Sonntag, 4. Dezember 2016
09.01.2016
 
 

Plagen eines bankrotten Hegemons

F. William Engdahl

Vor etwas mehr als sieben Jahrzehnten, als die Vereinten Nationen in San Francisco offiziell gegründet wurden, war es keine Frage, wer die Große Macht, wer der Hegemon der Welt sei. Heute hat sich die Situation grundlegend geändert, und zwar zum großen Nachteil der Fähigkeit Washingtons, dem Rest der Welt die Bedingungen in Wirtschaft, Politik und bezüglich des stark missbrauchten Begriffs der »Menschenrechte« zu diktieren. Das kann ironischerweise insgeheim ein Segen für uns alle sein.

 

Um 1945 verfügte die Federal Reserve (Fed) der Vereinigten Staaten über die überwältigende Mehrheit des Währungsgoldes der Welt. Als 1939 der Krieg in Europa näher rückte, floss das Gold aus Sicherheitsgründen von Europa in die Vereinigten Staaten. 1935 schätzte man die offiziellen Goldreserven der USA auf etwas über neun Mrd. Dollar. 1940, nach Ausbruch des Krieges in Europa, schnellte der Wert auf 20 Mrd. Dollar hoch.

 

Als verzweifelte europäische Länder versuchten, ihre Kriegsanstrengungen zu finanzieren, floss ihr Gold zum Erwerb lebenswichtiger Güter in die Vereinigten Staaten. Im Juni 1944, zur Zeit der internationalen Währungskonferenz in Bretton Woods, kontrollierte die Fed der Vereinigten Staaten ganze 70 Prozent des Währungsgoldes der Welt. Das bot ihr einen erstaunlichen Vorteil im späteren Golddevisensystem von Bretton Woods mit dem US-Dollar als Zentrum.[1]

 

Dabei hatte man noch nicht einmal das eroberte Gold der besiegten Achsenmächte Deutschlands oder Japans in die Berechnung mit einbezogen. Genauere Angaben und Daten darüber sind bis

heute unter mehreren Schichten von Täuschung und Gerüchten vergraben.

 

Um das gesamte Ausmaß der Krisen im Inneren und der außenpolitischen Dilemmata, vor denen Washington heute steht, zu erfassen, ist es sinnvoll, sich auf das Wesen des »Triumphgeschreis« in der ersten Nachkriegszeit seitens der politischen Kreise der USA, die sich im Zuge des Krieges gebildet hatten, zurückzubesinnen.

 

Ein »amerikanisches Imperium« im Entstehen


Ein einflussreicher geopolitischer Denker des amerikanischen Jahrhunderts nach dem Krieg war James Burnham, den manche den »ersten Kalten Krieger« nannten. Während des Krieges war er einer von »Wild« Bill Donovans Geheimagenten im Geheimdienst der US-Regierung vor der CIA, der Office of Strategic Services (Amt für Strategische Dienste, OSS) hieß.

 

Burnham war einer der vielen amerikanischen marxistischen Trotzkisten, die der US-Geheimdienst rekrutiert hatte. Nach dem Krieg schwenkte Burnham von der extremen Linken weit nach rechts hinüber. Genauso wie sein ehemaliger trotzkistischer Genosse Irving Kristol, der so genannte Pate der Neokonservativen.

 

Burnham gründete zusammen mit William F. Buckley Jr. die erzkonservative Zeitschrift National Review, um Aufrufe zum Kalten Krieg gegen die Sowjetunion und Propaganda für die freie Marktwirtschaft zu verbreiten, und zwar stets im Dienste der außenpolitischen Ziele der CIA und des US-Außenministeriums.

 

1947 schrieb Burnham einen größeren Lobgesang auf die neue Weltmacht Amerikas mit dem Titel The Struggle for the World (Der Kampf um die Welt). Das Buch ging aus einem streng vertraulichen OSS-Memorandum hervor, das Burnham über die geopolitische Strategie der Sowjetunion für die US-Delegation zur Jalta-Konferenz von 1944 vorbereitet hatte.

