Monday, 26. September 2016
25.12.2015
 
 

China plant, GVO-Riese zu werden

F. William Engdahl

Von höchster Ebene wurde nun bestätigt, dass die chinesische Regierung um Staatspräsident Xi Jinping und seinen Ministerpräsidenten Li Keqiang, der auch Vorsitzender des Staatsrats ist, beschlossen hat, China zu einem Weltmarktführer auf dem höchst umstrittenen Gebiet ‚Genetisch Veränderte Organismen‘ (GVO) und der damit verbundenen hochgiftigen Pestizide und Herbizide zu machen. Dies wurde im November klargestellt, als die staatliche chinesische Firma ChinaChem ankündigte, sie wolle den Anglo-Schweizer Pharmakonzern Syngenta in Basel kaufen. Das ist für mich persönlich eine Enttäuschung und für die Welt ein schwerer Schlag.

 

Im November unternahm Chinas Nationaler Chemie-Konzern (ChemChina) den vergeblichen Versuch, die Schweizer Syngenta, den mit 19 Prozent Weltmarktanteil größten Hersteller chemischer Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmittel, zu erwerben.

 

Syngenta gehört zusammen mit Monsanto, DuPont und Dow zu den vier Weltgiganten unter den Patentinhabern von GVO-Saatgut. Diese werden auch manchmal die »Vier Reiter der GVO-Apokalypse« genannt. Das Übernahmeangebot erfolgte nicht spontan aus Lust und Laune. Es kam, nachdem Syngenta das von Monsanto zuvor im Jahr 2015 unterbreitete Übernahmeangebot abgelehnt hatte.

 

Am 18. Dezember zeigte ChemChina, dass es ihm damit ernst sei, als es ein zweites, höheres Angebot zur Übernahme der Produktion von Syngenta und seiner gesamten GVO- und Pestizidpatente vorlegte. Das neue Angebot im geschätzten Wert von 44 Milliarden Dollar würde die größte Unternehmensübernahme in der chinesischen Geschichte sein.

 

Xis schwerer Fehler

 

Mit der klaren Zustimmung zum Versuch von ChemChina, ein Global Player in der GVO-Partie zur Bevölkerungsreduktion zu werden, machen Xi Jinping, sein Ministerpräsident und sein Landwirtschaftsminister einen groben Fehler. Mit seinen eigenen Worten erklärte Xi in einer Rede vom vergangenen Jahr, die im Mai 2015 veröffentlicht wurde, China müsse »kühn Spitzenleistungen der GVO-Techniken erforschen, Neuerungen einführen und dominieren« (Hervorhebung vom Verf.).

 

Wenn sich die Chinesen daranmachen, einen globalen Markt zu übernehmen, sei es den für Textilien, für Elektronik oder jetzt den für GVO-Lebens- und Pflanzenschutzmittel, dann müssen wir das ernst nehmen. Xi sagte in derselben Rede Ende 2014 weiter: »Wir können nicht zulassen, dass ausländische Unternehmen den GVO-Markt beherrschen.« Der Plan ist klar: China will seine enormen finanziellen Ressourcen verwenden, um ausländische Wettbewerber wie Syngenta zu kaufen.

 

In diesem Jahr hat die chinesische Regierung ein Strategiepapier für die Landwirtschaft veröffentlicht. Darin tritt sie für mehr GVO-Forschung ein. Das Landwirtschaftsministerium setzte im September 2014 eine Propagandakampagne für GVO in Gang.

 

Das in Peking ansässige Unternehmen Origin Agritech hat GVO-Saatgut für Mais entwickelt, und andere chinesische Unternehmen arbeiten an neuen GVO-Reissorten. »Biotechnologie ist unsere Investition in die Zukunft«, sagt der Vorsitzende von Origin, Han Gengchen. Er erwartet, dass die Regierung den Anbau von GVO-Mais in drei Jahren erlauben wird. Die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua schrieb am 4. Februar: »GVO-Technologie gilt seit Langem als effektiver Weg, um den Ertrag grenzwertiger Böden zu steigern.«

 

Die Behauptung, GVO-Saatgut und die damit verbundenen chemischen Unkrautvernichtungsmittel wie Monsantos Roundup oder die in China produzierten Kopien des Glyphosat würden jemals den Ernteertrag »grenzwertiger Böden« verbessern, ist schlimmer als ein Irrtum.

 

Darin spiegelt sich entweder die völlige Unkenntnis der dokumentierten Erfahrungen in den USA und bei anderen mit dem GVO-Anbau. Solche Unterlagen bestätigen einen Ertragsrückgang und eine unvermeidliche Zunahme der für die Unkraut- und Schädlingsbekämpfung erforderlichen Chemikalien. Oder die Behauptung drückt etwas Unmoralisches aus.

