Sonntag, 4. Dezember 2016
13.01.2016
 
 

Finanzielle Kernschmelze? Die Ära der Kreditexzesse steht vor einem abrupten Ende

Bill Holter

Jeder, der meine Arbeiten über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgt hat, weiß, dass ich davon überzeugt bin, es werde eines Tages zu einem »globalen Margin Call«, also einer »globalen Nachschussforderung« (um bei Verlust der festgelegten Mindestdeckungshöhe zu verhindern, dass offene Positionen zwangsaufgelöst werden), kommen. Meiner Meinung nach erfolgte dieser Margin Call in der vergangenen Woche!

 

 

Ungeachtet dessen, aus welcher Perspektive Sie auch immer die Weltlage betrachten – ob aus finanzieller, geopolitischer, Makro- oder Mikroperspektive –, »Kredit« bestimmt alles, was unsere Welt heute ausmacht.

 

Mithilfe von Krediten baut man etwas auf, führt man Kriege, produziert und liefert man oder konsumiert und treibt Handel – ALLES geschieht auf der Basis von Krediten. Nebenbei bemerkt muss ein Kreditnehmer über irgendwelche Formen von »Sicherheiten« verfügen, damit der Kreditrahmen ausgeweitet werden kann. Diese Sicherheit kann materieller oder finanzieller Natur sein oder einfach auf Vertrauen beruhen, etwa im Sinne einer positiven Einstufung der Kreditwürdigkeit oder mindestens des Vertrauens des Kreditgebers.

 

Wir stehen gegenwärtig an einem Punkt der Entwicklung, der große Ähnlichkeiten mit der Lage vom Herbst 2008 aufweist, allerdings mit einigen schwerwiegenden Ausnahmen.

 

Die Welt steht vor einem globalen Margin Call. Diesmal sind allerdings keine souveränen Instanzen oder Gebilde übrig geblieben, die über eine ausgeglichene Bilanz verfügen, die man als Sicherheit für neue Kredite einsetzen könnte.

 

Ebenso wenig verfügen die verschiedenen Zentralbanken über weitere Instrumente, um die Geldpolitik steuern zu können. Sie haben bereits die [elektronischen] Gelddruckmaschinen angeworfen, die Schulden monetarisiert und die Zinsen bis fast oder ganz auf null gesenkt. Der frühere Präsident der Federal Reserve Bank von Dallas, Richard W. Fisher, musste einräumen, man habe die gesamte Munition verschossen!

 

Nebenbei bemerkt wurden die Zinsraten praktisch auf null gesenkt, damit das höhere Schuldensaldo überhaupt bedient werden konnte, aber gegenwärtig erreichen nicht einmal mehr Nullzinsen das gewünschte Ergebnis. Aus makroökonomischer Sicht erwirtschaftet die Realwirtschaft nicht in ausreichendem Maße verfügbare Barmittel (Gewinne und Steuereinnahmen), um die gegenwärtige Schuldenlast bedienen zu können.

 

Darüber hinaus stehen keinerlei sogenannte »Sicherheiten« mehr zur Verfügung, die man für neue Kredite hinterlegen könnte. Ob es sich nun um Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe oder sogar »Vertrauen« handelt – was Sicherheiten angeht, haben wir das Ende der Fahnenstange erreicht.

 

Wir haben vor Kurzem feststellen müssen (als ob wir es nicht schon bereits geahnt oder gewusst hätten), dass viele Statistiken falsch waren, und zwar seit vielen Jahren. Das erwartete und schon gefeierte angebliche amerikanische Jobwunder entpuppte sich am vergangenen Freitag als »Rohrkrepierer«, als sich zeigte, dass im Dezember 2015 statt der offiziell verkündeten 292 000 Arbeitsplätze in Wirklichkeit lediglich 11 000 Arbeitsplätze neu geschaffen worden waren.

 

Was vor zehn Jahren noch als Ketzerei verschrien worden wäre, ist heute zum Normalfall geworden: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich ebenso wie die Chinesische Volksbank (PBoC) und die Bank von Japan zu einem global agierenden Hedgefonds entwickelt. Und zweifelt irgendjemand ernsthaft daran, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve massiv auf den amerikanischen Kapitalmärkten aktiv ist? (Nebenbei bemerkt schrumpften die amerikanischen Geldmengen seit dem letzten Bericht vom 6. Dezember erheblich.) Was ist das überhaupt für eine Geldpolitik?

 

Souveränes »Geld« gründet seinen Wert auf die Aktienmärkte? Vergessen wir nicht, dass der Welthandel dabei ist einzubrechen, was sich an der Entwicklung des Baltic Dry Index (BDI) der letzten Woche zeigt. Der BDI bildet die Preise für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern ab und stürzte in der letzten Woche von einem Allzeittief zum nächsten.

 

Darüber hinaus wurde berichtet, dass Tanker (keine Erdöltanker) überall auf der Welt leer in den Docks dümpeln. Nicht nur bei Öl, sondern in vielen Bereichen herrscht ein derartiges Überangebot, dass man schon befürchtet, nicht über ausreichende Lagermöglichkeiten zu verfügen. Alle diese Aspekte verweisen auf einen sich anbahnenden massiven Einbruch der Realwirtschaft (Depression), die zugleich die größte Schuldenlast in der Geschichte tragen muss.

