Dienstag, 27. Juni 2017
23.06.2016
 
 

Eine neue Hochfrequenzstudie bekräftigt die Bedenken hinsichtlich der Handystrahlung

Dr. Joseph Mercola

72 Prozent der von der Industrie finanzierten Studien konnten keine biologischen Auswirkungen des Gebrauchs dieser Gerätschaften – die für viele schier »lebensnotwendig« sind – finden. Aber 67 Prozent der unabhängigen, nicht von der Industrie finanzierten Studien erbrachten sehr wohl negative Effekte. Wer trägt das größte Risiko? Und was kann man tun, um sich selbst und seine Kinder zu schützen?

 

Im Mai 2011 erklärte die Internationale Agentur für Krebsforschung (englisch: International Agency for Research on Cancer, IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation gehört, Mobiltelefone als »möglicherweise krebserregend« (Kategorie 2b). Diese Einstufung beruhte auf dem damaligen Forschungsstand. In der Pressemitteilung hieß es:1

»Dr. Jonathan Samet, der die Arbeitsgruppe leitete, wies darauf hin, dass ›die Beweislage bereits stark genug ist, um eine Schlussfolgerung und die 2b-Klassifizierung zu stützen … deshalb müssen wir einen Zusammenhang von Mobiltelefonen und Krebsrisiko im Auge behalten‹.

›Aufgrund der potenziellen Folgen dieser Einstufung und Erkenntnissen für die allgemeine Gesundheit‹, so IARC-Direktor Dr. Christopher Wild, ›ist es wichtig, weitere Studien über den langfristigen, intensiven Gebrauch von Mobiltelefonen durchzuführen.

Ehe entsprechende Informationen vorliegen, sollten Maßnahmen getroffen werden, die Strahlung bestmöglich zu reduzieren, indem man Freisprechanlagen oder Textnachrichten nutzt.‹«

Seit 2011 gibt es nun immer mehr wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die IARC-Klassifizierung hochgestuft werden muss. Beispielsweise forderte der schwedische führende Hirntumorforscher Dr. Lennart Hardell im Dezember 2014 die Hochstufung als Gruppe-1-Karzinogen:2

»Nach der Konferenz kamen weitere entsprechende Beweise zum Beispiel von der französischen CERENAT-Studie und unserer eigenen Gliom-Studie.

Unsere Forschungsgruppe stellte nach der Konferenz anhand der zusammengenommenen Ergebnisse unserer Studien von 1997 bis 2003 und von 2007 bis 2009 ein erhöhtes Risiko für akustisches Neurom durch den Gebrauch von Mobiltelefonen fest.

Andere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Wir wandten die in den 1960er-Jahren in der Diskussion über das Lungenkrebsrisiko für Raucher verwendeten Bradford-Hill-Kriterien für Kausalität an.

Mit diesen Faktoren kamen wir zu dem Schluss, dass die Einwirkung von Hochfrequenzstrahlung/elektromagnetischen Feldern nach den IARC-Kriterien als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft werden sollte. Eine Petition soll nun diese Forderung stützen und die IARC veranlassen, diese Strahlung als eindeutig krebserregend zu erklären.«

 

Die neueste Hochfrequenzstudie ist ein Weckruf für alle, die die von Handys ausgehende Gefahr leugnen

 

Trotz solcher Erkenntnisse sind inzwischen Handys überall verbreitet und so normal geworden, dass die meisten Menschen gar nicht mehr die Frage stellen, ob sie es überhaupt benutzen sollen, und sie einfach den ganzen Tag am Körper tragen. Manche sind vorsichtig und verwenden Freisprecheinrichtungen oder schicken SMS, statt das Handy ans Ohr (und damit direkt ans Gehirn) zu halten, aber die meisten wollen einfach nicht glauben, dass die Risiken real sind.

 

Doch Wissenschaftler haben demonstriert, dass Mobiltelefone und andere schnurlose Geräte alle möglichen Gesundheitsprobleme verursachen können, von Kopfschmerzen bis zu Hirntumoren – und dass kleine Kinder am meisten gefährdet sind. Klar: Einzelne Studien haben auch gar keine Auswirkungen festgestellt, aber die meisten davon waren von der Industrie finanziert, was die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse freilich etwas fragwürdig macht.

