Wednesday, 27. July 2016
30.06.2010
 
 

Zufallsentdeckung lässt Umweltskandal auffliegen

Andreas von Rétyi

Lachsfarmen in Chile zerstören das Ökosystem, die dort verwendeten Medikamente und Pestizide verseuchen den Pazifik. Mit ihren aggressiven Zuchtmethoden nehmen die Betreiber der Farmen Krankheiten und Tod vieler Meerestierarten in Kauf.

Bei der Untersuchung der akustischen Kommunikation von Walen stießen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation sowie der Universität Göttingen auf einen Skandal, der selbst Umweltschutz-Organisationen überrascht.

Chile zählt weltweit zu den führenden Produzenten von Zuchtlachs – das Exportvolumen übertrifft zwei Milliarden US-Dollar. Vor allem in den Fjorden der Provinz Aysén gibt es riesige Lachsfarmen. Diese Regionen in Patagonien genießen zwar den Sonderstatus eines Nationalparks, doch gilt er nicht für das Meer. Für die chilenische Regierung ein klarer Fall: Die Lachsfarmen werden von ihr als legal angesehen. Doch deren Auswirkungen auf das Ökosystem sind schlichtweg verheerend.

Der atlantische Lachs ist in der Region ein Fremdling, er schleppt Krankheiten ein und bedroht damit einheimische Arten. Medikamente, Pestizide und Müll, überschüssiges Futter und Fäkalien belasten das Wasser – in der Umgebung der Farmen gibt es kein Leben mehr. Die Lachse selbst wurden in den letzten beiden Jahren vom ISA-Virus heimgesucht. Er führt zu tödlicher Blutarmut. Diese Seuche griff so stark um sich, dass viele Farmen im Norden des Landes zugrunde gingen. Die Betreiber wollten nicht aufgeben. Sie ließen die verpesteten Gebiete zurück und zogen gen Süden, um neue Farmen zu gründen. Der Tod ist ein ständiger Begleiter der rücksichtslos geführten Zuchtbetriebe.

Heike Vester von der norwegischen Forschungseinrichtung Ocean Sounds erklärt: »Überall liegt ein Geruch wie von Bleichmittel in der Luft«. Die Versorgungsschiffe und Generatoren der Futtermaschinen erzeugen einen permanent hohen Lärmpegel, mit der Folge, dass die großen, ohnehin bedrohten Meeressäuger vertrieben werden. Sie können in den nicht zuletzt akustisch verseuchten Gewässern nicht kommunizieren. Betroffen sind unter anderem Blau- und Buckelwale, aber auch Peale-Delfine sowie Chilenische Delfine. Auch andere Tiere werden von den aggressiven Eingriffen der Lachszüchter in Elend und Tod getrieben.

Jungtiere der südamerikanischen Seelöwen verfangen sich in den Schutznetzen, welche die Lachsfarmen eingrenzen. Können sich die Tiere losreißen, bleiben meist Überreste des Netzes zurück, an denen die Jungen im Laufe ihres Wachstums ersticken müssen.

Lachsindustrie, lokale Fischer und Umweltschützer sollen sich gemeinsam um Lösungen bemühen, so schlagen die Göttinger Wissenschaftler nun vor. Schnell und einfach werden diese Lösungen allerdings wohl nicht ausfallen, wenn die Bemühungen überhaupt von Erfolg gekrönt sein sollten.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

WHO verlangt Steuern auf die Nutzung des Internets zur Finanzierung von Impfstoffen für die Dritte Welt

Mike Adams

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen macht weltweit Druck für die Erhebung von Verbrauchersteuern, mit denen ihre verschiedenen Programme finanziert werden sollen. Unter anderem schlägt sie eine Steuer auf die Nutzung des Internets vor, damit Impfstoffe und andere Medikamente für Länder der Dritten Welt bezahlt werden  mehr …

Ölkatastrophe: Die Gespenster des 20. April 2010

Gerhard Wisnewski

Kaum stirbt in den USA jemand bei einer nationalen Katastrophe, wird er in den Medien normalerweise als Held gefeiert. Sein Bild geht tagelang durch jede Nachrichtensendung und schließlich um die Welt. Und kaum überlebt jemand eine nationale Katastrophe, wird er von den Medien herumgereicht und darf seine Geschichte erzählen bis die Kameras  mehr …

Chemikalie in antibakterieller Seife produziert giftiges Dioxin

S. L. Baker

Dioxine sind eine Gruppe hochgiftiger Verbindungen, die lang anhaltende Umweltschäden verursachen. Die Menschen sind Dioxinen durch die Umwelt und die Nahrungskette ausgesetzt – die höchsten Konzentrationen dieser Verbindungen finden sich im Boden und Sedimenten sowie in Nahrungsmitteln wie Milchprodukten, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten. Laut  mehr …

Nach ZDF-Eklat: Haben Affen es in Deutschland besser als Menschen?

Eva Herman

Das ZDF wurde von Tierschützern lange unter Druck gesetzt: Alle Affen, die für den Sender arbeiteten, würden nicht gut behandelt, mahnten sie! Das stimmt! Viele wissen das! Jetzt wurde im Einklang mit den Politikern entschieden: Die Affenquälerei muss aufhören. Die ZDF-Serie »Unser Charly« wird eingestellt. Tierschützer hatten den hohen Verschleiß  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Die präzisesten Uhren des Universums – »GPS-Systeme« für die Raumzeit?

Andreas von Rétyi

Eine internationale Wissenschaftlergruppe hat nun eine Methode gefunden, Pulsare als die genauesten Taktgeber des Kosmos zu eichen. Wenn die Rechnung wirklich aufgeht, könnten die Astrophysiker unter Umständen endlich auch die lange vermuteten Gravitationswellen in unserer Raumzeit nachweisen.  mehr …

Ölkatastrophe: Die Gespenster des 20. April 2010

Gerhard Wisnewski

Kaum stirbt in den USA jemand bei einer nationalen Katastrophe, wird er in den Medien normalerweise als Held gefeiert. Sein Bild geht tagelang durch jede Nachrichtensendung und schließlich um die Welt. Und kaum überlebt jemand eine nationale Katastrophe, wird er von den Medien herumgereicht und darf seine Geschichte erzählen bis die Kameras  mehr …

Chemikalie in antibakterieller Seife produziert giftiges Dioxin

S. L. Baker

Dioxine sind eine Gruppe hochgiftiger Verbindungen, die lang anhaltende Umweltschäden verursachen. Die Menschen sind Dioxinen durch die Umwelt und die Nahrungskette ausgesetzt – die höchsten Konzentrationen dieser Verbindungen finden sich im Boden und Sedimenten sowie in Nahrungsmitteln wie Milchprodukten, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten. Laut  mehr …

WHO verlangt Steuern auf die Nutzung des Internets zur Finanzierung von Impfstoffen für die Dritte Welt

Mike Adams

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen macht weltweit Druck für die Erhebung von Verbrauchersteuern, mit denen ihre verschiedenen Programme finanziert werden sollen. Unter anderem schlägt sie eine Steuer auf die Nutzung des Internets vor, damit Impfstoffe und andere Medikamente für Länder der Dritten Welt bezahlt werden  mehr …

Nach der Wahl des Bundespräsidenten soll richtig abkassiert werden

Michael Grandt

Noch halten sich CDU/CSU mit ihrer »Spar-Horror-Liste« zurück, doch das hat vor allem parteipolitische Gründe. Im Finanzministerium und der Unionsfraktion laufen jedoch bereits die ersten Vorbereitungen. In nie da gewesener Weise soll abkassiert werden.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.