Monday, 30. May 2016
19.06.2015
 
 

Charlie Hebdo: Je suis voller Widersprüche

Bastian Behle

Der Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo ist ad acta gelegt. Ebenso die anschließenden Terrorakte auf eine Polizistin im Süden von Paris und die blutige Geiselnahme in einem Supermarkt für koschere Waren, die im unmittelbaren Zusammenhang stehen. Die Kouachi-Brüder und Amédy Coulibaly wurden umgehend als Täter »ermittelt«, der Islamische Staat (IS) übernahm als Strippenzieher im Hintergrund die Verantwortung – wären da nur nicht so viele Ungereimtheiten, denen Gerhard Wisnewski in seinem Buch Die Wahrheit über das Attentat auf Charlie Hebdo akribisch auf den Grund geht.

 

Professionelle Dilettanten

 

Zwei Vermummte stürmten am 7. Januar 2015 das Redaktionsgebäude von Charlie Hebdo in der Rue Nicolas-Appert 10 und erschossen zwölf Menschen. Nach dem Anschlag stehen die beiden Täter seelenruhig an ihrem Auto, verladen ihre Waffen und rufen schwer verständliche Parolen, die sich als »Allahu Akbar« und »Wir haben Mohammed gerächt« deuten lassen.

 

Von Eile, überhasteter Flucht oder gar Panik ist dieser Szenerie nichts anzumerken. »Man muss angesichts der Vorgehensweise der Täter, von einem perfekt geplanten und professionell ausgeführten Anschlag ausgehen «, äußerte dementsprechend Terrorexperte Rolf Tophoven auf N24.

Weitere Kommentare lauteten: »Es handelt sich hier wohl eindeutig um eine nach militärischen Grundprinzipien durchgeführte Kommandoaktion« und »Das waren keine Hitzköpfe, die waren vollkommen kaltblütig«. Auch der professionelle Umgang mit ihren Waffen sowie Bewegungsmuster und -abläufe sprachen eine eindeutige Sprache und wiesen auf eine fundierte militärische Ausbildung hin.

 

Dies wiederum trifft aber so gar nicht auf die beiden Brüder Said und Chérif Kouachi zu. Said war ein junger, verheirateter Familienvater; Chérif war zumindest den Sicherheitsbehörden bekannt, wird allerdings als fußballbegeisterter Fitnesslehrer beschrieben, der »gerne mal kifft und nicht sonderlich religiös ist«. Dass man überhaupt auf die Kouachi-Brüder kam, verdankte man einem mirakulösen Umstand.

 

Das Pharaonengrab

 

Freundlicherweise benutzten die vermummten Profis bei ihrer Flucht ein Auto – genauer gesagt einen Citroen C3. Ein Motorrad wäre angesichts der Verkehrslage in der Metropole Paris sicherlich die bessere Wahl gewesen, allerdings hätte man dann nicht so »elegant« einige Spuren zurücklassen können. In dem verlassenen Wagen fand man laut Staatsanwaltschaft zehn Molotow-Cocktails, einer davon mit einem Fingerabdruck von Said Kouachi; eine Fahne mit dem Schriftzug »Allah ist groß« und den Ausweis (!) von Said Kouachi. Ein veritables »Pharaonengrab«, wie Ermittler verlassene Spurenansammlungen von flüchtigen Verdächtigen bezeichnen.

 

Wohlgemerkt, es handelt sich immer noch um die Flucht der beiden Vermummten, die bis dato so kalkuliert und professionell vorgegangen waren. Der frühere Bundesminister und Buchautor Andreas von Bülow sprach in diesem Zusammenhang zu Recht von »Spuren wie von einer trampelnden Elefantenherde«. Erst durch diesen Fund konnte die Täterschaft »einwandfrei« ermittelt werden. Eine kleine »Ermittlungspanne« gab es trotzdem. So hatte die französische Behörde zunächst noch den 18-jährigen Mourad Hamyd auf der Fahndungsliste.

 

Den Ermittlern zufolge soll der Schwager der Kouachi-Brüder das Fluchtauto gefahren haben. Dies wurde umgehend dementiert, nachdem eine Reihe von Mitschülern bestätigen konnten, dass Hamyd den ganzen Vormittag des besagten Tages in der Schule gewesen sei. Glücklicherweise »stellte« sich Hamyd rechtzeitig den Behörden, bevor er von einem der 88 000 Polizisten, Soldaten und Sonderkommandos erschossen werden konnte, die der französische Staat bei der Verfolgungsjagd mobilisierte. Wobei der Terminus »Verfolgungsjagd« nicht ganz zutrifft. Passender ist Innenminister Cazeneuves Aussage, dass ein Einsatz laufe, »um die Verantwortlichen des feigen Attentats zu neutralisieren« – ein üblicher militärisch-euphemistischer Ausdruck für »töten «.

