Thursday, 25. August 2016
25.06.2014
 
 

Bill Gates »industrialisiert« Amerikas Bildungssystem

F. William Engdahl

In den 1950er Jahren finanzierte die Rockefeller-Stiftung ein Projekt zur Industrialisierung von Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. Das Ergebnis ist das destruktive kommerzielle System industrialisierter Nahrungsmittelproduktion, das so genannte »Agribusiness«. Das nächste Ziel war die Industrialisierung des amerikanischen Gesundheitssystems, von dem private Versicherungen, Pharmafirmen und Hersteller medizinischer Geräte wie Siemens und GE profitierten.

 

In den 1990er Jahren erfasste das Virus, alles mit maschinenähnlicher Effizienz zu industrialisieren – als einzige »Orientierung« diente der Konzerngewinn –, das Bankgeschäft. Es entstand eine »Finanzindustrie«, in der Banken ihre Bilanzen so stark ausdehnen durften, dass sich das BIP der meisten Länder der Welt vergleichsweise winzig ausnahm. Die Folge war die Außerkraftsetzung der Grundsätze der amerikanischen Verfassung und der Bill of Rights (des Grundrechtekatalogs) zugunsten einer Konzern-Plutokratie.

 

Jetzt nimmt die Industrialisierung das Herzstück der amerikanischen Kultur ins Visier – die Schulbildung von der ersten bis zur zwölften Klasse. Der Name des Projekts: »Common Core Curriculum« (Gemeinsamer Kern-Lehrplan). Der wichtigste finanzielle Förderer des Programms, das einige zutreffend als CCC-»Putsch« bezeichnen, ist niemand anders als Bill Gates, der Zar von Microsoft.

 

Ohne großen Protest der Parteien ging die Abschaffung eines der wichtigsten Grundzüge des föderalen Systems der USA, bei dem die öffentliche Schulbildung schon immer Sache örtlich kontrollierter Schulausschüsse war, über die Bühne. Angefangen hat es mit der Regierung George W. Bush und ihren nationalen Programmen wie No Child Left Behind (Kein Kind wird zurückgelassen). Jetzt hat die Regierung in Washington in einer »öffentlich-privaten Partnerschaft« klammheimlich beschlossen, ein System völliger Kontrolle über die Bildungsinhalte an öffentlichen Schulen einzuführen. Tatsächlich übertragen die US-Regierung und der US-Kongress, die gewählten Vertreter »des Volkes«, privaten Interessen die Kontrolle, angeführt von profitorientierten Testfirmen und finanziert von der Bill & Melinda Gates Foundation.

 

Eine faule Kern-Kur

 

Wie fast jede destruktive Politik, so wird auch diese als »Fortschritt« im Bildungswesen verkauft. Die Verlockung für bundesstaatliche Regierungen und örtliche Verwaltungen ist groß in einer Zeit finanzieller Schwierigkeiten infolge der seit der Finanzkrise von 2007 andauernden Depression der US-Wirtschaft. Das Programm heißt Common Core State Standards oder kurz Common Core. Angeblich ist es ein »unter staatlicher Aufsicht geführtes Bemühen, das vom Center for Best Practices der National Governors Association [eine Organisation der 50 Bundesstaaten, die als Mittler zwischen den Bundesstaaten und der Regierung in Washington fungiert] und dem Council of Chief State School Officers [eine Organisation von Schulaufsichts- und -leitungsbeamten] koordiniert wird«.

 

Die wichtigste Finanzquelle für die Einführung allgemeingültiger Standards für Schulen und Lehrer – Ziele, die für Uninformierte gut gemeint klingen – ist die Bill & Melinda Gates Foundation. Die Gates-Stiftung ist ein seltsames Ding. Sie finanziert auch ein Zehn-Milliarden-Dollar-Impfprogramm, mit dem Ziel, jedes Kind in Afrika zu impfen – angeblich manchmal mit nicht getesteten Impfstoffen. Außerdem unterstützt sie mit Kofi Annan die Grüne Revolution in Afrika, die Monsantos Gen-Saatgut auf die wenigen noch verbleibenden nicht kontaminierten Böden auf der Erde bringen will. Gemeinsam mit Warren Buffett, CNN-Guru Ted Turner und anderen ausgesuchten Milliardären gründete Bill Gates 2008 den Good Club. Berichten zufolge wollte dieser vor allem effektivere Wege finden, die menschliche Bevölkerung zu reduzieren, wobei die angebliche Erderwärmung, das »Global Warming«, als Vorwand diente. »Menschen verschmutzen«, behauptet er, man reduziere deshalb die Bevölkerung und damit auch die Erderwärmung…

