Saturday, 27. August 2016
11.01.2011
 
 

Weltweites Tiersterben gibt weiterhin Rätsel auf

Andreas von Rétyi

In den vergangenen Tagen machten Meldungen über ein geheimnisvolles Tiersterben die Runde. Tausende von Vögeln fielen tot vom Himmel, und dies keineswegs nur an einem einzigen Ort. Zum Jahreswechsel ereigneten sich weltweit ähnliche Vorfälle. Sie erinnern an endzeitliche Szenarien oder Episoden aus Mystery-Serien. Was aber verursachte das große Sterben? Experten verwehren sich gegen »Verschwörungstheorien«, sie nennen vielerlei Möglichkeiten und wollen keinen Zusammenhang zwischen den einzelnen Ereignissen sehen. Wirkliche Erklärungen fehlen allerdings nach wie vor.

Alles begann in dem kleinen Ort Beebe im US-amerikanischen Bundesstaat Arkansas. In der Nacht auf den 1. Januar 2011 fielen hier Tausende toter Rotschulterstärlinge vom Himmel. Sie lagen überall herum, auf den Straßen, in Gärten, auf Hausdächern. Die Vögel wurden zur Untersuchung in ein Labor des National Wildlife Health Center nach Madison gebracht, doch wirklich geklärt zu sein scheint die Sachlage nicht. Von Schock und physischem Trauma ist die Rede, irgendetwas muss die Tiere in jener Nacht erschreckt und damit auch aufgeschreckt haben.

Die naheliegendste Erklärung war natürlich, dass Silvesterböller für das Massensterben verantwortlich waren. Da die betroffenen Stärlinge über eine schlechte Nachtsicht verfügen, müssen sie verwirrt und orientierungslos umhergeflogen sein. Sie stießen demnach untereinander zusammen oder prallten auf Hindernisse wie Hauswände, Autos, Bäume und andere Objekte, so die gegenwärtig favorisierte Darstellung. Doch nur wenige Tage nach Silvester ging das Sterben weiter. Am Montag, den 3. Januar, wurden rund 500 weitere tote Vögel aufgefunden, allerdings einige hundert Kilometer südlich von Beebe. Sie lagen entlang Highway 1 bei La Barre, Louisiana, auf dem Asphalt. Die Tiere wiesen innere Verletzungen auf, durch die sich Blutgerinnsel gebildet hatten. Doch die ungewöhnlichen Fälle beschränkten sich nicht allein auf Vögel. Ziemlich zeitgleich ereignete sich in Arkansas auch ein Fischsterben, dem 80.000 bis 100.000 tote Umberfische zum Opfer fielen, barschartige Fische der Sciaenidae-Familie. Die verendeten Umberfische fanden sich entlang eines rund 30 Kilometer langen Streifens des Arkansas River, 160 Kilometer von Beebe entfernt. Hierfür musste es eine andere Erklärung geben, wahrscheinlich eine Krankheit. Überhaupt wurde eine ganze Reihe an Deutungen ins Feld geführt und wiederholt darauf hingewiesen, dass solcherlei Vogelsterben nicht ungewöhnlich sei. Sehr verallgemeinernd war dann auch davon die Rede, dass Infektionen oder Umweltfaktoren verantwortlich seien. Das heißt: innere oder äußere Ursachen. Davon darf tatsächlich mit einiger Sicherheit ausgegangen werden! Entsprechend breit auch das Spektrum potenzieller Erklärungen. Die Vögel seien von einer Wetterfront überrascht worden, möglicherweise auch von Blitzeinwirkung und Hagel in großer Höhe. Die Tiere hätten ölverseuchte Sonnenblumenkerne vertilgt, so ist dann von anderer Seite zu hören. In Louisiana wiederum seien die Vögel wohl in eine Starkstromleitung geflogen. Und in Beebe war es wie gesagt der Feuerwerkslärm. Oder auch der Knall einer bäuerlichen Abschreckungseinrichtung gegen Vögel, eine moderne Vogelscheuche also.

In den folgenden Tagen setzten sich die Meldungen eines massiv gehäuften Tiersterbens fort. Auch in Murray, Kentucky, fielen Hunderte Vögel vom Himmel. Am 6. Januar trieben geschätzt zwei Millionen Fischkadaver an die Strände der Chesapeake Bay in Maryland. Doch nicht nur aus den USA, sondern weltweit wurde in der vergangenen Woche von solchen bizarren Ereignissen berichtet. Ein unerklärliches Fischsterben wird gleichfalls aus Brasilien gemeldet, außerdem aus Neuseeland, wenn auch in geringerem Umfang. In England strandeten 40.000 tote Krabben an der Küste nahe Kent, in der schwedischen Stadt Falkoeping mussten sich die Behörden mit 100 toten Dohlen beschäftigen, obwohl von dort keinerlei Berichte über Feuerwerks-Explosionen oder Unwetter bekannt sind. Am 5. Januar wurden unzählige tote Turteltauben in den Bäumen, Straßen und Blumenbeeten von Faenza unweit von Bologna gefunden. Wie berichtet wird, hätten die Schnäbel eine ungewöhnliche, bläuliche Verfärbung aufgewiesen.