 

Burnham beschrieb in den denkbar höchsten Tönen das, was er »ein amerikanisches Imperium« nannte. »Es wird, wenn auch nicht wörtlich im Sinn formaler Grenzen, die entscheidende Kontrolle über die Welt ausüben können.« [2] Er traf damit das, was der Gründer von Time Life, Henry Luce, in seinem Essay von 1941 »The American Century« (das amerikanische Jahrhundert) genannt hat.

Burnhams Vision und Empfehlungen für die amerikanische Weltherrschaft waren nüchtern und eindeutig:

 

»Die Vereinigten Staaten können in der verfügbaren Zeit die Führung einer funktionierenden politischen Weltordnung nicht nur durch Appelle an die vernünftige Überzeugung gewinnen. ... Dazu bedarf es der Macht mit der offenkundigen Bereitschaft, sie auch einzusetzen, sei es in der indirekten Form zersetzender Wirtschaftssanktionen oder in Form direkter Bombenexplosionen. Als letzten Vorbehalt in der Anwendung von Macht gäbe es noch die alleinige Kontrolle über Atomwaffen.« [3]

 

Der Verweis auf »direkte Bombenexplosionen« in Burnhams Vorlage von 1944 war eine Ankündigung der Entscheidung Präsident Trumans im August 1945, über Japan die Atombombe abzuwerfen, nicht um die japanische Kapitulation sicherzustellen, die bereits klar war, sondern vielmehr, um der Sowjetunion zu zeigen, welche Macht die Nachkriegswelt beherrschen würde. Das amerikanische Jahrhundert sollte ein »wirklich ernsthaftes« Unternehmen sein. Burnham drückte es so aus: »Unabhängigkeit und Freiheit sind schließlich nur Abstraktionen.« [4]

 

Der von Amerika kontrollierte Wirtschaftsraum, der über 560 Millionen Menschen umfasste, bot ein großes Markt-Potenzial, das sogar jenes des vor dem Krieg enorm ausgedehnten britischen Empires übertraf. Die Vereinigten Staaten besaßen nach knapp zwei Jahren ihrer Nachkriegsbestrebungen als informelles Wirtschaftsimperium außerordentliche Machtbefugnisse über weite Teile der Welt.

 

Diese erlangten sie unter Ausnutzung der Mechanismen von Bretton Woods, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, aber auch durch die weitgehende Kontrolle über die westeuropäische Wirtschaftspolitik mit dem Marshall-Plan sowie der in Paris ansässigen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Zusätzliche Machtbefugnisse wurden aber auch durch die Rolle des Dollars als Weltreservewährung und Zentrum der Weltfinanz und vor allem durch die großen New Yorker Banken des Geldkartells der Wall Street und deren verbündete Beamte in der Fed und im US-Finanzministerium in Washington erlangt.

 

1948 skizzierte George Kennan, der Architekt der US-»Containment-Politik« im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion, in einem internen Memorandum des US-Außenministeriums die wesentliche Geisteshaltung seitens der Sonderinteressen im Umfeld der Brüder Rockefeller und des New Yorker Council on Foreign Relations, die das entstehende informelle amerikanische Imperium prägten. Kennans Memorandum skizziert die Zielsetzung der US-Machtelite in der Nachkriegszeit sehr treffend:

... wir besitzen etwa 50 Prozent des Reichtums der Welt, aber nur 6,3 Prozent seiner Bevölkerung... In dieser Situation können wir nicht umhin, Gegenstand von Neid und Missgunst zu sein. Unsere eigentliche Aufgabe besteht in der nächsten Zeit darin, ein Muster der Beziehungen zu finden, das es uns erlauben wird, diese ungleiche Stellung ohne direkte Einbußen für unsere nationale Sicherheit aufrechtzuerhalten. Um dies zu erreichen, müssen wir auf alle Sentimentalität und Tagträumerei verzichten. Unsere Aufmerksamkeit muss überall auf unsere unmittelbaren nationalen Ziele konzentriert werden. Wir sollten uns nicht vormachen, dass wir uns heute den Luxus von Altruismus und Wohltaten für die Welt leisten könnten. [5]

Kennan, der Architekt der »Containment«-Politik des Kalten Krieges, legte damit die wahre Natur der US-Nachkriegspolitik offen. Kennan stellte kalt, ehrlich und realistisch die eigentlichen Nachkriegsziele der US-Elite heraus, nämlich: die Beherrschung der Welt durch die USA, oder wenigstens so viel von ihr, wie die USA 1948 vereinnahmen und behaupten konnten.

