »Star-Wars-Technologie« war, einer Technologie, die auch heute in Nachfolgeprogrammen weiterlebt. Auch Russland und China äußerten Bedenken, es könne sich in Wahrheit um einen geheimen Test gehandelt haben.

Am Donnerstagabend, 21. Februar, war es soweit. Gemäß US-Marine-General James E. Cartwright gab Verteidigungsminister Robert M. Gates den Feuerbefehl für die SM-3-Missile. Die Waffe wurde um 17.26 Uhr Ortszeit nordwestlich Hawaii vom Kreuzer USS Erie abgefeuert. Der NRO-Satellit befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Höhe von rund 246 Kilometern und bewegte sich mit über 27.000 km/h auf seinem allmählich schrumpfenden Orbit weiter. Cartwright, Vize der Vereinigten Stabschefs, betont hierzu: »Das war Neuland für uns. Der technologische Schwierigkeitsgrad war hier signifikant. Sie können sich vorstellen, dass in der Operationszentrale und auf dem Schiff einiger Jubel losbrach.«
Video-Aufnahmen der Navy zeigen die startende SM-3 und bereits rund 35 Sekunden später die Detonation im All mit einer sich ausbreitenden Dunstwolke sowie Anzeichen des Treibstoffs Hydrazin in der Hochatmosphäre, die laut Marine mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit darauf hindeuten, dass der Tank getroffen wurde.

Die Gefahr wurde als gebannt. Und vielleicht noch mehr? Das Pentagon allerdings streitet ab, beim Abschuss sei es auch darum gegangen zu verhindern, dass Teile des streng geheimen Satelliten in feindliche Hand geraten. Einige Kritiker sehen in der Zerstörung von NROL-21 eine eindrückliche US-Reaktion auf einen chinesischen Anti-Satellitentest, der im vergangenen Jahr stattfand. Immerhin demonstrierte die USA nunmehr sehr deutlich ihre Fähigkeit, extrem schnell bewegte Ziele im Weltraum mit äußerster Präzision anzupeilen, zu verfolgen und abzuschießen. Das Pentagon betonte, dieser Abschuss sei jedoch im Gegensatz zum damaligen Test der Chinesen vorher angekündigt gewesen und habe rein dem Schutz der Bevölkerung gedient.
In den vergangenen Tagen zog NROL-21 auch mehrfach über Deutschland hinweg. Dabei hätte er am Freitag, dem 22. Februar 2008, immerhin noch einmal eine Höhe von 35 Grad über dem Horizont erreicht und wäre gut sichtbar gewesen.
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