Thursday, 28. July 2016
21.03.2012
 
 

Down-Syndrom: Neuer Test bedeutet Todesurteil für alle betroffenen Kinder

Birgit Kelle

Heute, am 21. März, wird das erste Mal, von der UN anerkannt, der Welttag Down-Syndrom begangen, der die Situation von betroffenen Menschen in den Blick der Öffentlichkeit bringen will. Nötig ist es allemal, denn schon heute erblicken 90 Prozent all der Kinder mit der Diagnose Down-Syndrom gar nicht erst das Licht der Welt, weil es für sie ein vorgeburtliches Todesurteil bedeutet.

Der 21. März ist als Datum nicht willkürlich gewählt, sondern bewusst, in Anlehnung an das 21. Chromosom, das diese Menschen nicht zweimal, sondern dreimal besitzen – daher der medizinische Fachbegriff Trisomie 21. Betroffene Familien, aber auch Lebensrechtsverbände sind

alarmiert, da es in Deutschland in wenigen Monaten einen neuen Bluttest geben wird, mit dem bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel festgestellt werden kann, ob das ungeborene Kind Trisomie 21 hat. Von Medizinern wird dies als Erfolg gefeiert und als Vereinfachung der Untersuchung, Lebensschützer sprechen offen von Selektion menschlichen Lebens.

 

Bislang konnte die Behinderung nur durch eine Fruchtwasseruntersuchung festgestellt werden, die allerdings immer das Risiko birgt, dass die Schwangere das Kind ungewollt verliert. Der neue Test ist risikofrei und hat eine nahezu 100-prozentige Diagnosesicherheit. Da jetzt schon 90 Prozent aller Ungeborenen mit dieser Diagnose abgetrieben werden, ist nun zu befürchten, dass auch diese Zahl auf 100 Prozent steigt und es in absehbarer Zeit keine Menschen mit Down-Syndrom mehr geben wird. Doch ist dies ein Erfolg?

 

Mechthild Löhr, Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben, eines Verbandes der CDU, spricht von einer »Rasterfahndung«, die hier eingeführt werde: »Wenn dieser Test voraussichtlich noch Mitte des Jahres in Deutschland zugelassen wird, werden nach einer Diagnose ›Down-Syndrom‹ diese Kinder in Zukunft noch ›sicherer‹ abgetrieben werden. Unser Staat hat damit aufgehört, die ungeborenen Kinder mit Down-Syndrom und gegebenenfalls auch anderen Trisomie-Diagnosen noch zu schützen. Uns droht eine neue Eugenik von unten«.

 

Unser Grundgesetz schützt explizit Menschen mit Behinderung. Es ist noch nicht lange her, da hat auch die Bundesrepublik Deutschland die UN-Behindertenkonvention mit unterzeichnet, die jedem Menschen – egal mit welcher Behinderung – ein Recht auf Leben und Teilhabe an unserer Gesellschaft garantieren soll. Unsere Gesellschaft hat sich damit verpflichtet, durch neue, inklusive Konzepte allen Menschen den Zugang in alle Bereiche des Lebens zu verschaffen. Deswegen werden inzwischen in allen Teilen des Landes inklusive Schulen geschaffen, in denen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen und Freunde finden können. Wir machen das Internet barrierefrei und die Bürgersteige sowieso. Öffentliche Gebäude sind heute alle mit Rollstuhl »begehbar« – es tut sich viel in unserem Land.

 

Unter diesen Aspekten ist nur schwer verständlich, warum wir gleichzeitig mit Steuergeldern Forschung unterstützen, die nichts anderes im Sinn hat, als behindertes Leben herauszufiltern und zu eliminieren. Im Jahr 2011 hat das von Ministerin Schavan geleitete Bundesforschungsministerium mindestens 230.000 Euro an Steuergeldern ausgegeben, um die Entwicklung dieses Bluttests bei dem Biotechunternehmen GATC Biotech AG und seinem Tochterunternehmen LifeCodexx AG zu unterstützen – wohl wissend, dass solche Tests nicht dazu geeignet sind, behindertes Leben zu schützen, sondern dazu, es zu vernichten. Man fragt sich, auf wessen Seite das Ministerium eigentlich steht?

