Wednesday, 31. August 2016
31.12.2010
 
 

»EXPELLED«: Kontroverser Film über die Diskriminierung von Darwin-Kritikern

Armin Risi

Der Dokumentarfilm EXPELLED (2008, in Deutsch auf DVD 2010) zeigt, wie Akademiker und Forscher, die nicht voll an die Darwin-Theorie glauben, vom Establishment angefeindet und ausgegrenzt werden, in extremen Fällen sogar ihre Anstellung verlieren. Der prominente Schriftsteller und Schauspieler Ben Stein ging mit EXPELLED in die Offensive und produzierte eine frontale Darwinisten-Kritik, kulminierend in einer Begegnung mit Richard Dawkins. Als dieser Film 2008 in den USA in die Kinos kam, stellte er Rekorde auf. Er lief gleichzeitig in 1.052 Kinos an, was bis dahin noch bei keinem Dokumentarfilm der Fall gewesen war, und verbuchte in dieser Kategorie in den USA höhere Besucherzahlen als Michael Moores Filme.

Ein im deutschsprachigen Raum wichtiges Filmereignis von 2010 ist weitgehend unbeachtet geblieben. EXPELLED – No Intelligence Allowed, einer der erfolgreichsten US-Dokumentarfilme, erschien in deutscher Synchronisation als DVD: EXPELLED – Intelligenz streng verboten (auch im Kopp-Sortiment). »Expelled« ist das englische Wort für »ausgestoßen, rausgeworfen« und bezieht sich auf Akademiker, die berufliche Schwierigkeiten bekamen, weil sie öffentlich Zweifel an der Darwin-Theorie äußerten und die Alternative des »Intelligent Design« (ID) in die Diskussion brachten. Der Untertitel No Intelligence Allowed ist doppeldeutig. Er besagt, dass an den heutigen Hochschulen in der Frage nach dem Ursprung des Lebens die Theorie des Intelligent Design praktisch verboten ist. Wer in Betracht zieht, dass hinter der Natur und dem Kosmos eine kosmische Intelligenz wirken könnte, und an der Evolutionstheorie Zweifel anmeldet, wird sofort als Pseudowissenschaftler verunglimpft und durch die evolutionistische »Selektion« ausgeschieden (expelled). In der sarkastischen Zweitbedeutung sagt der Untertitel auch, dass in diesem System »keine Intelligenz erlaubt« ist – denn eine intelligente Betrachtung würde Zweifel an der Evolutionstheorie wach werden lassen. In der deutschen Übersetzung Intelligenz streng verboten ist nur noch die zweite, das heißt die polemische Bedeutung zu erkennen, was die Fronten in der Debatte noch verhärtet.

 

Ein Kulturkampf?

»Intelligent Design«, abgekürzt ID, ist eine in den 1990er-Jahren in den USA entstandene Bewegung von Wissenschaftlern, die sich entschlossen hat, die kritischen Fragen gegenüber der Evolutionstheorie zu thematisieren. Die große Gemeinsamkeit dieser Wissenschaftler ist, dass sie alle kein materialistisches Weltbild vertreten, sondern offen sind für neue Perspektiven und Ansätze. Die Gegner der ID-Bewegung behaupten, »Intelligent Design« sei eine Tarnung für den Bibel-Kreationismus, was jedoch nur beschränkt stimmt. Der breiten ID-Bewegung gehören nicht nur christliche, sondern auch jüdische, islamische, vedische, buddhistische, agnostische und holistische Wissenschaftler an. ID ist keine eigene Institution, sondern ein Überbegriff für Organisationen und Einzelkämpfer, die der Evolutionstheorie gegenüber kritisch eingestellt sind. Dazu gehören Bibel-Kreationisten, aber nicht nur.