 

Das bezog sich auf die vom CFR 1941 vorgeschlagene »Grand Area« (das »großartige Gebiet«). Seit 1945 waren die Vereinigten Staaten offiziell an 22 Kriegen kämpfend beteiligt, mehr oder weniger, um ihr globales Imperium auszubauen und zu halten.

 

Nun erfahren die Vereinigten Staaten von Amerika die Geburtswehen ihres endgültigen Niedergangs: Ihre Binnenwirtschaft ist zur leeren Hülse geworden, ihre Transport-Infrastruktur befindet sich in horrendem Zerfall, qualifizierte Arbeitskräfte sind zunehmend kaum noch vorhanden, die Technik- und Informatik-Studenten an ihren Universitäten kommen hauptsächlich aus dem Ausland – vor allem aus China und Indien.

 

Der Zerfall wurde von niemand anderem als von der eigenen Bevölkerung bewirkt, welche die Plünderung und Zerstörung einer einst wunderbaren Nation durch eine gierige, machtsüchtige Clique übler Menschen mit Namen wie Rockefeller, Gates, Russell, DuPont, Buffett und anderen einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannten Namen geduldet haben.

 

Die Krise, vor der die USA heute als Welthegemon stehen, ergibt sich aus der Tatsache, dass die Nation sittlich, geistig, intellektuell und wirtschaftlich bankrott ist. Ein paar grundlegende Indikatoren sprechen Bände über die schnell wachsenden Grenzen der globalen Machtentfaltung Amerikas und darüber, weshalb die übrige Welt die Einschüchterungstaktiken Washingtons zunehmend verachtet.

 

Schulden der USA damals und heute


Heute muss die Bundesregierung in Washington im Unterschied zum Beginn der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre eine erstaunliche Verschuldung handhaben, um ihre immer schwächeren Versuche zu finanzieren, die Kontrolle über die Welt aufrechtzuerhalten. Ende September 2016 werden die gesamten öffentlichen Schulden (von Bund, Land und Gemeinden) der USA wahrscheinlich die erstaunliche Menge von 22,4 Billionen Dollar, davon 19,3 Billionen Dollar seitens der Bundesregierung, überschreiten.

 

Nimmt man die Schulden der privaten Unternehmen und Haushalte hinzu, haben die Amerikaner heute insgesamt atemberaubende 60 Billionen Dollar Schulden. Vor 40 Jahren, 1974, beliefen sich die Schulden von Regierung, Wirtschaft, Hypotheken und Verbrauchern auf insgesamt 2,2 Billionen Dollar.[6] Etwa 50 der US-Bundesschulden besitzen heute Länder im Ausland, zumeist China, Japan, Russland und die Zentralbanken in der EU.

 

Diese Grafik der Fed über die gesamten, die öffentlichen und privaten Schulden der USA zeigt deutlich, wie und wann der heute jähe Niedergang der USA als Großmacht einsetzte.

Die einzige vergleichbare Zeit, zu der das Verhältnis der US-Bundesschuld zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) irgendwie dem heutigen nahegekommen ist, war 1946 am Ende des Zweiten Weltkriegs. Damals stand das Verhältnis der Schulden zum BIP bei 119 Prozent. 2014 überstieg das Verhältnis der öffentlichen Schulden des Bundes, der Länder und Kommunen zum BIP die 120 Prozent.

 

Der Unterschied ergibt sich nicht aus dem Vergleich der bloßen Zahlen. Im Jahr 1946 befand sich Washington im Zentrum der Weltmacht. Der amerikanische Dollar wurde überall als »so gut wie Gold« nachgefragt. Die US-Industrie war der Weltmarktführer in Bezug auf Innovationen und technologische Leistungsfähigkeit.