 

Tatsächlich konnten 72 Prozent der von der Industrie finanzierten Studien keinerlei biologische Folgen aufgrund der Handystrahlung feststellen, während 67 Prozent der unabhängigen Studien (die nicht von der Industrie bezahlt wurden) sehr wohl biologische Folgen nachwiesen.3

 

Ein Beispiel: Im Jahr 1990, als es noch gar keine Industrie für private Mobiltelefone gab, konstatierten mindestens zwei Dutzend epidemiologische Studien an Menschen einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern (EMF) und/oder Hochfrequenzstrahlung (RFR, von englisch radiofrequency radiation) und schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen, unter anderen Leukämie im Kindesalter.

 

Und im Jahr 1997 gab es eine Senatsanhörung zum Thema RFR und Hirntumore. Die Verbindung von Hirnkrebs und Handynutzung hält sich hartnäckig, und immer mehr Studien stärken diesen Zusammenhang. Neue Teilergebnisse einer großen, von der US-Regierung finanzierten Tierstudie weisen darauf hin, dass die Strahlung von Mobiltelefonen bei männlichen Mäusen das Risiko für Herz- und Hirntumore erhöht.4,5,6,7,8

 

Bei Ratten, die Handystrahlung ausgesetzt waren, wurden Herz- und Hirntumore diagnostiziert

 

Die Studie führte das National Toxicology Program (NTP), ein im Jahr 1978 ins Leben gerufenes ressortübergreifendes Forschungsprogramm des Department of Health and Human Services (HHS), durch. Heute wird das NTP vom National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS) geleitet.

 

Um den Einfluss von Hochfrequenzstrahlung auf die Ratten zu messen, wurden die Tiere in speziellen Kammern platziert, in denen sie verschiedenen Strahlungsbelastungen ausgesetzt wurden – neun Stunden täglich, an sieben Tagen die Woche, von der Geburt bis zum Alter von zwei Jahren (die normale Lebenserwartung von Ratten). Verwendet wurden die Mobilfunk-Standardeinstellungen Codemultiplexverfahren (Code Division Multiple Access, CDMA) und Global System for Mobile (GSM).

 

Eine Kontrollgruppe wurde keinerlei Strahlung ausgesetzt. Unter den Testratten bekamen zwei bis drei Prozent der Männchen maligne Gliome (eine Form von Hirntumoren). In der Kontrollgruppe entwickelte kein einziges Tier Krebs. Interessanterweise wiesen die der Strahlung ausgesetzten Weibchen ein geringeres Krebsgeschehen auf als die Männchen – fast 75 Prozent weniger –, aber solche Geschlechtsunterschiede sind laut Experten in wissenschaftlichen Studien nicht selten.

 

Von den männlichen Ratten, die der höchsten Strahlung ausgesetzt waren, bekamen außerdem fünf bis sieben Prozent Schwannome (Nervenzellentumore) im Herzen. In der Kontrollgruppe trat dieses Problem gar nicht auf. Laut den Autoren der Studie waren diese Hirn- und Herztumore wahrscheinlich von der Ganzkörper-Handybestrahlung verursacht worden. Zwischen CDMA- und GSM-Frequenzmodulationen gab es keine signifikanten Unterschiede.

 

(Eine andere Studie stellte sogar ein noch größeres Hirntumorrisiko bei neueren 3G-Smartphones oder Mobiltelefonen mit dem Standard Universal Mobile Telecommunications System [UMTS] fest, obwohl deren Energie viel geringer ist. Das weist darauf hin, dass eine ähnliche Tierstudie mit 3G-Geräten ein noch höheres Tumorrisiko erbringen könnte.)

 

Die Testergebnisse sind umstritten

 

Die Studie wird dennoch für ihre Anomalien kritisiert, etwa die erhöhte Sterbeziffer unter den Kontrolltieren und die Tatsache, dass von ihnen keines Krebs bekam. In anderen NTP-Studien entwickelten durchschnittlich zwei Prozent der Kontrolltiere Gliome. Doch die Autoren warnen, dass man das Risiko, auch wenn es sehr niedrig ist, nicht ignorieren dürfe. Zudem weisen die Ergebnisse eindeutig auf einen dosisabhängigen Zusammenhang von Strahlung und Krebsrisiko hin. Das heißt: Je länger die Ratten der Strahlung ausgesetzt waren, umso höher war ihr Risiko.