 

Die National Governors Association (NGA) erhielt von 2002 bis 2008 24 Millionen Dollar von der Gates-Stiftung. Etwa 20 Millionen waren für das hoch umstrittene »High School Redesign«-Projekt (Umgestaltung der Highschools) bestimmt, das sogar Gates später fallenlassen musste. Ab Juni 2009 erhielt die NGA weitere zwei Millionen Dollar von Gates für die »Arbeit mit Politikern der Bundesstaaten an der Umsetzung der Common Core State Standards, unter besonderer Berücksichtigung effektiver Ressourcenzuweisung, um die vollständige Umsetzung zu gewährleisten«. Außerdem sollte die staatliche Politik hinsichtlich der Effektivität der Lehrer überdacht werden.

 

Gleichzeitig spendete Gates rund 22 Millionen Dollar für die »Unterstützung von Phase II der National Education Data Partnership (Nationale Partnerschaft über bildungsbezogene Daten), durch die Transparenz und Zugang zu bildungsrelevanten Daten gefördert und die öffentliche Bildung durch datengestützte Entscheidungsfindung verbessert werden« sollte. Daten? Partnerschaft bei Daten? Klingt das nicht, als könnte es den weltweit führenden Daten-Software-Firmen neue Einkünfte bringen?

 

Insgesamt haben bisher vier Organisationen, die hauptsächlich für die Umsetzung nationaler Common-Core-Bildungsstandards zuständig sind, nicht weniger als 148 Millionen Dollar von Bill Gates erhalten. Weitere Gates-Millionen wurden eingesetzt, um die Aufgabe des Widerstands von Lehrergewerkschaften wie der American Federation of Teachers zu kaufen.

 

Industrialisierung der Bildung

 

Der gefährlichste Aspekt von Gates‘ Common-Core-Putsch liegt, wie ein Erzieher betonte, darin, dass »Common-Core-Standards … ohne demokratisches Verfahren entwickelt und eingeführt wurden. Unter den Verfassern der Standards sind keine Vorschul-Erzieher, keine Erzieher von Kindern mit Behinderungen, keine erfahrenen Schullehrer. Tatsächlich bildeten Vertreter der Test-Industrie die größte Gruppe in dem Redaktionsausschuss«.

 

Faktisch wird die US-Bildungspolitik von einem nicht gewählten Mann, Bill Gates, vereinheitlicht und gestaltet, gemeinsam mit dem Bildungsminister, dessen Mitarbeiterstab mit Gates-Verbündeten verflochten ist.

 

Der Plan ist für Städte attraktiv, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, denn sie können Lehrer entlassen, um Geld zu sparen. Aber das Geld fließt stattdessen in Milliardenausgaben für Common-Core-Materialien, Testverfahren, Hardware und Software. Microsoft, Pearson PLC und andere Konzerne werden die Gewinne dieses neuen Marktes einstreichen. Amerikanische Kinder haben nichts davon. Die Realität ist und bleibt: Den Ausschlag über Testergebnisse geben Familieneinkommen und Bildungsstand der Familie. Fast jedes vierte Kind in Amerika lebt in Armut. Die Common-Core-Standards tun nichts, diese Realität zu verändern. George Orwells 1984 kommt in den Vereinigten Staaten einen großen Schritt voran. Beunruhigend ist vor allem das Fehlen einer echten öffentlichen Debatte darüber, was passiert, wenn die Kontrolle über einen so entscheidenden Bereich wie die Bildung der Jugend eines Landes Bill Gates übertragen wird.

 

 

 


 

 


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