Freitag, 9. Dezember 2016
18.01.2014
 
 

»Falsch geheizt ist halb gestorben«: Ein vergessener Umweltskandal

Gerhard Wisnewski

Haben Sie auch so eine schöne, praktische Zentralheizung, die man nur aufdrehen muss, und schon hat man es warm? Und leiden Sie auch jeden Herbst und Winter an quälenden Erkältungen, verstopfter Nase und Atemnot? Dann könnte das an Ihren Heizkörpern liegen. Die sind nämlich häufig so konstruiert, dass sie zwangsläufig der Gesundheit schaden.

Der moderne Mensch hat's gut. Im Winter muss er abends nur noch zum Thermostat greifen und die Heizkörper aufdrehen. Schon hört er das heiße Wasser durch die »Radiatoren« rauschen, und wenig später ist es schön warm. Doch schon beginnt auch die Zeit der gereizten Atemwege, der Erkältungen und Niesanfälle. Die »trockene, warme Heizungsluft« reizt die Schleimhäute.

 

Dann haben auch wieder Luftbefeuchter Hochkonjunktur – doch so richtig gut geht es einem damit auch nicht, und schon bald hat man sich den ersten Schnupfen eingefangen. Für manche Menschen beginnt nun ein regelrechtes Martyrium aus Erkältungen, Asthmaanfällen und Allergien.

 

Was ist nur los? Was stimmt nicht mit unserer Heizungsluft? Die Wahrheit ist: In unseren Heizkörpern verbirgt sich ein Umwelt- und Gesundheitsskandal, der sich gewaschen hat und von dem Millionen von Menschen betroffen sind, ohne dass sie etwas davon ahnen.

 

Daher die Frage: Haben Sie schon einmal in Ihren Heizkörper geguckt? In einen von diesen modernen, flachen Warmwasser-Heizkörpern, die oft elegant unter dem Fensterbrett verschwinden? Mein Tipp: Nehmen Sie einmal einen Spiegel und eine Taschenlampe und halten Sie beides unter den Heizkörper. Es funktioniert aber auch mit der Frontkamera eines Handys oder Tablet-Computers – dann kann man das Ganze gleichzeitig sehen und filmen.

 

Vorsicht vor der »Staubwalze«

 

Zwar ist dauernd von Feinstaub in unseren Städten die Rede – nicht aber von den Staubbomben in unseren Wohnungen. Das Problem ist nämlich, dass die Heizkörper erstens schlecht einsehbar und zweitens noch schlechter zu reinigen sind. Ja, manche Heizkörper werden alle paar Jahre zwar neu gestrichen, allerdings ohne dass sich jemand die Mühe macht, sie innen sauber zu machen. Hätte man Millionen von Menschen bewusst schaden wollen, hätte man die Heizkörper genau so konstruieren müssen, wie wir sie kennen: Oben verblendet und/oder tief unter den Fensterbrettern verbaut. Die Folge: Das Innere ihres Heizkörpers haben viele Menschen ganz einfach nicht »auf dem Radarschirm«.

 

Besonders in Großstädten könnte sich das aber lohnen, denn der Heizkörper hat ein geheimes Innenleben: Er saugt Staub, Schmutz und Bakterien an, deponiert alles in seinem Inneren und schleudert es zum Teil oben wieder heraus. Dadurch entsteht eine »Staubwalze«, ein ewiger Kreislauf von Partikeln und Schadstoffen in der Zimmerluft. Ja, tatsächlich ist es so, dass der Heizkörper »atmet«: Er saugt die kühle, schmutzbeladene Luft vom Boden an, leitet sie durch seine heißen, düsenartigen »Lamellen« und pustet sie oben hinaus. Wenn er aufgeheizt wird, gibt der Staub seine Schadstoffe auch in Gasform an die Heizungsluft ab. Die Reinigung solcher Heizkörper ist eine »kitzlige Sache«: Erstens ist sie schwer zu bewerkstelligen (z.B. mit Spezialbürsten), zweitens bekommt man dabei oft erst eine richtige Dosis Schadstoffe ab.

 

 

Verstaubter Heizkörper von unten (Video-Screenshot)

 

»Falsch geheizt ist halb gestorben«

 

Die Weichen für dieses gesundheitsschädliche Heizungssystem wurden schon vor Jahrzehnten gestellt. Warnungen wurden geflissentlich überhört: »An den hohen Staubpegel denkt keiner«, schrieb zum Beispiel der Heizungsfachmann Alfred Eisenschink in seinem längst vergessenen Buch Falsch geheizt ist halb gestorben (heute antiquarisch für 150 Euro zu haben): »Dabei ist er ausgesprochen lebensgefährlich für alle, die ihm dauernd ausgeliefert sind.« Was moderne Heizungen »an Staub in Schwebe halten«, sei »kaum vorstellbar«. Eine der jüngsten, kaum veröffentlichten Erkenntnisse sei »der Zusammenhang zwischen dem Staubgehalt der Luft … und der Häufigkeit von Lungenkarzinomen, vom Volksmund als ›Lungenkrebs‹ bezeichnet« (Alfred Eisenschink: Falsch geheizt ist halb gestorben, München 1975, S. 24).