 

»Angesichts der extrem hohen Anzahl von Leuten, die mobile Kommunikationsgeräte nutzen, hätte schon ein sehr geringer Anstieg der Krankheitsfälle aufgrund der von diesen Geräten ausgehenden Hochfrequenzstrahlung große Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit«, sagen die Wissenschaftler. Dr. Otis Brawley, medizinischer Direktor der American Cancer Society, merkte auch an, dass »der NTP-Bericht, der die RFR mit zwei Krebsarten in Zusammenhang bringt, einen Paradigmenwechsel in unserem Verständnis von Strahlung und Krebsrisiko markiert«. Dies bedeutete in der American Cancer Society eine Kehrtwende, hatte sie doch lange Zeit das Risiko geleugnet.

 

Dr. Christopher Portier, pensionierter Leiter des NTP, war daran beteiligt, dass die Studie in die Wege geleitet wurde. Er besteht ebenfalls darauf, dass die Geschlechtsunterschiede keine bloße Begleiterscheinung sind, sondern die Ergebnisse auf einen ganz klaren und kausativen Zusammenhang von GSM- und CDMA-Strahlung und Krebs unter den männlichen Ratten schließen lassen.

 

»Ich würde dies eine Kausalstudie nennen, unbedingt«, sagte er gegenüber dem Scientific American.9 »Sie kontrollierten in der Studie alles. Der Krebs war von der Strahlung verursacht.« Vorangegangene Studien stützen die Ergebnisse noch. Eine Studie etwa fand heraus, dass Personen, die vor ihrem 20. Lebensjahr mit der intensiven Nutzung von Mobiltelefonen begannen, mit Ende 20 vier- bis fünfmal häufiger Hirnkrebs hatten – verglichen mit Personen mit geringer Strahlungseinwirkung.10,11

 

Wie verursacht Hochfrequenzstrahlung Zellschäden?

 

Hochfrequenzstrahlung ist eine nichtionisierende Strahlung, das heißt, sie bricht chemische Verbindungen nicht auf. Nach den gültigen Richtlinien der Federal Communications Commission (FCC) glaubt man, sie produziere nicht ausreichend Hitze, um Gewebe schädigen zu können. Studien,12 die eine uneinheitliche Absorption von RFR und in den Hotspots um sechs Grad höhere Temperaturen nachwiesen, widerlegen diese Annahme jedoch.

 

Auf den FCC-Richtlinien beruhen die meisten Behauptungen über die Sicherheit von Handys. Aber RFR kann anscheinend auf andere Art und Weise Schäden verursachen. In einem kürzlich erschienenen Scientific American-Interview erklärte Dr. Jerry Phillips, Biochemiker und Direktor des Excel Science Center an der University of Colorado, wie lebende Zellen auf RFR reagieren.13

»Das Signal koppelt sich an diese Zellen, wenngleich niemand wirklich weiß, wie diese Verbindung aussieht. In der Folge auf diese Reaktion kann beispielsweise Kalzium Membranen passieren, oder es entstehen freie Radikale, oder die Expression der Gene in den Zellen verändert sich.

Plötzlich werden wichtige Proteine zu ungewöhnlichen Zeitpunkten an ungewöhnlichen Orten in ungewöhnlichen Mengen exprimiert. Das hat wiederum dramatische Einflüsse auf die Funktion der Zellen. Und einige dieser Veränderungen ähneln dem, was passiert, wenn Zellen sich von gesund zu bösartig entwickeln.«

Wenn Sie die Tatsache bedenken, dass Ihr Körper ein bioelektrisches Gebilde ist, ist es leichter zu verstehen, wie und warum es aufgrund von Mobiltelefonen zu biologischen Schäden kommt.14 Zunächst einmal nutzt Ihr Körper Elektronen zur Kommunikation, und in jeder Zelle sind Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, und diese Mitochondrien können von elektromagnetischen Feldern beeinträchtigt werden. In der Konsequenz kommt es zu zellulären Fehlfunktionen. In den letzten Jahren wurden auch andere schädliche Mechanismen entdeckt.

 

Elektromagnetische Felder können Zellen und die DNA via zelluläre Stressantwort beschädigen

 

Dr. Martin Blank, Special Lecturer und pensionierter Lehrbeauftragter im Fachbereich Physiologie und Zelluläre Biophysik an der Columbia University sowie ehemaliger Präsident der Bioelectromagnetics Society,15 fand im Laufe seiner Forschung heraus, dass elektromagnetische Felder (EMF) die Zellen und die DNA beschädigen, indem sie eine zelluläre Stressantwort hervorrufen. Er hielt auf der Konferenz des Commonwealth Club of California am 18. November 2010 unter dem Titel »Gesundheitliche Effekte elektromagnetischer Felder« einen informativen Vortrag.