 

In der vergangenen Woche erlebten die Märkte auf der ganzen Welt massive Erschütterungen, von denen praktisch nichts unberührt blieb. Und für jeden weiteren Absturz wurden unterschiedliche Ausreden aufgetischt. Zuerst war der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verantwortlich, dann hieß es, der Absturz sei aufgrund der Abwertung des Yuan und des Absinkens des chinesischen Wirtschaftswachstums unter die magische Sieben-Prozent-Marke erfolgt. Ich habe sogar gehört, wie irgendjemand behauptete, jeder gehe von gigantischen Gewinnerwartungen aus, die man aber erst im neuen Steuerjahr 2016 realisieren würde, und daher habe man bis zur ersten Woche gewartet.

 

Ich glaube nichts von alldem, sondern behaupte stattdessen, dass wir es einfach mit einem globalen Margin Call zu tun haben. Damit war früher oder später zu rechnen, da die Welt auf dem größten Schuldenberg der gesamten Weltgeschichte sitzt. Wir haben einfach das Ende eines Kreditzyklus erreicht … und unglücklicherweise handelt es sich um den größten Kreditzyklus der Menschheitsgeschichte!

 

Jeder wusste, dass dieser Moment irgendwann eintreten würde, aber niemand berücksichtigte dies bei seinen alltäglichen Entscheidungen, da das Leben scheinbar »einfach weiterging«, als ob nichts grundsätzlich falsch liefe. Ich bin sicher, dass man uns bald Gründe über Gründe auftischen wird. Der eigentliche Grund hat aber damit zu tun, dass die Schulden einfach ein solches Ausmaß angenommen haben, dass ihnen keine ausreichenden Sicherheiten mehr gegenüberstehen, von einer gut laufenden Wirtschaft, die in der Lage wäre, die Schuldenlast zu tragen, ganz zu schweigen. So einfach ist es.

 

Und jetzt ist es soweit: Die Nachschussforderungen liegen auf dem Tisch. Jetzt wird es zu gewaltigen »Wertberichtigungen« kommen. Alle möglichen Formen von »Sicherheiten« werden infrage gestellt werden. Man wird genau überprüfen, ob die entsprechende »[Kapital-]Stärke, Liquidität und Eigentumsrechte« gegeben sind und ob die Sicherheit auch tatsächlich existiert oder ob sie nur auf dem Papier besteht.

 

Die Frage von »Vertrauen» und selbst die Frage, wem man überhaupt noch vertrauen kann, wird auf den Tisch kommen. Institutionelle Anleger, die seit Jahrzehnten miteinander gehandelt haben, werden sich argwöhnisch beäugen. Fragen wie »Werde ich bezahlt werden?« oder »Werde ich bekommen, für was ich bezahlt habe?« werden an der Tagesordnung stehen.

 

Natürlich wird auch die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, dass es so weit kommen konnte, gestellt werden. Aber wer oder was wird als der Schuldige ausgemacht werden? In einigen Jahren wird man verstehen, was die ausschlaggebenden Faktoren wirklich waren: zu hohe Verschuldung, zu hohe Fremdfinanzierung und spezielle, eigens konstruierte Finanzprodukte wie etwa Derivate. Aber zunächst dürfte allem und jedem die Schuld zugewiesen werden. Es könnte zu einem Bankenzusammenbruch in China oder Europa kommen, oder die Krise könnte in irgendwelchen unbedeutenden Orten wie etwa Pottersville ausbrechen.

 

Aber auch eine Militäraktion könnte der Auslöser sein.

 

Vielleicht im Nahmittelosten, in Osteuropa oder dem Südchinesischen Meer. Auch die Zahl oder Art der Beteiligten könnte sehr unterschiedlich sein. Die Bandbreite möglicher Akteure reicht von den USA, China, Russland oder Saudi-Arabien und Israel bis zum Iran sowie Syrien und dem Irak. Wer weiß das schon? Auch Erdöl könnte ebenso wie Gold ein Auslöser sein.

 

Die Zusammenbruchskrise könnte aber auch dadurch eingeläutet werden, dass die »Wahrheit« in Form einer »Wahrheitsbombe« (die blitzartige Erkenntnis einer eindeutigen und klaren Tatsache) und in Form von Schuldzuweisungen ans Licht kommt. Aber es könnte auch zu einem weltweiten Handelskrieg oder einem offenen Währungskrieg kommen.

 

Verfügen die Chinesen, Russen und Saudis über Staatsanleihen in ausreichender Höhe, die sie auf den Markt werfen könnten, um eine Zinserhöhung zu bewirken? Wenn es hart auf hart kommt, werden die Verträge eingehalten werden, und wenn ja, welche? Wenn ich raten müsste, werden die kommenden Ereignisse mit Sicherheit nicht »petrodollarfreundlich« ausfallen!

 

Alle diese Fragen und viele weitere werden gestellt werden. Die wichtigste von allen aber lautet natürlich, inwieweit Sie selbst in der Lage sind, dem Margin Call nachzukommen, oder ob Sie Geschäfte mit einem engen Geschäftspartner tätigen, der selbst nicht in der Lage ist, die erforderlichen Mittel nachzuschießen.

 

Mit »Sie« meine ich alle und jeden, jede Einrichtung und jede souveräne Regierung. Auf diese Weise wird es zum lang erwarteten Reset kommen, bei dem alles zurück auf null gestellt wird. Die Märkte werden geschlossen, und die Konten und Positionen werden glattgestellt und, falls erforderlich, liquidiert. Erst nach dem Neustart wird jeder erkennen, was ihm noch geblieben ist.

 

Die große Wertberichtigung steht vor der Tür, und jetzt erschallt überall der am meisten gefürchtete Ruf: »Margin Call, meine Herren!«

 

 

 

 

 

 


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