Freitag, 23. Juni 2017
20.04.2016
 
 

Deutsche Bank wendet sich gegen das Kartell der Goldpreis-Fixierer

F. William Engdahl

Die Deutsche Bank, einst Deutschlands angesehenste Großbank, hat zugegeben, im Verbund mit dem Kartell der großen Banken an der Wall Street und mit anderen internationalen Banken bewusst den Goldpreis über einen Zeitraum von mehreren Jahren manipuliert zu haben. Ebenso hat sich die Deutsche Bank in einem gerichtlichen Vergleich mit gegnerischen Parteien vor einem US-Gericht bereit erklärt, die Namen anderer Großbanken zu nennen, die an dieser kriminellen Unternehmung beteiligt waren. Wenn sich dieses Drama in den kommenden Wochen und Monaten entfaltet, kann die Welt erleben, dass der Goldpreis neue Höhen erklimmt, um der tatsächlichen globalen Marktnachfrage Rechnung zu tragen. Denn diese ist riesig.

 

Zum ersten Mal war ich in der Zeit nach dem weltweiten Börseneinbruch im Oktober 1987 auf Hinweise gestoßen, dass einzelne Wall-Street-Banken und andere internationale Großbanken in Zusammenarbeit mit der Federal Reserve (FED) absichtlich den Welt-Goldpreis niedrig gehalten haben. Damals war der Dow-Jones-Aktienindex an einem Tag um 23 Prozent eingebrochen. John Crudele, der außerordentlich hartnäckige Finanzjournalist bei der New York Post, und John Williams von Shadow Government Statistics (Statistiken der Schattenregierung), ebenfalls ein außergewöhnlicher Ökonom, haben mich damals auf Berichte über die Goldpreismanipulation hingewiesen.

 

Das Ziel für diese Preisfestsetzung, die damals angeblich der Chef der FED, Alan Greenspan, eingefädelt hatte, war, die wilde Flucht der von Panik erfassten Investoren aus riskanten Aktien und Anleihen in Gold zu verhindern. Hätte Gold von der Aktien-Panik profitiert, hätte das gut das baldige Ende des Dollar-Systems bedeuten können. Damals gelang es, einen Anstieg der Goldpreise zu verhindern.

 

Nun, am 15. April, hat die Deutsche Bank in einem Gerichtsverfahren vor dem New Yorker Bezirksgericht der Vereinigten Staaten dem Gericht schriftlich mitgeteilt, einem außergerichtlichen Vergleich mit der Gruppe von Wertpapierhändlern, die die Bank verklagt hatten, zuzustimmen.

 

Im Rahmen dieses Vergleichs ist eine Bombe enthalten. Die Deutsche Bank wird den Händlern zur Unterstützung ähnlicher Anklagen gegen andere Großbanken in ihrem Besitz befindliche Hinweise dafür übergeben, dass diese dem Kartell angehören, das die Gold- und Silberpreise fixiert hat. Die Deutsche Bank erklärte dem Gericht gegenüber, Internet-Botschaften und andere Mitteilungen herausgeben zu wollen, um bei der Fortsetzung der Verfahren behilflich zu sein:

 

»Zusätzlich zu den geldwerten Gegenleistungen, die in einen Entschädigungsfonds einzuzahlen sind, enthält die Konditionsvereinbarung weitere wertvolle Bedingungen, wie die Forderung nach der Mitarbeit der Deutschen Bank in den Verfahren gegen die verbliebenen übrigen Angeklagten«, teilten die Anwälte der Bank dem Gericht mit.

 

Die Händler, die Klagen gegen die Deutsche Bank und andere erhoben hatten, behaupteten, dass die Banken ihre Position bei der Kontrolle der täglichen Silber- und Goldpreis-Festsetzung missbraucht hätten, um unberechtigterweise Gewinn aus dem Handel zu ziehen und andere Investoren am Silbermarkt, die sich bei Transaktionen in Höhe von Milliarden Dollar an die Richtgrößen halten, zu schädigen.

 

Anzumerken ist noch, dass die Commodity Futures Trading Commission (Kommission für Warentermingeschäfte, CFTC), jene US-Regierungsbehörde, die angeblich vom Kongress beauftragt ist, diese Banken und ihren Rohstoff-Derivatehandel zu regulieren, 2008 ihre eigene Untersuchung in Gang gesetzt hatte. Nach einer fünf Jahre langen »Untersuchung« zu den Beschwerden über Preismanipulationen auf den Silbermärkten stellte die CFTC im Jahr 2013 das Verfahren wieder ein. Vorsitzender der CFTC war damals, wahrscheinlich rein zufällig, Gary Gensler, ein ehemaliger höher gestellter Partner bei Goldman Sachs. Heute ist Gensler der Finanzmanager von Hillary Clintons Präsidentschaftswahlkampf. Oh je, oh je.