 

Laut Blank reagiert die aufgewickelte Struktur der DNA sehr empfindlich auf EMF. Sie hat dieselben strukturellen Merkmale wie Fraktalantennen (elektronische Übertragung und Selbstähnlichkeit), und diese Eigenschaften sorgen dafür, dass die DNA stärker als anderes Gewebe auf EMF reagiert. Zudem ist keine Hitze nötig, damit solche DNA-Schäden auftreten.

 

Blank glaubt, dass der potenzielle Schaden durch die mobile Kommunikationstechnologie erheblich sein könnte, und viele von Experten geprüfte Studien stützen diese Vermutung. Eine im Jahr 2009 veröffentlichte Zusammenfassung16 von elf epidemiologischen Langzeitstudien etwa besagt, dass die Nutzung eines Mobiltelefons über zehn Jahre oder länger das Risiko für Hirntumore auf der Kopfseite, an der das Telefon normalerweise ans Ohr gehalten wird, erhöht.

 

Tausende von Studien über die biologischen Auswirkungen von EMF geringer Stärke wurden im BioInitative Report17 von 2007 und 2012 zusammengefasst. Beobachtet wurden Effekte aufs Immunsystem, auf neurologische und kognitive Funktionen und viele weitere. Eine andere bedeutende Studie18,19, die von der US-Regierung finanziert wurde, wurde im Jahr 2011 im Journal of the American Medical Association (JAMA) publiziert. Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomografie (PET), die Veränderungen in Glukose aufzeichnen kann, stellten die Forscher fest, dass die Handystrahlung die Hirnzellen dazu bringt, vermehrt Glukose zu metabolisieren.

 

Da der Glukosestoffwechsel der Zellaktivierung entspricht, weisen diese Erkenntnisse darauf hin, dass die Strahlung Ihres Mobiltelefons einen genau definierten, messbaren Einfluss auf Ihr Gehirn ausübt. Insbesondere aktivieren Sie jedes Mal, wenn Sie das Handy an Ihr Ohr halten, künstlich Ihre Gehirnzellen. Ob diese vermehrte Glukoseproduktion direkt schädlich ist oder gar eine Kaskade von Problemen auslöst, ist noch unklar. Aber dass die Strahlung biologische Auswirkungen hat, ist unbestritten.

 

Spannungsgesteuerte Kalziumkanäle – ein »Master-Mechanismus«?

 

Vor Kurzem hat Dr. Martin Pall, emeritierter Professor der Biochemie und medizinischer Grundlagenforscher an der Washington State University, Beweismaterial dafür vorgelegt, dass die Aktivierung von spannungsgesteuerten Kalziumkanälen (VGCC, von englisch Voltage-Gated Calcium Channels) in den Zellen durch EMF geringer Stärke – wie etwa durch Mobiltelefone und andere mobile Geräte sowie WLAN-Stationen – ein wichtiger Mechanismus, ein »Master-Mechanismus« der biologischen Fehlfunktion ist.

 

Seiner Meinung nach kann die VGCC-Aktivierung in Zellen die seit Langem beobachtete Assoziation von EMF und vielerlei biologischen Veränderungen und gesundheitlichen Folgen erklären – etwa neuropsychiatrische, hormonelle und kardiologische Auswirkungen, Chromosomenschäden, verringerte Fruchtbarkeit, oxidativer Stress, veränderte Kalziumsignale, zelluläre DNA-Schäden, Ausfall der Blut-Hirn-Schranke, Melatoninabbau und Schlafstörungen. Pall dazu:

»Wir sind ganz klar an einem Punkt angelangt, an dem wir die seit 20 Jahren ständig wiederholte Behauptung der Industrie, derart niedrige EMF könnten keinen biologischen Mechanismus auslösen, widerlegen können. Die Industrie sagt, die auf elektrisch geladene Gruppen in der Zelle wirkenden Kräfte der EMF seien zu gering, um sich biologisch auszuwirken.

Doch die einzigartigen strukturellen Eigenschaften des VGCC-Proteins können nachweislich erklären, warum die Kräfte auf den Spannungssensor einer Zelle von EMF geringer Stärke zig Millionen Mal stärker sind als die Kräfte auf einzelne geladene Gruppen anderswo in der Zelle.

