Ein Blick auf Obamas engste Berater in landwirtschaftlichen Fragen sagt alles. An allererster Stelle steht dabei der Washingtoner Lobbyist Michael Taylor, Mitglied in Obamas Transition-Team für die Landwirtschaft. Wie ich in meinem Buch Saat der Zerstörung – Die dunkle Seite der Gen-Manipulation detailliert dargelegt habe, hatte Taylor in den 1990er-Jahren unter Präsident George H.W. Bush, einem Unterstützer der GVO, eine entscheidende Rolle dabei gespielt, genveränderte Organismen (GVO) ohne vorherige Gesundheits- oder Sicherheitsuntersuchungen auf den Markt zu bringen.
Der US-Landwirtschaftsminister ist für die Sicherheit der Nahrungsmittel verantwortlich und bestimmt die Richtung der Landwirtschaftspolitik. Er gibt Empfehlungen an den Kongress in Bezug auf die Subventionierung von Feldfrüchten, die Durchsetzung landwirtschaftlicher Gesetze und die Erhaltung von Ackerland; außerdem legt er die Ernährungsstandards der Nation fest bis hin zur Kennzeichnung der Lebensmittel. Darüber hinaus überwacht der US-Landwirtschaftsminister das Programm der Lebensmittelmarken, er ist für die Verteilung der Nahrungsmittel in Krisenzeiten zuständig, und er trägt die Verantwortung für die nationale Forstbehörde (US Forest Service) sowie für die Nahrungsmittel, die Kinder in der Schule erhalten. Der US-Landwirtschaftsminister hat also große Aufgaben zu erfüllen.

Monsantos Vize-Präsident Michael Taylor spielt eine Schlüsselrolle in Obamas »Transition Team« bei der Auswahl des US-Landwirtschaftsministers.
Unter Bush senior hatte das Weiße Haus die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA) angewiesen, die Biotech-Industrie zu fördern und genveränderte Nahrungsmittel schnell auf den Markt zu bringen. Um dieser Anweisung des Weißen Hauses nachzukommen, schuf die FDA die Position für Michael Taylor. Als neuer Vize-Kommissar der FDA für politische Fragen war er für die Gestaltung der GVO-Politik zuständig.
Zuvor war Taylor für den Biotech-Riesen Monsanto als Anwalt in Washington tätig gewesen. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wurde er Vizepräsident von Monsanto. Außerdem war Taylor Rechtsberater für den International Food Biotechnological Council (IFBC, etwa: Internationaler Rat für Nahrungsmittel und Biotechnologie), für den er einen GVO-Regierungsentwurf skizzierte, mit dessen Hilfe GVOs ohne größere Regulierungsmaßnahmen zügig auf den Markt gebracht werden sollten. Die Politik der FDA in dieser Frage, für die er später zuständig war und die keinerlei Gesundheitsuntersuchungen oder Kennzeichnungsvorschriften beinhaltete, war dem Entwurf, den er vorher für den IFBC angefertigt hatte, sehr ähnlich.
Außerdem zeichnete Taylor dafür verantwortlich, dass die FDA Monsantos genetisch verändertes Rinderwachstumshormon (rBGH) genehmigte. Milchprodukte von behandelten Kühen enthalten mehr Eiter, mehr Antibiotika, mehr Wachstumshormone und mehr an IGF-1, ein starkes Hormon, das mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht wird und die Häufigkeit von Zwillingsgeburten erhöht. Das Rinderwachstumshormon von Monsanto ist in den meisten Industriestaaten verboten, darunter Kanada, die EU, Japan, Australien und Neuseeland. Unter Michael Taylor wurde es in den USA zugelassen, und zwar ohne Kennzeichnungspflicht.
Unsicher und nicht getestet
Genetisch verändertes Saatgut wurden mit toxischen und allergischen Reaktionen bei Menschen sowie mit krankem, sterilem und totem Vieh in Verbindung gebracht; es soll außerdem praktisch jedes Organ schädigen, das man bei Labortieren untersucht hat. GVOs sind unsicher.