 

Auffallende Parallelen

 

Das Attentat auf Charlie Hebdo weist auffallende Parallelen und Ähnlichkeiten mit weiteren Terrorakten auf. Besonders der Anschlag auf den Bostoner Marathon im April 2013 sticht dabei heraus. Wisnewski führt u.a. folgende Punkte auf:

  • Anschlag als globales Medienereignis

  • verdächtig sind zwei »Islamisten«

  • die beiden sind Brüder

  • mindestens einer der beiden hatte vorher Kontakt zu Sicherheitsbehörden und war diesen seit Jahren bekannt

  • tagelange medienwirksame Verfolgungsjagd zum »Mitfiebern« für das globale TV-Publikum

  • Schießerei während der Flucht

  • Geiselnahme

  • zielgerichtete Zuspitzung auf den Showdown, bei dem der Tod der Verdächtigen quasi »in der Luft liegt«

  • psychologische Einigung der Welt gegen den (radikalen) Islam (»Schulterschluss«)

 

Auch der Anschlag vom 11. September 2001 lässt grüßen. Nachdem die New Yorker Zwillingstürme in Schutt und Asche gelegt worden waren, fand sich auf der Straße (!) der Ausweis des angeblichen Flugzeugentführers Mohammed Atta. Wie im Übrigen auch der Ausweis von Ahmad al-Ghamdi, eines weiteren Attentäters, der ebenfalls an der Absturzstelle unversehrt geborgen werden konnte. Und natürlich sei auch auf die Flugpläne in arabischer Sprache verwiesen, welche in einem Mietauto demonstrativ zurückgelassen worden waren.

 

Begründete Zweifel

 

Die Liste an Widersprüchen, die Wisnewski aufführt, ist zu umfangreich, um sie in ihrer Gänze wiederzugeben. Einige ausgesuchte »Besonderheiten« seien darum exemplarisch herausgestellt: Die beiden Attentäter – warum eigentlich vermummt, wenn man sich anschließend sowieso outen und den Märtyrertod sterben möchte? – exekutierten eiskalt und kaltblütig auf ihrer Flucht den Polizisten Merabet, obwohl dieser keine Gefahr (mehr) darstellte.

 

Sie haben wenig gemeinsam mit den Kouachi-Brüdern, die sich in der Druckerei in Dammartin-en-Goele verschanzen und dort kein Blutbad anrichten. Im Gegenteil, ausgesprochen höflich schüttelt man Besuchern die Hände und schickt sie wieder fort, statt sie als Geiseln zu nehmen – die beiden Attentäter scheinen wie ausgewechselt. Auch ein Selbstmord im Umfeld der Ermittler wirft viele Fragen auf. So hat sich in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 2015 der Polizeibeamte Helric Fredou während der Arbeit in seinem Büro mit seiner Waffe erschossen.

 

In den Medien wurden »Depressionen« und »Burnout« angeführt, was von Fredous Hausarzt dementiert wurde. Dem Selbstmord war vielmehr offenbar ein Streit vorausgegangen. »Entgegen dem Willen eines anwesenden Vorgesetzten habe Charlie-Hebdo-Ermittler Fredou darauf bestanden, eine Abschlussbesprechung mit drei Beamten über die Befragung einer Hinterbliebenen und über die Ergebnisse einer Suche in sozialen Netzwerken selbst durchzuführen und anschließend einen Bericht darüber zu verfassen«.

 

Warum jemand, der unbedingt »weiterarbeiten« möchte, sich anschließend erschießt, bleibt offen. Ebenso wie die Frage, warum keiner der Kollegen den Schuss gehört hat, obwohl Fredous Waffe keinen Schalldämpfer hatte. Die offizielle Erklärung lautete, dass das Büro gut isoliert (!) sei. Zudem wurde der Mutter des vermeintlichen Selbstmordopfers aus unverständlichen Gründen der Autopsiebericht verweigert.

 

Fazit

 

Die offiziellen Verlautbarungen zum Charlie-Hebdo-Anschlag sind nicht schlüssig und stiften mehr Verwirrung, als dass sie zur Aufklärung beitragen. So scheinen die französischen Behörden auch nicht daran interessiert gewesen zu sein, die drei Attentäter lebend zu stellen, obwohl man so sicherlich (mehr) Informationen über die »tatsächlichen« Drahtzieher erhalten hätte. Dies schien allerdings nicht erwünscht.

