Samstag, 21. Januar 2017
06.07.2016
 
 

Nobelpreis schützt vor Blödheit nicht

F. William Engdahl

107 Nobelpreisträger haben einem Bericht der Washington Post zufolge gerade unter Beweis gestellt, dass auch so ein renommierter Preis nicht vor Blödheit schützt. Sie waren so dumm, einen offenen Brief zu unterschreiben, in dem Greenpeace aufgefordert wird, sich nicht länger gegen genetisch veränderte Organismen (GVO) zu sperren. In dem Aufruf heißt es, Greenpeace solle seinen Widerstand gegen »Goldenen Reis« aufgeben, eine genetisch manipulierte Reissorte, die angeblich den Vitamin-A-Mangel bei Neugeborenen in den Entwicklungsländern reduzieren kann.

 

Was sagt uns das? Entweder sind diese 107 Nobelpreisträger nicht sonderlich intelligent, oder wir haben hier die x-te Gruppe von Forschern, die bereit sind, sich für ein paar Silberlinge von Monsanto und Konsorten zu prostituieren und ihren Ruf zu verramschen. Oder beides ...

 

In dem nicht sonderlich noblen Schreiben der Nobelpreisträger heißt es: »Wir drängen Greenpeace und ihre Anhänger, die Erfahrungen noch einmal zu überprüfen, die Landwirte und Verbraucher weltweit mit Saatgut und Lebensmitteln gemacht haben, die durch Biotechnologie verbessert wurden. Wir fordern sie auf, die Befunde der maßgebenden wissenschaftlichen Gremien und Regulierungsbehörden anzuerkennen. Und wir fordern sie auf, ihren Feldzug gegen GVO im Allgemeinen und Goldenen Reis im Speziellen aufzugeben.«

 

Das Schreiben ist gerichtet an »die Anführer von Greenpeace, die Vereinten Nationen und Regierungen in aller Welt« und schließt mit einem Appell, bei dem es einem kalt den Rücken hinabläuft: »Wie viele arme Menschen müssen weltweit noch sterben, bevor wir das [gemeint ist ein Widerstand, der »auf Emotionen und Dogmatismus basiert«] als Verbrechen an der Menschheit einstufen?« Harter Tobak. Und ausgemachter Blödsinn.

 

Es gibt ein Problem mit diesem Appell der 107 Nobelpreisträger: Ihr Schreiben ist wissenschaftlich von vorne bis hinten Unfug. Alles, was sie über GVO schreiben, ist von Wissenschaftlern wiederholt als unwahr nachgewiesen worden. Nehmen wir uns den zentralen Punkt vor, genetisch veränderten, Beta-Carotin enthaltenden »Goldenen Reis«.

 

»Goldener Reis« ist ein Fehlschlag

 

»Goldener Reis« kann also in den Armutsregionen Asiens und Afrikas den Vitamin-A-Mangel eindämmen und damit Millionen Kinder vor dem Tod retten? Um begreifen zu können, wie idiotisch diese Behauptung der Preisträger ist, müssen wir ein wenig in die Historie einsteigen.

 

Die Welt der GVO ist ein Geistesprodukt der Rockefeller Foundation. 1985 stieß die Stiftung die erste umfassende Untersuchung zu der Möglichkeit an, genetisch manipulierte Pflanzen kommerziell nutzbar zu machen. Es handele sich um eine »große, langfristig angelegte Verpflichtung, Gentechnologie bei Pflanzen anzuwenden«, so die damalige Formulierung. Mit den Mitteln der Rockefeller Foundation war der zentrale Katalysator gegeben für weltweite Forschungsanstrengungen, die in die Produktion genetisch veränderter Pflanzen mündeten – zur sogenannten »Gen-Revolution«.

 

Im Verlauf der folgenden 2 Jahrzehnte pumpte die steuerbefreite Stiftung der Rockefellers deutlich über 100 Millionen Dollar direkt in die Forschung, mehrere 100 weitere Millionen Dollar flossen indirekt. So wurde die Forschung an der Gentechnik und ihren Verwendungsmöglichkeiten in der globalen Lebensmittelproduktion vorangetrieben und gefördert. Natürlich nahm dieser Punkt einen zentralen Platz in ihren globalen Plänen ein. Wir sprechen hier übrigens über dieselbe Rockefeller-Stiftung, die während des »Dritten Reichs« Hitlers Eugenik-Forschung finanzierte. Erst 1939 mit Kriegsausbruch wurde die Sache dann doch zu peinlich. Nach den Nürnberger Prozessen erklärte Frederick Osborn, damaliger Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Eugenik und enger Vertrauter Rockefellers: »Der neue Name der Eugenik laute Genetik.«

 

In der Eugenik geht es nicht darum, die Welt zu ernähren. Es geht um das Aussortieren der »überschüssigen« Bevölkerung, wie Großbritanniens Prinz Philip es einmal so elegant und so markerschütternd formulierte. Das ist das wahre Ziel der Genmanipulation. Wer seine Zweifel hat oder einfach neugierig ist, den verweise ich auf mein Buch Saat der Zerstörung. Dort wird diese groteske »wissenschaftliche« Aktion der Rockefeller Foundation ausführlich erörtert.

