Nach dem Ersten Kreuzzug nach Jerusalem im Jahr 1099 gründete der französische Ritter Hugo de Payens den Orden der Templer, um Pilger auf dem Weg ins Heilige Land zu schützen. Doch schien dies lediglich ein Vorwand für die eigentlichen Ziele der Templer zu sein. Was suchten sie wirklich in Jerusalem, wo sie bald sehr intensive Grabungen unterhalb der Tempelanlagen durchführten? Sie schienen bereits mit geheimem Wissen in die heilige Stadt gekommen zu sein und nutzten sofort ihre hervorragenden Kontakte.
Hugo de Payens hatte seine Reise mit acht Rittern aus dem Heer des Gottfried von Bouillon angetreten, und Gottfrieds Bruder wiederum war niemand anderer als Balduin I., König von Jerusalem, der die Templer sogleich herzlich empfing. Die Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel, wie sich die geheimnisvolle Gruppe nannte, stieg bald zu enormer Macht und unermesslichem Reichtum auf. Die Templer wurden unabhängige Bankleute, die sogar jenseits weltlicher und kirchlicher Gerichtsbarkeit agieren konnten. Sie schienen unantastbar, doch machten sie sich auch mächtige Feinde. Sogar Könige hatten Schulden beim Templerorden, unter ihnen auch Philipp IV. von Frankreich, auch »der Schöne« genannt. Ihm waren die Ordensleute ein Dorn im Auge, einesteils wegen der angehäuften eigenen Schulden, zum Teil aber wohl auch, weil Philipp nicht in die Templer-Geheimnisse eingeweiht war, derer es gar viele zu geben schien.
Bald machten Gerüchte die Runde, die »Armen Ritter« frönten einem antichristlichen Kult, seien Anhänger des Baphomet. Philip unterstellte ihnen Ketzerei, Blasphemie, schwarzmagische Praxis, Sodomie und Götzentum. Unter schrecklichsten Folterungen »gestanden« einige Templer schließlich, derlei Verbrechen tatsächlich begangen zu haben. Es kam schließlich, wie es wohl kommen musste: Die Verfolgung der Templer gipfelte in der Verbrennung von vier führenden Köpfen der »satanischen Verschwörung«. Unter ihnen war auch ihr 23. Großmeister Jacques de Molay, der kurz vor seiner Festnahme noch einige bedeutende und geheime Schriften vernichtet und dafür gesorgt hatte, die Schätze des Ordens weitgehend in Sicherheit zu bringen. Bei einem inquisitorischen Verhör, dem auch Papst Clemens V. beiwohnte, soll einer von 72 Templern unter Folter gestanden und über den Transport von drei Wagenladungen mit Templerschätzen gesprochen haben. Doch wirklich genaue Informationen schienen auch aus ihm nicht herauszubekommen sein, was er sagte, schienen eher kryptische Andeutungen zu sein. Die großen Templer nahmen ihre Geheimnisse mit ins Grab oder hatten sie an heimlich bestimmte Nachfolger weitergegeben, die in den folgenden Jahrhunderten als Bewahrer des Wissens wie auch der Reichtümer jenes mysteriösen Ordens fungierten. Doch wer sind diese legitimen Nachfolger?
Eine Gruppe, die behauptet, direkt von den Templern abzustammen und sie auch heute noch rechtmäßig zu repräsentieren, bezeichnet sich als The Association of the Temple of Christ. Ihre Mitglieder haben kürzlich sogar einen Prozess gegen Papst Benedict XVI. angestrengt, wobei sie das Oberhaupt der katholischen Kirche auffordern, die damalige Beschlagnahmung von weitreichenden Templerbesitzungen einzugestehen. Nach der Zerschlagung des Ordens habe die Kirche mehr als 9.000 Güter und Weidelandschaften, Mühlen und zahlreiche einträgliche Unternehmen der Templer an sich gerissen – ein Gesamtvermögen von umgerechnet rund 100 Milliarden Euro.
Wollen die modernen Templer nunmehr den Zusammenbruch der Römisch-Katholischen Kirche herbeiführen? Nein, so erklären sie. Es gehe ihnen nicht darum, das Vermögen zurückzufordern, sondern allein den guten Namen der Tempelritter wiederherzustellen. Die in Spanien ansässige Gruppe entschloss sich hierzu, nachdem der Vatikan im Oktober 2007, genau 700 Jahre nach der Hinrichtung von Molay, erste Schritte in Richtung einer Rehabilitierung der Templer vorgenommen hatte. Damals veröffentlichte die Kirche Kopien authentischer Aufzeichnungen der zwischen 1307 und 1312 gegen die Ritter geführten Prozesse. Die Dokumente seien in den päpstlichen Archiven angeblich über Jahrhunderte hinweg an falscher Stelle abgelegt worden, bis sie dann im Jahr 2002 von der Forscherin Dr. Barbara Frale im Geheimen Archiv des Vatikan (Archivum Secretum Vaticanum) ausfindig gemacht wurden. Dr. Frale erklärt, aus dem so genannten Chinon-Pergament von 1308 gehe hervor, Papst Clemens V. habe die Templer schon 1308 aller Anschuldigungen freigesprochen, jedoch nur im Geheimen. Er habe auch versucht, die Templer vor den Angriffen Philips von Frankreich zu schützen, dann aber um des Friedens willen die Vernichtung des Ordens zugelassen.

