Saturday, 1. October 2016
04.06.2014
 
 

China: Die Lüge vom Tiananmen-Massaker

Gerhard Wisnewski

Auf dem Pekinger »Platz des Himmlischen Friedens« wurden am 4. Juni 1989 Hunderte von Studenten mit Maschinengewehren niedergemäht? Während andere, die den Platz verlassen wollten, von Panzern überrollt wurden? 25 Jahre später ist diese Geschichte für unsere »Qualitätsmedien« natürlich immer noch ein gefundenes Fressen – und eine Gelegenheit, das verhasste China an den globalen Pranger zu stellen. Die Frage ist nur: War es wirklich so? Gerhard Wisnewski hat recherchiert...

Das »Massaker vom Tiananmen-Platz« – wer erinnert sich nicht daran: »Die wohl am weitesten verbreitete Schilderung erschien zuerst in der Hongkonger Presse«, schrieb der China-Kenner Jay Mathews, einst Bürochef der Washington Post in Peking: »Ein Student der Tsinghua-Universität beschrieb, wie Maschinengewehre Studenten vor dem Heldenmonument in der Mitte des Platzes niedermähten. Die New York Times brachte diese Geschichte nur eine Woche nach dem Ereignis – am 12. Juni – groß heraus... Der Studentenführer Wu‘er Kaixi sagte, er habe gesehen, wie 200 Studenten im Gewehrfeuer starben...«

 

Nur auf Plätzen werden Helden geboren...

 

Diese Chinesen: Schrecklich, nicht wahr? In Wirklichkeit ist das so genannte »Massaker vom Tiananmen-Platz« jedoch eine Fiktion und nichts weiter als ein westlicher Propaganda-Mythos. Denn die westliche Propaganda braucht immer einen Platz: Ob den Maidan in Kiew, den Tahrir-Platz in Kairo oder eben den Tiananmen-Platz in Peking. Denn nur auf Plätzen werden Helden geboren. Der öffentliche Platz ist die Bühne der Märtyrer, die im heldenhaften Kampf gegen das schreckliche Regime ihr Leben lassen. Und vor allem ist der Platz Gedenkstätte, um den Mythos des Kampfes gegen das grauenhafte Regime auch in den kommenden Jahrzehnten

am Leben zu erhalten. Und so müssen wir uns seit geraumer Zeit die Litanei vom »Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens« anhören: »Vor 25 Jahren schlug Peking den Aufstand auf dem Platz des Himmlischen Friedens nieder. Heute verfolgt die Partei jeden, der öffentlich über das Massaker spricht«, befördert zum Beispiel Spiegel Online den Mythos: »Das ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Angst.«

 

 

Und das müssen wir nun schon seit 25 Jahren lesen: »Im letzten Jahrzehnt haben viele amerikanische Journalisten und Herausgeber eine mythologische Version dieser warmen, blutigen Nacht übernommen«, schrieb schon 1998 der oben erwähnte Jay Mathews, früher Pekinger Bürochef der Washington Post. Aus Anlass eines Pekingbesuchs des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton sei dieser Mythos immer und immer wieder wiederholt worden. So habe am Tag von Clintons Ankunft in Peking die Baltimore Sun in fetten Lettern an »Tiananmen, den Platz auf dem chinesische Studenten starben« erinnert. USA Today habe Tiananmen »den Platz, auf dem demokratische Demonstranten niedergeschossen wurden«, genannt. Das Wall Street Journal beschrieb »das Massaker vom Tiananmen-Platz«, wo bewaffnete Truppen »Hunderte oder mehr« Menschen getötet hätten. Die New York Post habe den Platz »die Stätte des Studenten-Massakers« genannt.

