Freitag, 18. August 2017
27.04.2016
 
 

Wie Denkfabriken mit Beziehungen zur NATO die EU-Flüchtlingspolitik bestimmen

F. William Engdahl

Washingtons bunte Revolutionen des sogenannten »Arabischen Frühlings« haben islamische Länder destabilisiert und eine Flut unkontrollierter Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Libyen, Tunesien und anderen Ländern ausgelöst. Das hat die größten sozialen Verwerfungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der EU von Deutschland bis hin nach Schweden und nach Kroatien geschaffen. Inzwischen ist den meisten klar geworden, dass etwas ganz Finsteres im Gange ist, etwas, das das soziale Gefüge, den eigentlichen Kern der europäischen Zivilisation zu zerstören droht. Was aber nur wenige erkennen, ist, dass das ganze Drama in Szene gesetzt wird, und zwar nicht von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel oder von gesichtslosen EU-Bürokraten der Brüsseler EU-Kommission. Es wird von einer Clique von Denkfabriken, die mit der NATO in Verbindung stehen, instrumentiert.

 

Am 8. Oktober 2015, als Deutschland von Hunderttausenden von Flüchtlingen aus Syrien, Tunesien, Libyen und anderen Ländern überflutet wurde, verkündete die wieder selbstbewusst gewordene deutsche Kanzlerin Angela Merkel in einem populären deutschen Fernseh-Programm: »Ich habe einen Plan.« Sie nahm die Gelegenheit wahr, um einen scharfen Seitenhieb auf ihren Koalitionspartner, den bayerischen CSU-Chef Horst Seehofer, zu führen. Dieser war ein verlässlicher Kritiker von Merkels Politik der offenen Arme, die im vergangenen Jahr über eine Million Flüchtlinge allein nach Deutschland gebracht hatte.

 

Seit diesem Zeitpunkt hat die deutsche Kanzlerin mit eisenharter Entschlossenheit das kriminelle Regime Erdoğans in der Türkei, einen wichtigen Partner in ihrem »Plan«, verteidigt.

 

Alle Welt rieb sich vor Erstaunen die Augen, als sie sah, wie Merkel Prinzipien der freien Rede ignorierte und öffentlich beschloss, einen bekannten deutschen Fernseh-Komiker, Jan Böhmermann, wegen dessen satirischer Bemerkungen über den türkischen Präsidenten gerichtlich verfolgen zu lassen.

 

Die Welt war darüber erstaunt, dass das Symbol der europäischen Demokratie, die deutsche Kanzlerin, sich entschieden hatte, zu übersehen, dass Erdoğan oppositionelle Journalisten verhaften und die Medien der türkischen Opposition abschalten ließ und seine Pläne weiter vorantrieb, in der Türkei de facto eine Diktatur zu errichten. Alle Welt war verwirrt, als die Berliner Regierung beschloss, die überwältigenden Beweise zu ignorieren, dass Erdoğan und seine Familie die IS-Terroristen in Syrien materiell unterstützt und angestiftet hat, die tatsächlich die Krise der Kriegsflüchtlinge ausgelöst hatten.

 

Sie sah mit Erstaunen, dass Merkel die EU so weit brachte, Erdoğans Regime Milliarden Euro zu überweisen, angeblich damit es sich um die Flüchtlingsströme kümmere, die aus den türkischen Flüchtlingslagern über die Grenze in das EU-Nachbarland Griechenland und darüber hinaus strömten.

 

Der Merkel-Plan

 

All diese scheinbar unerklärlichen Maßnahmen der einst so pragmatischen deutschen Führung gehen anscheinend auf die Annahme eines 14-seitigen Dokuments mit dem dreisten Titel »Der Merkel-Plan« zurück. Es war von einem Netzwerk an Denkfabriken ausgearbeitet worden, die der NATO gegenüber positiv eingestellt sind.

