Tuesday, 31. May 2016
12.03.2016
 
 

Smart-Meter-Zwang: Teuer, ineffizient, mit Datenschutzlücken und mehr Elektrosmog

Birgit Stöger

Im Jahr 2020 soll nach Plänen der Bundesregierung mit dem Einbau von intelligenten Stromzählern begonnen werden. Bis 2032 sollen dann alle Privathaushalte flächendeckend mit »Smart Meter«-Technik ausgestattet sein. Diese »Zwangsbeglückung« aus Sigmar Gabriels Ministerium stößt immer mehr auf Ablehnung, da die teure neue Technologie für den Endnutzer keinen nennenswerten Mehrnutzen verspricht, Lücken im Datenschutz aufweist und die Elektrosmogbelastung merklich erhöhen wird, ohne dass sich der Bürger dagegen wehren kann.

 

Ein »intelligenter Zähler« (Smart Meter) ist ein Zähler, der genau ermitteln kann, wann ein Haushalt oder Betrieb wie viel Strom verbraucht und was die größten Stromverbraucher sind. In Verbindung mit den schwankenden Ökostrommengen könnten etwa energiestarke Industrien oder aber auch Besitzer von Elektroautos dann besonders viel Elektrizität einsetzen, wenn deren Preis etwa wegen großer Solarproduktion gering ist. So die Idee.

Lohnt sich nicht – machen wir nicht!

 

Die Zähler sind jedoch teuer und müssen von den Haushalten über eine Gebühr bezahlt werden. Die Bundesregierung hatte sich Ende 2014 von »intelligenten Stromzählern« als Heilsbringer für die Energiewende auch aus diesem Grund verabschiedet. In der Begründung hieß es, dass diese Technologie nur dann lohnend sei, wenn ein massenhafter Einsatz von Elektroautos realisiert würde.

 

Dies ist bis dato nicht der Fall. Von einem massenhaften Einsatz galaxienweit entfernt, waren am 1. Januar 2016 gerade einmal 25 502 Elektro-Pkws in Deutschland angemeldet. So verabschiedete man sich Ende 2014 regierungsseitig vom geplanten Einsatz der »Smart Meter«-Technik, da diese die Energiewende noch weiter verteuern würde. Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake begründete die Entscheidung des Ministeriums damit, dass dies für private Haushalte zu teuer sei und sich nicht lohne.

 

Kommando zurück! »Smart Meter« in private Haushalte

 

Anfang des letzten Jahres jedoch kam das von Sigmar Gabriel (SPD) geführte Bundeswirtschaftsministerium mit einem »Eckpunktepapier – Baustein für die Energiewende: Sieben Eckpunkte für das Verordnungspaket Intelligente Netze« um die Ecke und veröffentlichte dieses. Darin ist im Einklang mit dem geschlossenen Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass bis 2032 sogenannte »Smart Meter« flächendeckend in privaten Haushalten installiert werden sollen.

 

Den verordneten Vorstoß, nun doch wieder auf den Zug der »Smart Meter«-Technik aufzuspringen, begründet das Ministerium damit, dass intelligente Stromzähler »Energieeffizienzpotenziale heben können«, ohne dass sie ständig ans Internet angeschlossen sein müssten. Vielmehr sei ein Einbau elektronischer Zähler gegenüber den herkömmlichen elektromechanischen Geräten bereits zu »äußerst geringen Mehrkosten« möglich. Zudem solle es eine »Marktdurchdringung nicht um jeden Preis geben«, so das Versprechen an den privaten Endverbraucher laut dem Nachrichtenportal Heise noch im Frühjahr 2015.

 

Im Papier festgehalten wurde die Idee, dass Vorreiter der neuen Technologie jene Konsumenten sein sollten, die von 2017 an jenseits von einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden pro Jahr liegen. Ab 2021 dachte das Ministerium an die Gruppe mit einem Bezug zwischen 6000 und 10 000 Kilowattstunden jährlich. Ein Pflichteinbau ist ferner für Erneuerbare-Energien- und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit einer Kapazität von mehr als sieben Kilowatt vorgesehen.

 

Die Kosten für die Messsysteme sollen bei unter 100 Euro pro Jahr gehalten werden, so das Eckpunktepapier. Und nochmals wurde durch Gabriels Ministerium dem Steuerzahler bekräftigt, dass man »Klein- und Durchschnittsverbraucher grundsätzlich von der Einbaupflicht mit intelligenten Messsystemen ausnehmen« werde (siehe Eckpunktepapier – Seite 4).