Im deutschsprachigen Raum erfuhr die breitere Öffentlichkeit erstmals von »Intelligent Design«, als das auflagenstarke Magazin P.M. im Mai 2006 in einem langen Leitartikel darüber berichtete: »INTELLIGENT DESIGN – Mit Gott gegen die Evolution. Eine neue Denkrichtung macht mobil gegen die Wissenschaft.« Wie nur schon diese Schlagzeilen auf der Titelseite verraten, war der Artikel eine einseitig negative Darstellung. Wer »gegen die Evolution« ist, sei »gegen die Wissenschaft«, suggeriert die Titelformulierung. Mit anderen Worten, wer der Evolutionstheorie gegenüber kritisch eingestellt sei, sei kein Wissenschaftler, sondern ein Wissenschaftsfeind. Am Schluss wurde in diesem Artikel verkündet: »Noch sind wir in Deutschland vor den ID-Attacken gegen die Wissenschaft verschont. Wir müssen sehr wachsam sein, damit dieser Kulturkampf nicht zu uns überspringt! Wehret den Anfängen!«

»Kulturkampf«? »Wehret den Anfängen«? Letzteres ist eine Standardformulierung gegen Nazitum und Rechtextremismus. Warum wird diese Formulierung nun plötzlich schlagworthaft gegen alle Arten von Darwin-Kritikern angewandt? Die Aggression des P.M.-Artikels richtete sich nicht nur gegen den Bibel-Kreationismus, sondern gegen alles, was nicht der Linie des materialistischen Weltbildes entspricht.

In dieselbe Bresche schlägt der »Papst« der Evolutionisten, Prof. Richard Dawkins (Autor von Der Gotteswahn, Die Schöpfungslüge usw.), wenn er behauptet, wer an der Evolutionstheorie zweifle, sei wie jemand, der den Holocaust leugne! Dawkins hat dies bereits viele Male geäußert. (Gibt man in Google die Stichwörter »Dawkins« und »Holocaust« ein, führt dies zu Hunderten von Artikeln, in denen diese Dawkins-Polemik reportiert und zitiert wird.)

Die Evolutionsten, angeführt von Dawkins, behaupten, die darwinistische »Evolution« sei genauso ein Fakt wie die Gravitation oder die Relativitätstheorie. Fakt jedoch ist, dass eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern und Forscherpionieren an dieser materialistischen Darstellung Zweifel anmelden und darauf hinweisen, dass viele biologische Fakten nicht einfach mit Mutation und Selektion erklärt werden können. (Es wird unterschieden zwischen »Mikroevolution« und »Makroevolution«. Die Realität der Mikroevolution in Form von Variation und Adaption wird von niemandem bezweifelt. In Frage gestellt wird nur die darwinistische Hypothese einer Makroevolution.) Das wissenschaftliche Establishment reagiert hier erstaunlich aggressiv und versucht, diejenigen, die ein anderes Weltbild vertreten, zu verunglimpfen und auszugrenzen. Und damit sind wir beim Hauptthema des Films EXPELLED. Dieser Film beschreibt einen regelrechten Kampf, von dem die Öffentlichkeit und auch die Mehrheit der Universitätsstudenten kaum etwas mitbekommt – und wenn, dann nur auf eine verzerrte und einseitige Weise.

Kritiker werfen dem Film EXPELLED vor, er sei einseitig. Diese Kritik ist nicht unberechtigt, besagt aber nur, worum es im Film geht: Er zeigt die andere Seite dieses Kulturkampfes, die Seite der Darwin-Kritiker. Wir sehen hier, dass diese Kritiker gute Argumente haben, dass sie keine Wissenschaftsfeinde und keine »Ignoranten« sind, wie Dawkins ihnen vorwirft. Sie haben berechtigte Bedenken und Kritikpunkte. Und sie haben einen schweren Stand. Sobald bekannt wird, dass sie der Evolutionstheorie gegenüber kritisch eingestellt sind, geraten sie ins Kreuzfeuer, verlieren Forschungsgelder oder sogar ihre Anstellung. Durch den Film EXPELLED ist diese heimliche Diskriminierung nun zu einem öffentlichen Thema geworden, zumindest in den USA.

 

Trailer

 

»Satire« als Selbstrechtfertigung

Im englischen Wikipedia ist eine ausführliche Beschreibung des Inhalts von EXPELLED und der Kontroversen um diesen Film zu finden, ebenso eine Biografie von Ben Stein. Ben Stein, ehemaliger Redenschreiber für die US-Präsidenten Nixon und Ford, ist der satirische Moderator und Investigator in diesem Film, der in den USA für Furore sorgte. Die Kritiken der Mainstream-Medien waren vernichtend. Kreationistische Propaganda, als wissenschaftlicher Dokumentarfilm maskierte Verschwörungstheorie, einseitige Darstellung, unehrliche Argumentation usw., so lauteten die Vorwürfe.

