Tuesday, 26. July 2016
14.09.2011
 
 

US-Senatoren beschuldigen Obama-Regierung der Raumfahrt-Sabotage

Andreas von Rétyi

Das Shuttle-Programm ist beendet und die Ratlosigkeit groß. Derzeit rumort es offenbar mehr denn je in der US-Raumfahrt, es herrscht geradezu Chaos. Nun beschuldigen zwei US-Senatoren das Weiße Haus klipp und klar, die bemannte Weltraumfahrt zu sabotieren.

Nichts scheint jenseits des großen Teichs noch rund zu laufen, auch nicht in der bemannten Raumfahrt. Zwar scheint dies angesichts der gegenwärtigen Lage der Weltwirtschaft wohl das geringste Problem zu sein, doch an sich ist die Raumfahrt nicht aus den USA wegzudenken. Außerdem dürfte sie ohnehin kaum etwas für Menschen sein, die nicht weiter als bis zur Nasenspitze denken – einmal überspitzt gesagt. Es mag übertrieben visionär klingen, selbst wenn

dieser Gedanke schon oftmals wiederholt wurde, doch wird unsere irdische Zivilisation sich auch nach Ansicht von Experten mittel- oder längerfristig außerhalb unseres Planeten ansiedeln müssen, um ihr Überleben auf Dauer sichern zu können. Wahrscheinlich liegt es auch in der Natur des Lebens und nicht zuletzt derjenigen des Menschen, stets neue Territorien zu erschließen. Dazu zählt zunehmend auch der Weltraum. Doch der Preis ist hoch.

 

Genau darum geht es auch in einem aktuellen Streit, in dessen Brennpunkt das nächste geplante US-Schwerlastsystem fürs All steht. Das Space Launch System SLS soll als US-Regierungs-Projekt die nötigen Komponenten enthalten, um die bemannte Raumfahrt eigenständig und unabhängig von anderen Nationen betreiben zu können. Dazu zählen eine neue Schwerlastrakete, eine Mannschaftskapsel sowie die gesamte erforderliche Infrastruktur. Keine Frage, das wird wirklich teuer! Jetzt wurden dem Wall Street Journal diesbezügliche NASA-Dokumente mit konkreten Zahlen zugespielt, die für Aufsehen und Aufregung gesorgt haben. Dem US-Blatt zufolge wird das Programm bis zum Jahr 2025 insgesamt beinahe 63 Milliarden Dollar kosten! 2011 lag das Jahresbudget der NASA zum Vergleich bei 19 Milliarden US-Dollar. Das Apollo-Projekt verschlang insgesamt geschätzt zwischen 20 und 25 Milliarden US-Dollar, bemessen in der Kaufkraft von 1969. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse erreichte Apollo insgesamt rund 140 Milliarden US-Dollar. Kaum fassbare Zahlen und dennoch ein geringer Bruchteil des gesamten US-Haushalts. Aber die Zeiten haben sich geändert, und auch eine Supermacht muss den Gürtel enger schnallen. Da kommt plötzlich ein neues Projekt daher, das sich auf nunmehr 63 Milliarden Dollar beläuft! Doch stimmen diese Zahlen überhaupt?

Die Meldung erschien am 7. September im Wall Street Journal, nur einen Tag später reagierten die Senatoren Kay Bailey Hutchison und Bill Nelson verärgert mit einer gemeinsamen Presseerklärung. Und das schien schon  bemerkenswert – Hutchison ist eine Republikanerin aus Texas, Nelson ein Demokrat aus Florida. Doch hier gingen die Ansichten konform – nämlich diesbezüglich, dass in der Sache etwas eindeutig nicht stimmte. Den Senatoren zufolge wurden die Zahlen von der Regierung Obama wild aufgebläht, »um das bemannte Raumfahrtprogramm der USA zu unterminieren«, so die Senatoren. Die Daten basierten auf einer beschleunigten Umsetzung der SLS-Entwicklung, außerdem seien mehrere Szenarien möglich. Eine der in den Dokumenten gelisteten Möglichkeiten erreiche rund 57 Milliarden Dollar, was allerdings ziemlich genau das Doppelte des Betrages wäre, den das unabhängige Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton für das Projekt ermittelt habe.