 

»Smart Meter sind ein teures Spielzeug, die Vorteile für Verbraucher sind gering«

 

Im August 2015 jedoch veröffentlichte die Bundesregierung einen Gesetzentwurf, dem die so vehement versprochene »Freiwilligkeit« anheimfiel. Darin ist nun geregelt, dass unter bestimmten Voraussetzungen Haushalte mit weniger als 6000 Kilowattstunden Verbrauch gezwungen werden können, sich an das Netz der »intelligenten Stromzähler« anzuschließen. Wie das Portal Stromauskunft aktuell berichtet, soll ab einem jährlichen Stromverbrauch von 6000 Kilowattstunden ein Haushalt zum Smart Metering verpflichtet werden. Unterhalb dieser Grenze läge die Nutzung der neuen Technik im Ermessen des örtlichen Versorgers beziehungsweise Netzbetreibers.

 

Wie Kritiker zuvor schon aufzeigten, rechnen sich die »intelligenten Messsysteme« für den privaten Verbraucher nicht, da Einbau- und Installationskosten nicht ansatzweise durch Stromspareffekte ausgeglichen werden können. Umwelt- und Verbraucherverbände kritisieren den geplanten Smart-Meter-Zwang zunehmend. So gehen der Verbraucherzentrale (vzbv) die Pläne der Regierung bereits »viel zu weit«.

 

Dass mit der neuen Regelung möglicherweise jeder noch so kleine Haushalt unter die Einbauverpflichtung fallen könne, »ist überhaupt nicht nachvollziehbar«. Die Ausstattung mit einem intelligenten Messsystem dürfe nicht nur optional für den Messstellenbetreiber, sondern müsse auch optional für den Endverbraucher sein. Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen resümiert: »Smart Meter sind ein teures Spielzeug, die Vorteile für Verbraucher sind gering.«

 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bezeichnete die neuen Messgeräte Ende Februar als ineffizient und nicht verbraucherfreundlich. »Die Bundesregierung treibt die Digitalisierung des Stromnetzes voran, wo es nichts bringt, und der Stromverbrauch der Digitalisierung ist höher als die Einsparungen beim Kunden«, so Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND.

 

Datenschutzlücken und Elektrosmog

 

BUND-Experte für elektromagnetische Felder Wilfried Kühling warnt davor, dass zum einen sogar gegen den Willen des Bürgers eine »Elektrosmogquelle« in jedem Haushalt eingebaut werden könne. Zum anderen sei zudem der Datenschutz gefährdet. Die Geräte würden zur stetigen Übermittlung von Energieverbrauchsdaten an den Stromanbieter in der Regel entweder auf die Stromleitung zurückgreifen oder über einen Mobilfunksender verfügen. Hierbei – egal, welcher Übertragungsweg gewählt werde – erhöhe sich, abhängig von der Häufigkeit der übermittelten Daten, die elektromagnetische Strahlung in Innenräumen, so Kühling. Zudem habe der Kunde nach seiner Einschätzung keine Kontrolle über seine Zählerdaten. Diese können von Dritten abgegriffen und missbraucht werden.

 

»Verbraucher müssen die freie Wahl haben, funkbasierte Übertragungstechniken abzulehnen. Es muss Rücksicht genommen werden auf Menschen, die sensibel auf Elektrosmog reagieren oder breitbandige Funktechnologien ablehnen, weil sie gesundheitliche Folgen befürchten«, so die Forderung des Experten für elektromagnetische Felder. Eine mögliche Lösung, Elektrosmog zu minimieren, seien kabelgebundene Übertragungswege per Ethernet, Festnetz-DSL oder auch Glasfaser. Dies seien wirklich intelligente Techniken. Die elektronische Zählerauslesung vorzuschreiben, ohne zuerst die Datensicherheit und die Art der Nutzung zu regeln, sei vollkommen inakzeptabel, so Kühling.

 

Dem Bürger in verständlicher Weise die Vor- und Nachteile aufzeigen

 

Nicht nur der BUND fordert, Informationen über die Vor- und Nachteile von Strommesssystemen und deren Belastungen sowie Datenerhebungs- und Datenübertragungsintervalle allen Verbrauchern in verständlicher Weise vor dem Einbau zugänglich zu machen. Auch ein nachträgliches Umbaurecht müsse gesetzlich verankert werden.

 

 

 

 

 

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