 

Genau genommen »rauchen« wir den ganzen Schmutz dauernd »auf Lunge«. Ein etwa ein Meter breiter Heizkörper aus drei Segmenten bringt es gut und gerne auf eine (verstaubte) Oberfläche von bis zu fünf Quadratmetern. Bei fünf Heizkörpern in Wohnung oder Haus macht das zusammen 25 Quadratmeter verstaubte Oberfläche, von denen viele Hausfrauen und -männer nichts ahnen, weil die Heizkörper eingebaut oder verblendet sind und immer hübsch sauber aussehen, wenn man sie von außen putzt.

 

Doch in Wirklichkeit bedeutet das in diesem Beispiel, dass die Atemluft permanent über eine 25 Quadratmeter große verstaubte Oberfläche geleitet wird. Aber auch wenn der Heizkörper gereinigt wurde, saugt er weiter den Schmutz vom Boden an und bläst ihn oben hinaus. Wenn man in diesem Zusammenhang an den Aufwand denkt, der betrieben wird, um sauberes Trinkwasser zu gewinnen, kann man kaum glauben, was falsch konstruierte Heizkörper mit unserer Atemluft anrichten. Es ist etwa so, als bekämen wir unser Trinkwasser aus dem Rinnstein.

 

 

 

Nicht nur ein Thema für Allergiker

 

Na und – kitzelt eben ein bisschen in der Nase, der Staub! Doch das mechanische »Kitzeln« ist das geringste Problem. Und Hausstaub ist auch nicht nur ein Thema für Allergiker, sondern eine der schlimmsten Gesundheitsgefahren, denen wir überhaupt ausgesetzt werden. Nach einer Untersuchung des Österreichischen Umweltbundesamtes enthält Hausstaub zahlreiche Schadstoffe. Zum Beispiel:

• Schwermetalle wie Zink, Blei oder Quecksilber,

• Brennstoffbestandteile wie Alkylphenole,

• Kunststoffbestandteile wie Phthalate (»Weichmacher«),

• Insektizide wie Pyrethroide,

• Flammschutzmittel wie polybromierte Diphenylether und

Triphosphate,

• künstliche Östrogene wie Bisphenol A,

• polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAHs),

• Terpene (Harzstoffe),

• Trisphosphate,

• Organozinnverbindungen,

• Tenside, die dafür sorgen, dass all diese Substanzen noch

leichter in Haut und Schleimhäute eindringen,

• Milbenausscheidungen (hoch allergen).

 

(Quelle: Hausstaub – ein Indikator für Innenraumbelastung, Umweltbundesamt

GmbH, Wien 2004)

 

Zivilisationskrankheit = Staubkrankheit?

 

Dazu kommen natürlich auch noch die Hinterlassenschaften von Haustieren, wie Tierhaare und Hautschuppen, die sich ebenfalls in den Heizkörpern sammeln. Wenn einen diese erwärmte Mischung nicht krank macht, dann ist man wahrlich unverwüstlich. Die genannten Stoffe schädigen Haut, Schleimhaut, Nerven- und Hormonsystem. Sie setzen bei Männern die Spermienzahl herab (Bisphenol A) und führen bei weiblichen Organismen zur Vermännlichung (Organozinnverbindungen).

 

Sie können aber auch die für die Heizperiode typischen Beschwerden wie Schleimhautreizungen, Niesen, Kopfschmerzen, Atemnot, allergische Reaktionen und Asthma auslösen. Außerdem wurden Zusammenhänge mit allen möglichen »Zivilisationskrankheiten« hergestellt, wie Krebs (z.B. Tributylphosphat), Diabetes, Fettleibigkeit sowie Herz-Kreislauf-Probleme (Bisphenol A). Sind Zivilisationskrankheiten wie etwa das moderne »COPD« (chronic obstructive pulmonary disease = chronisch obstruktive Lungenerkrankung) in Wirklichkeit »Staubkrankheiten«?

 

Fast nirgends wird so viel gelogen und vertuscht wie im Bereich Wärme und Heizung. Die staatlich verordnete Wärmedämmung ist dafür das beste Beispiel. Sie kostet Milliarden, bringt nichts und schädigt auch noch die Bausubstanz und die Gesundheit der Bewohner (zum Beispiel durch drohende Schimmelbildung). Und eine dieser großen Lebenslügen ist eben auch die Vorstellung von der schädlichen »trockenen Heizungsluft«, die wir angeblich anfeuchten müssen. Dabei ist das Schädliche nicht in erster Linie die Heizungsluft, sondern die Unmengen an Staub und giftigen Schadstoffen, die sie transportiert. Und anfeuchten müssen wir auch nicht die Luft, sondern den Staub und die Schadstoffe, damit diese gebunden werden und uns so Erleichterung verschafft wird...

 


 

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