Die fünf von der NASA vorgelegten Szenarien schließen neben den Entwicklungskosten auch die erforderlichen Personalkosten in den NASA-Zentralen mit ein. Das konservativste Szenario basiert auf der NASA-Budget-Anfrage für 2012, geht von einem Nullwachstum des Budgets für die kommenden fünf Jahre aus und läuft wie die übrigen vier Varianten bis 2025. Es erreicht dabei eine Summe von 41,6 Milliarden Dollar. Bemannte Flüge würden alle zwei Jahre stattfinden. Die teuerste Option umfasst eine Nutzlast von 70 Tonnen und jeweils einen Flug pro Jahr. Sie erreicht tatsächlich die erwähnte Summe von 62,3 Milliarden US-Dollar.

Was also hat die Regierung falsch gemacht? Die Zahlen der kostenintensivsten Variante deckten sich doch mit den bekannt gewordenen Angaben. Und außerdem stammte die Veröffentlichung aus dem Wall Street Journal, nicht aus dem Weißen Haus!

Der republikanische Senator Richard Shelby aus Alabama betrachtet die voreilige Preisgabe der Daten als manipulative Aktion der US-Regierung und sieht darin deren gezielten Versuch, das Raumfahrt-Programm zu torpedieren. Als die Booz-Allen-Hamilton-Studie nicht zum gewünschten Ergebnis kam, weil hier die Zahlen einfach zu niedrig ausfielen, musste mit einer plötzlich aus dem Hut gezauberten, neuen, »internen« Studie nachgeholfen werden, so meint er. Und die wurde dann anonym an die Öffentlichkeit gebracht. Dies sei die typische Methodik, »einer Regierung, die schon längst beschlossen hat, das Programm sterben zu lassen«.

Jim Maser, Chef des Triebwerks-Herstellers Pratt & Whitney, erklärt seinerseits: »Stimmige Entscheidungen werden nicht auf Grundlage skizzenhafter Finanzbewertungen getroffen. Unsere Meinung hierüber ist, dass die Aussagen hoch sensationalistisch sind und durch nichts gestützt werden«. Der kalifornische Republikaner Dana Rohrabacher hält dagegen: »Wenn sie wahr sind, dann sind diese Einschätzungen einfach lächerlich … Kein Weg führt dahin, dass das amerikanische Volk uns zustimmt, mehr als 60 Milliarden für ein Weltraum-Erkundungsprogramm auszugeben, das lediglich einen bemannten Flug bis zum Ende des Jahrzehnts beinhaltet. Der Kongress hat gerade letztes Jahr das Constellation-Programm aus den gleichen Gründen gekappt«. Dabei ging es um einen bemannten Mondflug bis zum Jahr 2020.

Rohrabacher sieht mehr Sinn in einer Kommerzialisierung der nötigen Raumflüge, also auch von Versorgungsmissionen zur Internationalen Raumstation ISS. Die Meinungen sind klar geteilt, wie meist, und so verläuft die Diskussion sehr kontrovers. Kein Wunder, das Thema ist heikel genug. Angesichts der augenblicklichen Wirtschaftslage scheint eine Rückstellung einiger Interessen durchaus angebracht und der Vorschlag einer kommerziellen Umsetzung durch private Unternehmen sinnvoll. Welche Probleme mit diesem neuen Weg verbunden sein werden, bleibt zunächst unklar – wie ist es beispielsweise um Sicherheit, Kompatibilität und Kontinuität solcher Projekte bestellt? Nur engste Kooperation aller beteiligten Partner kann hier zum Ziel führen. Klar ist, dass für die bemannte Raumfahrt insgesamt wohl recht harte Zeiten anbrechen. Und bemannte Flüge zum Mond und Mars werden wohl länger auf sich warten lassen als bisher angenommen. Welcher Verlust damit für die Forschung und für die Gesellschaft verbunden ist, diese grundsätzliche Frage zu klären dürfte letztlich eine müßige Diskussion sein.

 

 


 

 

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