Samstag, 10. Dezember 2016
16.05.2014
 
 

Der Ethanol-Mythos wird erschüttert: Biotreibstoffe aus Mais setzen mehr Treibhausgase frei als Benzin

David Gutierrez

Biotreibstoffe aus Mais setzen mehr Treibhausgase frei als konventionelles Benzin; das belegt eine Studie, die am 20. April in der Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurde. Die 500 000 Dollar teure und von der US-Regierung bezahlte Studie bedeutet nach allgemeiner Erwartung einen erheblichen Rückschlag für den Plan der Obama-Administration, solche Biokraftstoffe zu fördern, um die seit 2007 gesetzlich festgelegten Ziele für erneuerbare Energien zu erreichen.

Für 2014 sah das Gesetz ursprünglich 1,75 Milliarden Gallonen (ca. 6,6 Mrd. Liter) Zellulose-Biokraftstoff vor; die Regierung in Washington hat mehr als eine Milliarde Dollar an Subventionen gezahlt, um dieses Ziel zu erreichen. Dennoch liegt die Industrie zurzeit so weit unter dem Wert des Vorjahrs, dass die US-Umweltschutzbehörde Environmental Protection Agency (EPA) vorschlägt, das Ziel zum fünften Mal nach unten zu revidieren, dieses Mal auf rund 17 Millionen

Gallonen (64 Mio. Liter).

 

Die neue Studie versetzt der Industrie einen weiteren Schlag. Wenn Zellulose-Biokraftstoffe – die hauptsächlich aus der Sammlung und Verwertung der Abfälle, die nach der Ernte auf Maisfeldern verbleiben, gewonnen werden – nicht mehr als sauberere Treibstoffe gelten, geht Anspruch auf staatliche Subventionen in Höhe von einem Dollar pro Gallone verloren.

 

Mit dem Verlust dieser Subvention kann die gesamte Gewinnmarge aus der Produktion dieser energieintensiven Treibstoffe kippen. Darüber hinaus würden Raffinerien, die die Ziele für erneuerbare Kraftstoffe gemäß dem Gesetz von 2007 erreichen wollen, solche Zellulose-Kraftstoffe wohl kaum abnehmen wollen, sodass sie noch unprofitabler würden.

 

Die neue Studie deutet zwar darauf hin, dass Zellulose-Biokraftstoffe langfristig sauberer sein können als Benzin, doch würde sich dieser Vorteil nicht schnell genug manifestieren, um die Ziele für 2014 zu erreichen.

Schlimmer als Benzin

 

Die neue Studie ist eine der ersten, bei denen versucht wird, den Treibhausgas-Effekt des Aufsammelns der Reste nach der Maisernte quantitativ zu erfassen. Normalerweise könnten sich diese Reste auf dem Feld zersetzen und den enthaltenen Kohlenstoff an den Boden zurückgeben, wo er gebunden würde.

 

Werden die Reste jedoch zu Biotreibstoff verarbeitet und anschließend verbrannt, gelangt dieser Kohlenstoff stattdessen in die Atmosphäre.

 

Die Studie, die in zwölf Bundesstaaten des so genannten Maisgürtels in den USA durchgeführt wurde, ergab, dass Zellulose-Biokraftstoffe aus Mais sieben Prozent mehr Treibhausgase freisetzen als herkömmliches Benzin.

 

Die Obama-Regierung und die Biokraftstoffindustrie haben die Studie sofort zurückgewiesen. Sie werfen den Forschern vor, zu überschätzen, wie viel Abfall auf Maisfeldern tatsächlich eingesammelt würde. Bei der Studie wurden jedoch unterschiedliche Mengen an Ernteabfällen untersucht; die Verwendung von Zellulose-Biotreibstoffen hatte unabhängig von der Menge der auf den Feldern verbleibenden Abfälle negative Auswirkungen auf das Klima.

 

Biokraftstoff-Unterstützer nutzen fragwürdige Daten

 

Die Umweltschutzbehörde EPA machte derweil geltend, ihre eigene Analyse habe ergeben, dass Treibstoffe aus Maisabfällen die 2007 formulierten Energiestandards, wonach Biotreibstoffe 60 Prozent weniger Kohlenstoff freisetzen müssen als Benzin, erreichten. Hingegen hat eine Untersuchung der Nachrichtenagentur Associated Press gezeigt, dass die EPA-Analyse fehlerhaft war und die wirklichen Folgen für die Umwelt nicht berücksichtigte.

 

Unterstützer der Biokraftstoffe aus Maisabfällen verweisen außerdem auf eine Studie, die 2012 vom US-Energieministerium durchgeführt wurde und ergab, dass die Treibstoffe 95 Prozent weniger Kohlenstoff freisetzten als konventionelles Benzin. Allerdings ging diese Studie davon aus, dass dieser Vorteil zum Teil daher rühren würde, dass die Kraftstoffe als Ersatz für Kohle zur Stromgewinnung eingesetzt würden – ein rein hypothetisches Szenario.

 

»Ich wusste, dass diese Studie für Streit sorgen würde«, sagte Erstautor Adam Liska von der University of Nebraska-Lincoln. »Ich wundere mich, dass er bisher noch nicht viel härter ausgetragen wird.«

 

David Tilman, der an der University of Minnesota über Biokraftstoffe forscht und an der neuen Studie nicht beteiligt war, bezeichnete sie als die bisher beste. »Diese Studie besagt, dass es sehr schwer werden wird, einen Biokraftstoff aus Maisabfällen herzustellen, der eine bessere Treibhausgas-Bilanz aufweist als Benzin«, sagte er.

 

 

Quelle für diesen Beitrag war u.a.:

 

TheGuardian.com

 

 

 


 

 

 

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