Sie sind vielleicht von geringer Stärke, aber bezüglich der VGCCs

können sie einen immens hohen Einfluss auf die Zelle haben. Darüber hinaus zeigten publizierte Studien, dass Wirkstoffe, die die Kalziumkanäle blockieren, die biologische Auswirkung von EMF hemmen oder zumindest sehr verringern. Das bestätigt, dass sehr wohl ein VGCC-Mechanismus auftritt.«

 

Eine Epidemiologin fordert neue Standards für Mobiltelefone

 

Dr. Devra Davis, Epidemiologin und Verfasserin des Buchs Disconnect, befürwortet verbesserte Mobilfunkstandards und -reglementierungen. Derzeit basieren die Standards der Federal Communications Commission (FCC) auf einem Konsumentenmodell, das der überwiegenden Bevölkerung nicht entspricht. In einem kürzlich erschienenen STAT-Artikel20 heißt es:

»Die derzeitigen FCC-Standards sind unrealistisch, weil sie auf einer Dummy-Kreatur namens Standard Anthropomorphic Man oder SAM beruhen, der größer als der durchschnittliche Mensch ist und deshalb mehr Strahlung verträgt als die meisten realen Menschen. ›SAM ist kein normaler Typ‹, schrieb Davis.

›Er rangiert bezüglich Größe und Körpermasse unter den Top 10 aller militärischen Rekruten des Jahres 1989. Er wiegt über 90 Kilogramm, allein sein Kopf ist fünf Kilo schwer, und er ist 1,87 Meter groß.

SAM ist nicht besonders gesprächig und nutzt sein Handy nicht länger als sechs Minuten am Stück.‹ Am Freitag [dem 27. Mai 2016] bekräftigte Davis ihre Forderung nach neuen FCC-Standards, die wirklich auf einer durchschnittlichen Person beruhen … ›Alle Eltern, die es für niedlich halten, ihren Kids ein kleines Handy in die Hand zu drücken, sollten sich fragen, ob sie ihnen eine Zigarette oder ein Glas Whiskey geben würden‹, sagte sie.«

Camilla Rees von ElectromagneticHealth.org sagt, es sei sogar fraglich, ob die FCC tatsächlich ihre eigenen Thermikrichtlinien durchsetzt.

»Wir wissen, dass die SAR-(Spezifische-Absorptionsrate-)Grenzen der FCC nur darauf ausgerichtet sind, vor potenziellen Hitzeschäden zu schützen, und weniger starke biologische Effekte nicht berücksichtigen, die aber ebenso wichtig sind. Es stellt sich jedoch die Frage, wie effektiv die FCC die Gefahren durch Wärmeeinwirkung regulieren, die sie selbst anerkennt. Manch einer glaubt, dass ein großer Teil der Mobiltelefone auf dem Markt die FCC-Grenzen bei Weitem überschreitet und eine bessere Kontrolle nötig ist, um die Bevölkerung zu schützen.«

 

Einer von vier Autounfällen wird von Handys verursacht

 

Nicht nur die RFR macht Mobiltelefone zur Gefahr. Sie spielen auch bei Autounfällen eine signifikante Rolle: Davon abgelenkte Fahrer sorgten allein im Jahr 2012 für 3300 Verkehrstote und 421 000 Verletzte.21 Im letzten Jahr berichtete der National Safety Council (NSC), dass der Gebrauch von Mobiltelefonen in den USA für 26 Prozent aller Verkehrsunfälle verantwortlich sei.22

 

Überraschenderweise gingen nur fünf Prozent aufs Konto von SMS-Schreibern. Das lässt darauf schließen, dass das Telefonieren mindestens genauso riskant, wenn nicht noch gefährlicher ist. Bei jugendlichen Fahrern spielen Handys bei Unfällen eine weitaus größere Rolle als bei Erwachsenen. Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der American Automobile Association (AAA) gehen 60 Prozent aller Autounfälle, bei denen Teenager beteiligt sind, aufs Konto von SMS und anderen Ablenkungen.23

 

Jedweder Gebrauch von Handys und Smartphones, während man ein Fahrzeug lenkt, erhöht das Unfallrisiko, weil es die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Aufgabe – Blick auf die Straße, Hände am Lenkrad und die Gedanken beim sicheren Fahren – ablenkt. Tatsächlich haben Studien24 ergeben, dass die Fahrleistung beim Gebrauch von Freisprecheinrichtungen genauso nachlässt wie ohne eine solche Einrichtung.

