Tuesday, 31. May 2016
15.05.2009
 
 

»Illuminati«: Inszenierter Angriff gegen sich selbst – Gedanken zum Film

Armin Risi

Was ist das Hauptthema von Dan Browns Roman »Angels & Demons« (Ersterscheinung 2000), dt. »Illuminati« (2003)? Die meisten Rezensenten sagen hier, das Hauptthema sei der alte Geheimbund der »Illuminati«, der schon lange nicht mehr existiere, während »Verschwörungstheoretiker« glauben, er existiere immer noch. Aber ist das Phantom der »Illuminati« tatsächlich das Hauptthema? Wer dies meint, verkennt die Pointe von Dan Browns Roman: Hinter der Phantom-Verschwörung fand eine andere, reale Verschwörung statt, die mehrere Todesopfer forderte und ein konkretes Ziel anstrebte. Denn das Grundmuster des Romans ist folgendes: Ein fanatisches Vatikan-Mitglied inszeniert heimlich einen mörderischen Angriff gegen die Kirche, damit die Kirche durch diese Opferposition an Macht und Sympathien gewinnen kann. Hier wiederum sollte man nicht am oberflächlichen Handlungsablauf hängen bleiben und meinen, es gehe einfach um eine Vatikan-Story. Das grundlegende Szenario ist das altbekannte, aber immer wieder

 

 

Die Handlung des Films

Der Papst ist gestorben. Alle Kardinäle der Welt kommen für die Wahl eines neuen Papstes nach Rom. Genau zu diesem Zeitpunkt bekommt der Vatikan einen Drohbrief, unterzeichnet mit dem Wort »Illuminati«, geschrieben als Ambigramm in einer alten Symmetrieschrift. Gleichzeitig wird in Genf am CERN ein geheimes Experiment zur Herstellung von Antimaterie durchgeführt. Das Experiment gelingt, aber der zuständige Kernphysiker wird im Labor ermordet, und die Antimaterie wird gestohlen. Die Antimaterie kommt nach Rom und soll dort als vernichtende Bombe gezündet werden, als Rache der »Illuminati« an der Kirche. Was die Öffentlichkeit (noch) nicht weiß: Vier Kardinäle sind spurlos entführt worden, und die Drohbotschaften sagen, diese Kardinäle würden auf den »Altären der Wissenschaft« geopfert werden. Unterdessen ist Prof. Langdon (Tom Hanks) aus Oxford in Rom angekommen. Er als Experte für alte Geheimbünde und Symbole versteht die versteckte Botschaft: »Altäre der Wissenschaft« ist wörtlich gemeint! Die Kardinäle sollen in bestimmten Kirchen getötet werden, bei deren Erbauung Wissenschaftler und Künstler mitgearbeitet hatten, die insgeheim zu den Illuminati-Kreisen gehörten. »Die Erlechteten« (lat. illuminati) waren Intellektuelle und Aufklärer, deren Arbeit von der Kirche verboten worden war und die sich deshalb in einem Geheimbund formieren mussten. Sind Nachfahren dieses längst totgeglaubten Geheimbundes nach Rom zurückgekehrt, um an der Kirche fürchterliche Rache zu nehmen? Durch eine Blitz-Recherche in den geheimen Vatikan-Archiven erkennt Prof. Langdon, dass die vier Kardinäle an Orten getötet werden sollen, die jeweils einem der vier Elemente – Erde, Luft, Feuer und Wasser – gewidmet sind. Eine Hetzjagd durch Rom beginnt. An jedem Ort muss herausgefunden werden, welches der nächste Ort ist. An drei Orten kommen sie zu spät, die Kardinäle sind bereits auf bestialische Weise hingerichet worden. Am vierten Ort, beim Tatort »Wasser«, können sie den Kardinal in letzter Sekunde retten. Sie finden die Antimaterie, doch diese Bombe kann nicht entschärft werden. Der Camerlengo, ein ehemaliger Militärpilot, reißt die tickende Zeitbombe an sich, rennt zum Helikopter und fliegt mit der Antimaterien-Zeitbombe senkrecht immer höher in den Himmel. Dann explodiert der Helikopter, der Himmel erscheint in apokalyptischen Farben, und aus diesem Himmel schwebt der Camerlengo an einem Fallschirm herab. Er sieht aus wie ein Messias, der vom Himmel herniederkommt, und er wird als Retter der Welt umjubelt. Das Konklave will ihn sogar aufgrund der Ausnahmeregel »Akklamation durch Adoration« zum Papst machen. Doch dann stellt sich heraus, dass der Camerlengo, der nächste Vertraute des Papstes, all diese Entführungen und Morde – in einer wahnsinnigen Eigeninitiative – selbst in Auftrag gegeben hat, um die Kirche durch diese Angriffe zu stärken. (Pikantes Detail: Als Attentäter wurde ein islamistischer »Assassin« verwendet.) Als der Camerlengo erkennt, dass er durchschaut ist, rennt er in die inneren Bereiche des Vatikans, wo er sich auf dramatische Weise selbst anzündet. Der Weltöffentlichkeit wird über die Massenmedien mitgeteilt, der Camerlengo sei an einem Unfall gestorben. Dadurch wird der Camerlengo, der eigentliche Täter und Verschwörer, zum großen Held und Friedensstifter hochstilisiert. Der gerettete vierte Kardinal wird Papst und nennt sich »Papst Lukas I.« – der Evangelist Lukas war ein Arzt, und dieser neue Papst will mit seinem Namen die Verbindung von Religion und Wissenschaft signalisieren. Der Film endet mit dem neuen Papst, der auf den Balkon tritt und von der jubelnden Menge begrüßt wird. Die Welt wird nie erfahren, welche tatsächliche Verschwörung stattgefunden hat.