Was sich damals wirklich abspielte, wird wohl dennoch weiterhin ein Geheimnis bleiben, ebenso wie das Rätsel um die wahre Nachfolge der Templer. Hier gibt es so viele Legenden wie Ansprüche. Darunter auch die Geschichte des Peter von Aumont, der einer Verhaftung entging und unmittelbar von Jacques de Molay den Auftrag erhalten habe, den Orden um jeden Preis in künftige Zeiten zu retten. Tatsächlich sei seinem treuen Gefolgsmann auch die Flucht geglückt. Zusammen mit zehn anderen Templern verließ er das Land, als Maurer getarnt, und fand Unterschlupf in Schottland, so heißt es. Dort wurde Peter von Aumont neuer Großmeister, und die Templernachfahren nahmen im Gedenken an die gelungene Flucht von nun an die Gebräuche der Maurer an. Diese Überlieferung, die allerdings wohl erst im 18. Jahrhundert bekannt wurde, hat ihren Ursprung im Umfeld der schottischen Freimauerei. Doch schon früher behaupteten Freimaurer, die legitimen Nachfolger der Templer zu sein. Die Berichte reichen ins 17. Jahrhundert zurück. Der Hauptverfechter einer Verbindung zwischen Freimaurern und Templern war der deutsche Adlige Karl Gotthelf von Hund, der in den Jahren 1742 und 1743 nach eigener Aussage durch einen »unbekannten Oberen« mit der Templer-Freimaurerei vertraut gemacht worden sei. Diese anonyme Person habe ihn in Hochgrade eingeweiht und zum Chevalier Templier ernannt. Schließlich sei ihm Karl Eduard Stuart vorgestellt worden, einer der »unbekannten Oberen« und damit aus dem Kreis der höchsten Eingeweihten, ja vielleicht sogar selbst der geheime Großmeister der Freimaurerei, wie manche sagen. Aus jener speziellen Variante der Freimaurerei entwickelte sich die »Strikte Observanz«, die entsprechend uneingeschränkten Gehorsam gegenüber dem Oberen einforderte und deren Angehörige sich als authentische Tempelritter verstanden.
Es gab allerdings noch einen zweiten, sogar früher gegründeten militärischen Ritterorden, der Jerusalem sowie die Pilger schützte und zu Macht und Reichtum aufstieg: die Hospitaliter. Auch wenn diese beiden großen ritterlichen Bündnisse, die Templer und die Hospitaliter, in einer gewissen Konkurrenz zueinander standen, schien dies nie wirklich entscheidend zu sein. Auch umgibt die Hospitaliter längst nicht jene mystische Aura, wie sie den Orden der Templer geradezu charakterisiert. Möglicherweise liegt das daran, dass es keine wesentlichen politischen Intrigen, keine Verfolgung, kein Verdikt, keine Verbrennungen von Ordensleuten gab. So verlief die Geschichte der Hospitaliter insgesamt vorteilhafter. Und schon nach dem Jahr 1312 übernahmen die Hospitaliter etliche Templerbesitzungen und organisierten sich neu. Doch die Hospitaliter haben ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich, und ihre Ähnlichkeit mit den Templern sowie auch die Übernahme von Templereigentum legte weit mehr nahe, dass die Hospitaliter letztlich die wahren Nachfolger des geheimen Bundes jener Armen Ritterschaft Christi seien. Der Orden der Hospitaliter verließ das Heilige Land, siedelte sich kurzzeitig in Zypern an, kämpfte gegen nordafrikanische Piraten und die Türken und entwickelte sich zu einer souveränen Macht. Die Hospitaliter, oder auch Johanniter genannt, leben weiter. Heute trägt der Bund den Titel Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Hl. Johannes von Jerusalem, von Rhodos und Malta, kurz als Malteserorden bekannt.

Insgesamt dürfte es für die Association of the Temple of Christ wohl recht schwierig sein, ihre Ansprüche hinsichtlich der Templernachfolge durchzusetzen, vor allem in ihren Anstrengungen gegen den Vatikan. Wobei ohnehin dabei nicht ganz klar ist, worin diese Anstrengungen letztlich münden sollen. Denn wenn es nicht um die alte Macht und die alten Reichtümer geht, sondern lediglich um die Rehabilitation der Tempelritter, so hat der Vatikan, wenn auch erst nach geschlagenen 700 Jahren und wohl aufgrund einer eher unglücklichen Entdeckung, immerhin doch den ersten versöhnlichen Schritt getan. Es wäre andererseits schade, wenn die moderne Organisation lediglich die Gunst der Stunde nutzte, um das Chinon-Pergament zur Eigenwerbung heranzuziehen und vor allem eine wohl schwer belegbare Rechtmäßigkeit der Templernachfolge im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Vatikan zu zementieren. Wir sind jedenfalls gespannt, wie es weitergeht!
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