 

Die neuerdings wieder selbstbewusste deutsche Kanzlerin hatte ihrer Gastgeberin Anne Will und den Zuschauern allerdings nicht gesagt, dass »ihr« Plan erst vier Tage zuvor, am 4. Oktober, in einem Dokument, das bereits den Titel »Der Merkel-Plan« trug, ausgehändigt worden war und zwar von einer neu eingerichteten und offensichtlich finanziell gut ausgestatteten internationalen Denkfabrik namens »Europäische Stabilitätsinitiative« oder »ESI«. Die ESI-Website zeigt an, dass sie über Büros in Berlin, Brüssel und in Istanbul in der Türkei verfügt.

 

Verdächtigerweise wählten die Autoren des ESI-Plans den Titel für ihren Plan so, als stamme er aus dem deutschen Kanzleramt und nicht von ihnen. Noch verdächtiger ist der Inhalt des Merkel-Plans der ESI. Deutschland solle danach nicht nur die bereits über eine Million Flüchtlinge des Jahres 2015 aufnehmen, sondern dazu auch noch »zustimmen, 500 000 syrischen Flüchtlingen, die in den kommenden zwölf Monaten in der Türkei gemeldet werden, Asyl zu gewähren«.

 

Darüber hinaus »soll Deutschland Ansprüche der Türkei akzeptieren ... und erfolgreichen Bewerbern, solchen, … die bereits von den türkischen Behörden registriert worden sind, eine sichere Weiterbeförderung bieten«. Und schließlich »soll Deutschland zustimmen, der Türkei 2016 zu visumfreien Einreisemöglichkeiten zu verhelfen«.

 

Der sogenannte Merkel-Plan war ein Erzeugnis von Denkfabriken, die mit den USA, der NATO und den Regierungen von NATO-Mitgliedern oder potenziellen Mitgliedsländern in Verbindung stehen. Der Grundsatz »Folge der Spur des Geldes!« ist in diesem Fall aufschlussreich, um zu erkennen, wer die EU heute eigentlich betreibt.

 

Die ESI

 

Die ESI entstand aufgrund der Bemühungen der NATO zur Transformation Südosteuropas nach dem Krieg in Jugoslawien, den die USA in den 1990er Jahren angezettelt hatten. Dieser hatte zur Balkanisierung des Landes und zur Errichtung eines großen Luftwaffenstützpunktes der USA und der NATO, des Camp Bond Steel im Kosovo, geführt.

 

Der derzeitige ESI-Vorsitzende, der direkt das Abschlussdokument »Der Merkel-Plan« zu verantworten hat, ist der in Istanbul ansässige österreichische Soziologe Gerald Knaus. Knaus ist auch Mitglied des European Council on Foreign Relations (Europäischer Rat für Auslandsbeziehungen, ECFR) und Mitglied der Open Society Foundations (Stiftungen für eine offene Gesellschaft) von George Soros.

 

Das ECFR wurde im Jahr 2007 in London als eine Nachahmung des einflussreichen New Yorker Council on Foreign Relations (Rat für Auslandsbeziehungen, CFR) gegründet. Das CFR war als Denkfabrik 1919 während der Verhandlungen über den Versailler Vertrag von den Bankiers Rockefeller und J.P. Morgan zur Koordinierung der globalen anglo-amerikanischen Außenpolitik ins Leben gerufen worden. Bezeichnenderweise ist der Schöpfer und Geldgeber des ECFR der amerikanische Multimilliardär und Finanzier von Farbenrevolutionen, George Soros.

 

In so gut wie jeder vom US-Außenministerium unterstützten Farbenrevolution seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, darunter derjenigen in Serbien im Jahr 2000, in der Ukraine, in Georgien, in China, in Brasilien und in Russland, waren George Soros und Ableger seiner Open Society Foundations im Hintergrund die Finanziers der »demokratischen« Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und der Aktivisten, um Regime im Sinne Washingtons und der NATO an die Macht zu bringen.

 

Zu den auserwählten Mitgliedern, den sogenannten Ratsmitgliedern oder Mitarbeitern des in London ansässigen ECFR, gehören der Zweite Vorsitzende Joschka Fischer, der ehemalige deutsche Außenminister der Partei Die Grünen. Dieser hatte seine Partei dazu gedrängt, Bill Clintons illegale Bombardierung Serbiens im Jahr 1999 ohne den Rückhalt des UN-Sicherheitsrats zu unterstützen.