 

Wen die Götter vernichten wollen ...

 

Als Untertitel meines jüngsten Buches auf Englisch, The Lost Hegemon (Der bankrotte Hegemon), habe ich eine Redewendung aus der klassischen griechischen Antike gewählt: »Wen die Götter vernichten wollen, den treiben sie zuerst in den Wahn«, machen ihn geisteskrank. Das trifft sicher auf die Handvoll Banken an der Wall Street und auf einige auserwählte Banken der EU zu, die als »too big to fail« (zu groß, um unterzugehen) gelten.

 

Genau diese Verrückten sind in die Manipulation des Gold- und Silbermarktes verwickelt und wurden dazu noch angeklagt, den wichtigsten internationalen Zinssatz in London, den LIBOR, wie auch einzelne Währungen manipuliert zu haben.

 

Nur wenige Tage bevor die Bombe mit der Deutschen Bank hochgegangen ist, haben Wells Fargo und Goldman Sachs zugegeben, fast ein ganzes Jahrzehnt lang die Regierung der Vereinigten Staaten betrogen zu haben. Dieser Betrug hatte schließlich zum Zusammenbruch des Immobilienmarktes geführt. Den Freikauf seiner Wall-Street-Kumpane hatte bei jenem tsunamiartigen Zusammenbruch der frühere Vorstandsvorsitzende bei Goldman Sachs, Henry Paulsen, als US-Finanzminister betrieben. Kurzum, einige der größten Banken der Welt wurden als kriminelle Unternehmen bloßgestellt.

 

Der Damm bricht

 

Der tägliche Londoner Goldpreis wird in einem speziellen Raum der Barclays Bank unter der Aufsicht der Mitglieder der Londoner Bullion Market Association (Währungs-Goldmarkt-Vereinigung) »fixiert«. Die daran beteiligten Banken sind die Bank of Nova Scotia – ScotiaMocatta, die Barclays Bank, die Londoner Zweigstelle der HSBC Bank USA und die französische Société Générale sowie Goldman Sachs und die UBS. Die Deutsche Bank gehörte diesem kleinen Zirkel bis Anfang 2014 an.

 

Neben der Deutschen Bank stehen folgende Banken derzeit in New York unter Anklage: die HSBC Holdings Plc, die Bank of Nova Scotia und die UBS. Die Liste wird zurzeit erweitert. Man kann sicher sein, dass JPMorgan Chase, Goldman Sachs und einzelne Wall-Street-Banken bereits ins Visier von Hunderten von Sammelklagen geraten sind, die gerade vorbereitet werden.

 

Einen Tag nach den dramatischen Neuigkeiten über die Deutsche Bank wurden beim Ontario Superior Court of Justice (Kammergericht in Ontario) zwei Sammelklagen eingereicht, die eine Milliarde US-Dollar Schadenersatz im Namen kanadischer Gold- und Silber-Anleger beanspruchen.

 

Die erste Klage behauptet, die Beklagten – darunter die Bank of Nova Scotia – hätten sich verschworen, 15 Jahre lang im Rahmen der Festsetzung des Richtpreises, die als Londoner »Silver Fixing« bekannt ist, die Preise auf dem Silbermarkt manipuliert zu haben. Die Anklage erfolgte »im Namen aller Personen, die in Kanada zwischen dem 1. Januar 1999 und dem 14. August 2014 entweder direkt oder indirekt Transaktionen mit einem Silber-Marktinstrument durchgeführt haben. Dazu zählen auch die Anleger in ein Investment oder in Aktien-, Publikums-, Hedge- oder Rentenfonds oder in eine andere Anlageform, die Transaktionen mit Silber-Marktinstrumenten abgewickelt hat.«

 

Eine identische Sammelklage wurde wegen Goldpreismanipulation eingereicht.

 

Nachdem nun der Damm bei Preisfestsetzungen gebrochen ist und die Deutsche Bank sich tatsächlich bereit erklärt hat, sich gegen ihre Banken-Kumpane bei der Manipulation der Warenterminpreise zu wenden, ist es sicher, dass unzählige Erörterungen zwischen geschädigten Händlern und Investoren und ihren Anwälten zu einer Flut teurer Rechtsstreitigkeiten führen werden. Diese werden die Banken der Wall Street, der City of London und ihre Mitverschwörer auf dem Kontinent festnageln.

 

Dies dürfte interessanterweise die weltweite Blockade der Goldmärkte gerade in dem Augenblick aufheben, in dem China, das offensichtlich die Spielereien der Wall Street mit dem Goldpreis satt hatte, in Shanghai mit der Absicht einen Goldmarkt eingerichtet hat, den Markt in London und New York durch ganz andere Regelungen zu ersetzen. Dies könnte sehr wohl der Beginn eines neuen Goldenen Zeitalters sein – buchstäblich und in übertragenem Sinne.

 

 

 


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