 

Reductio ad absurdum

 

Das neue Biologie-Programm der Stiftung wurde von dem Arzt Warren Weaver geleitet, zugleich Präsident der Rockefeller Foundation während der 1930er-Jahre. Mit ihrer Großzügigkeit bei der Vergabe von Mitteln für wissenschaftliche Forschungsprojekte erlangte die Stiftung gewaltigen Einfluss darauf, in welche Richtung die Wissenschaft sich während der Weltwirtschaftskrise entwickelte, und zwar allein schon dadurch, dass sie in einer Zeit absoluter Not führenden Forschern Mittel zur Verfügung stellen konnte.

 

Beeindruckende 90 Millionen Dollar vergab die Rockefeller Foundation zwischen 1932 und 1957, um dem neuen Feld der Molekularbiologie zu einem guten Start zu verhelfen. Molekularbiologie und die damit einhergehende Arbeit an Genen hätte es ohne die Rockefeller Foundation vermutlich niemals gegeben. Und wir sprechen hier über dieselbe Stiftung, die seit mindestens den 1920er-Jahren leidenschaftlich für eine Eindämmung der Weltbevölkerung eintritt, und zwar mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

 

1982 drängte eine Beratergruppe der Stiftung die Führung, Ressourcen dafür abzustellen, die Erkenntnisse der Molekularbiologie auf die Pflanzenzucht anzuwenden. Im Dezember 1984 genehmigte das Kuratorium der Rockefeller Foundation Mittel dafür, die Methoden der Molekularbiologie auf die Reiszucht zu übertragen. Reis ist ein Grundnahrungsmittel für den größten Teil der Menschheit. Und das war die Geburtsstunde für den sogenannten »Goldenen Reis«, der, glaubt man den 107 Nobelpreisträgern, einen Vitamin-A-Mangel verhindern kann.

 

Die beim GVO-Reis angewandte Methodik ging zurück auf den Reduktionismus von René Descartes und auf die Methoden von Charles Darwin, wonach Lebewesen Maschinen sind, deren einziges Ziel darin bestehe, ihr Erbgut weiterzugeben – alles nur Chemie und Statistiken. Die Rockefeller-Methodik war eine Erweiterung der Ansicht, dass sich eine komplexe Lebensform auf einen simplen Baustein reduzieren lässt, von dem aus sich sämtliche Züge der Lebensform ableiten lassen.

 

Für Weaver und andere Mitglieder der Rockefeller Foundation spielte es keine Rolle, dass der wissenschaftliche Reduktionismus längst gründlich widerlegt worden war. Wie formulierte es Professor Philip Regal, ein international angesehener Experte für Biosicherheit: »Weaver trug dazu bei, ein Netzwerk von Menschen zu erschaffen, die man eines Tages als Molekularbiologen bezeichnen würde. Sie hatten wenig traditionelles Wissen über lebende Organismen und Gemeinschaften von Organismen. Gemeinsam war ihnen der Glaube an die Theorie des Reduktionismus und des Determinismus ... Sie lernten, im Diskurs mit optimistischen Begriffen zu arbeiten, die ihnen Fördermittel und Status einbrachten.«

 

Führende Labore erhielten Forschungsgelder durch eine neue Einrichtung, die die Rockefeller Foundation erschaffen hatte, nämlich das International Program on Rice Biotechnology (IPRB). Während der nächsten 17 Jahre pumpte die Stiftung beeindruckende 105 Millionen Dollar an eigenen Mitteln in die Entwicklung und globale Bewerbung von genetisch modifiziertem Reis. Ab 1989 flossen weitere 54 Millionen Dollar pro Jahr – über 540 Millionen Dollar im Verlauf des folgenden Jahrzehnts – in die »Ausbildung und die Aufstockung von Kapazitäten«, damit die jüngsten Entwicklungen in der genetischen Modifizierung von Reispflanzen in alle Welt hinausgetragen werden konnten. Das Lieblingsprojekt dabei: Es wurde ein GVO-Reis entwickelt, der angeblich bei Kindern Vitamin-A-Mangelzustände beheben kann, denn genetisch war dem Reis Beta-Carotin hinzugefügt worden. Sein Name? »Goldener Reis« wegen der blass orangenen Farbe.