 

Detroit war weltweit das Symbol für die Herstellung hervorragender und zugleich erschwinglicher Kraftfahrzeuge und produzierte mehr davon als jede andere Nation. Die US-Stahlproduktion war unübertroffen. Die meisten Länder der so genannten »freien Welt« eilten unter den als NATO bekannten nuklearen Schutzschirm der USA. Sie sollten einen hohen Preis für diesen Schirm bezahlen.

 

Zahlen fälschen ist keine Erholung ...


Heute, rund 45 Jahre nachdem Präsident Nixon den Bretton-Woods-Vertrag einseitig gekündigt und erklärte hatte, die Fed werde nicht mehr vom Ausland gehaltene US-Dollar gegen Gold zurückkaufen, ist die reale US-Wirtschaft ein Scherbenhaufen. Ich habe immer wieder auf die absurden und politisch motivierten Lügen hingewiesen, die als »offizielle Wirtschaftsstatistiken der US-Regierung« durchgehen.

 

Es wurde zunehmend schlimmer, seitdem Präsident Lyndon Johnson die ersten Lügen-Tricks anordnete, um die steigenden US-Schulden während der Zeit des Vietnamkriegs Ende der 1960er Jahre zu verstecken.

 

Nach den weithin anerkannten Berechnungen des Ökonomen John Williams auf der Webseite der Shadow Government Statistics (Statistik der Schattenregierung) lag die tatsächliche Arbeitslosenquote der USA im November 2015 bei 22,9 Prozent, nachdem er noch die »langfristig entmutigten Arbeitnehmer« hinzugenommen hatte – die 1994 offiziell als nicht existent definiert wurden.

 

Das liegt weit über dem Fantasie-Niveau von fünf Prozent Arbeitslosigkeit des Arbeitsministeriums der Obama-Regierung. Ein solches Niveau wurde im vergangenen Jahrhundert nur in den 1930er Jahren während der Weltwirtschaftskrise erreicht.[7]

 

John Williams geschätzte bereinigte Arbeitslosenquote erklärt die sonst seltsamen Daten, welche die gleiche US-Regierung ohne nähere Erklärung über die Anzahl jener Amerikaner veröffentlicht, die im erwerbsfähigen Alter keine Arbeit haben. Zurzeit gibt es offiziell über 100 Millionen Amerikaner über 16 Jahre ohne Arbeit.

 

Das ist nicht deshalb der Fall, weil sie am Strand säßen und auf ihre Nullzinsanleihen Kupons schneiden würden. Das ist so, weil es für sie im heutigen Amerika keine Arbeitsplätze und keine wirtschaftliche Zukunft gibt. Viele junge Menschen beginnen sich sogar danach zu drängen, Washingtons Kriege zu führen, was ihnen wenigstens ein regelmäßiges Einkommen verspricht. Damit verwandeln sich die Vereinigten Staaten in ein Sparta, in eine Kriegsnation, die vom Blut lebt. Das ist gesund.

 

Am stärksten trifft es die jungen Universitäts- oder Hochschulabsolventen. Im vergangenen Jahr haben von den Neuzugängen zur Erwerbsbevölkerung weniger als vier von zehn einen Arbeitsplatz gefunden. Der Ökonom Stephen Moore hat festgestellt: »Für jeweils drei Amerikaner im erwerbsfähigen Alter von 16 Jahren und darüber wurde unter Obama nur eine neue Stelle (1,07) geschaffen.

 

Bei diesem Tempo wird Amerika bald offiziell eine Arbeitslosenquote von null haben, aber nur deshalb, weil niemand mehr nach Arbeit sucht.« [8] Nach den Definitionen des Arbeitsministeriums existieren diejenigen gar nicht, die »nicht mehr suchen«, weil sie es aufgegeben haben.

 

Amerikas Obdachlosenkrise


Deutschland und Schweden haben ihre Flüchtlingskrise als unmittelbares Ergebnis einer Reihe von Kriegen, die die USA angezettelt haben und die sich von Afghanistan über den Irak und Libyen und nun bis nach Syrien erstrecken. Die Vereinigten Staaten haben jedoch eine menschliche Krise ganz anderer Art: die sprunghaft ansteigende Anzahl der Obdachlosen.