Von allen Märchen, die über GVOs erzählt werden, ist das gefährlichste das, die GVOs seien sicher. Diese Annahme basiert auf dem GVO-Papier der FDA aus dem Jahre 1992, das damals von Taylor und Monsanto für Präsident Bush senior formuliert wurde. In dem Papier heißt es:
»Der Behörde sind keine Informationen bekannt, die zeigen, dass mit diesen neuen Methoden hergestellte Nahrungsmittel sich deutlich oder durchgängig von anderen Nahrungsmitteln unterscheiden.« Fälschlich wurde diese These als »Doctrine of Substantial Equivalence« (etwa: Doktrin der substanziellen Gleichwertigkeit) bezeichnet – im Klartext sollte das heißen: »GVO-Saatgut ist mehr oder weniger das gleiche wie gentechnikfreies Saatgut«, und das ist nun wirklich keine wissenschaftlich saubere Methode.
Als dieses Papier verfasst wurde, war die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler bei der FDA der Meinung, dass GVO-Nahrungsmittel tatsächlich völlig andersartig waren und unvorhersehbare, unsichere und kaum zu erfassende Allergene, Toxine, Krankheiten und Lebensmittelprobleme hervorrufen konnten. Diese Wissenschaftler verlangten die Durchführung von Langzeit-Sicherheitsstudien, darunter auch Untersuchungen an Menschen, um die Öffentlichkeit zu schützen.
Die Vorbehalte dieser Wissenschaftler blieben bis 1999 unbekannt, als aufgrund einer Klage interne FDA-Memoranden und -Berichte mit einem Umfang von 44.000 Seiten veröffentlicht wurden. Laut Verbraucheranwalt Stephen Druker belegten diese Dokumente, wie die Warnungen von FDA-Beamten und »Hinweise auf die unabsichtlichen negativen Auswirkungen« der Gentechnik »zunehmend von den Entwürfen der politischen Erklärung entfernt worden waren«, und das trotz der Proteste der Wissenschaftler.
»Was passierte mit den wissenschaftlichen Bestandteilen dieser Dokumente?«, schrieb der FDA-Mikrobiologe Louis Pribyl, nachdem er die letzte Fassung des Politpapiers gelesen hatte. »Das sieht aus wie ein politisches Dokument, und das ist es wohl auch … Das liest sich sehr Industrie-freundlich, vor allem in dem Teil über unabsichtliche Auswirkungen.«
Ein weiterer Pro-GVO-Alliierter Obamas
Doch außer Taylor, der bereits als Berater in Obamas Team fungiert, gibt es noch einen anderen Kandidaten für den Posten des Landwirtschaftsminister in einer Regierung Obama: den Monsanto-Alliierten und jetzigen Landwirtschaftsminister von Pennsylvania, Dennis Wolff.
Als Monsanto sich mit dem Problem konfrontiert sah, dass seine Produkte in vielen US-Bundesstaaten verboten wurden oder er seine Milch zumindest als rBGH-hormonfrei kennzeichnen musste, wandte sich der Konzern an einen Verbündeten, Dennis Wolff, den Landwirtschaftsminister von Pennsylvania. Wolff nutzte seine Position aus und erklärte einseitig alle rBGH-Kennzeichen in seinem Bundesstaat für illegal. Diese Maßnahme machte es nationalen Milchkonzernen unmöglich, ihre Produkte mit dem Kennzeichen »rBGH-frei« zu versehen, da sie schließlich ihre Verpackungen nicht nur aufgrund dieser Bestimmung in Pennsylvania verändern konnten. Wolffs tollkühner Vorstoß hat die Bürger in ganz Amerika derart erbost, dass der Gouverneur von Pennsylvania intervenieren musste und dieses gesetzliche Verbot aufhob, bevor es in Kraft trat. Jetzt wird Wolff als möglicher zukünftiger Landwirtschaftsminister der USA gehandelt.