 

 

Die Unterschiede zum Buch

Es ist klar, dass viele komplizierte Details des Buches in einer Verfilmung nicht übernommen werden können. Im Buch wird der Kernphysiker ermordet, und ihm wird das Illuminati-Zeichen eingebrannt. Weil hier die Parallele zu den Anfangsszenen des Da-Vinci-Code-Filmes zu offensichtlich gewesen wäre, erscheint das Zeichen im Film über einen Drohbrief. Im Buch verläuft die Helikopter-Szene am Schluss noch spektakulärer (und unglaubwürdiger) als im Film. Im Buch werden alle vier Kardinäle umgebracht, im Film kann der vierte gerettet werden und wird dann Papst. Im Buch erscheint das Detail »Akklamation durch Adoration« nur am Schluss als Spitzfindigkeit eines Akademikers. Im Film sind es die Kardinäle, die in der Umjubelung des Camerlengo ein Zeichen Gottes sehen und deshalb entscheiden, diesen Nicht-Kardinal zum Papst zu erheben – bis sie dann eines Besseren belehrt werden; usw., usf.

Eine zentrale Nebenfigur im Roman ist der BBC-Reporter Gunter Glick, der von Dan Brown als Klischeefigur eines »Verschwörungstheoretikers« dargestellt wird (erscheint erstmals in Kapitel 48). Er wird als ziemlich komische Figur dargestellt (Kap. 101), der fanatisch an die Existenz des alten Geheimbundes glaubt und die verschrobene Theorie vertritt, dass »CERN das neue Zentrum der Illuminaten ist« (Kap. 112).

Was die realhistorischen und aktuellen Bezüge des Illuminati-Themas – und auch der »Sakrileg«-Themen – betrifft, so habe ich sie im Buch Machtwechsel auf der Erde (Neuauflage 2006, gebundene Ausgabe, Heyne-Taschenbuchausgabe 2007) ausführlich dargelegt und zitierte dabei auch die Schlüsselstelle aus Dan Browns Buch, die verrät, dass dieser Autor mehr weiß als »Gunter Glick«.