Was geht hier vor sich? Fachleute verweisen darauf, dass solche Massensterben nichts Ungewöhnliches seien. In den USA hätten die zuständigen Behörden in den vergangenen acht Monaten 95 Fälle verzeichnet, wobei wohl eine deutliche Dunkelziffer bestehe. Der Harvard-Biologe Edward Osborne Wilson sieht ganz allgemein die Technologie als den eigentlich Schuldigen. Allerdings meint er damit keine geheimen Militärexperimente, sondern den Informationsaustausch per Internet und Handy. Ohnehin wurden Anfragen lokaler Behördenvertreter bei Militäreinrichtungen mit völliger Ahnungslosigkeit beantwortet. Militärversuche? Nein, es gab keine. Und wenn doch, dann hätte man es wohl nicht an die große Glocke gehängt. Das macht man bei Geheimexperimenten normalerweise so. Die Bewohner des kleinen französischen Ortes Point-Saint-Esprit hatten sich im Sommer 1951 ja auch mit »verschimmeltem Brot« vergiftet. Von einem geheimen LSD-Experiment der CIA keine Spur.

Doch was meint E. O. Wilson eigentlich, wenn er auf die Technik verweist, auf Handy und Internet? Nun, ganz einfach. Er meint, dass wir heute einfach viel schneller und umfassender von solchen Tiersterben erfahren, wir sind uns daher nunmehr plötzlich dieses Phänomens weitaus bewusster. Eigentlich auch wieder seltsam. Denn gerade deshalb müssten wir ja ständig von solchen Vorfällen hören. Dann aber wäre auch nicht mehr von etwas Ungewöhnlichem die Rede. Doch wundert sich im Grunde jeder darüber, was derzeit geschieht. Und das sind beileibe nicht nur Verschwörungstheoretiker und Endzeitpropheten, sondern auch Behördenvertreter, die direkt mit den Fällen konfrontiert sind.

Die amerikanische Filmemacherin Linda Moulton Howe, die sich auch intensiv mit den sehr zahlreichen bis heute noch nicht geklärten Fällen von Tierverstümmelungen befasst hat, befragte Mitarbeiter von Veterinärämtern und verschiedenen zuständigen Behörden. Dabei bestätigte ihr George Badley, staatlicher Veterinär von Arkansas, dass er ein derartiges Sterben in den 30 Jahren seiner Tätigkeit noch nicht erlebt habe. Ähnlich äußerte sich auch Mark Oliver von den Fischereibehörden von Arkansas. Der Vollständigkeit halber erkundigte sich Linda Howe auch, ob im Umkreis von etwa 75 Kilometern von Beebe eventuell eine militärische Anlage existiere, was ihr bestätigt wurde. In Little Rock und Jacksonville gebe es Einrichtungen der US-Luftwaffe. Diese Feststellung an sich sagt natürlich noch nichts über einen Zusammenhang aus. Außerdem gibt es ja genügend Militärbasen in den USA – und nicht nur dort. Trotz dieser Tatsache könnte das fast gleichzeitige globale Auftreten der Tiertode auf eine andere Ursache hindeuten. Zeitliche Nähe sowie auch Anzahl und Ähnlichkeit der Fälle legen eine kausale Verbindung nahe. Sie von vornherein auszuschließen, scheint beinahe schon dem Versuch einer bewussten Irreführung gleichzukommen. Oder zumindest einer unzulässigen Beschwichtigung. Sogar Vertreter des UN Environment Programme (UNEP) fordern mehr Forschung zu den erstaunlichen Massentoden, wie sie tatsächlich nicht zum ersten Mal auftreten. So erklärt auch UNEP-Sprecher Nick Nuttall: »Die Wissenschaft bemüht sich darum, diese Dinge zu erklären. Das sind jene Beispiele von Überraschungen, wie sie die Natur uns immer noch bringen kann. Wir brauchen mehr Forschung.« Zumindest sollte nicht ständig abgewiegelt werden und ein anomaler Vorgang als völlig normal deklariert werden, nur um »Verschwörungstheorien« wirksam zu begegnen und Spekulationen einzudämmen. Denn das geht an der Realität vorbei und behindert einen offenen Umgang mit den Fakten. Auch wenn derzeit alle Interpretationen mit Vorsicht zu genießen sind, könnten die weltweiten Massentode vielleicht auf eine wirklich globale Ursache hindeuten. So wurde teils bereits die Vermutung ausgesprochen, dass die schnelle Drift des magnetischen Nordpols, der sich jährlich um etwa 40 Kilometer verschiebt und dabei an Intensität abnimmt, solche Tierarten beeinflusst und verwirrt, die sich mittels Erdmagnetfeld orientieren. Auch diese Möglichkeit müsste genauer erforscht werden, wobei mit einer steten Zunahme von Massentoden bei verschiedenen Tieren zu rechnen wäre. Ob dies die wirkliche Erklärung ist, bleibt allerdings bislang offen.

 

 


 

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