 

Mit der Zahl der Dauerarbeitslosen nimmt in ganz Amerika genauso wie während der Weltwirtschaftskrise heute die Zahl der Städte zu, in denen die Obdachlosigkeit kritische Ausmaße erreicht. In der einst blühenden Stadt Kaliforniens, in Los Angeles, wird ein Gebiet von 50 Blocks in der Innenstadt namens Skid Row »als das schlimmste vom Menschen verursachte Desaster in den USA« beschrieben. Jüngst haben Portland in Oregon, Denver in Colorado und Seattle in Washington ebenso wie zuletzt das gesamte Bundesland Hawaii drastische Sofortmaßnahmen ergriffen, um zu versuchen, ihrer zunehmenden obdachlosen Bevölkerung Herr zu werden. [9]


Darüber hinaus erleben auch die Hauptstadt der Nation, Washington D.C., sowie 22 andere Städte einen dramatischen Anstieg der Obdachlosigkeit. In Washington, D.C., nahm im vergangenen Jahr die Anzahl der Obdachlosen um 28 Prozent und die der obdachlosen Familien um 60 Prozent zu. Ebenso leiden Chicago in Illinois, Baltimore in Maryland, Philadelphia in Pennsylvania und San Francisco in Kalifornien unter dem gleichen Problem.

 

Falsche nationale Prioritäten


Die Wurzeln der Krise liegen in einer Nation, die sich in Washington von korrupten Präsidenten, Generälen und Kongressabgeordneten, die sich durch Korruption zu einem unersättlichen Vielfraß prostituieren, führen lassen. Keiner übertrifft in Bezug auf die Korruption im Amt das US-Pentagon und sein Zusammenspiel mit dem korrupten, militärisch-industriellen Komplex.

 

Russlands jüngstes militärisches Eingreifen in Syrien hat auf der ganzen Welt, auch in Washington, für Stirnrunzeln gesorgt. Und zwar wegen des Niveaus an Präzision und Raffinesse, welches das kürzlich neuorganisierte russische Militär erreicht hat. Eine Waffe nach der anderen, welche die russischen Luftstreitkräfte zum Einsatz gebracht haben, scheint die amerikanische Entsprechung zu übertreffen. Nur in einem Bereich zieht niemand mit den USA gleich, nämlich in Bezug auf Korruption im militärischen Beschaffungswesen.

 

2014 berichtete die Zeitschrift der US-Streitkräfte, Stars and Stripes: »Fast drei Jahrzehnte nachdem Klodeckel für 640 Dollar und andere Verschwendungen im Kalten Krieg dem US-Steuerzahler den Atem stocken ließen, bleibt das Verteidigungsministerium das letzte Bundesamt, das noch nicht in der Lage ist, Überprüfungen ihrer Ausgaben durchzuführen, obwohl in den 1990er Jahren erlassene Gesetze dies verlangen.« Und weiter: »Mit anderen Worten, das US-Militär ist zu einem schwarzen Loch geworden, in dem Milliarden Dollar der Steuerzahler ohne klare Hinweise verschwunden sind, wie, wann und an wen das Geld geflossen ist.

 

Tatsache ist, dass die US-Regierung jetzt für fast alle Aufgaben private Unternehmen beauftragt (die zusammen Milliarden für Lobbyarbeit im Kongress und zur Finanzierung politischer Kampagnen ausgeben). Dies gilt ganz besonders in Bezug auf das Pentagon.« [10]


In einer aktuellen Analyse, die von Sputnik News veröffentlicht wurde, vergleicht der österreichische Journalist Einar Schlereth das System der staatlichen Rüstungsindustrie Russlands mit dem privaten der USA und stellt fest: »Das russische System der Militärausgaben steht im diametralen Gegensatz zum amerikanischen. Während die Vereinigten Staaten ihre Rüstungsindustrie privatisiert haben, ist sie in Russland in staatlicher Hand. Alle Gewinne aus Waffenverkäufen laufen über die russische Regierung und nicht an die Hersteller oder an multinationale Konzerne. Die Waffenhersteller sind [effektiv] Teil der Regierung.« [11]


