Samstag, 3. Dezember 2016
19.02.2011
 
 

Klimaforschung in einer verkehrten Welt?

Edgar Gärtner

Eine Gruppe von schweizerischen und amerikanischen Biochemikern und Ozeanografen unter Leitung von Moritz Lehmann von der Uni Basel und Carsten Schubert von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserforschung (Eawag) hat unlängst verkündet, ein untrügliches Zeichen der globalen Erwärmung gefunden zu haben.

Und zwar haben die Forscher anhand der Untersuchung von Stickstoffisotopen in den Wachstumsringen der Skelette von Tiefsee-Hornkorallen (Gorgonen) festgestellt, dass der von Seefahrern gefürchtete kalte Labradorstrom vor Neuschottland in den vergangenen 40 Jahren gegenüber dem dort auf ihn prallenden warmen Golfstrom erheblich an Kraft verloren hat. Herrschte fast 2000 Jahre lang der Isotopen-Fingerabdruck des kalten Wassers vor, so zeigen die Jahresringe seit 1970 die Handschrift des warmen Wassers. Die Forscher publizierten die Auswertung ihrer Untersuchung im US-Wissenschaftsmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). Sie vermuten, dass die Abschwächung des Labradorstroms im Vergleich zum Golfstrom in direktem Zusammenhang mit der globalen Erwärmung steht und auch die in den letzten Jahren beobachtbare Umkehrung des Vorzeichens der Nordatlantischen Oszillation (NAO) erklären hilft.

Das in Wetterberichten oft zitierte Islandtief ist inzwischen (im Jahresmittel!) tatsächlich zum Islandhoch geworden, während sich das von den Westeuropäern oft herbeigesehnte Azorenhoch in ein Azorentief verwandelt hat. Diese Vorzeichenumkehrung gilt bei den Wetterfröschen als Ursache für die Abschwächung der Westwinddrift und deren Ablösung durch einen Wechsel von kalten Nord- und milden Südwinden in Westeuropa. Das dergestalt veränderte atmosphärische Zirkulationsmuster wiederum gilt als Ursache für den frühen Wintereinbruch im letzten November.

Das wirft aber folgende Frage auf: Ist das Vordringen des Golfstroms die Ursache für die Vorzeichenänderung der NAO oder umgekehrt? Oder handelt es sich bei den beiden Ereignissen vielleicht um eine zufällige Koinzidenz? Das müsste man wissen, um entscheiden zu können, ob die Abschwächung des Labradorstroms tatsächlich auf einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur zurückgeht. Zweifel sind angebracht. Immerhin wissen wir, dass Meeresströmungen meist atmosphärischen Strömungsmustern folgen und nur selten umgekehrt. In London sind die Winter nicht wegen des Golfstroms im Schnitt deutlich milder als im viel weiter südlich liegenden New York, sondern wegen der im Winter vorherrschenden unterschiedlichen Windverhältnisse. Es wird oft übersehen, dass New York vom Golfstrom viel mehr abbekommt als London. Aber das nützt Big Apple wenig, wenn von den großen Seen her eisiger Wind bläst.

Ist aber die Abschwächung des Labradorstroms nicht ein Indiz für eine Erwärmung des Ozeans, wie Moritz Lehmann und Carsten Schubert suggerieren? Die Messwerte der 3000 über den Ozean verteilten Bojen des neuen ozeanografischen Messbojen-Netzwerks ARGO sprechen dagegen. Josh Willis und seine Mitarbeiter bei der NASA, die die Messwerte der ARGO-Bojen auswerten, registrierten in den letzten Jahren eine leichte Abkühlung. Und die für jedermann im Internet einsehbaren Jahreskurven der Poleisausdehnung zeigen, dass sich das Arktis-Eis seit dem Tiefpunkt im Jahre 2007 wieder erholt. Damals war in den Massenmedien schon prophezeit worden, der Nordpol werde schon in wenigen Jahren im Sommer völlig eisfrei werden. Fachleute hatten jedoch darauf hingewiesen, dass für das Zurückweichen des dünnen Arktis-Eises hauptsächlich veränderte Windverhältnisse verantwortlich waren. Es erscheint also als äußerst gewagt, die Abschwächung des Labradorstroms als Beleg für eine von Menschen verursachte Klimaerwärmung zu deuten. Es sei denn, man stellt die Verhältnisse auf den Kopf.

 

 

 


 

 

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