Tuesday, 22. May 2012
30.11.2009
 

Geheimnisse in der Wüste

Andreas von Rétyi

»Google Earth« macht’s möglich – die bequeme Suche nach ungewöhnlichen Anlagen und geheimen militärischen Teststätten am heimischen PC! Gerade bei »Kreuzfahrten« durch die weiten Landschaften im Westen der Vereinigten Staaten können mysteriöse und leicht irritierende Bauten ins Visier geraten. Und immer wieder findet sich dabei Neues – beispielsweise ein Geheimdienstzentrum in der Wüste von Utah.

 

In der letzten Zeit haben mich wiederholt Anfragen zu seltsamen Basen und unerklärlichen Mustern erreicht, wie sie auf Google-Earth-Aufnahmen der Wüstengebiete im Westen der Vereinigten Staaten zu finden sind. Natürlich dreht sich dabei vieles um die Regionen nahe der legendären Geheimanlage Area 51 in Nevada und die benachbarte Nevada Test Site (NTS), wo es auf utopische Konstruktionen beinahe schon Mengenrabatt geben müsste. Die veröffentlichten Satellitenbilder der geheimeren Bereiche sind natürlich nicht aktuell und »verraten« demnach auch keinerlei bedeutende Geheimnisse. Auf Area 51 wird natürlich keine verdeckte Operation durchgeführt, wenn gerade ein mit Kameras bestückter Satellit über das Gelände hinweg fliegt. Man weiß dort schließlich genau, wann potenzielle Spione, ob nun fremder Nationen oder aber kommerzieller Natur, auftauchen. In diesen Momenten wird bestimmt nicht vor der Haustüre gearbeitet. Trotzdem aber bekommt man auch auf den publizierten Bildern so manch interessante Dinge zu Gesichte. Immer wieder erreichen mich beispielsweise Anfragen zu einer pyramidenförmigen Struktur südwestlich der Area 51. Wer sie sich einmal selbst ansehen und ein wenig das Gelände abfliegen möchte, sie liegt auf den Koordinaten 37°05’46.19“ N / 116°05’39.25“ W.

Wir befinden uns hier auf Area 4 am nördlichen Ende von Yucca Flat, einer der über viele Jahre hinweg am stärksten atomar verseuchten Regionen unseres Globus. Unweit der mysteriösen dreiseitigen Pyramide erstreckt sich das gigantische nukleare Kraterfeld der einstigen Atomversuche. Die Subsidence Craters unterirdischer Detonationen sind das Vermächtnis jener Zeit. Mittlerweile hat man sich dort allerdings wieder neu eingerichtet und nutzt jenen Teil der Area 4 als Big Explosives Experiment Facility (BEEF), also zum Test extrem starker konventioneller Sprengstoffe. Vergleichbare Experimente fanden früher auf der Site 300 im Rahmen des Shaped Charge Scaling Project statt – nahe den Lawrence-Livermore-Laboratorien in Kalifornien. Als sich die Öffentlichkeit dort verstärkt gegen die Versuche wandte, suchten die Betreiber einen weiter abgelegenen Ort und wurden bald fündig – eben auf der Area 4, wo bereits einige sehr brauchbare Stahlbetonbunker aus alter Zeit existierten, die schnell für die aktuelleren Zwecke nutzbar gemacht werden konnten. BEEF testet hochexplosive Ladungen mit Massen im Bereich mehrerer Tonnen. Einige der Testgebäude sind verständlicherweise unterirdisch angelegt, mit Stahlbeton verstärkt und von Erde bedeckt. Hier befand sich seit 1966 übrigens auch der berühmte BREN-Tower für Versuche zur Strahlungsexposition, wie sie bei den Atombombenabwürfen über Japan entstehen würde. Die fast einen halben Kilometer hohe Struktur war allerdings durch die unterirdischen Atomversuche gefährdet und wurde vier Jahre später in der Testregion von Jackass Flats neu aufgebaut.

Andere Anlagen, die immer wieder auf reges Interesse stoßen, liegen nahe dem kalifornischen Antelope Valley und rechnen zu den geheimen und geheimsten Versuchstätten der großen Flugzeugkonzerne. Längst nicht alles ist auf Satellitenbildern zu sehen. Immer wieder aber beeindruckend: die Radar-Teststätte von Helendale mit ihrer abfallenden Betonrampe und dem unterirdischen Schacht, in dem sich ein hydraulisch ausfahrbarer Testpylon befindet. Flugzeugprototypen können am Ende der Rampe über ein weites Tor direkt auf die Spitze des eingefahrenen Pylons manövriert werden und bleiben dabei zunächst innerhalb des Bunkers. Sein quadratisches Dach erstreckt sich über 20 Meter und kann, in zwei Dreiecke geteilt, seitlich abgefahren werden, um den Jet daraufhin in die Höhe zu hieven.

Anschließend folgen die Radar-Tests. Sobald in der Nähe der Anlage jedoch allzu neugierige Beobachter oder gar Fotografen auftauchen, lässt sich der Geheimjet in Sekundenschnelle in die Tiefe hinabfahren, das Dach schließt sich, und man muss schon mächtig viel Glück haben, da noch aus der Distanz ein scharfes Bild zu schießen.

Kürzlich erreichte mich eine Anfrage zu seltsamen Strukturen in der Wüste von Utah. Sie befinden sich in der Nähe der berüchtigten Dugway Proving Grounds (DPG) und sehen aus wie eine Geheimschrift am Boden. Die Gebilde finden sich auf dem Gelände von Camp W. G. Williams bei Riverton/Bluffdale. Genutzt wird die Region offiziell als Truppenübungsgebiet der National Guard (National Guard Training Site). Die eigenartigen »Runen« (auf 40°16’13,08“ N, 112°21’38,02“ W), die sich auf dem Satellitenbild zeigen, entstehen durch eine entsprechende künstliche Umgestaltung der Landschaft für Übungszwecke – hier reihen sich viele kleinere Hügel aneinander, zwischen denen Wege verlaufen. Das sieht aus großer Höhe dann recht eigenartig aus, vom Erdboden allerdings weniger spektakulär. Camp Williams wird aber in der nächsten Zeit aus anderen Gründen eine ziemlich interessante Lokalität sein: Im Sommer 2009 wurde nämlich bekannt, dass die National Security Agency (NSA), der technische Geheimdienst der USA, genau dort ein neues Datenzentrum einrichten möchte! Wohin das neugierige Auge blickt, fast überall gibt es interessante Neuigkeiten – eine kleine Entdeckungsreise lohnt immer!

 

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