 

In den USA gaben 69 Prozent der Fahrer zwischen 18 und 64 Jahren zu, dass sie innerhalb der letzten 30 Tage während des Fahrens mit dem Handy telefoniert haben. Ein Drittel der US-amerikanischen Autofahrer liest oder schickt auch während des Fahrens SMS oder E-Mails – doppelt so viele wie zum Beispiel in Spanien. Etwas mehr als 30 Prozent der amerikanischen Fahrer sagen, sie würden niemals während des Fahrens das Handy benutzen. In Großbritannien sagen das 80 Prozent, in Deutschland und Frankreich etwa 60 Prozent.

 

Auch Fußgänger verletzen sich immer häufiger aufgrund der Handynutzung: Diese Zahl stieg seit 2010 um 35 Prozent. In den USA gehen schätzungsweise zehn Prozent der 78 000 Fußgängerverletzungen im Jahr 2012 auf das Konto von »Ablenkungen durch Mobilgeräte«.25 In diesem Fall haben Studien gezeigt, dass Textnachrichten weit gefährlicher sind als Telefonate während des Gehens.26

 

Lassen Sie sich nicht von der Industrie beeinflussen

 

Es ist wichtig, potenzielle Interessenkonflikte in den Medien zu erkennen und die Einstellung der Personen zu kennen, von denen Sie Ihre Informationen bekommen.

 

Viele Publikationen schrieben verantwortungsbewusst über die neue NTP-Studie an Ratten, darunter das Wall Street Journal,27 Scientific American,28 Mother Jones, Science,29 Consumer Reports30 und andere in aller Welt. Die New York Times indes spielte die Erkenntnisse herunter und brachte ein Video zum Thema heraus, das in starkem Kontrast zu dem Video von Ryan Knudson vom Wall Street Journal stand.

 

Das überrascht kaum, wenn man bedenkt, wer die New York Times besitzt: Einer der größten Aktionäre ist der milliardenschwere Telekommunikationsmagnat Carlos Slim, der ein Vermögen mit Mobiltelefonen gemacht hat sowie Vorsitzender und Geschäftsführer der Telekommunikationsunternehmen Telmex und América Móvil ist.31

 

Dr. Joel Moskowitz von der University of California in Berkeley hat eine Tabelle erstellt – »Spin vs. Fact: National Toxicology Program on Cancer Risk from Cell Phone Radiation«32 –, mit der er aufzeigt, wie die Parteien die neue Studie an Ratten herunterspielen, indem er reine Meinungsmache (»spin«) und Fakten gegenüberstellt. In der aufgeregten Medienberichterstattung zu diesem Thema haben sich mehrere Publikationen als befangen erwiesen. Denken Sie daran, nicht immer alles für bare Münze zu nehmen, sondern sich immer gut zu informieren und auch zu schauen, welche Publikationen mit der Industrie in Verbindung stehen.

 

Wie schützen Sie sich vor Handystrahlung?

 

Letztes Jahr wurde ich von der New York Times33 für einen Artikel über die gesundheitlichen Risiken von mobilen Technologien interviewt. Im Artikel selbst wurde ich dann dafür kritisiert, dass ich Bedenken äußerte. Und der Redakteur fügte nachträglich sogar ein, ich sollte nicht als Informationsquelle herangezogen werden, weil »viele Experten ihn für seine Behauptungen über das Krankheitsrisiko und Behandlungsmöglichkeiten kritisieren«.

 

Doch die Jahre vergehen, und immer mehr Studien kommen zu dem Schluss, dass die Risiken der Hochfrequenzstrahlung real sind und dass wir beim Gebrauch von Mobiltelefonen und anderen mobilen Geräten Schutzmaßnahmen treffen müssen. Es ist wichtig zu wissen, dass Wissenschaftler dahingehend übereinstimmen, dass die Schäden erst nach einer Latenzperiode von rund zehn Jahren oder mehr auftreten. Da sie früher im Leben und länger der Strahlung ausgesetzt sind, tragen Kinder entsprechend das größte Risiko.

