Samstag, 21. Januar 2017
18.05.2016
 
 

Der anglo-amerikanische Erdölmarkt ist am Ende

F. William Engdahl

Die Weltwirtschaft wurde den Großteil der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von den großen anglo-amerikanischen Erdölkonzernen, ihren Banken und ihren Freunden in der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC), und hier insbesondere Saudi-Arabien, kontrolliert. Heute ist diese Art von Vorherrschaft auf den weltweiten Erdölmärkten unwiederbringlich verlorengegangen. Die Welt tritt in ein neues Erdöl-Zeitalter ein. Und zwar in eines, das sehr viel interessanter zu werden verspricht.

 

Als sich im September 2014 die Preise für ein Barrel der Referenzsorte Brent um die 100-Dollar-Marke herum bewegten, hing Washington der Illusion an, Russland durch einen massiven Einbruch des Welterdölpreises wirtschaftlich in die Knie zwingen zu können, indem man das gleiche Spiel wie 1986 mit Saudi-Arabien wiederholte. Im Dezember 2014 zeichnete sich allerdings ab, dass Washington und die amerikanische Schieferölindustrie – und nicht Russland – in die Knie gezwungen wurden. Dies war das erste schwerwiegendere Anzeichen dafür, dass die Kontrollmechanismen, auf die die Wall Street und die großen anglo-amerikanischen Erdölkonzerne so viele Jahrzehnte vertrauen konnten, nicht mehr griffen.

 

Mehr als 20 Monate später ist der Schieferöl-Boom in den USA dabei, in einer Reihe von Bankrotten in sich zusammen zu fallen. Und dann entließ Prinz Mohammed bin Salman al-Saud, der Sohn und Vize-Kronprinz des regierenden saudischen Monarchen Salman ibn Abd al-Aziz, den Architekten dieser Strategie, den saudischen Erdölminister Ali Al-Naimi, der dieses Amt von 1995 bis 2016 innehatte und die einflussreichste Persönlichkeit der OPEC war, an der niemand vorbeikam.

 

Al-Naimi hatte 2014 die saudische Politik konzipiert, die sich nicht so sehr gegen Russland, ein eher konventionelles Erdölförderland, sondern gegen die kostenintensive Schieferöl-Konkurrenz in den USA richtete, die dabei war, Saudi-Arabien und der OPEC die Kontrolle über die weltweiten Erdölmärkte zu entreißen.

 

Im April tagten dann die OPEC-Länder – ohne den Iran, aber mit Russland – in Doha, der Hauptstadt Katars, um über eine Reduzierung ihrer Fördermengen zu diskutieren. Die Händler auf den Erdölmärkten zeigten einen vorsichtigen Optimismus. Aber letztlich scheiterten die Gespräche. Berichten zufolge hatte sich Prinz Mohammed bin Salman den Wünschen seines eigenen Erdölministers widersetzt und eine Absprache abgelehnt, die den Iran – ein »rotes Tuch« für Salman – von einer Verringerung der Fördermengen ausschließen würde.

 

Salman ist ein erbitterter Gegner des schiitischen Iran, zumal der Iran nach der Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktionen im vergangenen Jahr wieder ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Erdöl- und Erdgasbereich werden dürfte.

 

Im Mai wurde dann der bisherige 80-jährige saudische Minister für Energie, Industrie und Bodenschätze, Ali Al-Naimi, nach fast 21-jähriger Amtszeit überraschend entlassen und durch Khalid A. Al-Falih ersetzt. Dieser war zuvor seit 2009 Vorstandschef des staatseigenen saudischen Erdölförderers Saudi Aramco gewesen. Khalids Haupttugend ist offenbar, dass er den Befehlen des 31-jährigen Prinzen Salman bereitwillig Folge leistet. Prinz Salman hatte vor Kurzem vorgeschlagen, Saudi Aramco, den größten Erdölkonzern weltweit, zu privatisieren und zwei Billionen Dollar in den Umbau der saudischen Wirtschaft zu investieren, der das Land aus der überwältigenden Abhängigkeit vom Erdöl befreien soll.

