UN schätzt Kosten der »Klimapolitik« auf 76 Billionen Dollar
Edgar Gärtner
In diesem Jahr ist der World Economic and Social Survey der UN-Abteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten unter dem vielversprechenden Titel »The Great Green Technological Transformation« erschienen. Diese im Gewand einer Routinepublikation daherkommende Studie hat es wirklich in sich. Sie könnte so manchem die Augen öffnen über die Absichten grüner Bürokraten. Die über 200 Seiten umfassende Studie beginnt mit der Behauptung, »business as usual« könne keine Option sein. Die Anwendung einer drohenden Klimakatastrophe durch eine vollständige »Dekarbonisierung« der Energieerzeugung und die gleichzeitige Überwindung der Armut bis zum Jahre 2050 erforderten eine der ersten industriellen Revolution vergleichbare technologische Revolution. Im Unterschied zur industriellen Umwälzung des 19. Jahrhunderts, die sich ungeplant vollzog, erfordere die »Grüne Transformation« der Wirtschaft ein planmäßiges Vorgehen der Regierungen. Diese müssten in den kommenden 40 Jahren jedes Jahr drei Prozent des Weltsozialprodukts in »grüne« Technologien investieren, davon die Hälfte in den armen Ländern. Das wären im Jahre 2010 fast zwei Billionen US-Dollar gewesen. Bis zum Jahre 2050 kämen also 76 bis 80 Billionen Dollar zusammen.
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Diese astronomisch anmutende Summe erscheint durchaus nicht als zu hoch gegriffen, wenn man sie mit früheren Schätzungen vergleicht. So hatte der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Sir
Nicholas Stern, in seinem im Jahre 2006 veröffentlichten »Stern Report« die Kosten der globalen »Energiewende« auf ein Prozent des Weltsozialprodukts geschätzt. Später hat er diese Schätzung jedoch auf zwei Prozent angehoben. In diesem Frühjahr schätzte die EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard die Kosten der »Klimapolitik« der EU bis zum Jahre 2050 auf jährlich 270 Milliarden, das heißt auf insgesamt fast 11 Billionen Euro. Das entspräche zwar »nur« etwa 1,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der EU. Doch sah man der von Hedegaard vorgelegten »Roadmap for moving to a competitive low carbon economy in 2050« das Bestreben an, die Kosten der »Klimapolitik« möglichst niedrig anzusetzen.
Doch nicht die absolute Höhe der für die »Dekarbonisierung« erforderlichen Investitionen bringt die EU- und UN-Bürokraten in Erklärungsnöte, sondern deren Verhältnis zum erwarteten Nutzen. Um den Nutzen der Billioneninvestitionen möglichst groß erscheinen zu lassen, malt die oben vorgestellte neue UN-Studie, wie zuvor schon der »Stern Report«, die bei der Fortsetzung von »business as usual« angeblich drohenden Katastrophen in düsteren Farben aus. So geht die UN-Studie über die Grüne-Technologie-Transformation unhinterfragt von einer Zunahme klimabedingter Naturkatastrophen wie Stürmen und Überschwemmungen aus, obwohl es dafür keine Belege gibt. Wären die Wirtschaftsberater von UN und EU ehrlich, dürften sie nicht die Kosten der Bekämpfung des Klimawandels im Hauruckverfahren mit fiktiven Gewinnen vergleichen,
sondern mit den Kosten einer intelligenten Anpassung der Menschen an den unvermeidlichen Klimawandel.
Einen solchen Kosten-Nutzen-Vergleich, basierend auf den Beiträgen der im »Kopenhagen-Konsens« versammelten Wirtschaftswissenschaftler, hat der dänische Statistiker Björn Lomborg im April 2011 ins Internet gestellt. Auch wenn dieser dem CO2-Dogma verhaftet bleibt und streckenweise ähnlich bürokratisch vorgeht wie die Berater der UN, lässt er doch erkennen, dass »business as usual« durchaus eine Option sein kann. Denn das freie Spiel von Angebot und Nachfrage auf dem Markt schloss immer auch die Möglichkeit von Anpassungsleistungen und von grundlegenden technischen Innovationen ein. Alle wichtigen technischen Neuerungen der letzten Jahrzehnte wie die Verbreitung des Fernsehens, des PC oder des Internet kamen ohne staatliche Planung aus. Warum sollte die freie Marktwirtschaft nicht auch mit dem Klimawandel besser zurechtkommen als die von der UN propagierte »global governance«?
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