Saturday, 1. October 2016
08.06.2014
 
 

Was geschah wirklich am 4. Juni 1989 auf dem Tiananmen-Platz?

F. William Engdahl

25 Jahre sind vergangen, seit der Welt von einem brutalen Massaker erzählt wurde, bei dem die Chinesische Volksbefreiungsarmee »Tausende« von Studenten ermordet habe, die auf dem Tiananmen-Platz in Peking friedlich für Demokratie demonstrierten. Der Westen verteufelte China und verhängte wirtschaftliche und militärische Sanktionen, die teilweise bis zum heutigen Tag gelten. Ein kürzlich veröffentlichtes diplomatisches Telegramm des damaligen US-Botschafters in China, James E. Lilley, an Washington wirft ein neues Licht darauf, was wirklich an jenem 4. Juni geschah.

Nach der westlichen Mainstream-Version der Ereignisse begannen Tausende chinesischer Universitätsstudenten im April und Mai 1989 mit ihren Sit-ins, mit denen sie von der Regierung Demokratie und Transparenz forderten. Schauplatz war der riesige Tiananmen-Platz direkt gegenüber der historischen Verbotenen Stadt im Zentrum Pekings. Trotzig stellten sie sich der

Chinesischen Kommunistischen Partei (KPC) und der Volksbefreiungsarmee (VBA) entgegen. Am 20. Mai 1989 verhängte die KPC den Ausnahmezustand und beorderte Soldaten nach Peking, die den Platz von den Demonstranten zurückerobern sollten. Laut westlicher Darstellung eröffneten Soldaten der VBA in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni das Feuer und töteten »bis zu 1000 Studenten«.

 

Sensationeller Augenzeugenbericht

 

Die Website WikiLeaks, die Zugang zu mehreren Hunderttausend Seiten abgefangener diplomatischer Korrespondenz des US-Außenministeriums erhielt, hat ein vertrauliches diplomatisches Telegramm veröffentlicht, das der damalige US-Botschafter in Peking, James Lilley, an Washington geschickt hatte. Das Telegramm war auf den 12. Juli 1989 datiert, mehr als vier Wochen nach den Ereignissen. In seinem Bericht gibt Lilley die folgende schockierende Version der Vorfälle:

ZU DEN EREIGNISSEN AUF DEM TIANANMEN-PLATZ VOM 3.-4. JUNI

1. VERTRAULICH – GESAMTER TEXT

2. ZUSAMMENFASSUNG – BEI EINEM TREFFEN GABEN EIN LATEINAMERIKANISCHER DIPLOMAT UND SEINE EHEFRAU POLOFF KÜRZLICH EINEN BERICHT ÜBER IHRE BEWEGUNGEN AM 3.-4. JUNI UND IHREN AUGENZEUGENBERICHT ÜBER DIE EREIGNISSE AUF DEM TIANANMEN-PLATZ. IHR BERICHT FOLGT ZWAR IM ALLGEMEINEN DEN FRÜHEREN BERICHTEN, DOCH LIEFERN IHRE BESONDEREN ERLEBNISSE ZUSÄTZLICHE EINSICHT UND BESTÄTIGUNG VON VORFÄLLEN AUF DEM PLATZ. SIE KONNTEN DEN PLATZ MEHRMALS BETRETEN UND VERLASSEN UND WURDEN NICHT VON SOLDATEN BELÄSTIGT. DA SIE BIS ZUM ENDGÜLTIGEN RÜCKZUG BEI DEN STUDENTEN AM DENKMAL FÜR DIE HELDEN DES VOLKES GEBLIEBEN WAREN, SAGTE DER DIPLOMAT, ES HABE KEINE MASSENERSCHIESSUNGEN VON STUDENTEN GEGEBEN, WEDER AUF DEM PLATZ NOCH AM DENKMAL. ENDE DER ZUSAMMENFASSUNG. (Hervorhebung W.E.)

 

Im weiteren Verlauf seines Memos benennt Lilley das lateinamerikanische Ehepaar namentlich als den Zweiten Sekretär der chilenischen Botschaft, Carlos Gallo, und seine Frau. Sie hatten in der Nähe des Platzes zu Abend gegessen und die Ereignisse beobachtet. Als ausländische Diplomaten konnten sie sich ohne Schwierigkeiten in der Menge bewegen.

 

Nach ihren Worten habe die VBA offensichtlich den Befehl gehabt, nicht gegen Ausländer vorzugehen. Sie berichteten, Schüsse gehört zu haben, verwundete Studenten seien zur Behandlung in ein Zelt des Roten Kreuzes gebracht worden. Weiter berichtete der US-Botschafter:

 

8. GALLO LANDETE SCHLIESSLICH AUF DER ROTKREUZ-STATION, WIEDER IN DER HOFFNUNG, DASS DIE SOLDATEN NICHT AUF DAS MEDIZINISCHE PERSONAL SCHIESSEN WÜRDEN. ER BEOBACHTETE, WIE SOLDATEN DEN PLATZ BETRATEN, ABER ER BEOBACHTETE KEIN WAHLLOSES SCHIESSEN IN DIE MENGE, OBWOHL VEREINZELT SCHÜSSE ZU HÖREN WAREN. ER SAGTE, DIE MEISTEN SOLDATEN, DIE DEN PLATZ BETRETEN HÄTTEN, SEIEN NUR LEICHT BEWAFFNET GEWESEN – MIT SCHLAGSTÖCKEN UND HOLZKNÜPPELN(Hervorhebung durch W.E.)