 

Im Vordergrund aller Diagnosen von Behinderungen steht schon jetzt nicht mehr das Leben des betroffenen Menschen, sondern sein soziales Umfeld. So wird allgemein angenommen, dass Eltern behinderte Kinder nicht wollen. Kann man Eltern ein behindertes Kind »zumuten«? Muss die Gesellschaft die oft lebenslangen Kosten mittragen? Es sind keine menschlichen Kriterien, die angelegt werden, sondern Kosten-Nutzen-Rechnungen – für das Kind bleibt es eine Frage auf Leben und Tod.

 

Down-Syndrom-Kinder sind fröhliche und in der Regel besonders liebenswerte Menschen. Ihr Existenzrecht als »Zumutung« für Eltern und Gesellschaft zu deklarieren, spiegelt in der Regel das Unwissen der Gesellschaft wider, die sich bereits daran gewöhnt hat, dass ihr immer weniger Down-Syndrom-Menschen begegnen.

 

Auch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, zeigt sich besorgt angesichts der neuen Testmöglichkeiten. Ihm geht es darum, ein neues Bewusstsein für die Situation von Menschen mit Down-Syndrom zu schaffen. »Die Menschen leiden nicht am Down-Syndrom, wie oft formuliert wird. Sie leiden allenfalls an oft immer noch bestehenden Vorbehalten in der Gesellschaft«, so Hüppe.

 

Dies bestätigen auch Eltern von Down-Syndrom-Kindern und solche, die sich mit der Diagnose in der Schwangerschaft an entsprechende Beratungsstellen wenden. In einer Gesellschaft, in der Behinderung zunehmend als vermeidbares Übel betrachtet wird, ist es für Eltern solcher Kinder besonders schwer. Müssen sie sich doch von der Schwangerschaft an zunehmend dafür rechtfertigen, warum sie das Kind »trotzdem« bekommen wollen oder bekommen haben.

 

In der Beratungsstelle für natürliche Geburt und Elternsein e.V. in München kann man von solchen Erfahrungen ein Lied singen. Dort organisieren sich Eltern von behinderten Kindern und beraten andere Familien, die sich mit einer derartigen Diagnose auseinandersetzen müssen. Heute haben sie aus Anlass des Down-Syndrom-Tags in der Münchner Innenstadt einen Stand aufgebaut und wollen über das Krankheitsbild informieren. Sie fordern die Unterstützung der Gesellschaft für diese Eltern, die nicht selten gegen Isolation, Stigmatisierung und Armut ankämpfen. Wurden früher Eltern mit einem behinderten Kind noch bedauert, so hätten sich die üblichen Kommentare heute geändert: »Haben Sie das denn nicht vorher gewusst?« – dazu ein verächtlicher Blick. Oder auch: »Das muss doch heute nicht mehr sein«. Mitarbeiter fassen ihre Erfahrungen so zusammen: »In unseren Beratungen erleben wir Paare, die sich gerade wegen dieser negativen gesellschaftlichen Konsequenzen nicht zutrauen, sich für ein Kind mit Down-Syndrom zu entscheiden, obwohl sie das Kind im Innersten eigentlich bejahen könnten. Sie können sich jedoch nicht vorstellen, von der Umwelt allein gelassen und isoliert zu sein oder dem Vorwurf ausgesetzt zu sein.«

 

Ja, faktisch betrachtet »muss es heute nicht mehr sein«, denn wir haben längst akzeptiert, dass die Diagnose einer Behinderung Grund genug ist, um eine Abtreibung zu legitimieren. Die Kehrseite der Medaille wird allerdings vergessen: Wenn wir Ungeborenen mit der Diagnose »behindert« das Lebensrecht nehmen – wie sieht es eigentlich aus mit dem Lebensrecht von Menschen, die erst im Laufe ihres Lebens eine Behinderung erlangen? Es reicht ein Sturz vom Fahrrad, und jeder von uns könnte betroffen sein. Haben wir dann kein Lebensrecht mehr, weil wir fortan zu anstrengend, zu aufwendig oder einfach zu teuer sind? Erst vor wenigen Wochen machten Wissenschaftler aus Australien unrühmlich von sich reden, die offen forderten, es solle für die Eltern von behinderten Kindern ein Tötungsrecht auch nach der Geburt geben. Denn wenn man Kinder vor der Geburt töten dürfe, warum dann nicht auch danach?

 

Vor einer Weile bekam ich in einer Begegnungsstätte für Menschen mit Behinderungen eine Kaffeetasse mit folgendem Aufdruck geschenkt: »Nicht behindert zu sein ist kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das uns täglich genommen werden kann.« Vielleicht sollte man Ministerin Schavan auch eine schicken.

 

 


 

 

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