Wednesday, 28. September 2016
07.07.2010
 
 

Weltleitwährung Dollar reif für den Sondermüll

Brigitte Hamann

Der Dollar, einst die respektable Währung einer aufstrebenden Nation, ist schon lange eine Luftnummer. Andere Währungen wie der Yuan und der Rubel stehen am Start und warten auf den Anpfiff. Das Rennen um die Nachfolge tritt in eine neue Phase.

Etwas weniger drastisch formulierte das nun ein weiterer Bericht der Vereinten Nationen. »Verschrottet den Dollar als Weltreservewährung: U.N. Bericht« titelte Reuters am 29. Juni.

Ein weiteres Mal tritt die UNO für die Ablösung des Dollars als Weltleitwährung ein. »Es hat sich erwiesen, dass der Dollar keinen stabilen Werterhalt garantieren kann, was die Grundvoraussetzung für eine stabile Weltreservewährung ist«, heißt es im U.N. World Economic and Social Survey 2010. Entwicklungsländer seien von dem Wertverlust des Dollars in den letzten Jahren stark betroffen worden. »Teilweise durch die Suche nach Sicherheit gegen die Schwankungen bei Gütern, Rohstoffe und Kapitalflüssen haben viele Entwicklungsländer in den vergangenen zehn Jahren große Mengen der Weltleitwährung angehäuft.«

Die Sonderziehungsrechte des IWF (SZR) sollen den Dollar als Weltleitwährung ersetzen, so der Bericht. Sie wurden 1969 vom Internationalen Währungsfonds für IWF-Kredite eingeführt und stellen eine künstliche Währung dar, die nicht an den Devisenmärkten gehandelt wird. Der Wert der SZR errechnet sich aus einem Korb von wichtigen Währungen. Berechnungsgrundlage sind das Gewicht der jeweiligen Währung am Weltexport und die in dieser Währung gehaltenen Reserven der IWF-Mitglieder. Bisher standen die USA an erster Stelle. Der UN-Bericht zeigt, dass eine gravierende Verschiebung eingetreten ist.

»Eine neue Weltreservewährung könnte geschaffen werden, eine, die sich nicht länger auf den US Dollar als Weltleitwährung stützt«, lautet der Vorschlag des am 29. Juni veröffentlichten Berichts, dessen Fokus darauf liegt, »die globale Entwicklung mit neuem Werkzeug auszustatten«.

Das neue Reservesystem müsse nicht auf einer einzigen Währung aufgebaut sein und ebenso wenig auf eine Anzahl von nationalen Währungen, sondern könnte stattdessen die Ausgabe internationaler Liquidität ermöglichen – wie es die Sonderziehungsrechte sind – um ein stabileres Weltfinanzsystem zu schaffen. Den vollständigen Bericht können Sie hier abrufen.

 

Der lange Weg der Abkehr vom US-Dollar

Nachdem der Dollar von Oktober 2002 bis November 2007 gegenüber dem Euro rund 67 Prozent an Wert verloren hatte und sich die Talfahrt insgesamt fortsetzte, kam es ab Dezember 2009 plötzlich zu einem segensreichen Wandel: die Euro-Krise brach aus. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit wandte sich vom Dollar ab und dem Euro zu, just nachdem sich die totale US-Pleite angekündigt hatte.

Der Dollar stieg und der Euro fiel. Weltweit flüchteten die Investoren wieder in den Dollar, nachdem sie zuvor in den Euro geflüchtet waren. Die Chinesen atmeten auf und kauften wieder US-Staatsanleihen. Das amerikanische Szenario entspannte sich – von außen betrachtet.

Große Kraken sterben nicht so schnell. Der Dollar hat seine Arme überall in der ganzen Welt ausgebreitet und ist in die meisten Nischen eingedrungen.