Tatsächlich erweckt der Film den Eindruck, es bestehe eine Verschwörung, mit der die Darwinisten alle Andersdenkenden bekämpfen und ausgrenzen wollen. Die Produzenten bezeichnen den Film als »Satire«, um für sich eine gewisse Narrenfreiheit in Anspruch nehmen zu können und auch um anzudeuten, dass im Film einige Punkte nicht ausgewogen dargestellt werden. Ben Stein interviewt Männer und Frauen der Kategorie »Expelled« sowie prominente Vertreter der atheistischen Wissenschaft, die allesamt Evolutionisten sind. Höhepunkt des Films ist die Begegnung mit Richard Dawkins, wo ein furchtloser Ben Stein diesen Bestsellerautor mit gezielten Fragen in Erklärungsnot und ins Stottern bringt.

Die Filmproduzenten brachten die Interviews mit den prominenten Atheisten nur dadurch zustande, dass sie ihnen nicht klar mitteilten, um was für einen Film es sich handelt. Ihre Vorgehensweise war in diesem Punkt nicht offen und machte es den Kritikern leicht, den Film anzugreifen. Die Produzenten rechtfertigten sich damit, dass diese Personen ihnen sonst kein Interview gegeben hätten.

Kritisiert wurden auch die suggestiv eingeblendeten historischen Aufnahmen vom Bau und vom Fall der Berliner Mauer. Mit diesen Bildern will der Film darstellen, dass die etablierte Wissenschaft eine ideologische Mauer errichtet hat, die nun niedergerissen werden müsse.

 

Darwinismus und Nazi-Ideologie

Der Film ist voll mit prägnanten Sätzen, mit denen große Themenbereiche angeschnitten werden, wie zum Beispiel die Ethik. Einige Interviewsegmente sind aber so kurz, dass man ihren Inhalt erst beim zweiten oder dritten Betrachten des Films richtig wahrnimmt. Das materialistische Weltbild besagt, der Mensch sei biologisch gesehen ein Tier und habe keinen wirklich freien Willen und es gebe keine höheren Kriterien für Ethik. Es brauche wenig, sagt ein Interviewpartner (Prof. Berlinski), bis eine solche Gesellschaft von sozialdarwinistischen Kriterien beherrscht werde. Benjamin »Ben« Stein kommentiert an dieser Stelle: »Als Jude kam mir sofort ein bestimmtes Regime in den Sinn.«

Es folgen Bilder von Hitler, aber auch von Stalin. Beide arbeiteten mit darwinistischen »Idealen«. Im Film wird zwar an zwei Stellen deutlich gesagt, man dürfe nicht undifferenziert behaupten, der Darwinismus habe zum Nationalsozialismus geführt, aber diese Hinweise gehen angesichts der Wucht der Bilder fast unter. Der Film hebt die Tatsache hervor, dass die Ziele der »Rassenreinheit« und der Züchtung einer »Herrenrasse« von darwinistischen Gedanken abgeleitet wurden, sowohl in Europa als auch in den USA. Der Film erwähnt wenig bekannte Hintergründe der Eugenik-Geschichte in den USA und zeigt, wohin die Ziele der Eugenik in einem totalitären Umfeld führen können.

Ben Stein besucht die Gedenkstätte von Hadamar in Hessen, wo während des Zweiten Weltkriegs 15.000 geistig und körperlich behinderte Menschen ermordet wurden. Uta George, die Leiterin der Gedenkstätte, erklärt, dass die Triebkraft hinter diesen Morden darwinistische Ideen waren. »Lange vor dem Nationalsozialismus dachten Biologen und Anthropologen, dass die Regierung in das Bevölkerungswachstum eingreifen sollte. Sie hatten eine Utopie: eine Gesellschaft ohne Krankheiten und Behinderungen.« Ben Stein macht den Einwand, dass auch Malthusische Ideen ein Beweggrund gewesen sein könnten. Uta George: »Malthus? Ja. Aber die Nazis stützten sich auf Darwin und deutsche Wissenschaftler.« Und diese Wissenschaftler waren allesamt Darwinisten …

Evolutionsanhänger reagierten gerade auf diesen Teil des Films wütend. Dieselben »Empörten« sagten jedoch nie etwas, wenn Richard Dawkins Darwinisten-Kritiker mit Holocaustleugnern verglich. Es ist jedoch legitim und wichtig, dass auch auf die dunklen Seiten des Darwinismus hingewiesen wird. Während Dawkins’ Behauptung nur bösartige Polemik ist, ist Ben Steins warnende Erwähnung von Eugenik, Holocaust, Hitler und Stalin historisch korrekt, obwohl Darwinismus nicht mit Nazismus und Stalinismus gleichgesetzt werden darf, was sowieso niemand tut und auch in EXPELLED nicht geschieht.