 

»Entschieden, verwirrt mich nicht mit Tatsachen …«

 

Die Maßnahmen der chinesischen Führung in dieser für die künftige sichere Lebensmittelversorgung der Erde entscheidenden Frage ergeben sich nicht aufgrund ihrer Unkenntnis über die Fragwürdigkeit des GVO-Projekts. In der Zeit, als ChemChina sein Novembergebot für Syngenta einreichte, hat die chinesische Regierung eine der weltweit größten, unabhängigen Medienquellen gegen die GVO-Anwendung in der Landwirtschaft, Sustainable Pulse (Impuls für Nachhaltigkeit), verboten. Auch wenn das Verbot Berichten zufolge später wieder aufgehoben wurde, macht es deutlich, dass sich Pekings Beamte sehr wohl der GVO-Problematik bewusst sind.

 

Seit über 20Jahren, als in den USA die ersten GVO-Kulturen ohne unabhängige Gesundheits- und Sicherheitsüberprüfung durch die US-Regierung auf den Markt kamen, hat China die Entwicklung von GVO in China unterbunden.

 

Der Verfasser war 2009 in Verbindung mit der Veröffentlichung seines Buches Saat der Zerstörung. Die dunkle Seite der Gen-Manipulation auf Chinesisch zu einer Vortrags- und Tagungstour nach China eingeladen worden. Die großen chinesischen Medien ebenso wie CCTV verbreiteten meine kritischen Schlussfolgerungen.

 

Das Buch schaffte es in diesem Jahr sogar auf den zweiten Platz der Bestsellerliste für Sachbücher in China. Chinesische GVO-Aktivisten haben weit verbreitet und gut sichtbar die Gefahren von GVO für China und die Welt propagiert.

 

Die Entscheidung XIs und seiner Regierung angesichts dieser Kenntnisse erinnert an die Erklärung des US-Kongressabgeordneten aus dem Staat Indiana, Earl Landgrebe, der Nixon im Kongress am Vortag von dessen Rücktritt in der Watergate-Affäre verteidigte: »Ich habe mich entschieden. Verwirrt mich nicht mit Tatsachen.«

 

Die unglückliche und destruktive Entscheidung Pekings, ein »führender Hersteller« von GVO werden zu wollen, fällt in eine Zeit, in der sich viele Informierte in der Welt von GVO und deren krebserregenden Pestiziden wie Glyphosat verabschieden.

 

In diesem September gab die russische Regierung bekannt, dass sie ein vollständiges Verbot für den Anbau von GVO-Kulturen in Russland erlassen hat. Präsident Putin sagte im Zusammenhang mit dieser Entscheidung in einer Rede, das GVO-Verbot ermögliche es Russland, ein weltweit führender Exporteur gesunder, natürlicher Nahrungsmittelpflanzen zu werden. Und in diesem Jahr entschieden sich zwei Drittel der 28 EU-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, für ein Verbot des GVO-Anbaus nach den neuen Brüsseler »Ausstiegsregelungen«.


Was auch immer die ehrlichen Motive Xi Jinpings und seiner Regierung sein mögen, die Tatsache, dass sich jetzt die weltweit bevölkerungsreichste Nation entscheidet, in einen schlecht geplanten Wettbewerb mit Monsanto und der US-Regierung einzutreten, um »Weltmeister« auf dem Gebiet von GVO zu werden, ist eine große Enttäuschung für den vernünftigen Teil der Welt.

 

Dabei führt diese Nation so brillant bei Großprojekten wie dem Projekt » Ein Gürtel, eine Straße« sowie bei Eisenbahn- und Ozean-Infrastrukturbauten und geht voran, um gemeinsam mit Russland eine echte Alternative zum zusammenbrechenden Dollarsystem einzurichten.

 

Das, Herr Xi, ist keine »Win-win-Chance«. Es ist eine reine »Verluststrategie«. Um es wie im deutschen Fußball zu sagen: Herr Xi, Sie haben gerade ein Eigentor geschossen Sie haben es soeben geschafft, den Ball is eigene Netz zu kicken, und damit Ihrem erbitterten Gegner einen Punkt abgetreten.

 

Mit anderen Worten, Sie haben sich selbst in den eigenen Fuß geschossen. Haben Sie den Mut zu überprüfen, ob ich recht habe, bevor Sie mit diesem Wahnsinn weitermachen! China hat eine zu wichtige Rolle übernommen, dieser geplagten Welt Gutes zu tun, um diese für das falsche Versprechen aufzugeben, »Weltmeister auf dem Gebiet der GVO« zu werden.

 

 

 

 

 

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