»Genau wie in den USA gibt es keine Finanzbuchhaltung über ihre Aktivitäten, aber es gibt Finanzierungsberichte, die jedes Jahr vom Verteidigungsminister und darüber hinaus vom Präsidenten und vom Premierminister überprüft werden – d.h. von Leuten, die der Wählerschaft gegenüber verantwortlich sind und nicht nur gegenüber einer Aristokratie von Großaktionären.«

 

Jüngste Schätzungen der American Society of Civil Engineers (des Berufsverbandes der Bauingenieure in den USA) sehen das nationale Infrastrukturdefizit Amerikas beim Aufbau oder der Erneuerung veralteter Wassersysteme, Starkstromleitungen, Autobahnen, Eisenbahnlinien und Kanalisationen bei über 3,6 Billionen Dollar. Darunter fällt, dass zehn Prozent aller Brücken, ein Drittel der nationalen Autobahnen, Flughäfen und Landebahnen defekt sind.

 

In dieser Situation wäre die Reaktion der Wähler interessant, würde Donald Trump oder irgendein anderer US-Präsidentschaftskandidat den Mut und den Verstand aufbringen und vorschlagen, die nationalen wirtschaftlichen Prioritäten von kriegerischen Aktivitäten gegen Russland, China, Syrien umzuverlagern und den überzogenen Haushalt für die »Schwerter« des Pentagons für »Pflugscharen« verwenden, wie wir das im Jahr 1990 hätten tun sollen, als die Sowjetunion aufhörte, ein Gegner zu sein. – Das sind heute die Plagen eines bankrotten Hegemons.

 

 

 

 


 


Warum die US-Machtelite die Destabilisierung islamischer Staaten forciert

Seit einigen Jahren rollt eine Welle des Krieges und der Gewalt um den Globus. Meist führen dabei »innere Unruhen«, hervorgerufen von »Separatisten«, »Freiheitskämpfern« oder »islamistischen Terroristen«, zu immer heftigeren Auseinandersetzungen.

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Anmerkungen:

 

[1] Phillip Cagan, Determinants and Effects of Change in the Stock of Money: 1875-1960 (Determinanten und Auswirkungen von Geldmengenänderungen 1875-1960), New York, 1965, Columbia University Press, S. 341.

[2] James Burnham, The Struggle for the World, 1947, John Day & Co., New York, S. 188, 193-195.

[3] Ibid., S. 193-195.

[4] Ibid., S. 201.

[5] F. William Engdahl, Gods of Money: Wall Street and the Death of the American Century (Geldgötter, Wall Street und das Ende des Amerikanischen Jahrhunderts), edition.engdahl, Wiesbaden, 2008, S. 249; vgl. auch: George Kennan, »Policy Planning Study 23 (PPS/23): ›Review of Current Trends in U.S. Foreign Policy‹« (Studien zur Politikplanung 23: ›Kritische Betrachtung der aktuellen Trends in der US-Außenpolitik‹) in: Foreign Relations of the United States, 1948, Volume I, S. 509-529. Das Papier war als »streng geheim« ausgewiesen, wurde aber später freigegeben.

[6] Christopher Chantrill, »US National Debt and Deficit History« (Geschichte der nationalen Schulden und Defizite der USA),

[7] John Williams, »Alternate Unemployment Charts« (Alternative Arbeitslosen-Tabellen), Shadow Government Statistics,

[8] Stephen Moore, »100 Million Americans Not Working!« (100 Millionen Amerikaner ohne Arbeit), 7. Juli 2015,

[9] Carol Adl, »Major US Cities In States Of Emergency Over Homeless Crisis« (Größere US-Städte wegen der Obdachlosenkrise im Notstand), 27. Dezember 2015,

[10] Travis J. Tritten, »Decades later, military still unable to account for its spending« (Nach Jahrzehnten kann das Militär noch immer seine Ausgaben nicht nachweisen), in: Stars and Stripes, 13. Mai 2014,

[11] Einar Schlereth, »US Military Outclasses Russia‘s in Only One Area, Corruption« (US-Militär ist dem russischen nur auf einem Gebiet überlegen, auf dem der Korruption), Sputnik News, 26. Dezember 2015,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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