Als Herakles die Hydra, das Ungeheuer mit den neun Köpfen, besiegte, brauchte er lange, bis er die richtige Methode fand. Zunächst schlug er die neun Köpfe ab, von denen acht sterblich, einer jedoch unsterblich war. Sie wuchsen jedoch immer wieder nach. Schließlich brannte er mit einer Fackel jeden der enthaupteten Hälse aus, sodass nur noch der unsterbliche Kopf nachwachsen konnte. Den schlug er abermals ab, begrub ihn und wälzte einen schweren Stein darüber.

Ob der Dollar unsterblich ist wird sich zeigen. Bestimmte seiner Attribute wie das seines Weltleitwährungsstatus sind es jedoch nicht.

 

Eine kleine Chronik

Versuche, dem Dollar als Weltreservewährung eine Absage zu erteilen, gibt es schon lange. Besonders intensiv waren die Angriffe im vergangenen Jahr. Hier eine kleine Chronik wichtiger Ereignisse:

 

Dezember 2007: Sieben Staaten erwägen eine generelle Abkehr vom Dollar, unter ihnen enge Verbündete der Vereinigten Staaten wie Saudi-Arabien, aber auch Gegner wie die Islamische Republik Iran und Sudan.

 

Juni 2009: Das Handelsblatt berichtet: »Russland befeuert Debatte um neue Weltleitwährung. (…) Russland hält einen Aufstieg des chinesischen Yuan als Alternative zum US-Dollar für möglich.«

Der Präsident der UNO-Vollversammlung, Miguel d’ Escoto, kämpft darum, dass sich die für den 1. bis 3. Juni geplante UNO-Konferenz zur Weltwirtschaftskrise für die Ablösung des Dollar als Reservewährung einsetzt. In einem Entwurf für das Abschlussdokument des Gipfeltreffens wird ein neues System der internationalen Währungsreserven gefordert. Der Gipfel wird kurzfristig auf den 24. bis 26. Juni verschoben. Er verlief dann ohne besondere Ergebnisse.

Juli 2009: China und Frankreich machen sich für eine Debatte über das Währungssystem stark.

Der russische Präsident Dimitri Medwedew untermalt die Forderung Moskaus nach einer supranationalen Währung, die den Dollar ersetzen soll, mit einer drastischen Geste. Auf dem G8-Gipfel im italienischen L’ Aquila Anfang Juli zieht er eine Münze aus der Tasche, die den Prototyp einer »künftigen Weltwährung« darstellen soll.

 

September 2009: Die UNO widmet ein ganzes Kapitel des UNCTAD-Berichts dem Vorschlag, der Dollar solle durch eine neue Weltleitwährung ersetzt werden. Zum ersten Mal hat damit eine große, multinationale Institution eine radikale Generalüberholung des Weltwährungssystems vorgeschlagen.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad ordnet an, dass die Einnahmen des staatlichen Oil Stabilisation Funds (OSF) in Euro statt in Dollar bezahlt werden.

 

Oktober 2009: Die britische Zeitung The Independent berichtet auf ihrer Internetseite, die Golfstaaten würden erwägen, den US-Dollar im Rohölhandel durch einen Währungskorb aus Yen, Yuan, Euro und Gold zu ersetzen. Geheime Gespräche mit Russland, China, Japan und Frankreich soll es bereits geben. Diese Nachricht wurde von dem Chef der saudi-arabischen Notenbank, Mohammed al-Dschasser, dementiert.

 

Januar 2010: Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos fordert der französische Präsident Nicholas Sarkozy den Umbau des Weltfinanzsystems. Laut Sarkozy werde Frankreich, das im kommenden Jahr den Vorsitz der G20 übernimmt, »ein neues Bretton Woods« anregen.

 

Juni 2010: Der russische Präsident Dimitri Medwedew macht einen weiteren Vorstoß, die Vorherrschaft des Dollars zu beschneiden und den Rubel als eine der zukünftigen Weltleitwährungen einzusetzen.

 

Auch die Medien wenden sich dem Thema Weltreservewährung wieder zu. Das Manager Magazin kommt in der vierteiligen Serie »Das Internationale Währungschaos« zu dem Schluss: »Die Welt braucht eine neue Geldordnung« und fragt: »Braucht die Welt ein neues Bretton Woods

 

 


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