Friday, 30. September 2016
06.03.2014
 
 

Auf in den Osten – aber dawai! Wie die Klitschkos neue Märkte erobern wollen

Gerhard Wisnewski

Was wollen die Klitschko-Brüder wirklich in der Ukraine? Freiheit? Demokratie? Bürgerrechte? Vielleicht. Ganz sicher aber wollen sie das ganz große Geschäft machen. Märkte öffnen, erobern und besetzen, heißt das Ziel ihrer Marketingfirma Klitschko Management Group. Woraus direkt folgt: Die Revolution ist eben auch nur ein Business...

Klitschko auf dem Maidan, Klitschko unter Demonstranten, Klitschko bei Janukowytsch. Kein Zweifel – der Mann ist ein waschechter Revolutionär. Unermüdlich arbeitet er an der Befreiung seines ukrainischen Volkes, und zwar zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Dachte man jedenfalls bisher. In Wirklichkeit ist Klitschkos Tätigkeit damit keineswegs hinreichend beschrieben. Denn in

Wahrheit geht es bei seinen publikumswirksamen Auftritten, egal ob auf dem Maidan oder in Präsidentenbüros, nicht in erster Linie um das Wohl der Menschen, sondern zunächst mal um sein eigenes und das seines Bruders.

 

Die kürzlich aufgetauchten Klitschko-E-Mails haben dafür schon deutliche Hinweise geliefert. Klitschko ist eigentlich auch keine Speerspitze der Revolution oder der Freiheit, sondern des Big Business. Worum es ihm geht, ist nicht so sehr Politik, sondern Marketing, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn um die Öffnung von Märkten geht es ja schließlich – und zwar mit dem Brecheisen. Oder besser gesagt: mit der Faust. Eben nach Klitschko-Art.

 

Geschäfte, und zwar dalli

 

Bei dem Gedanken an die riesigen Märkte des Ostens kriegen er und sein Bruder gleich dicke Dollarzeichen in den Augen. Oder wie soll man die Abhandlungen auf ihrer Website sonst interpretieren: »Die Klitschko-Brüder haben den Westen erobert, jetzt wollen sie den Osten für Sie erobern«, formulieren sie da ihre wahren revolutionären Ziele. Also die Öffnung der Märkte für US-Konzerne wie Chevron, Western Union, ExxonMobil, Microsoft, Coca-Cola, Philip Morris – oder wie die Finanziers einschlägiger US-Stiftungen in Kiew sonst noch heißen? Das Wort »change« klingt aus dem Munde der Klitschkos jedenfalls nicht nach dem freiheitlichen »Wind of Change« der Scorpions, sondern eher nach »exchange« – also Cash.

 

Allzu deutlich hört man dabei die Kasse klingeln: »Der Osten ist in einem Prozess des Wandels [›change‹] und der Entwicklung«, heißt es in einem Web-Dokument mit dem Titel »Die Dienstleistungen der Klitschko Management Group für Osteuropa«. »Die westliche Orientierung schreitet in allen Bereichen fort« – woran Revolutionär Vitali selbst kräftig mitwirkt, darf man hinzufügen. »Mit der Öffnung der osteuropäischen Länder nehmen die Chancen für westliche Unternehmen zu. Um diese Chancen zu erkennen und den Markt abzuschöpfen, ist die Klitschko Management Group ein erfahrener und verlässlicher Partner.« Und zwar dalli. Oder auch »dawai«, wie das auf Russisch heißt.

 

Nirgendwo ist das Geld so gut angelegt wie in einem Revolutionär

 

Siehe da – unser Revolutionär! Vielleicht haben wir das Wort »Freiheit« aus seinem Munde nur noch nicht so richtig verstanden – in erster Linie ist damit nämlich die Freiheit für westliche Konzerne gemeint, den Osten mit ihren ausgesuchten Produkten zu beglücken – wie beispielsweise Zuckerbrause, Gengemüse oder Fett-Hamburger? Und natürlich all die Medikamente, die man braucht, um das heil zu überstehen? Wobei das natürlich ausgesuchter Blödsinn ist, denn all diese und andere westliche Errungenschaften sind sicherlich absolut unbedenklich – die Hand drauf. Oder im Fall Klitschko: die Faust.

