Wednesday, 25. May 2016
18.11.2010
 
 

Wohin mit dem Kohlenstoffdioxid?

Edgar Gärtner

Am 10. November 2010 hat die Bundesregierung erneut den schon weit gediehenen Entwurf eines Gesetzes zur Erkundung von Speichern für Kohlenstoffdioxid (CCS-Gesetz) von der Tagesordnung genommen. Schon vor der letzten Bundestagswahl hatte die damalige Große Koalition von SPD und CDU einen entsprechenden Gesetzentwurf wieder zurückgezogen. Waren damals Bedenken vonseiten der CSU ausschlaggebend, so war es diesmal der Einspruch des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU). Deutschlands nördlichstes Bundesland gilt bei Geologen als einer der günstigsten Standorte, um Millionen von Tonnen des Verbrennungsabgases Kohlenstoffdioxid (CO2) in unterirdische Hohlräume und poröses Gestein zu pumpen. Doch die Nordlichter befürchten, das an sich ungiftige Gas könne wieder durch Erdspalten entweichen.

Da CO2 schwerer ist als Luft, kann es sich in Talsenken anreichern und dort den lebensnotwendigen Sauerstoff verdrängen. In diesem Fall könnte es zu Tausenden, wenn nicht Hunderttausenden von Todesopfern kommen, da das unsichtbare und völlig geruchlose Gas keine Fluchtreflexe auslöst. Italien-Touristen kennen diese Gefahr, da in Süditalien große Schilder vor dem Betreten von Gebieten warnen, in denen große Mengen CO2 aus dem Boden austreten, weil sich dort eine Platte der Erdkruste unter eine andere schiebt. Dieser von den Geologen Subduktion getaufte Prozess ist auch die Ursache für den starken Vulkanismus in dieser Region.

Obwohl es dafür kaum Anhaltspunkte gibt, ist CO2 von der Politik zum »Klimakiller« Numero 1 erklärt worden. Die Bundesregierung hat sich im Rahmen einer europäischen Lastenteilung verpflichtet, den CO2-Ausstoß bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 und bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu senken. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, soll CO2 aus den Abgasen von Kohlekraftwerken, Zementwerken, Raffinerien, Eisenhütten, großen Chemieanlagen abgespalten, verdichtet und dann in Pipelines zu Verpressungs-Standorten in Brandenburg und Schleswig-Holstein geleitet werden. Dieser Prozess ist international unter der Bezeichnung Carbon Capture and Storage (CCS) bekannt.

Der schwedische Staatskonzern Vattenfall schickt sich an, in seinem großen Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde bei Cottbus jährlich 1,7 Millionen Tonnen CO2 abzuspalten und ins Oderbruch an der deutsch-polnischen Grenze zu leiten. Dort soll es in poröses Gestein in 1.000 Meter Tiefe gepresst werden. Doch auch hier regt sich, wie bei den Nordlichtern, Widerstand in der Bevölkerung. Aber es gibt, neben durchaus verständlichen Ängsten in der Bevölkerung, auch schwerwiegende wirtschaftliche Bedenken gegen CCS. Die Ingenieure großer Anlagenbauer wie Alstom oder Siemens haben in den vergangenen Jahrzehnten viel Hirnschmalz darauf verwandt, um den Wirkungsgrad von Braun- und Steinkohlekraftwerken mühsam über 40 Prozent zu bringen. Durch die Zuschaltung von CCS würde der Wirkungsgrad der Kraftwerke schlagartig um etwa ein Drittel absacken und der von ihnen erzeugte Strom würde entsprechend teurer. Da schütteln auch Nichtökonomen den Kopf.

Deshalb wird CCS in Deutschland inzwischen von den meisten Fachleuten nicht mehr als technische Zukunftsoption ernstgenommen. Als interessanter erscheint es, CO2 als Rohstoff für die Herstellung von Kraft- und Kunststoffen sowie Wasch- und Reinigungsmitteln zu nutzen. Dabei stört aber die Reaktionsträgheit des Gases, die man sich bei seiner Verwendung als Löse- und Kühlmittel zunutze macht. Um das inerte Gas in die Stoffströme der chemischen Industrie einschleusen zu können, muss es mithilfe von geeigneten Katalysatoren unter Zugabe von Wasserstoff zu »Synthesegas« (Methan und Kohlenstoffmonoxid) umgewandelt werden. Voraussetzung dafür ist eine aufwendige Reinigung. Da bei der Herstellung von Wasserstoff mithilfe der Elektrolyse etwa viermal mehr Energie aufgewendet werden muss, als im Endprodukt enthalten ist, ist dieser Weg nur sinnvoll, wenn die Energie aus Kernkraftwerken stammt. Ansonsten würde der CO2-Ausstoß dadurch unterm Strich erheblich steigen, was widersinnig wäre.

Aber auch das im Synthesegas enthaltene Methan ist kein unproblematischer Chemie-Rohstoff, weil es erst mithilfe von Katalysatoren zu Methanol (Holzalkohol) umgewandelt werden muss, um daraus mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand Verbindungen wie Ethylen, Propylen, C4-Olefine, Benzol und Xylole herzustellen, die mehr als 90 Prozent der Basischemikalien der organischen Chemie ausmachen.

