Hauptsache Bio: Bio-Diesel im Lebensmitteltank
Edgar Gärtner
Können Sie sich vorstellen, dass in einem Tanklastzug heute Bio-Diesel und morgen Obstsaft befördert wird? Guten Appetit.

In einer globalisierten Welt werden Lebensmittel kaum noch in der Region produziert, in der sie auch gegessen werden. Das hat mitunter verheerende Folgen. Tanklastzüge befördern Benzin, Diesel, Heizöl und gefährliche Chemikalien. Und es gibt Tankfahrzeuge, die Speiseöl, Obstsäfte, Wein, Essig oder Milch transportieren. Wie selbstverständlich glauben wir, dass ein Heizöl-Lastzug keinesfalls auch Flüssigei, Milch oder Säfte befördern würde. Doch die Realität ist eine andere.
Schauen wir uns zunächst die in der EU gültigen Regelungen an. Häufig steht in Großbuchstaben auf dem Tank eines Flüssig-Transporters, was darin enthalten ist. Bei Gefahrguttransportern gibt eine Nummer auf einem orangefarbenen Quadrat zudem einen Hinweis auf erforderliche Notfallmaßnahmen. Wahrscheinlich können Sie sich kaum vorstellen, dass ein Tanklastzug mit dem Schriftzug einer bekannten Kraftstoffmarke in eine Molkerei fährt, nachdem er zuvor eine Tankstelle beliefert hat. Das würde ja auch sofort auffallen. Aber Speditionen, die neutral lackierte Tankwagen haben, dürfen ganz legal verschiedene Produkte (meist Chemikalien) transportieren. Die Kessel aus Edelstahl werden nach der Leerung beispielsweise mithilfe von Natronlauge gereinigt und dann auf dem Rückweg mit einem anderen Flüssigprodukt befüllt. So können die Spediteure kostspielige Leerfahrten vermeiden. Für den Transport von Lebensmitteln sind solche Mehrzweck-Tanks nicht zugelassen. Und es gibt bei Überprüfungen auch keine Beanstandungen. Denn modernste Logistik-Systeme werden über GPS elektronisch gesteuert und zeichnen jede Fahrt auf. Diese Systeme gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie gelten als sicher.
Doch die Europäische Union besteht aus 27 Staaten. Und Kraftstoffe oder flüssige Lebensmittel werden nicht nur zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz transportiert. Sie kommen aus vielen Ländern der Welt. So verwundert es denn kaum, dass die in Deutschland eingehaltenen Regeln in anderen EU-Staaten keinesfalls Standard sind. Das hat verheerende Folgen. Wir haben nun Wein, in dem wegen des Transportweges hohe Bleikonzentrationen nachgewiesen wurden (das Blei stammt aus der Innenverkleidung der nicht für Lebensmitteltransporte zugelassenen Tanks), und Olivenöl, das in Diesel-Tankwagen transportiert wurde. Wenn Sie die Einzelheiten kennen, werden Sie beim nächsten Einkauf garantiert genauer auf die Herkunft der Produkte achten.
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