 

Streit um ein Darwin-Zitat

Im Zusammenhang mit der Darstellung, die Darwin-Theorie habe den Rassismus und die Morde im Namen der Eugenik gefördert, wird im Film folgende Stelle aus Darwins Buch Die Abstammung des Menschen zitiert (Originalzitate in Englisch auf Wikipedia):

»Bei Wilden werden die körperlich und geistig Schwachen bald beseitigt. Wer am Leben bleibt, zeigt gewöhnlich einen Zustand kräftiger Gesundheit. Auf der anderen Seite tun wir, die zivilisierten Menschen, alles nur Mögliche, um den Prozess dieser Beseitigung aufzuhalten. Wir bauen Anstalten für Geisteskranke, Krüppel und Kranke. Hierdurch geschieht es, dass auch die schwächeren Mitglieder der zivilisierten Gesellschaft ihre Art fortpflanzen. Niemand, der sich in der Zucht von Haustieren auskennt, wird bezweifeln, dass dies für die Rasse des Menschen im höchsten Grade schädlich sein muss.«

Die Kritiker des Films weisen darauf hin, dass bei diesem Zitat einige Stellen ausgelassen wurden. Dieser Vorwurf stimmt. Im Wikipedia-Artikel und auch in einem Artikel des Scientific American wird das ganze Zitat angeführt. Das gesamte Zitat zeigt, dass im Filmzitat keine Stellen mit inhaltlich anderen Aussagen weggelassen wurden. Gleich anschließend an die zitierte Stelle schrieb Darwin sogar: »Kaum jemand wird so ignorant sein und es seinen schlechtesten Tieren erlauben, sich fortzupflanzen.« Im darauf folgenden Abschnitt relativiert Darwin jedoch seine Gleichstellung von Tierzucht und menschlicher Gesellschaft:

»Sogar unter dem Druck stärkster Vernunftargumente könnten wir unser Mitgefühl nicht unterdrücken, ohne dass dabei der edelste Aspekt unseres Wesens dem Zerfall anheim gegeben würde. […] wenn wir absichtlich die Schwachen und Hilflosen vernachlässigen würden, geschähe dies nur für einen ungewissen Nutzen, mit einer überwältigenden Präsenz des Bösen (with an overwhelming present evil).«

Darwin verglich die menschliche Gesellschaft mit der Tierzucht und betonte dabei, in der Tierzucht würde man die schwachen Tiere eliminieren. Aber er betonte auch, dass diese Logik nicht vorbehaltlos auf die Menschen angewandt werden dürfe. Darwin kann hier also bedingt freigesprochen werden, aber nicht diejenigen, die Darwins Gedanken auf eine unmenschliche Art verzerrten und praktisch umsetzten. Die Mordstätte von Hadamar, die Ben Stein besucht, legt hiervon ein erschütterndes Zeugnis ab.

Fritz Poppenberg, der Produzent der deutschen Version von EXPELLED, schreibt im Beilageblatt zur DVD: »Besonders verärgert sind einige Anhänger der Evolutionstheorie darüber, dass im Film Hitlers Rassismus mit ihrem Idol Darwin in Verbindung gebracht wird. So zitiert Ben Stein einen Abschnitt aus dem Buch Die Abstammung des Menschen, worin Darwin beschreibt, dass es im höchsten Maße schädlich für die menschliche Rasse sein muss, wenn man die Schwachsinnigen, die Krüppel und die Kranken nicht beseitigt. Anstatt ernüchtert einzuräumen, dass Darwin tatsächlich – wenn vielleicht auch nicht im vollen Bewusstsein – die pseudowissenschaftliche Grundlage für die Anwendung der Eugenik geliefert hat, wird Ben Stein lauthals vorgehalten, er habe nicht das ganze Zitat gebracht. Doch die angeblich bösartig unterschlagenen Sätze sind schlicht überflüssige Wiederholungen und ändern an der düsteren inhaltlichen Aussage Darwins nichts. Dieses Beispiel mag genügen, um die in der Sache unzutreffende Kritik zu charakterisieren, die von Darwinisten gegen den Film ins Feld geführt wird.«

 

Wurden die Diskriminierten wirklich diskriminiert?