 

Ein anderes Mitglied der Denkfabrik von Soros‘ ECFR ist der ehemalige NATO-Generalsekretär Javier Solana. Ebenso gehören ihr an: der in Ungnade gefallene Plagiator und ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg; Annette Heuser, die Geschäftsführerin der Bertelsmann-Stiftung in Washington, D.C.; Wolfgang Ischinger, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz; Cem Özdemir, aus dem Vorstand von Bündnis90/Die Grünen; Alexander Graf Lambsdorff, MdB der FDP; Michael Stürmer, Chefkorrespondent von Die Welt; Andre Wilkens, Leiter der Mercator-Stiftung, und auch der Päderastie-Verteidiger Daniel Cohn-Bendit, Abgeordneter des Europaparlaments.

 

Cohn-Bendit war während der französischen Studentenunruhen vom Mai 1968 als »der rote Dany« bekannt und danach zusammen mit seinem engen Verbündeten, dem jetzigen ECFR-Vorstand Joschka Fischer, Mitglied der autonomen Gruppe Revolutionärer Kampf in Rüsselsheim. Beide gründeten später den »Realo«-Flügel der deutschen Partei Die Grünen.

 

Die Open Society Foundations sind das Netzwerk der steuerbefreiten Demokratieförderung, die George Soros nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gegründet hatte, um in den ehemaligen kommunistischen Volkswirtschaften einen »freien Markt«, die Liberalisierung des Marktes im Sinne des Internationalen Währungsfonds‘ (IWF), zu fördern. Damit öffnete er die Türen für die systematische Plünderung unschätzbar wertvoller Bergbau- und Energieanlagen in diesen Ländern. Soros war ein wichtiger Finanzier des liberalen Wirtschaftsberaterteams Boris Jelzins, dem auch der Ökonom der »Schocktherapie« aus Harvard, Jeffrey Sachs, und Jelzins liberaler Berater Jegor Gaidar angehörten.

 

Schon jetzt dürfte klar sein, dass »Der Merkel-Plan« tatsächlich ein Soros-Plan ist. Doch ist mehr daran, wenn wir die dunklere Agenda hinter dem Plan verstehen wollen.

 

Die Gründer des ESI

 

Die Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative des mit Soros verbundenen Gerald Knaus wird finanziell von einer beeindruckenden Liste an Spendern getragen. Ihre Website listet sie auf.

 

Auf dieser Liste stehen neben Soros‘ Open Society Foundations die mit Soros verbundene Deutsche Stiftung Mercator und die Robert Bosch Stiftung. Zu den ESI-Geldgebern gehört auch die Europäische Kommission. Dann findet sich merkwürdigerweise auf der Geldgeber-Liste für den Merkel-Plan eine Organisation mit dem Orwellschen Namen »Friedensinstitut der Vereinigten Staaten«.

 

Einige Nachforschungen zeigen, dass das Friedensinstitut der Vereinigten Staaten alles andere als einen friedfertigen Hintergrund hat. Sein Vorsitzender ist Stephen Hadley, der ehemalige Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates der USA während der neokonservativen, kriegstreibenden Regierung Bush-Cheney. Dem ESI-Verwaltungsrat gehören an: Ashton B. Carter, derzeit der neokonservative angriffslustige Verteidigungsminister der Obama-Administration; US-Außenminister John Kerry und Major General Frederick M. Padilla, der Präsident der National Defense University (Verteidigungs-Universität) der USA. Das sind einige der sehr erfahrenen Architekten der Strategie »Full Spectrum Dominance« (Vorherrschaft auf der ganzen Linie) des US-Pentagon zur Errichtung einer weltweiten Militärherrschaft.