Pennsylvania hat die Kennzeichnung »rBGH-frei« nicht verboten. Auf Anweisung seines Landwirtschaftsministers Wolff verlangte der Staat von den Milchproduzenten, die ihre Produkte mit einem derartigen Kennzeichen versehen hatten, auf der Packung eine Gegenerklärung abzudrucken, derzufolge laut FDA »kein Unterschied besteht zwischen der Milch von Kühen, die mit rBGH behandelt und denen, die nicht damit behandelt wurden«. In Wahrheit widersprach dieser Satz den eigenen Wissenschaftlern der FDA. Selbst aus Monsantos eigenen Studien geht hervor, dass Milch von rBGH-behandelten Kühen mehr Eiter, Antibiotika, Rinderwachstumshormon und IGF-1 enthält. Unter Missachtung dieser Fakten verfasste ein Spitzenbürokrat der FDA ein »Weißbuch«, in dem er die Milchproduzenten, die ihre Produkte mit der Kennzeichnung »rBGH-frei« versahen, aufforderte, auch die Gegenerklärung auf der Packung abzudrucken. Der Name dieses Bürokraten war Michael Taylor.
Ein weiterer häufig genannter Kandidat als zukünftiger Landwirtschaftsminister unter Obama ist der ehemalige Gouverneur von Iowa, Tom Vilsack. In seiner Amtszeit als Gouverneur rief Vilsack im Jahre 2000 die »Governor’s Biotechnology Partnership« ins Leben und übernahm bei diesem Biotechnologie-Gremium der Gouverneure auch gleich den Vorsitz. Ein Jahr später ernannte ihn die Biotech-Industrielobby Biotech Industry Organization (BIO) zum »BIO-Gouverneur des Jahres 2001«. »Biotech« ist in den USA der neue Name für das GVO-Agrobusiness; es ist der Versuch, die umstrittene Politik der Genveränderung unter einem neuen Namen zu verstecken.

Eine Kuh, der das rBGH-Wachstumshormon Prosilac von Monsanto verabreicht wurde.
Außerdem wird noch der Name von Charles Stenholm genannt, eines ehemaligen Kongressabgeordneten von Texas. Stenholm ist ein konservativer Demokrat, der die Seiten wechselte und mit den Republikaners abstimmte, als es darum ging, ein Gesetz zu verhindern, demzufolge kranke Rinder, die nicht mehr gehen konnten, nicht in die US-Nahrungskette gelangen konnten. Während seiner Zeit als Mitglied im Landwirtschaftsausschuss des Repräsentantenhauses erhielt Stenholm Spenden in Höhe von über 800.000 Dollar und unternahm zahlreiche Reisen, die von landwirtschaftlichen Lobby-Gruppen unterstützt wurden. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kongress wurde er Lobbyist für die Nahrungsmittelindustrie.
Obamas Position in Bezug auf GVO ähnelt bis jetzt jeder seiner anderen Positionen: bewusst vage. Wie jedoch aus einem Artikel hervorgeht, der am 23. November unter der Überschrift »Obama ist vielleicht wie Bush ein Verbündeter der Biotech-Landwirtschaft« in der Zeitung Des Moines Register erschien, gibt es deutliche Hinweise, dass Obama die GVOs genauso entschieden unterstützen wird, wie Bush, Clinton und Bush senior. Zu den führenden Wissenschaftlern, die Obama während der Wahlkampagne berieten, gehörten Sharon Long, ein früheres Vorstandsmitglied von Monsanto, und Harold Varnus, der Mitautor einer zentralen Studie über gentechnisch verändertes Saatgut, die im Jahr 2000 von der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht worden war. Obama erklärte während der Wahlkampagne, Biotech-Feldfrüchte hätten den Farmern »enorme Vorteile gebracht« und zeigte sich zuversichtlich, »dass wir weiterhin Pflanzen sicher gentechnisch verändern können«.
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