Im Film erscheint die Klischeefigur des »Gunther Glick« nicht.

Dafür enthält der Film eine vielsagende neue Szene, die im Buch in dieser Form nicht vorkommt. Der Film macht sich in keine Weise über »Verschwörungstheorien« lustig. Im Gegenteil, er zeigt, dass es falsche und dass es wahre Verschwörungstheorien gibt, wobei die wahren durch die Praxis bestätigt werden. Und der Film zeigt, dass die offiziellen Theorien nicht die wahren sind. Die Öffentlichkeit soll nicht erfahren, welche tatsächlichen Abläufe die Weltgeschichte bestimmen. Im Gegensatz zum Film enden die tatsächlichen Abläufe jedoch nicht so glimpflich, und sie fordern weit mehr Todesopfer als die brutale Handlung in diesem Action-Film. Und die tatsächlichen Abläufe sind nicht nur das Werk eines Einzeltäters – obwohl sich diese Täter in den Massenmedien ebenfalls gerne als Helden und Friedensstifter darstellen lassen …

 

 

»We are under attack!«

Die Drohanrufe und Drohbotschaften der »Illuminaten« behaupten, der angeblich eines natürlichen Todes gestorbene Papst sei von ihnen ermordet worden – mit einem bestimmten Gift, das ihm als Medizin in Überdosis verabreicht wurde.*) Der Camerlengo begibt sich mit einer kleinen Eskorte in die päpstliche Gruft und lässt den Sarg öffnen, und sie sehen das bestimmte Zeichen, an dem man die Wirkungsweise dieses Giftes erkennen kann (Kap. 85).

Darauf begibt sich der Camerlengo in die Versammlung des Konklaves, obwohl dies – nach der Abschließung des Tores – verboten ist. Im Film sieht man, wie er in den Kreis der verblüfften und empörten Kardinäle tritt und mit gespieltem Schock stöhnt: »We are under attack!«

Diese Szene bezieht sich auf die Kapitel 87, 92 und 94 des Buches, aber dort kommt diese Szene nicht vor, ebenso wenig wie diese Aussage!

Angels & Demons war im Jahr 2000 veröffentlicht wurden. Damals konnte Dan Brown nicht ahnen, dass sein Szenario – inszenierter Angriff gegen sich selbst – im Jahr 2001 zu einer welterschütternden Realität werden sollte. Wir wissen nicht, was die Filmemacher beabsichtigten, aber sie legten in ihrer selbsterfundenen Szene dem Camerlengo bekannte Worte in den Mund. »We are under attack« war die Standard-Phrase von George Bush jun. nach den Attacken vom 11. September 2001.

Es bleibt abzuwarten, ob irgendeinem der professionellen Filmkritiker diese Parallele auffallen wird. Immerhin erscheint dieses »Zitat« in einer deutlichen Abweichung vom Buch.

 

 

Eine Analogie zum 11. September?

Letzte Woche, am 7. Mai, nahm ich an einem Vortragsabend teil, der von den Betreibern der Alles-Schall-und-Rauch-Website organisiert wurde (www.alles-schallundrauch.blogspot.com). Referenten waren Prof. David Ray Griffin und Prof. Niels Harrit. Letzterer ist ein hochqualifizierter Chemiker, und er sprach über die neusten Erkenntnisse in der inoffiziellen Spurensuche. Er gehörte zu jenen acht Wissenschaftlern, die eine Staubprobe der WTC-Trümmerstelle untersuchten. Dabei entdeckten sie eindeutige Spuren von Sprengstoff, aber nicht von gewöhnlichem Sprengstoff, sondern von exklusivem High-Tech-Sprengstoff, wie er nur Geheimdiensten zur Verfügung steht: Thermit, der mit Nanotechnologie hergestellt wurde! Warum hören wir in den offiziellen Medien nichts davon?

Zur Sprengstoff-Entdeckung siehe: www.youtube.com/watch?v=8_tf25lx_3o.

