Sonntag, 4. Dezember 2016
16.08.2010
 
 

Bancor: IWF plant neue Weltwährung

Brigitte Hamann

Der Dollar ist auf dem absteigenden Ast, das ist auch den regierenden Eliten klar. Die Lösung ist einfach: Wenn ein Schiff sinkt muss man sich auf ein anderes retten.  Wenn die eine Kuh keine Milch mehr gibt schafft man sich eine andere an. Ein Plan dafür liegt bereits in den Schubladen des IWF: eine neue globale Papierwährung, die, so wird den Bürgern in Aussicht gestellt, alle Sorgen von uns nimmt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits seit einiger Zeit ist bekannt, dass der IWF sich mit der Ablösung des Dollars als Weltleitwährung befasst. Nicht bekannt war bis vor kurzem wie weit dieser Plan bereits gediehen ist. Am 13. April veröffentlichte der IWF eine brisante aber bislang kaum beachtete Studie mit dem Titel Reserveakkumulation und internationale Währungsstabilität.

Erstellt wurde der Bericht von Reza Moghadam von der Abteilung Strategie, Politik und Revision, und, wie es dort heißt, »in Zusammenarbeit mit den Abteilungen Finanzen, Recht, Währungs- und Kapitalmärkte und Statistik sowie in Konsultation mit den für die einzelnen Gebiete zuständigen Abteilungen«. Dieser Bericht hat es durchaus in sich. Ihn unbeachtet zu lassen wäre sträflich.

Der Bericht erläutert, warum die neue Weltwährung nicht in einem landesspezifischen Geld (inside money), sondern in einem grenzüberschreitenden Geld (outside money) bestehen sollte, das von den Regierungen gehandelt wird, wie die Sonderziehungsrechte des IWF - und wie dieser Übergang langfristig bewerkstelligt werden könne. Einen Namen hat man für die neue Weltwährung offensichtlich auch schon gefunden.

Der Plan des IWF trägt unübersehbar den Stempel von Keynes:

»Eine von einer Weltzentralbank ausgegebene Weltwährung, der Bancor, würde als stabiler Wertspeicher ausgelegt, der nicht ausschließlich an die Bedingungen einer bestimmten Volkswirtschaft gebunden ist... Die Weltzentralbank könnte als Kreditgeber der letzten Instanz dienen, der im Falle einer schweren Erschütterung die nötige Liquidität für das gesamte System bereitstellt, und das automatischer als zurzeit.«

Es war John Maynard Keynes, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Idee vorstellte, eine Weltwährung mit dem Namen Bancor einzuführen. Keynes war damals Leiter der Britischen Delegation und Vorsitzender der Weltbankkommission. Sein Vorschlag wurde hauptsächlich aus nationalistischen Erwägungen abgelehnt. Stattdessen wurde in Bretton Woods ein internationales Währungssystem etabliert, das auf dem Dollar basierte, der wiederum an Gold gekoppelt war. Dieser sogenannte Goldstandard war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Um ihn aufrecht zu erhalten hätten die USA eine Dollar-Golddeckung im vereinbarten Umfang dauerhaft sicherstellen müssen – was, wie wir wissen, nicht geschah. Im Gegenteil, die USA nutzen ihre Vormachtstellung als Weltleitwährungsnation und druckten Geld nach Bedarf bis das Bretton-Woods-System Ende der 1960er Jahre zusammenbrach und der Goldstandard aufgegeben wurde.

Der Dollar blieb Weltleitwährung, ein Farce par excellence.  An die Stelle des Goldstandards trat dann unser heutiges globales Papiergeldsystem mit frei schwankenden Wechselkursen. Die USA spielten ihren Joker weiter aus und trieben sich und die Welt in die heutige Verschuldung. Der Dollar wurde zur Luftnummer und löste sich immer mehr in Rauch auf. Die Finanzelite sieht nun ihre Pfründe schwinden, aufgeben ist aber nicht ihr Stil. Also muss eine Lösung her: Der Vorschlag für eine Weltwährung und eine Weltzentralbank wird erneut ins Spiel gebracht.

Welches Problem will der IWF mit der Einführung einer neuen Weltwährung eigentlich lösen? Die Antwort ist einfach: Das Problem besteht darin, dass die Zentralbanken Reserven horten. In den letzten Jahren hat die Reserveakkumulation drastisch zugenommen: 2009 waren es 13 Prozent des weltweiten BIP, das ist ein Anstieg um das Dreifache in zehn Jahren, so der Bericht.

Was hier laut IWF schief läuft ist pure keynesianische Währungspolitik. Danach sollen die Zentralbanken ihre Reserven als Kredite vergeben, was zu einem Boom bei Verbrauch und Investitionen und damit zu ewigwährender globaler Glückseligkeit führt… die damit einhergehende Hyperinflation nimmt man doch gern in Kauf.