 

Bei einem späteren Treffen mit dem politischen Offizier der US-Botschaft berichtet Gallo über eine bemerkenswerte Entwicklung, die in der sensationellen westlichen Medienberichterstattung vollkommen fehlte: Die Anführer der Studenten und die VBA einigten sich darauf, dass die Demonstranten den Platz friedlich verlassen durften, wenn sie ihr Sit-in beendeten:

 

10. ES SEIEN ZWAR SCHÜSSE ZU HÖREN GEWESEN, DOCH ABGESEHEN VON EINIGEN STUDENTEN, DIE GESCHLAGEN WURDEN, HABE ES, SO GALLO, KEINE WAHLLOSEN SCHÜSSE GEGEN DIE MASSE DER STUDENTEN AM DENKMAL GEGEBEN. ALS POLOFF EINIGE AUGENZEUGENBERICHTE ÜBER MASSAKER MIT AUTOMATISCHEN WAFFEN AM DENKMAL ERWÄHNTE, SAGTE GALLO, EIN SOLCHES GEMETZEL HABE ES NICHT GEGEBEN. SOBALD MAN SICH DARAUF GEEINIGT HABE, DASS SICH DIE STUDENTEN ZURÜCKZIEHEN WÜRDEN, HÄTTEN DIE STUDENTEN, DIE SICH AN DEN HÄNDEN GEFASST HÄTTEN, UM EINE KOLONNE ZU BILDEN, DEN PLATZ ÜBER DIE SÜDÖSTLICHE ECKE VERLASSEN. PRAKTISCH ALLE, AUCH GALLO, SEIEN GEGANGEN. DIE WENIGEN, DIE ZURÜCKZUBLEIBEN VERSUCHTEN, SEIEN GESCHLAGEN UND GEDRÄNGT WORDEN, SICH DEM RÜCKZUG ANZUSCHLIESSEN. NACHDEM SIE DEN PLATZ VERLASSEN HÄTTEN, SEIEN DIE STUDENTEN NACH WESTEN ZUM QUINMEN DAJIE GEGANGEN, GALLO SEI NACH OSTEN ZU SEINEM AUTO GEGANGEN. (Hervorhebung durch W.E.)

 

Von einer Vereinbarung zwischen den Studenten und dem Militär, den Protest friedlich zu beenden und den Platz zu verlassen, hatten mir auch mehrere junge Chinesen während meiner Peking-Besuche in letzter Zeit berichtet. Bis zu der Veröffentlichung des Lilley-Telegramms durch WikiLeaks gab es dafür jedoch keine Bestätigung.

 

Jetzt scheint es eindeutig, dass die gesamte Story über »mehrere Tausend« toter Studenten auf dem Tiananmen-Platz – der mittlerweile im Westen als Synonym für brutale staatliche Unterdrückung der Demokratie steht – weitgehend Erfindung war. Die Proteste waren real, nicht aber die grausamen Geschichten über Massaker.

 

Tatsächlich deuten die Umstände – wie ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe – eher darauf hin, dass CIA und US-Außenministerium eine Schlüsselrolle dabei spielten, die Studenten auf dem Tiananmen-Platz anzustacheln, ähnlich wie es die CIA 1956 in Ungarn getan hatte, um ein Blutbad zu provozieren.

 

Fast parallel mit den Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz verbot die chinesische Regierung im August 1989 eine chinesische Nichtregierungsorganisation des amerikanischen Börsenspekulanten George Soros, den Fund for the Reform and Opening of China [Fonds für Reform und Öffnung Chinas]. Zuvor war deren chinesischer Direktor verhört worden, außerdem wurden der Organisation Verbindungen zur CIA vorgeworfen. Chinesischen Berichten zufolge war der Soros-Fonds von Zhao Ziyang, dem abgesetzten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, unterstützt worden.

 

Bedeutsam ist neben dem Soros-Fonds, dass sich Gene Sharp von der Albert Einstein Institution in Cambridge, Massachusetts – dessen Schrift über »Gewaltlosigkeit als Methode der Kriegführung« bisher bei allen Farbenrevolutionen als »Handbuch« diente – wenige Tage vor den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz in Peking aufhielt. Der damalige US-Botschafter Lilley war Karriereoffizier der CIA, wie der damalige Präsident George H.W. Bush hatte er an der Yale University der geheimen Studentengruppe Skull & Bones angehört und war gemeinsam mit Bush bei der CIA gewesen. Die Umstände deuten auf eine versuchte amerikanische Destabilisierung Chinas hin, die 1989 mit dem Kollaps der Sowjetunion zusammenfallen sollte, wobei Lilley mutmaßlich die Dinge im Hintergrund koordinierte.

 

Als die VBA in Peking nicht das Blut »Tausender« studentischer Märtyrer für die Demokratie fließen ließ, erfand Washington offenbar einfach ein Massaker, und aufgrund der umfassenden Kontrolle über die Mainstreammedien glaubte fast die ganze Welt dieser Version Washingtons.

 

 

 

 


 

 


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