Tuesday, 22. May 2012
05.01.2012
 

Protokoll des Todes: Fakten über den Airbus-Crash im Atlantik

Edgar Gärtner

Mehr als zwei Jahre, nachdem ein Airbus 330 der Air France im Atlantik 228 Menschen in den Tod riss, wurden die Geheimnisse des Fluges AF 447 von Rio nach Paris durch die Stimmen im Cockpit gelüftet.

Die Lüftung des Geheimnisses dauerte so lange, weil man die Boxen mit dem Stimmen- und dem Flugdatenrekorder zunächst an der falschen Stelle des Meeresgrundes suchte. Inzwischen hat ein französischer Pilot die komplette Transkription der im April 2011 aus dem Atlantik geborgenen Aufzeichnungen ausgewertet. Das Unglück ereignete sich in der intertropischen Konvergenz-Zone in

der Nähe des Äquators, in der fast ständig schwere Gewitter und Tropenstürme toben. Als der Airbus in die Wolken eines ausgedehnten Gewittersystems eintauchte, da vereisten die Geschwindigkeits-Sensoren und der Autopilot schaltete sich ab. Weil die Bordinstrumente wegen der ausgefallenen Sensoren eine viel zu hohe Außentemperatur anzeigten, ließ Kapitän Marc Dubois die Maschine geradeaus weiter fliegen. Er machte keine Anstalten, das Zentrum des Unwetters zu umfliegen:

Um 1:51 Uhr wird die Pilotenkanzel durch ein Elmsfeuer grell erleuchtet. Der noch wenig erfahrene Co-Pilot Pierre-Cédric Bonin fragt den Kapitän verängstigt, was das sei. Etwa um 2 Uhr kehrt der zweite Co-Pilot, der um einiges erfahrenere David Robert, von seiner Ruhepause zurück. Doch der Kapitän übergibt, so als sei nichts Besonderes, den Steuerknüppel dem Co-Piloten mit der geringsten Flugerfahrung und verlässt um 2:02 Uhr das Cockpit, um den Ruheraum aufzusuchen. Anderthalb Minuten später realisiert Bonin, dass sich die Maschine bereits mitten in der intertropischen Konvergenz-Zone befindet.

Um 2:06 Uhr bittet sein Kollege Robert das Bordpersonal, den Passagieren das Anschnallen zu empfehlen. Danach diskutieren die beiden Co-Piloten über die scheinbar ungewöhnlich hohe Außentemperatur, die sie daran hindert, in größere Flughöhe aufzusteigen. Weil sie Wolken durchqueren, setzt Bonin für alle Fälle das Enteisungs-System in Gang. Er wähnt sich bereits am Ende der Wolkendecke. Und dann wird es spannender als in jedem Roman.

 

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