 

Hauptmotor für die Weiterverbreitung der neuen Genreisrevolution der Rockefeller Foundation wurde das International Rice Research Institute (IRRI), eine auf den Philippinen angesiedelte Einrichtung, die mit Unterstützung der Rockefeller Foundation begründet worden war und deren Genbank über ein Fünftel aller bekannten Reisvariationen enthält. Das IRRI hatte illegalerweise jede bekannte wichtige Reisart in einer Samenbank gesammelt. 1993 verabschiedeten die Vereinten Nationen das Übereinkommen über eine biologische Vielfalt. Es sollte verhindern, dass den Entwicklungsländern das kostbare Saatgut gestohlen wurde.

 

Washington nahm allerdings eine winzige Änderung im ursprünglichen Text vor und verlangte, dass alle genetischen Ressourcen außen vor bleiben sollen, die im Rahmen des CGIAR-Systems gehalten werden. IRRI ist Teil von CGIAR (Consultative Group on International Agricultural Research), der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung. Betroffen von dieser Forderung waren 40 Prozent des weltweit in den Samenbanken gelagerten einzigartigen Keimplasmas von Nahrungspflanzen. Es bedeutete nichts anderes, als das Agrokonzerne wie Monsanto und Syngenta weiterhin freie Hand hatten, sich nach Belieben zu bedienen und sich die Ergebnisse ihrer Arbeit dann patentieren zu lassen.

 

Die Förderer der Grünen Revolution haben das IRRI dafür genutzt, den unersetzlichen Reichtum an asiatischen Reisvariationen unter ihre Kontrolle zu bringen. Das Ganze unter dem Vorwand, man »schütze« doch bloß die Einzigartigkeit. Der »Goldene Reis« wurde zum Symbol, zum Sammelpunkt und zum Aushängeschild für die Versprechungen der Gentechnik – obwohl dieses Versprechen auf dunklen Lügen und vorsätzlicher Täuschung beruhte.

 

Die echte Wahrheit

 

Dr. Vandana Shiva setzt sich für Biovielfalt ein. Die Inderin lehnt den »Golden Rice« der Rockefeller Foundation vehement ab. Der Vitamin-A-lastige Genreis sorge dafür, dass andere Quellen der Versorgung mit Vitamin A an den Rand gedrängt würden. Es gebe zahlreiche Alternativen, sich mit Vitamin A zu versorgen, sagt sie: »Vitamin A findet man in Leber, Eigelb, Hühnchen, Fleisch, Milch, Butter. Den Vitamin-A-Vorläufer Beta-Carotin liefert dunkles Blattgemüse wie Spinat, Karotten, Kürbis, Mango …«

 

Vor allem müsste ein Mensch, um seinen Vitamin-A-Bedarf vollständig zu decken, schon Mengen an Reis essen, die Normalsterblichen wohl völlig unmöglich sein dürften. Einer Schätzung zufolge müsste der durchschnittliche Asiate täglich 9 Kilogramm gekochten Reis zu sich nehmen, nur um auf die empfohlene Minimaldosis von Vitamin A zu kommen. Die übliche Tagesration in Asien entspricht jedoch 300 Gramm Reis.

 

Als Reaktion auf diese Kritik erklärte Rockefeller-Foundation-Präsident Gordon Conway 2001 per Pressemitteilung verlegen: »Zunächst sollte deutlich gemacht werden, dass wir Goldenen Reis nicht als Lösung für das Problem des Vitamin-A-Mangels erachten. Vielmehr stellt er eine hervorragende Ergänzung zu Obst, Gemüse und tierischen Produkten sowie zu unterschiedlichen angereicherten Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln dar.« Weiter sagte er: »Ich stimme Dr. Shiva zu, dass die Verwendung von Goldenem Reis in der Öffentlichkeitsarbeit zu weit gegangen ist.«

 

Es stellt sich die interessante, bislang aber unbeantwortete Frage: Nach gut 16 Jahren des Scheiterns, wer steckt da tatsächlich hinter dem neuerlichen Versuch, »Goldenen Reis« zu kommerzialisieren und den völlig diskreditierten Genreis in den Mittelpunkt eines angeblichen Wunders zu stellen, eines Wunders, das Millionen Menschenleben rettet? Die Behauptungen der Nobelpreisträger sind nichts als Lügen.

 

Wessen Geld steckt hinter den Anstrengungen, 107 Nobelpreisträger, die es eigentlich besser wissen müssten (wenn nicht, sollten sie ihr Preisgeld zurückgeben), dazu zu bringen, ihren Namen unter ein derart prominentes Stück Propaganda zu setzen?

 

Versucht Syngenta, das gerade von ChemChina gekauft wird, dem gescheiterten Projekt »Goldener Reis« neues Leben einzuhauchen? Ist es Monsanto, das schon bald unter dem Eugenik-Dach der Bayer AG verschwinden wird? Wir dürften die Wahrheit bald erfahren, aber eines ist schon jetzt klar: Ein offener Brief an Greenpeace, die Vereinten Nationen und die Regierungen der Welt zeigt, dass auch ein Nobelpreis nicht vor Blödheit schützt …

 

 

 

 

 

 

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