Im Film kommen rund ein Dutzend Wissenschaftler und Akademiker zu Wort, die aufgrund ihrer Zweifel am Darwinismus »expelled« wurden, zum Beispiel der Biologe Richard Sternberg, die Biologiedozentin Caroline Crocker, der Astrophysiker Guillermo Gonzalez, der Neurochirurgie-Professor Michael Egnor und der Biologie-Professor Robert J. Marks. Ebenso werden Vertreter des »Intelligent Design« interviewt, die aufgrund ihrer antidarwinistischen Haltung automatisch als Pseudowissenschaftler abgestempelt und zu Außenseitern degradiert werden. Einige Wissenschaftler äußern sich im Film nur anonym und im Halbschatten, weil sie sich vor Diskrimination und beruflicher Elimination fürchten.

Der Film zeigt, wie die Pressesprecher der Hochschulen, an denen die vorgestellten Personen diskriminiert wurden, diese Fälle verharmlosen. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass die Pressespecher einfach diplomatische und »politisch korrekte« Beschönigungen abgaben. Im Film wird ersichtlich, dass die Diskriminierten erstens nicht »ignorant« sind und zweitens anscheinend ziemlich gelitten haben. Der praktische Alltag zeigt, dass darwinkritische Wissenschaftler und Journalisten sofort angegriffen und marginalisiert werden. Ihre Artikel werden nicht veröffentlicht, sie werden lächerlich gemacht, sie werden nicht an Kongresse eingeladen oder wieder ausgeladen usw.

Dies musste auch ich (Armin Risi) vor Kurzem erfahren. Als mein Artikel über den Film Am Anfang war das Licht auf KOPP online veröffentlicht wurde, reagierten die Gegner dieses Films, die ich im Artikel kritisch erwähnt hatte, im Internet mit einer negativen Tirade gegen meine Person. In derselben Woche wurden die Veranstalter eines interreligiösen Forums, die mich als Referent eingeladen hatten, kontaktiert und massiv unter Druck gesetzt. Es wurde gedroht, sie würden negative Artikel gegen die Veranstalter (ein katholisches Kloster) in die Zeitung bringen. Der Organisator, ein katholischer Theologe, hatte meine beiden Bücher Licht wirft keinen Schatten und Der radikale Mittelweg gelesen und mich genau wegen meines spirituell-überkonfessionellen Standpunktes eingeladen. Ich schlug vor, dass die Kritiker zu meinen Vortrag kommen sollten, damit wir ein Streitgespräch haben könnten. Doch die Kritiker wollten nur eines: Risi muss ausgeladen werden. Die Veranstalter drückten mir gegenüber großes Bedauern aus, sahen sich aber aufgrund der massiven Verleumdungsdrohungen gegen ihr Kloster gezwungen, mich als Referenten auszuladen.

Die Behauptung, darwinkritische Referenten würden nicht diskriminiert, entspricht nicht den Tatsachen. Wenn sogar schon ein »kleiner Fisch« wie ich hinterrücks diffamiert wird, wie viel mehr dann Wissenschaftler mit Doktortitel und akademischer Anstellung?

 

Ist »Intelligent Design« eine Tarnung für Bibel-Kreationismus?

Der Film geht nicht auf die Weltanschauung der einzelnen Diskriminierten ein. Was aber deutlich ist: Sie alle haben wissenschaftlich begründete Argumente gegen die Evolutionstheorie, und sie sind in der einen oder anderen Form Sympathisanten des Konzeptes »Intelligent Design«.

Kritiker behaupten, dass ID nur eine Tarnung für den Bibel-Kreationismus sei. Damit haben sie in einigen Fällen recht. Nachdem in den USA über ein Gerichtsurteil verboten wurde, dass im Biologieunterricht bei der Frage nach dem Ursprung des Lebens religiöse Ansichten erwähnt werden, änderten die Kreationisten ihre Taktik und sprangen auf den Zug des »Intelligent Design« auf. Kreationistische Bewegungen wie Answers in Genesis kritisieren auf ihren Internetseiten jedoch »Intelligent Design«, weil dort nicht explizit der Gott der biblischen Genesis als Schöpfer hochgehalten wird. Auch Ben Stein besucht einen kreationistischen Referenten, der sich klar von »Intelligent Design« distanziert.