 

Internationale EMF-Forscher aus 39 Ländern richteten sich letzten Mai mit dem »International EMF Scientist Appeal« an die United Nations – mit der Bitte, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Den Vortrag hielt Dr. Martin Blank.34 Solange die Industrie und die Behörden die Sache nicht ernst nehmen, liegt die Verantwortung für die Sicherheit der Kinder bei den Eltern und den Schulen. Um Ihr eigenes Gehirn und das Ihrer Kinder zu schützen, empfehle ich Ihnen, die folgenden vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • Lassen Sie Ihr Kind kein Mobiltelefon verwenden.
    Außer in lebensbedrohlichen Notfällen sollten Kinder kein Mobiltelefon und keine anderen mobilen Kommunikationsgeräte benutzen. Kinder reagieren viel empfindlicher auf Handystrahlung als Erwachsene, weil ihre Schädelknochen dünner und ihr Immunsystem und Gehirn noch in der Entwicklung begriffen sind.
  • Halten Sie Ihren Handygebrauch auf einem Minimum.
    Schalten Sie Ihr Mobiltelefon öfter mal aus. Reservieren Sie es für Notfälle oder wichtige Angelegenheiten. Solange es angeschaltet ist, gibt es ununterbrochen Strahlung ab, auch wenn Sie es gerade nicht benutzen. Telefonieren Sie zu Hause und auf der Arbeit mit einem Festnetztelefon. Und falls Sie einen Anruf auf dem Handy bekommen, leiten Sie ihn möglichst auf ein Festnetztelefon um.
  • Reduzieren Sie den Gebrauch anderer mobiler Geräte oder schaffen Sie sie ganz ab.
    Genauso wie beim Handy sollten Sie sich auch bei anderen mobilen Kommunikationsgeräten fragen, ob Sie es wirklich regelmäßig benutzen müssen. Eine fest verkabelte Ethernet-Internetverbindung für Computer, Drucker und Peripheriegeräte ist nicht nur für Ihre Gesundheit besser, sondern auch deutlich schneller und sicherer. Meiden Sie alle Mobilgeräte, auch Smartwatches, die extrem viel Strahlung abgeben. Absolut töricht sind WLAN-Geräte direkt auf dem Körper.
  • Verwenden Sie Handys älterer Generationen.
    Falls Sie wirklich ein Handy brauchen, nehmen Sie ein älteres, das noch mit 900 Megahertz arbeitet. Diese Mobiltelefone sind während Telefonaten zwar nicht sicherer, aber wenigstens ein paar senden nicht ununterbrochen, wenn sie nicht benutzt werden. Ob Ihr schnurloses Telefon Strahlung abgibt, können Sie nur mit einem Elektrosmogmessgerät feststellen, und das muss auch die Frequenz Ihres Telefons erfassen können. (Mein Rat: Hochfrequenzmessgeräte, die bis zu acht Gigahertz erfassen, eignen sich für die meisten Handys.)
    Auch ohne Messgerät können Sie sich recht sicher sein, dass Ihr Telefon problematisch ist, wenn es die Aufschrift DECT trägt, das für »digitally enhanced cordless technology« steht. Vorsichtig müssen Sie auch bezüglich des Standorts der Basisstation sein, weil sie rund um die Uhr Signale überträgt, auch wenn Sie nicht telefonieren.
    Stellen Sie die Basisstation möglichst drei Räume entfernt von dem Zimmer auf, in dem Sie die meiste Zeit verbringen, und vor allem weit entfernt vom Schlafzimmer. Idealerweise schalten Sie die Basisstation nachts ab oder trennen sie vom Netz. Oder, noch besser, Sie reservieren Ihr schnurloses Telefon für Situationen, in denen es absolut unumgänglich ist. Ansonsten verwenden Sie ein Festnetztelefon.
  • Benutzen Sie Mobiltelefone nur in Gegenden mit sehr gutem Empfang.
    Je schwächer der Empfang ist, umso mehr Energie ist für die Übertragung erforderlich. Und je mehr Energie das Telefon braucht, umso mehr Strahlung gibt es ab. Benutzen Sie Ihr Handy am besten nur voll aufgeladen und bei gutem Empfang.
  • Tragen Sie Ihr Handy nie am Körper und legen Sie es nachts nie unter das Kissen oder in die Nähe des Kopfes.
    Packen Sie es am besten in die Hand- oder eine Tragetasche. Wenn Sie es in Ihren BH oder in die Hemdtasche in Herznähe stecken, fordern Sie Probleme geradezu heraus. Männer sollten es auch nicht in die Hosentasche stecken, wenn sie ihre Zeugungsfähigkeit bewahren wollen.
  • Glauben Sie nicht, ein Mobiltelefon sei sicherer als andere.
    So etwas wie ein »sicheres« Handy gibt es nicht. Die spezifische Absorptionsrate (SAR) für ein Mobiltelefon bezieht sich auf einen einzigen Risikofaktor, die Wärmewirkung. Sie ist aber kein Maßstab für biologische Sicherheit. Frequenzen, Peaks (maximale Sendeleistung), Pulsung und andere Signaleigenschaften wirken sich ebenfalls auf den Körper aus. Je länger man dem ausgesetzt ist, umso größer ist das Risiko. Wollen Sie auf Nummer sicher gehen, verwenden Sie fest verkabelte Verbindungen.
  • Nehmen Sie Rücksicht auf andere – viele sind sehr empfindlich für EMF/RFR.
    Manche empfindliche Menschen können die Strahlung von Mobilgeräten im selben Raum wahrnehmen, auch wenn sie gar nicht benutzt werden, aber angeschaltet sind. In Meetings, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Sitzungssälen oder an öffentlichen Plätzen sollte das Handy abgeschaltet sein, um andere vor Effekten der »Secondhand-Strahlung« zu schützen. Kinder sind empfindlicher – vermeiden Sie es, Ihr Smartphone in deren Beisein zu benutzen.
  • Verwenden Sie ein gut abgeschirmtes Headset mit Kabelverbindung.
    Dank Kopfhörern mit Verbindungskabel können Sie das Mobiltelefon weiter weg vom Kopf tragen. Ist es aber nicht gut abgeschirmt – was auf die meisten zutrifft –, kann das Kabel selbst als Antenne fungieren und Strahlung anziehen und diese direkt auf Ihr Gehirn übertragen.
    Das Kabel, das das Signal ans Ohr überträgt, muss also abgeschirmt sein. Bessere Headsets verwenden eine Kombination aus isoliertem Kabel und Luftschlauch. Sie funktionieren wie ein Stethoskop und übertragen den Ton als Klangwelle. Zwar gibt es noch immer Kabel, die abgeschirmt werden müssen, aber keines gelangt bis an Ihren Kopf.
  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran.
    Begrenzen Sie die Zeit, in der Leute mit Ihnen kommunizieren können, um die Strahlung von Handy und schnurlosen Telefonen zu minimieren. Die Genugtuung, wenn man ständig erreichbar ist, lohnt die ernsthaften Risiken der Strahlung nicht. Beziehen Sie Stellung und seien Sie Ihren Kindern ein Vorbild.
  • Helfen Sie bei der Aufklärung an Schulen mit.
    Bringen Sie vor Lehrervereinigungen und an Schulen die Belege für die Risiken durch Mobiltelefone vor. Da vonseiten der Regierungen nur schleppend Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, sind solche Basisaktionen, die die Leute darüber aufklären, dass sie für verletzliche, empfindliche Menschen wie Kinder Verantwortung tragen, unerlässlich.