 

Die Verfasser von »Der Merkel-Plan« bei der Europäischen Stabilitätsinitiative listen neben der Großzügigkeit von George Soros‘ Stiftung als Hauptgeldgeber den German Marshall Fund der Vereinigten Staaten auf. Wie in meinem Buch Die Denkfabriken vermerkt, ist der German Marshall Fund alles andere als deutsch. Er ist, wie in meinem Buch erwähnt, »eine US-amerikanische Denkfabrik mit Hauptsitz in Washington, D.C. Tatsächlich sieht er seine Hauptaufgabe in der Dekonstruktion von Nachkriegs-Deutschland und im weiteren Sinne derjenigen der souveränen Staaten der EU, um sie besser nach dem Vorhaben der Wall Street in die Globalisierung einzupassen.«

 

Washingtons German Marshall Fund war an den Planungen der USA nach 1990 beteiligt, um zusammen mit dem von den USA staatlich finanzierten National Endowment for Democracy (Nationale Stiftung für Demokratie), der Soros-Stiftung und der CIA-Frontorganisation United States Agency for International Development (Amt für internationale Entwicklung der Vereinigten Staaten, USAID) in der ganzen Welt Regimewechsel durchzuführen.

 

Wie in meinem Denkfabriken-Buch beschrieben »lag der Schwerpunkt des German Marshall Fund laut seinem Jahresbericht 2013 auf der Unterstützung des US-Außenministeriums bei Maßnahmen des sogenannten Demokratieaufbaus in ehemals kommunistischen Ländern in Ost- und Südosteuropa vom Balkan bis zum Schwarzen Meer. Bezeichnenderweise umfasste ihr Arbeitsgebiet auch die Ukraine. In den meisten Fällen arbeitete der Fonds mit der USAID zusammen. Diese wird weithin als CIA-Frontorganisation mit Verbindungen zum Außenministerium und zur Charles Stewart Mott Foundation identifiziert. Letztere leistet Zuschüsse zu dem von der US-Regierung finanzierten National Endowment for Democracy (NED).«

 

Bemerkenswerterweise ist die gleiche Charles Stewart Mott Foundation auch ein Geldgeber für den von der ESI verfassten Merkel-Plan, ebenso wie der Rockefeller Brothers Fund.

 

Dies alles sollte Überlegungen anregen, wer mit welcher Zielsetzung die Merkel-Erdoğan-Abmachung über den Umgang mit der EU-Flüchtlingskrise eingefädelt hat. Trägt sich die Rockefeller-Bush-Clinton-Fraktion in den Vereinigten Staaten mit der Absicht, daraus ein größeres gesellschaftsumgestaltendes Experiment werden zu lassen, um in der gesamten EU Chaos und soziale Konflikte hervorzurufen, während zur gleichen Zeit ihre NGOs, wie das NED, das Freedom House und die Soros-Stiftung Syrien, Libyen und die islamische Welt aufmischen?

 

Ist Deutschland, wie es der ehemalige US-Präsidentenberater und Rockefeller-Kumpan Zbigniew Brzeziński nannte, nur ein »Vasall« der US-Macht in der Welt nach 1990? Bis heute gibt es ziemlich starke Beweise dafür, dass dies der Fall ist. Die Rolle der USA und der mit der NATO verbundenen Denkfabriken sind von zentraler Bedeutung, um zu verstehen, wie die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union tatsächlich von hinter dem atlantischen Vorhang aus beherrscht werden.

 

 


»Mit ihrer Politik öffnen die USA dem Dritten Weltkrieg Tür und Tor!«

Die Europäer müssen die NATO abschaffen, wenn die Welt und die Europäer selbst überleben wollen - mancher reibt sich angesichts dieser Aussage jetzt vielleicht verwundert die Augen, denn diese Erkenntnis stammt nicht etwa von einem Altlinken, sondern von Dr. Paul Craig Roberts, einem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, der einst als Staatssekretär für Wirtschaftspolitik im US-Finanzministerium unter Präsident Ronald Reagan diente. Für den heute 76-jährigen Roberts bewegt sich die Welt mit atemberaubender Geschwindigkeit auf einen atomaren Schlagabtausch zwischen den USA einerseits und Russland andererseits zu.

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