Wenn behauptet wird, bei ID gehe es einfach um eine getarnte religiöse Attacke gegen die Evolutionstheorie, so ist dies eine manipulative Fehldarstellung, mit der von der Tatsache abgelenkt werden soll, dass ernstzunehmende Wissenschaftler Kritikpunkte an der Evolutionstheorie haben. Die Evolutionisten wollen den Eindruck erwecken, dass jeder, der nicht an die Evolutionstheorie glaube, entweder »ignorant« oder dann religiös-fundamentalistisch sei. Diese Darstellung ist falsch und einseitig – und diese einseitigen Kritiker werfen Ben Stein Einseitigkeit vor.

 

ID und die Frage: Was ist Wissenschaft?

Viele Pioniere des »Intelligent Design«, wie zum Beispiel Prof. Phillip Johnson (Universität Berkeley), Prof. Dean Kenyon (ehemaliger Co-Autor von Biochemical Predestination, einem Standardwerk der materialistischen Biochemie) und Dr. Michael Behe (Universtität Leigh), sind keine Bibel-Kreationisten. Empfehlenswert ist hier eine DVD mit den genannten und weiteren Wissenschaftlern: Unlocking the Mystery of Life (2002), dt. Dem Geheimnis des Lebens nahe (2006). Dies sind hochqualifizierte Wissenschaftler, die die Probleme der Evolutionstheorie (Makroevolution) erkennen und deshalb nach Alternativen suchen, die nicht auf ein materialistisches Weltbild beschränkt sind. Evolutionisten kontern, ID sei keine wissenschaftliche Theorie, weil sie nicht falsifizierbar sei; die Behauptung, die in der Natur vorzufindende Komplexität – angefangen mit der Struktur einer Zelle – könne nicht einfach durch das Wirken der Naturgesetze erklärt werden, sei eine religiös gefärbte Interpretation.

Dieser Einwand stimmt, aber er kann und muss genauso auf die Evolutionstheorie angewandt werden. Sie ist ebenfalls das Ergebnis einer Interpretation, nur mit dem Unterschied, dass diese Interpretation nicht einem religiösen, sondern einem materialistischen Weltbild entspringt. Die Evolutionisten machen den Fehler, dass sie behaupten, der materialistische Glaube sei »wissenschaftlich« und »objektiv«, während jeder religiöse Glaube »unwissenschaftlich« und »irrational« sei. Die Grundannahmen des materialistischen Weltbildes sind ebenfalls nicht falsifizierbar: Es gibt keinen Gott; es gibt nur die physikalische Materie; alles lässt sich mit den Wirkungsweisen der Materie erklären, auch Leben und Bewusstsein.

Der wissenschaftliche Anspruch einer Theorie zeigt sich unter anderem in den Voraussagen, die die jeweilige Theorie macht. ID postuliert, dass wir in der Natur komplexe Strukturen finden, die nicht allein mit einer linearen Entwicklung von genetischer Mutation und Selektion zu erklären sind, sondern auf die Existenz höherer Informationsfelder hinweisen. Die Evolutionstheorie postuliert eine lineare Entwicklung von einfachen zu komplexen Organismen mit zahlreichen Zwischenformen (von Weichtieren zu Knochentieren, von Amphibien zu Reptilien, von Reptilien zu Säugetieren usw.). Eine objektive Betrachtung der Natur und des Fossilienbestandes zeigt, dass die Postulate der Evolutionstheorie nicht viel mit den effektiven Sachverhalten zu tun haben. Die Postulate des ID hingegen sind plausibel und haben den Vorteil, dass sie die Realität nicht von vornherein auf die Welt der physikalischen Materie beschränken.

 

Kampf zwischen Religion und Wissenschaft?

EXPELLED zeigt einen Kampf zwischen der etablierten Wissenschaft, die als atheistisch dargestellt wird, und der Minderheit von darwinkritischen Wissenschaftlern. Aber ist die etablierte Wissenschaft automatisch atheistisch? Ein berechtigter Kritikpunkt am Film lautet, dass dieser Gegensatz zu sehr schwarz-weiss dargestellt worden sei, denn viele Wissenschaftler sehen Religion und Evolutionstheorie nicht als Gegensatz und sind trotz ihres Glaubens an die Evolutionstheorie weiterhin religiös.