Nur mit dem Einsatz eines solchen unkonventionellen Sprengstoffes lässt sich erklären, warum die beiden Türme plötzlich mit der annähernden Geschwindigkeit des freien Falls (410 Meter in knapp zehn Sekunden) zusammenstürzten. Was die offiziellen Berichterstatter weitgehend unerwähnt ließen: Am Nachmittag desselben 11. September war ein weiteres Hochhaus, das 200 Meter hohe WTC 7, ebenfalls plötzlich bis in die Kellergeschosse zusammengesackt (innerhalb von sieben Sekunden = praktisch die Geschwindigkeit des freien Falls). In dieses Gebäude war kein Flugzeug geflogen! Die Referenten führten Filmaufzeichnungen vor, die zeigen, wie es aussieht, wenn Hochhäuser durch »controlled demolition« zerstört werden: plötzlicher Zusammensturz mit der annähernden Geschwindigkeit des freien Falls, große Staub- und Trümmerwolken.

Persönlichkeiten wie Prof. Griffin und Prof. Harrit sind die wirklichen »Prof. Langdons«. Und die Realität ist dramatischer als jede Fiktion. In der Realität ist nicht nur eine überdrehte Einzelperson am Werk wie in Dan Browns Geschichte. Dafür hat die reale »Geschichte« auch noch nicht das aufklärende Ende gefunden, wie die Handlung in diesem Buch und Film – nicht zuletzt deshalb, weil all die Verdachtpunkte und Beweise, die die wirklichen »Langdons« vorlegen, von den offiziellen Medien ignoriert und sogar unterdrückt werden, wie Prof. Griffin und Prof. Harrit und viele andere Aufklärer erfahren müssen. Aber spätestens seit Angels & Demons / Illuminati kann niemand mehr sagen, man habe das Szenario »Inszenierter Angriff gegen sich selbst« (= »We are under attack«) nicht gekannt.

 

Zusatz:

Im Kino-Heft close-up!, Nr. 139/Mai 2009, wird auch der Film Angels & Demons vorgestellt, und in diesem Zusammenhang wird ein kurzes Interview mit Tom Hanks veröffentlicht. Unter anderem wird er gefragt: »Inwiefern tangiert Ihr Film denn moderne Themen wie Terrorismus und Paranoia?«

Hanks antwortet: »Jeder kennt mittlerweile die schrecklichen Folgen des Terrorismus. Und jeder wittert hinter allem und jedem gleich eine Verschwörung. So gesehen, trifft Angels & Demons voll ins Schwarze.«

Ich weiß nicht, ob sich Tom Hanks mit den Hintergründen von 9/11 befasst hat und inwieweit er die vielen Beweispunkte kennt. Aber in seiner Antwort trennt er die Geschichte vom Vatikan und sagt dabei indirekt, das nicht »hinter allem und jedem« eine Verschwörung steckt. Mit anderen Worten, es gibt durchaus Verschwörungen, einfach nicht »hinter allem und jedem«. Wenn der Film hinsichtlich der Themen Terrorismus und Paranoia (= Krieg gegen den Terror, Bevölkerungsüberwachung, Gesetzesverschärfungen usw.) »voll ins Schwarze« trifft, stellt sich die Frage, worin dieser Volltreffer besteht. Vielleicht im Hauptszenario des Films – inszenierter Angriff gegen sich selbst?

 

(Geschrieben nach dem Besuch der ersten öffentlichen Vorführung in Zürich, 13. Mai 2009, 14-Uhr-Vorstellung)

 

__________

*) In Kap. 88 beschreibt Dan Brown, wie Prof. Langdon über den Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I. nachsinnt, und er lässt ihn interessante faktische Details anführen. Dieses Detail erscheint im Film nicht, denn es hätte, wie viele andere Details, den ohnehin schon prall gefüllten und straffen Handlungsrahmen gesprengt.

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