Monday, 26. September 2016
08.02.2014
 
 

US-Außenministerium in flagranti über Regimewechsel in der Ukraine ertappt

F. William Engdahl

Die Europa-Beauftragte des US-Außenministeriums Victoria Nuland wurde bei einem Telefongespräch mit ihrem Kiewer Botschafter Geoffrey (»Geoff«) Pyatt in flagranti bei der Planung der Einzelheiten über eine US-Intervention in die Regierung der Ukraine ertappt. Im Zeitalter von Snowden und von NSA-Spähaktionen gegen jedermann will Washington nun Russland beschuldigen, das Gespräch abgehört und veröffentlicht zu haben.

In dem veröffentlichten Mitschnitt des Telefongesprächs zwischen Nuland, der Neokonservativen und Schlüsselperson in der Obama-Regierung, die die jüngsten Proteste in der Ukraine inszeniert, ist deutlich zu hören, wie die Inszenierung des US-Staatsstreichs detailliert geplant wird. Nuland diskutiert mit dem amerikanischen Botschafter, wie man Vitali Klitschko überzeugen könne, sich herauszuhalten, über Probleme in seiner Ehe und darüber, wen man stattdessen in die Regierung

bringen möchte. Nuland möchte den Star der Oppositionsbewegung Klitschko dazu bewegen, nicht als Vize-Ministerpräsident in die neue Koalitionsregierung einzutreten, sondern von außen Kritik zu üben. Einmal hört man Nuland, offensichtlich enttäuscht über die Haltung der EU zu den Koalitionsgesprächen, ganz deutlich sagen: »Fuck the EU« – zu Deutsch: »Sch… auf die EU.«

 

 

Ginge es nicht um die ruinierte Wirtschaft in der Ukraine, das Leiden von Millionen von Menschen seit Beginn der US-inszenierten Proteste im vergangenen November und den Tod mehrerer unschuldiger Bürger – das Bekanntwerden des Telefongesprächs wäre eine politische Komödie erster Ordnung. Nuland, eines der berüchtigten Überbleibsel der Regierung Bush und Cheney, ist eine stramme neo-konservative Kriegstreiberin, die unter Bush US-Botschafterin bei der NATO war. Hillary Clinton holte sie später zurück nach Washington. Heute ist sie zuständig für Europa, und zwar sowohl für die EU als auch für Osteuropa, wo sie eindeutig eine Schlüsselrolle bei dem versuchten Regimewechsel in Kiew spielt.

In dem abgehörten Telefonat ist deutlich zu hören, wie sie Botschafter Pyatt rät, Klitschko und den Vorsitzenden der rechtsgerichteten Partei Swoboda, die bei den letzten Parlamentswahlen zehn Prozent der Stimmen errang, zu überreden, sich aus der Koalition herauszuhalten. Man hört klar, wie Nuland erklärt, dass sie sich Arsenij Jazenjuk, den Vorsitzenden der Vaterlandspartei der inhaftierten Julija Tymoschenko, als Schlüsselmann in der Regierung wünscht. Außerdem berichtet sie, US-Vizepräsident Joe Biden habe ihr bestätigt, er sei bereit, den Deal »wasserdicht zu machen«.

 

Washington hat jetzt auf die Veröffentlichung des peinlichen Mitschnitts auf YouTube reagiert, der sich im Internet über Nacht wie ein Lauffeuer verbreitet hat: Moskau wird vorgeworfen, das abgehörte Gespräch öffentlich gemacht zu haben. Ein Twitter-Posting eines Mitarbeiters des russischen Vize-Ministerpräsidenten Dmitri Rogosin über den Mitschnitt kurz nach dessen Auftauchen im Internet wird für den Versuch einer lahmen Gegenattacke benutzt. »Es ist ein neuer Tiefpunkt in der russischen Spionagepraxis hinsichtlich Veröffentlichung und Posting«, erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums Jen Psaki. »Sie verbreiten es aktiv, posten und twittern darüber, wir betrachten es als einen neuen Tiefpunkt.« Wie Psaki erklärte, hat Nuland ihre EU-Kollegen kontaktiert und sich für ihre peinliche Bemerkung entschuldigt. Nun ja, ziemlich lahm.

 

Wer auch immer hier abgehört hat – auch die Regierung der Ukraine ist in der Lage, Gespräche abzuhören, nicht nur Russland oder die NSA – jetzt ist bekannt, dass Nuland und die Obama-Regierung versuchen, die Ukraine mit allen Mitteln von Russland loszubrechen. Das dürfte nun durch die Veröffentlichung allerdings etwas komplizierter werden.

 

 

 

 


 

 

 

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