Im bereits erwähnten Artikel des Scientific American wird der Atheismus der modernen Wissenschaft relativiert: »Expelled beinhaltet viele Interview-Ausschnitte mit Wissenschaftlern wie Richard Dawkins, Daniel Dennett, William Provine und PZ Myers, die Exponenten des Atheismus sind. Diese sagen, wie ihr wissenschaftliches Wissen ihre Überzeugungen bestärke, einige sagen auch, die Wissenschaft habe sie zum Atheismus geführt. Tatsächlich zeigen Umfragen, dass der Atheismus unter Wissenschaftlern weiter verbreitet ist als unter der allgemeinen Bevölkerung. Der Film liegt jedoch falsch, wenn er impliziert, die Evolutionstheorie führe unvermeidlich oder notwendigerweise zu einem Atheismus.«

Hier wird gesagt, dass die Evolutionstheorie den Glauben an Gott nicht ausschließt und dass Wissenschaft und Religion kein Widerspruch sein müssen. Das stimmt natürlich. Aber ebenso ist es eine Tatsache, dass Wissenschaft nicht materialistisch sein muss. Man kann Wissenschaftler sein und die Evolutionstheorie – als materialistische Interpretation von Kosmos und Mensch – ablehnen. Warum reagieren an diesem Punkt die vorher so »neutralen« Evolutionisten plötzlich aggressiv und bezeichnen eine nichtmaterialistische Weltsicht als »pseudowissenschaftlich« oder sogar als »wissenschaftsfeindlich«? Warum ist die Evolutionstheorie so sakrosankt, dass sie nicht in Frage gestellt werden darf?

 

Darwin-Kritik wird unterdrückt

Hier nur eines von vielen weiteren Beispielen: Life on an Ocean Planet ist ein Biologielehrbuch, das in Florida an Mittelschulen verwendet wird. Im Oktober 2010 wurde nun entschieden, dass zwei Kastentexte mit kritischen Punkten gegen die Darwin-Theorie aus diesem Buch entfernt werden – auf Druck von Evolutionsverfechtern. Der Pressesprecher des Verlags erklärte in seiner Rechtfertigung des Buches, diese zwei Kastentexte seien gedacht gewesen, um »das kritische Denken der Studenten zu fördern«. Er betont, dass im ganzen Buch die Evolutionstheorie genau nach den staatlichen Vorgaben gelehrt werde.

Casey Luskin von der ID-Organisation Discovery Institute kommentiert in einem Artikel, dies sei ein weiteres Beispiel dafür, wie Evolutionisten jede sachliche Diskussion im Keim ersticken wollen. »Da haben wir ein ganzes Buch, das Pro-Evolution ist, und nur zwei Kastentexte, in denen erwähnt wird, dass einige Wissenschaftler auch kritische Fragen stellen, sind bereits zu viel für sie. […] Sie wollen nicht, dass die Schüler erfahren, dass es auch wissenschaftliche Herausforderungen an die Evolutionstheorie gibt.«

 

Das Fazit von EXPELLED

Ziemlich am Anfang des Films erscheint Richard Dawkins mit folgender Aussage: »Die Auseinandersetzung um die Evolution ist nur ein Gefecht in einem viel größeren Krieg.« Damit verrät er, was durch den Film EXPELLED deutlich und aufrüttelnd dokumentiert wird: Bei der Evolutionstheorie geht es nicht einfach um Wissenschaft, sondern um Ideologie. Die ideologische Propagierung dieser Theorie und des ihr zugrunde liegenden Weltbildes führt in eine gefährliche Einseitigkeit, die auch soziale und globale Folgen haben kann. Ben Stein warnt im Film: »Wir verlieren unsere Freiheit in einem der wichtigsten Bereiche der Gesellschaft, der Wissenschaft.« Um so eindringlicher ist sein Aufruf am Schluss des Films: Die Mauer des Darwinismus, die jede andere Sichtweise verbieten will, solle beseitigt werden wie die Berliner Mauer, und eine echte wissenschaftliche Diskussion ohne materialistische Dogmen solle ermöglicht werden.

EXPELLED propagiert keinen Kreationismus, sondern will zeigen, dass der Darwinismus auch auf hoher wissenschaftlicher Ebene nicht unwidersprochen ist und dass berechtigte Kritikpunkte vorhanden sind. Der Film EXPELLED ist hier eine wichtige und in seiner Art einzigartige Provokation zur Diskussion.

 

 

Ausführlicher Präsentationsfilm (7 Min.) in Englisch

 

 

 


 

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