 

»Die Klitschko Management Group (KMG) bringt Unternehmen, Marken und Persönlichkeiten mit dem Ziel zusammen, gemeinsam Erfolg zu haben«, heißt es auf der Website. »Dabei können die Gründer Vitali und Wladimir Klitschko sowie ihr Partner Bernd Bönte auf ihre langjährigen persönlichen Erfahrungen in den Bereichen Management, Marketing und PR zurückgreifen.« Und natürlich im Bereich Auf-die-Fresse-hauen. Vielleicht sollte man auch endlich verstärkt das Trinkwasser im Osten privatisieren oder Gift in den Boden pumpen, um das letzte Erdgas herauszuholen und dabei das Grundwasser zu verseuchen? Denn das ist schließlich ein doppeltes Geschäft, wenn nicht ein dreifaches oder vierfaches. Denn die Nebenwirkungen des verseuchten Trinkwassers lindert garantiert ein hilfreicher US-Pharmakonzern. Und wenn man das Leitungswasser gar nicht mehr trinken kann, liefert das erforderliche Nass ebenso garantiert ein drittes segensreiches Unternehmen.

 

Herrliche Zeiten werden das jedenfalls für den Osten, wenn westliche Konzerne endlich auch dort die Probleme beheben, die sie selbst geschaffen haben. Und goldene Zeiten warten auf Aufrührer und alle die, die ihnen unter die verschwitzten Arme greifen – finanziell, natürlich. Denn merke: Nirgendwo ist das große Geld so gut angelegt wie in einem Revolutionär.

 

Wobei: Ob Klitschko wirklich mit derartigen Unternehmen zusammenarbeitet, wissen wir natürlich nicht. Es waren nur Beispiele. Aber seine Bewerbung hat Klitschko nur allzu deutlich abgegeben. Und zwar nicht nur in den Vorstandsetagen von Unternehmen, sondern vor allem als Dauerrevoluzzer auf dem Maidan. Die Frage ist nur: Fällt das nun unter »Marktanalyse«, »Standortanalyse«, oder ist das nicht schon der »Markteintritt« – alles Bereiche, in denen die KMG ihre Dienste anbietet. Oder müsste es nicht besser heißen: »Marktrevolution«, »Marktumsturz« und »Marktvergewaltigung«. Denn der Umsturz und die Installierung einer marktgenehmen Regierung gehören zu den Dienstleistungen der Klitschkos offenbar dazu. Und welche Marketingfirma kann das schon von sich behaupten?

 

Die Revolution ist auch nur ein Event

 

Eben. Und schließlich ist die Revolution auch nur ein Event. Auch da hat man bei KMG reichlich Erfahrung: »Mit Events Menschen begeistern: Die Klitschko Management Group veranstaltet Großevents in den Bereichen Sport und Entertainment.« Fragt sich jetzt nur, in welche Kategorie da eine Revolution gehört – etwa in beide? Denn körperlich ist da ja einiges geboten, und unterhaltsam ist eine Revolution auch: Gebannt hängen Millionen vor den Bildschirmen und bestaunen ihren mutigen Helden, wie er sich den grässlichen Schergen des »Regimes« entgegenstellt. Und schließlich gibt es auch noch echte Tote – wo kriegt man so was sonst schon geboten? Kein Dschungelcamp und kein Big Brother haben so etwas drauf. Wobei die Klitschkos für die Leichen natürlich nichts können. Ins Jenseits haben sie, glaube ich, noch niemanden befördert – höchstens ins Land der Träume, also an die Grenze.

 

Nein, die Toten werden von anderen geliefert und treiben das Revolutionsdrama erst so richtig auf die Spitze und die marktfeindliche Regierung aus dem Amt. Denn merke nochmals: Leichen sind das Salz in der Suppe jeder Revolution. Die Klitschkos können nichts dafür, denn sie bringen ja nur »langjährige Erfahrung in der Organisation und Durchführung von Großevents« mit. Ja, bei aller Bescheidenheit: Großevents gehören sogar zu ihrer »Kernkompetenz«. Und schließlich veranstaltete die Klitschko Management Group ja schon immer auch Kämpfe. Nur dass diese neuerdings auch im Freistil auf öffentlichen Plätzen ausgetragen werden, ist manchem vielleicht neu.

 

Aber ob 61 000 Zuschauer in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen oder 50 000 auf dem Maidan, ist wahrscheinlich kein prinzipieller, sondern nur ein organisatorischer Unterschied. Und schließlich kann man auch da »den Box-Weltmeister live erleben«, diesmal allerdings im Outfit des Revolutionärs. »Politik ist eben Showbusiness, nur mit hässlichen Menschen«, wie einmal der Trendforscher Gerald Celente sagte – oder auch mit brutalen Menschen. »Wir wollen unseren Kunden nicht nur Wege aufzeigen, wir gehen sie jeden Tag«, sagen die Klitschkos – und zwar mit Nagelstiefeln, darf man hinzufügen.

 

 

 


 

 

 

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