 

Die Erdölmärkte hatten möglicherweise darauf gehofft, sich über die Aussicht freuen zu können, dass die Niedrigpreis-Strategie Al-Naimis nun beendet sei und der neue Minister wieder auf einen Anstieg der Erdölpreise und ein Ende des Schieferöl-Krieges hinarbeite. Stattdessen kündigte Al-Falih an, es werde keine Änderung der Preispolitik geben.

 

Die Erdölpreise bewegen sich praktisch unverändert um einen Wert von 45 Dollar pro Barrel, während die Händler weiterhin versuchen, die Situation auf den Erdölmärkten zu verstehen. Sie ist so verwirrend wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gegenwärtig liefe eine Fortsetzung der Politik Saudi-Arabiens, die Erdölpreise weltweit zu kontrollieren und ihren Marktanteil zu halten, ins Leere. Die Welt schwimmt praktisch in Erdöl. Und täglich werden neue Vorkommen entdeckt.

 

Das Ende der OPEC?


Der russische Erdölunternehmer und enge Berater Putins Igor Setschin, Vorstandschef des nach eigenen Angaben weltweit größten staatlichen Erdölkonzerns Rosneft, erklärte am 10. Mai in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters: »Gegenwärtig verhindert eine Reihe objektiver Faktoren, dass irgendein Kartell dem Markt seinen Willen aufzwingen kann … Was die OPEC angeht, so hat sie praktisch aufgehört, als eine in sich geschlossene Organisation zu existieren.«

 

Aber noch weitere deprimierende Faktoren verringern gegenwärtig die Macht und den Einfluss der OPEC. Der Versuch Al-Naimis, Schieferöl als Konkurrenz auszuschalten, hat dem saudischen Staatshaushalt nicht nur massive Mindereinahmen beschert, was 2015 zu einem Defizit von 90 Mrd. Dollar führte. Als Folge dieser Politik entstand auch eine Überschussförderung von schätzungsweise drei Mrd. Barrel Erdöl, die nun in irgendwelchen Lagerräumen auf hoher See herumschwimmen oder aber anderswo gelagert wird, bis der Erdölpreis wieder zu steigen beginnt.

 

Selbst wenn sich die OPEC auf eine Verringerung der täglichen Fördermenge um drei Mio. Barrel verständigen könnte, würde es praktisch drei Jahre dauern, bis diese Überproduktion abgebaut wäre. Aber niemand in der OPEC denkt auch nur daran, die Produktion lediglich um eine Mio. Barrel, geschweige denn um drei Mio. Barrel, zurückzufahren. Man einigte sich lediglich auf ein Einfrieren der täglichen Fördermenge auf dem gegenwärtig hohen Stand, sodass das Überangebot wie die Wasserflut des Zauberlehrlings in Goethes bekanntem gleichnamigen Gedicht immer weiter ansteigen wird.

 

Der gegenwärtige Zerfall des weltweiten Erdölmarktes wird enorme, weitgehend kaum berücksichtigte politische Folgen für die Welt als Ganzes nach sich ziehen. Zunächst einmal wird dadurch die Möglichkeit des saudischen Königreiches beeinträchtigt, weiterhin den Terrorismus des Islamischen Staates (IS) in Syrien und anderswo zu finanzieren. Auch die Bedeutung des US-Dollars als Ankerwährung des Welthandels – und damit seine weltweite Vorherrschaft – wird geschwächt, da Erdöl – möglicherweise mit Ausnahme illegaler Drogen – das weltweit am meisten gehandelte Produkt ist.

 

Und der Zusammenbruch der kostenintensiven amerikanischen Schieferölindustrie ist ebenfalls eine ausgemachte Sache. Die Entlassung Al-Naimis markiert in gewisser Weise das Ende der anglo-amerikanischen Kontrolle des Welterdölmarktes. Ein weiteres untrügliches Kennzeichen dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass Russland mit dem kurz bevorstehenden Ausbau der Internationalen Handelsbörse in Sankt Petersburg (SPIMEX) über einen eigenen Handelsmarkt für den Handel mit russischem Erdöl verfügen wird, an dem nicht mit Dollar, sondern mit Rubel bezahlt wird. Chef der SPIMEX ist niemand anderer als der schon erwähnte Igor Setschin – eine interessante Perspektive tut sich hier auf.

 

 

 

 


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