Saturday, 30. July 2016
14.09.2010
 
 

Männliche Fische entwickeln aufgrund giftiger Chemikalien und Pharmaabwässer weibliche Sexualmerkmale

David Gutierrez

Mehr als 80 Prozent der Schwarzbarsch-Männchen im Potomac im Bereich der amerikanischen Atlantikküste produzieren Eier oder zeigen andere weibliche Merkmale, berichtete die gemeinnützige Umweltschutzorganisation Potomac Conservancy und forderte weitere Forschungsanstrengungen zum Thema Fische mit gemischtgeschlechtlichen Merkmalen (Intersex- oder Zwitterfische).

In einer vor kurzem veröffentlichen Untersuchung des US-amerikanischen Geological Survey (USGS), einer wissenschaftlichen Behörde des amerikanischen Innenministeriums, wurden Intersexfische in einem Drittel aller untersuchten Gebiete nachgewiesen. Dabei wurden auf dem gesamten Gebiet der USA auch Schifffahrtswege, Gewässer und Flüsse wie der Mississippi und der Rio Grande in die Studie mit einbezogen. Nach übereinstimmender Ansicht der Forscher ist das Phänomen mit großer Sicherheit auf die Verschmutzung des Wassers etwa mit »endokrinen Disruptoren« (chemischen Substanzen, die das empfindliche Gleichgewicht des Hormonsystems bei Lebewesen stören) sowie pharmazeutischen Produkten zurückzuführen. »Bisher waren wir nicht in der Lage, eine spezifische chemische Substanz oder eine bestimmte Quelle [als Verursacher] zu identifizieren«, erklärte die Biologin Vicki Blazer vom USGS. »Wir versuchen immer noch zu klären, welche chemischen Substanzen hierbei wichtig sind.«

Zu den Substanzen, die aller Wahrscheinlichkeit zu den Verursachern gehören, zählt Blazer empfängnisverhütende Mittel und andere Hormonpräparate, antibakterielle Wirkstoffe, die Gewebe enthalten, Körperpflegeprodukte (vor allem diejenigen, die Duftstoffe enthalten), Flammschutzmittel, Pestizide und Düngemittel. »In Düngemitteln [und Pestiziden] sind natürliche Östrogene und Testosteron und noch andere Substanzen enthalten (…) Hoffentlich können wir einige dieser Mischungen oder einzelne Substanzen dingfest machen, dann sind wir besser in der Lage, das Problem zu bewältigen«, fuhr Blazer fort. Es ist allerdings ein mühsamer Weg, die Zahl der wichtigsten verantwortlichen Substanzen einzugrenzen. Blazer untersuchte bspw. Fische unter- und oberhalb von Kläranlagen, um herauszufinden, inwieweit bestimmte Produktionsstätten größere Mengen an endokrinen Disruptoren ins Wasser ableiten. Aber sie konnte keine Unterschiede hinsichtlich des Anteils geschlechtlicher Missbildungen nachweisen.

Daher auch die Forderung der Umweltschutzorganisation Potomac Conservancy nach weiteren Untersuchungen. Ihr Vorsitzender Hedrick Belin sagte dazu: »Wir müssen unbedingt herausfinden, was hier eigentlich los ist. Und wir müssen das besser früher als später tun, denn je länger die Ungewissheit andauert, wird dies am Ende nur zu schrecklichen Entdeckungen führen.«

Da das Hormonsystem der Wirbeltiere insgesamt große Ähnlichkeiten untereinander aufweist, wird sich alles, was die Fische im Wasser betrifft, auch irgendwann auf die Menschen auswirken, die dieses Wasser trinken. Aber es könnte sich als sehr schwierig und komplex herausstellen, die genauen Auswirkungen verunreinigten Wassers auf Menschen im Einzelnen nachzuweisen. »Fische halten sich bekannterweise immer im Wasser auf«, erläuterte Blazer. »Wie es sich aber mit den Inhaltstoffen im Trinkwasser oder anderen Belastungen verhält, denen man über die Haut, Nahrungsmittel oder ganz andere Ursachen ausgesetzt ist, ist für viele ein ganz anderes Problem.«

Selbst wenn die Wissenschaftler herausfänden, welche chemischen Substanzen letztendlich maßgeblich für die sexuellen Fehlbildungen bei Fischen verantwortlich sind, beantwortet das nicht die Frage nach den Auswirkungen auf Menschen. »Es ist sehr viel schwieriger, die Auswirkungen dieser chemischen Substanzen auf Menschen nachzuweisen, weil man natürlich keine Experimente mit Menschen machen kann«, meinte Blazer weiter. Aber immerhin beziehen etwa 4,5 Millionen Menschen im Einzugsgebiet von Washington D.C. ihr Trinkwasser aus dem Potomac.

Nach Auffassung der Potomac Conservancy kann jeder dazu beitragen, die Verschmutzung des Wassereinzugsgebietes durch bewusste Kaufentscheidungen zu verringern. So könnten Verbraucher giftige Chemikalien wie Pestizide weniger einsetzen und stattdessen zu natürlicheren Kosmetika und anderen Produkten greifen. »Gerade in Körperpflegeprodukten sind diese Substanzen wie einige Wirkstoffe gegen Mikroben und Duftstoffe enthalten. Jeder kann bei der Produktauswahl beim Einkaufen umsichtig sein. Es gibt [auch Körperpflegeprodukte] ohne Duftstoffe und antimikrobielle Wirkstoffe, hier kann jeder etwas beitragen.«

Der Kongressabgeordnete aus Virginia James P. Moran, ein Unterstützer von Potomac Conservancy, forderte die Bürger auf, abgelaufene oder nicht aufgebrauchte Medikamente in die Apotheke zurückzubringen, damit sie dort fachgerecht entsorgt werden könnten. »Spülen Sie die Medikamente keineswegs die Toilette hinunter«, warnte er, »sie verschwinden dadurch nicht einfach.«

Die Potomac Conservancy erarbeitet derzeit eine Kampagne zur Entwicklung sichererer Entsorgungstechnologien für Medikamente und fordert bessere Wasserreinigungstechnologien. »Wir müssen diese Gifte unbedingt aus unseren Gewässern herausbekommen», forderte Belin.

 

Quellen:

http://www.guardian.co.uk/environment/2010/apr/21/toxic-stew-chemicals-fish-eggs

http://www.wvpubcast.org/newsarticle.aspx?id=14521

http://www.washingtonexaminer.com/local/Human-health-link-eludes-researchers-in-intersex-fish-crisis-91651519.html

http://sundaygazettemail.com/News/201004200804

 

NaturalNews

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