 

»Es gibt zahlreiche Indizienbeweise dafür, dass die CIA und französische Geheimdienste für den Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo verantwortlich sind«, lässt Paul Craig Roberts, früherer US-Finanzminister unter Reagan, verlauten. »Die einzigen Beweise für die Schuld der beiden Brüder seien ›Behauptungen der Sicherheitskräfte‹. Das erinnere ihn an die ›Massenvernichtungswaffen‹ Saddam Husseins, den ›Einsatz von Chemiewaffen‹ durch den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und das iranische ›Atomwaffenprogramm‹«. Auch der türkische Staatspräsident Erdoğan geht von einer »Inszenierung« aus, die »Muslimen die Tat in die Schuhe« schieben soll.

 

Fakt ist, dass Geheimdienste und Politiker solche Anschläge gnadenlos »für mehr Sicherheit und mehr Verteidigung – also auf Deutsch: für mehr Unterdrückung und für mehr Krieg ausnutzen«, wie es Wisnewski formuliert. Vielleicht ist der Weg Richtung »Totalitäres Europa« bereits ein größeres Stück beschritten, als man gedacht hätte.

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (18) zu diesem Artikel

20.06.2015 | 03:01

@Davideit

Das mit den nicht-bombardierten Gaskammern war Dein bislang bester Kommentar!


20.06.2015 | 00:07

Ben

Es gibt blinde Flecken. An bestimmte Umstände traut sich keiner ran. Die Rekrutierung der Attentäter in Hamburg ist ein solcher blinder Fleck. Schon der Gedanke daran läßt einen in den Abgrund blicken. Deshalb kommt einem die CIA schon als richtige Erlösung vor. Wie wird ein Gesellschaftssystem politisch kategorisiert? Nach der Art des Wirtschaftens oder nach der vorherrschenden Ideologie? Nach der Art des Wirtschaftens. Die Ideologie ist austauschbar, die Art das Wirtschaften...

Es gibt blinde Flecken. An bestimmte Umstände traut sich keiner ran. Die Rekrutierung der Attentäter in Hamburg ist ein solcher blinder Fleck. Schon der Gedanke daran läßt einen in den Abgrund blicken. Deshalb kommt einem die CIA schon als richtige Erlösung vor. Wie wird ein Gesellschaftssystem politisch kategorisiert? Nach der Art des Wirtschaftens oder nach der vorherrschenden Ideologie? Nach der Art des Wirtschaftens. Die Ideologie ist austauschbar, die Art das Wirtschaften nichts. Ohne staatliche Eingriffe würde sich jede Form organisierten Wirtschaftens pulverisieren. Aus Entführungen hat die Sozialwissenschaft gelernt, daß die Entführten für ihre Entführer Sympathie empfanden. Dahinter steckt die Angst, die einen genau das tun läßt, was man nicht tun sollte: Nähe suchen, Verständnis zeigen und sich dem Feind unterwerfen. Die Angst führt dazu, daß man den Kopf verliert. - Die Politik hat mit ihren Weichenstellungen das Verbrechen gesät, das zur Herrschaft des Verbrechens geführt hat, undurchsichtigen und völlig sinnlosen Verbrechen, die plötzlich vor der Tür stehen und einen bis ins Mark erschüttern. Die meisten Zeitgenossen tun nun so, als merkten sie das nicht, auch wenn es schon den Nachbarn erreicht hat. Sie schauen aufs Parkett und sehen Leute über den roten Teppich wandeln, der schmutzige Unterleib wird ausgeblendet.


19.06.2015 | 22:41

Rudolf-robert Davideit

Tja, da fragt man sich doch, warum die allseits bekannten riesigen Gaskammern nicht bombardiert wurden! Noch Fragen?


19.06.2015 | 22:14

mario

an Ivan Malik Ich habe eins gefunden, sieht man aba nix https://derhonigmannsagt.wordpress.com/2015/01/07/es-ist-ein-blutbad-alle-sind-tot/ Ich erinnere mich aber an ein Foto, war wohl die gleiche "Leiche" , man sah aber nur den Glatzkopf von oben, auf dem eine Nummer stand...der Kommentator meinte, entweder mußten sie die Leichen nummerieren, damit sie sie nicht verwechseln oder im Eifer des Gefechts hat man die Nummer auf dem Dummy übersehen...


19.06.2015 | 21:44

Ignis

Ivan Malik Das fotos der leichen von einem terroranschlag in den zeitungen abgedruckt werden! Und nein das waren nicht die amis oder israelis das war eijn muslimischer terroranschlag!


19.06.2015 | 21:37

Momo

Man glaubts, oder man glaubts auch nicht. Die Strasse kenn ich, und da hält man um die Zeit ne geschlagene Stunde im Stau bis runter zum Kreisel. So wenig Verkehr wie an diesem Tag hab ich da selten gesehn. C´est la politique,....ça passe ou ça casse

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