Leider funktioniert diese Idee bereits im Ansatz nicht. Da wir in einem System von Einzelstaaten leben beeinflusst die jeweilige wirtschaftliche Lage die Kreditaufnahme und –vergabe. Kredite kann und wird nur aufnehmen, wer eine Aussicht auf Umsatzwachstum oder zumindest –stabilität sieht, und wer sich in der Lage dazu sieht, diesen Kredit auch abzutragen. Wenn keine Kredite vergeben und auch nicht in Anspruch genommen werden, steckt das Geld im Bankensystem fest. Die Wundertüte des immer währenden Wirtschaftswachstums bleibt zu. Das war besonders in den letzten zwei Jahren der Fall. Ginge es nach dem IWF würden die USA und der Rest der Welt jetzt im Geld schwimmen.

Stattdessen sparen die US-Bürger was sie nur können. Das Kreditkartenwunder- und Borgerland USA hat einen Kurswechsel vollzogen und hat sich vom Saulus zum Paulus gewandelt, der Not gehorchend… Denn den Banken gehen die Kredite nicht mehr so leicht von der Hand. Nach der Euphorie der letzten Jahre ist nun Realitätssinn eingekehrt. Peinlich berührt blicken sie auf ihre Bilanzen und lassen die Reserven lieber im Tresor. Die Kreditvergabe bringt bei einem Zinssatz, der fast bei Null liegt, auch nicht viel ein, und außerdem wacht die Bankenaufsicht strikter als je zuvor.

Nach all dem Kreditvergabewahn und Kaufrausch, der durch die USA (und andere Länder) rollte, ist diese Situation vielleicht gar nicht so schlecht, vor allem, wenn man die Alternative einer neuen Blase bedenkt.

Das aber will der IWF nicht gelten lassen. Seine Gründe legt er allerdings nicht näher dar. Hohe Reserven verlängern die Rezession weil Investitionen und Konsum gedämpft werden. Dem muss, ganz nach Keynes, durch Aufdrehen des Geldhahns entgegen gewirkt werden.  Deshalb will der IWF koste es was es wolle ein System finden, das das Geld wieder in den Umlauf bringt.

Die Begründung für eine Weltwährung und Weltzentralbank lautet, die Reserven könnten in einem globalisierten System immer einen Markt finden, während dies in einem national basierten Bank- und Währungssystem nicht immer der Fall ist.

Ein wissenschaftlicher Bericht kann mehrere Hundert Seiten lang eloquent über die Vorteile eines Weltsystems daherreden. Es führe zu mehr Stabilität, Effizienz und weniger Politisierung von Geld und Kredit. Da ist nun tatsächlich etwas dran: Ein echter Goldstandard tendiert immer zu einem globalen Währungssystem. Unterschiedliche Landeswährungen sind nur unterschiedliche Namen für dasselbe Ding.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass bei einem echten Goldstandard das Edelmetall eine Grenze setzt. Der Markt bestimmt darüber, was geschieht. In einem globalen Papiergeldsystem ist das anders. Papiergeld kennt kein Limit, es kann frei produziert werden und die Politiker sind die Herren. Sie bestimmen, wann und wie viel gedruckt wird. Eine Welt-Papierwährung und eine Weltzentralbank würden zu einem noch nie dagewesenen globalen inflationären System führen und die regierende Elite könnte totale Kontrolle ausüben.

Damit auch alle einsehen, wie gut der Vorschlag des IWF ist, wird er, wie in solchen Fällen üblich, von einer Warnung vor den drastischen Folgen bei Nichtbeachtung begleitet. »Seit Langem wird darüber debattiert und spekuliert, ob der Dollar zusammenbrechen könnte«, heißt es in dem Bericht. Sollte es einen Run auf den Dollar geben, könnten die Zentralbanken untereinander wetteifern, ihn dauerhaft abzustoßen. Weil sich nun viele fragen, betont das Papier weiter, ob es »gute Alternativen zum Dollar gibt«, wäre es doch eine gute Idee, eine solche Alternative lieber früher als später herzustellen.

Dass eine Alternative zur Weltreservewährung Dollar gefunden werden muss, steht außer Frage. Mehr vom selben ist jedoch nicht besser. Eine noch globalere Papiergeldwährung als es der Dollar schon ist kann nur in die Katastrophe führen.

Llewellyn H. Rockwell Jr., der Präsident des Mises Institutes in Auburn, Alabama und Herausgeber von Lewrockwell.com hat einen Vorschlag: »Wenn wir eine Alternative zum Dollar wollen, so gibt es eine, die sofort machbar wäre, wenn wir sie nur zuließen. Private Devisenhändler in aller Welt könnten selbstständig eine neue Währung entstehen lassen, die auf Gold beruht und mittels digitaler Medien gehandelt wird. Mehrfach stand ein solches System in den letzten 20 Jahren kurz davor, realisiert zu werden. Aber was geschah? Die Regierung ist eingeschritten und hat es gestoppt. Die regierenden Eliten haben entschieden, dass es keine Währungsreform geben wird – es sei denn, sie käme aus den Marmorpalästen der Währungseliten.«

Quelle: http://mises.org/daily/4620

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