Saturday, 30. July 2016
10.03.2016
 
 

Verteidigungsministerin von der Leyen behält Doktortitel

Birgit Stöger

Der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover hat am Mittwoch entschieden, dass Ursula von der Leyen (CDU) ihren Doktortitel behalten darf.

 

Ursula Gertrud von der Leyen wird der Doktorgrad nicht aberkannt. Das hat die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) entschieden, nachdem ein Gremium die Plagiatsvorwürfe gegen die Bundesverteidigungsministerin ein halbes Jahr prüfte. Es habe »kein durch Täuschungsabsicht geleitetes Fehlverhalten« gegeben, sagte der Präsident der MHH und Senatsvorsitzende Christopher Baum auf einer Pressekonferenz am Mittwochabend.

Plagiatanteil von 43,4 Prozent in von der Leyens Dissertation

 

Ende August 2015 hatte VroniPlag Wiki ‒ eine Internetseite, die seit 2011 Dissertationen auf Plagiate untersucht ‒ darauf hingewiesen, dass bei der Dissertation der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen schwere Regelverstöße und somit der Verdacht auf Plagiate, also auf »Diebstahl geistigen Eigentums«, bestehe.

 

Von der Leyen bestritt, in ihrer Dissertation betrogen zu haben, und bat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die MHH durch eine »neutrale Ombudsstelle« um eine Überprüfung ihrer beanstandeten Dissertation aus dem Jahr 1990. Nach einer Vorprüfung leitete die Medizinische Hochschule Hannover im Oktober des letzten Jahres eine förmliche Untersuchung ein.

 

Die Plagiatsdokumentation VroniPlag hatte auf 27 von 62 Seiten Plagiatsstellen in von der Leyens Dissertation dokumentiert, was einem Anteil von 43,4 Prozent entspricht. Auf drei Seiten wies VroniPlag nach, dass von der Leyen 50 bis 75 Prozent fremdes geistiges Eigentum übernommen hatte. Auf fünf Seiten wurden mehr als 75 Prozent Plagiatstext aufgefunden.

 

Der Juraprofessor und Plagiatsexperte Volker Rieble von der Ludwig-Maximilians-Universität München erklärte im Jahr 2015, dass es sich »um ein eindeutiges Plagiat« handele. Von der Leyen hätte eindeutig abgeschrieben, so Rieble.

 

Gerhard Dannemann, der zum Kernteam von VroniPlag zählt und an der Berliner Humboldt-Universität lehrt, war nach der Dissertationsüberprüfung durch die Plagiatsplattform ebenfalls der Ansicht, dass es sich hier um keinen »Grenzfall« handele. Von der Leyen habe unter anderem Fehler von anderen Autoren abgeschrieben. Aufgrund der Häufigkeit und leichten Vermeidbarkeit dieser Fehler spreche alles für »grobes Schlampen«, so die Bewertung Dannemanns im September des letzten Jahres.

 

Eine »reine Weste« sieht anders aus

 

Der Senat, das höchste akademische Gremium der Hochschule, habe die Dissertation »sorgfältig, objektiv, ergebnisoffen und ohne Ansehen der Person geprüft« und dennoch mit sieben zu eins Stimmen, bei einer Enthaltung, entschieden, dass die Verteidigungsministerin ihren Doktorgrad weiter führen darf. Kommission und Senat seien zu dem Schluss gekommen, »dass das Muster der Plagiate nicht für eine Täuschungsabsicht spricht«, so Professor Dr. Christopher Baum, Präsident der MHH.

 

Die beauftragte Kommission »Gute Wissenschaftliche Praxis« der nahezu vollständig durch Bund und Länder finanzierten europaweit größten Forschungsförderungsorganisation »Deutsche Forschungsgemeinschaft« (DFG) und der Senat der MHH haben laut Pressemitteilung der Hochschule allerdings übereinstimmend »klare Mängel«, maßgeblich in der Einleitung der Dissertation, gefunden.

 

»Wir sprechen von Fehlern, für die Frau Dr. von der Leyen als Autorin der Dissertation verantwortlich ist«, so der Hochschulpräsident. Konkret gehe es um Fehler in der Form von Plagiaten, also Übernahme fremder Textpassagen, ohne die Originalautoren korrekt zu kennzeichnen. Sprich: Frau Dr. von der Leyen hat das geistige Eigentum Dritter als das eigene ausgegeben.

 

Plagiat hin oder her: Von der Leyen genießt das »vollste Vertrauen« der Bundeskanzlerin

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich bereits unmittelbar vor der Entscheidung über den Doktortitel von Ursula von der Leyen hinter ihre Verteidigungsministerin gestellt. Auch ohne akademischen Grad besitze von der Leyen ihr Vertrauen, so Merkels Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.

 

Das letzte Mal sprach Merkel ihr »vollstes Vertrauen« ihrer politischen Freundin Anette Schavan (CDU) aus. Schavan war im Jahr 2012 über die gegen sie erhobenen Plagiatsvorwürfe in ihrer Doktorarbeit im Fach Erziehungswissenschaften gestolpert. Der zuständige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf hatte in einem Plagiatsverfahren die Arbeit gegen die Merkel-Vertraute und ehemalige Bundesbildungsministerin aufgenommen und ihr schlussendlich den Doktortitel aberkannt.

 

In ihrer »Doktorarbeit« war als Muster erkennbar, dass Schavan oft vorgab, Primärquellen zu rezipieren, aber tatsächlich mit leichten Abwandlungen aus der Sekundärliteratur abgeschrieben habe, ohne diese zu benennen. Anfang 2013 erklärte Schavan den Rücktritt von ihrem Ministeramt, den Freundin und Bundeskanzlerin Angela Merkel »sehr schweren Herzens« annahm.

 

Im Jahr 2014 erhielt die titellose Ex-Bildungsministerin von der Universität Lübeck aber schnell noch die medizinische Ehrendoktorwürde verliehen. Danach entschwand Schavan trotz offener Kritik auf den Posten der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom. Anstoß nahmen die Kritiker weniger daran, dass Schavan nachweislich betrogen hatte und trotzdem wieder auf einem hochdotierten Posten Platz nehmen konnte. Der Personalrat des Auswärtigen Amts kritisierte, dass Schavan nach der Aberkennung ihres Doktorgrades über keinen Studienabschluss verfüge. Ihr fehlten somit die »Eingangsvoraussetzungen für den höheren Auswärtigen Dienst«, so die Entrüstung.

 

»Durch den Entzug des Doktortitels wird der soziale Geltungsanspruch einer Person zerstört«

 

Professor Wolfgang Löwer, ehemaliger Richter am Verfassungsgerichtshof NRW und angeblich einer der »wichtigsten Experten für saubere wissenschaftliche Arbeit in Deutschland«, sprach sich bereits bei der Plagiatsaffäre von Anette Schavan und nochmals zu Beginn der Plagiatsvorwüfe gegen von der Leyen dafür aus, »nach so langer Zeit keine Sanktionen mehr gegen die Autoren zu erheben«. Er plädierte für eine Verjährungsfrist von 15 Jahren.

 

»Durch den Entzug des Doktortitels wird der soziale Geltungsanspruch einer Person zerstört«, so das Argument des Professors Löwers, dem die Reputation von Leuten wie Schavan, von Gutenberg oder von der Leyen schützenwert scheint, anstatt sich eindeutig gegen den Diebstahl geistigen Eigentums auszusprechen und dies zu verurteilen.

 

 

 

 

 

 

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