 

Verweise

 

International Agency for Research on Cancer, 31. Mai 2011, Pressemitteilung # 208

Lennart Hardells Blog

3, 20 STAT News, 27. Mai 2016, Sheila Kaplan

4, 9 New York Times, 27. Mai 2016

Epoch Times, 3. Juni 2016

Scientific American, 27. Mai 2016, Dina Fine Maron

STAT News, 27. Mai 2016, Megan Thielking

Mother Jones, 27. Mai 2016

10 Pathophysiology, 28. Oktober 2014 [E-Publikation vor Druck]

11 The Star, 12. November 2014

12 Proc Natl Acad Sci U S A., 2. Januar 2013; 110(1):58–63

13 Scientific American, 27. Mai 2016, Larry Greenemeier

14 Electromagnetichealth.org

15 Dr. Martin Blank, Biografie

16 Surgical Neurology, September 2009:72(3); 205–214

17 www.BioInitiative.org

18 JAMA, 23. Februar 2011; 305(8):808–813

19 CNN, 23. Februar 2011

21 CDC.gov, Distracted Driving in the United States and Europe

22 USA Today, 28. März 2015

23 WebMD, 1. Juni 2016

24 Journal of Safety Research 2009: 40(2); 157–164

25 Not Running a Hospital, 14. Dezember 2012

26 Gait & Posture, April 2012: 35(4); 688–690

27 Wall Street Journal, 28. Mai 2016

28 Scientific American, 30. Mai 2016

29 Science, 27. Mai 2016

30 Consumer Reports, 27. Mai 2016

31 Forbes, 15. Januar 2015

32 Safeemr.com, 30. Mai 2016

33 New York Times, 18. März 2015

34 EMFScientist.org

 

 

 

 

 

 

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