 

Einen ganz anderen Weg zur rohstofflichen Nutzung des CO2 beschreitet deshalb der US-Öl- und Gasriese Exxon. Er baut eine Fabrik, um mithilfe von Grünalgen Kfz-Treibstoffe herzustellen. Die Grünalgen nutzen das CO2 wie alle Grünpflanzen als Rohstoff für die Photosynthese von Stärke und anderen organischen Stoffen mithilfe des Sonnenlichts. Auf der Internationalen Bauaustellung IBA in Hamburg soll sogar ein Wohnhaus vorgestellt werden, dessen Glasfassade als Algenkraftwerk dient. Die Algen wandeln dort das durch Heizungen in der Nachbarschaft freigesetzte CO2 zu Methan um, das einem kleinen Blockheizkraftwerk im Keller des Hauses als Brennstoff für die Erzeugung von Strom und Wärme dient. Vielleicht sind solche Häuser auch ohne den Anspruch, damit den Klimawandel aufhalten zu können, eine interessante Alternative.

 

 


 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Enthüllt: USA überwachen Deutsche in Deutschland
  • Präsident Sarkozy und die Pressefreiheit
  • SPD-Politiker Hans Eichel – Wer haftet für seine Fehlentscheidungen?
  • England: Millionen Privathaushalte stehen vor dem Ruin

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

China verzeichnet den kältesten Herbst seit Jahrzehnten und bereitet sich auf einen Jahrhundertwinter vor

Wang Xin Long

Der angebliche »Klimakiller« Kohlendioxid wird es wohl kaum sein, der die Temperaturen in China purzeln lässt. So melden nun die chinesischen Wetterstationen einen ungewöhnlich kalten Herbst und die ersten Schneefälle auch in Regionen, in denen sich um diese Jahreszeit eigentlich die Touristen an den Badeseen vergnügen sollten.  mehr …

SPIEGEL vs. EIKE: Häme und Verleumdungen anstatt »Schreiben was ist« (Motto des Spiegelgründers Rudolf Augstein)

Michael Limburg

In seiner Ausgabe 40/2010 hat sich das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL eines Phänomens angenommen (betitelt mit »Die Wissenschaft als Feind«), das erkennbar immer bedrohlicher wird: Viele Zeitgenossen beginnen am offiziellen Dogma zu zweifeln, der Mensch sei an einem bedrohlichen Klimawandel schuld. Schlimmer noch, in der höchst gefährlichen Gruppe  mehr …

Klimadiktatur erst einmal auf Eis gelegt

Niki Vogt

Während die Medien in Deutschland immer noch ungeachtet der fulminanten Blamagen und Falschmeldungen der CO2-Apostel weiter den Weltuntergang durch Global Warming besingen, hat der prominente Vorreiter der Klimadiktatur, Präsident Obama, seine schimmernde Rüstung und das weiße Pferd wieder in die Asservatenkammer gestellt. Noch gerupft von den  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Krebsheilung für Frauen: Diät auf pflanzlicher Grundlage ohne Molkereiprodukte

David Gutierrez

Die bedeutende Geologin Janet Plant setzt sich jetzt für ein Diätprogramm zur Behandlung von Krebs ein. Eine Ernährung ohne Molkereiprodukte, aber mit vor Krebs schützenden Nahrungsmitteln habe dazu beigetragen, ihren Brutkrebs zu heilen, während die westliche Schulmedizin versagt habe.  mehr …

Großbritannien: ein Vorgeschmack auf die auch den Deutschen bevorstehende Zukunft

Udo Ulfkotte

In Großbritannien passiert gerade das, was den Deutschen in den kommenden Monaten erst noch bevorsteht: weite Teile der Bevölkerung verarmen rasend schnell. Rentner schließen sich aus purer Not zu Gangs zusammen, immer mehr Kinder leiden Hunger, Schulen werden geschlossen und die Abgaben immer weiter erhöht. In Deutschland zuckt man hinsichtlich  mehr …

Ausländer nehmen deutschen Staat aus: Welt am Sonntag spricht überraschend Klartext

Redaktion

Es ist verrückt: KOPP-Autor Udo Ulfkotte schreibt sich seit Jahren die Finger wund, in seinen Büchern, in Zeitungs-Artikeln. Er mahnt: Die Integrationspolitik in Deutschland ist gescheitert. Er warnt: Ausländische Mitbürger, vor allem die integrationsunwilligen, haben den deutschen Steuerzahler bislang über eine Billion Euro gekostet.  mehr …

SPIEGEL vs. EIKE: Häme und Verleumdungen anstatt »Schreiben was ist« (Motto des Spiegelgründers Rudolf Augstein)

Michael Limburg

In seiner Ausgabe 40/2010 hat sich das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL eines Phänomens angenommen (betitelt mit »Die Wissenschaft als Feind«), das erkennbar immer bedrohlicher wird: Viele Zeitgenossen beginnen am offiziellen Dogma zu zweifeln, der Mensch sei an einem bedrohlichen Klimawandel schuld. Schlimmer noch, in der höchst gefährlichen Gruppe  mehr …

»Der 6. August 1945 als Ersteinsatzdatum einer deutschen Atomwaffe« – Exklusiv-Interview mit Thomas Mehner

Michael Grandt

Unsere Mainstreammedien »manipulieren« und »verdummen« die deutsche Bevölkerung in Bezug auf das Thema »Das Dritte Reich und seine Atomwaffen« – das meint der Autor Thomas Mehner und legt ein neues, kontroverses Buch vor.  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.