 

Niemand starb auf Tiananmen

 

Das Problem sei nur, so Mathews: »Soweit man das den verfügbaren Beweisen entnehmen kann, starb in dieser Nacht niemand auf dem Tiananmen-Platz. Einige Menschen könnten bei gelegentlichen Schießereien in benachbarten Straßen ums Leben gekommen sein, aber alle überprüften Zeugenaussagen beschreiben, dass die auf dem Platz verbliebenen Studenten friedlich abziehen durften.« Zwar seien tatsächlich Hunderte von Menschen in dieser Nacht gestorben, die meisten von ihnen Arbeiter und Passanten, »aber anderswo und unter anderen Umständen«. Viele Opfer seien von Soldaten auf Abschnitten der Straße des Ewigen Friedens erschossen worden, »über eine Meile westlich des Platzes«. Außerdem in verstreuten Zusammenstößen in anderen Teilen der Stadt, wo, »wie man hinzufügen sollte, einige Soldaten von wütenden Arbeitern totgeschlagen oder verbrannt wurden«.

 

Ein Massaker-Mythos wird geboren

 

Aber ist das nicht egal? Ist es nicht egal, wo das Regime unschuldige Menschen ermordete? Keineswegs – aber dazu gleich mehr. Nach dem Clinton-Besuch 1998 waren die Olympischen Spiele in Peking 2008 die nächste große Gelegenheit, China »das Massaker vom Tiananmen-Platz« aufs Butterbrot zu schmieren: »Vor den Olympischen Spielen in Peking sehen wir weitere Versuche, die Welt an das angebliche Massaker an demokratiehungrigen Studenten auf dem Tiananmen-Platz am 4. Juni 1989 zu erinnern«, schrieb der australische Asienkenner und Ex-Diplomat Gregory Clark am 21. Juli 2008 in der Japan Times. Titel des Artikels: »Die Geburt eines Massaker-Mythos«:

»Die New York Times, die sich so bemüht hat, die ursprüngliche Geschichte von Truppen zu verbreiten, die hemmungslos studentische Protestierer niederschossen, hat jüngst verschiedene weitere Artikel veröffentlicht, die das angebliche Massaker verdammen – und die Forderung nach einem Olympischen Streik erhoben. Andere Medien, einschließlich des britischen, normalerweise unparteiischen Guardian, des Independent und des australischen Sydney Morning Herald, stimmten ein. An Gegenmeinungen ist niemand interessiert.«

 

Berichte vom Hotelbalkon

 

Diese Anstrengungen seien »eindrucksvoll«, so Ex-Diplomat Clark – insbesondere vor dem Hintergrund der überwältigenden Beweise, »dass es kein Tiananmen-Massaker gab«. So habe auch der damalige spanische Botschafter in Peking, Eugenio Bregolat, in einem Buch geschrieben, dass damals ein Fernsehteam des spanischen Senders TVE vor Ort gewesen sei. Sollte es ein Massaker gegeben haben, wären die Mitglieder dieses Teams wohl die Ersten gewesen, die es gesehen und gefilmt hätten. Der ehemalige spanische Botschafter sei jedoch wütend darüber, »dass die meisten Berichte von dem behaupteten Massaker von Journalisten stammten, die in einiger Entfernung im sicheren Hafen des Peking-Hotels Unterschlupf gefunden hätten« – also ganz so, wie unsere heutigen Journalisten-Lügner auch, die gern von Hotelbalkonen aus »berichten«.

 

Außerdem, so Clark, sei da noch Graham Earnshaw gewesen, ein bodenständiger Reuters-Korrespondent, der die Nacht vom 3. auf den 4. Juni am Ort des angeblichen Massakers verbracht habe. »In der Mitte des Tiananmen-Platzes« habe er Studenten interviewt, »bis in den frühen Morgenstunden die Truppen kamen. Auch er sah kein Massaker«: »Ich war wahrscheinlich der einzige Ausländer, der die Räumung des Platzes vom Platz selbst aus mitverfolgte«, zitiert Clark aus Earnshaws Memoiren.

 

»Ich kann nur sagen: Ich sah nichts davon«

 

Der Reuters-Korrespondent habe bestätigt, dass die meisten Studenten den Platz schon wesentlich früher friedlich verlassen hätten und dass »die verbliebenen wenigen Hundert vom Militär überzeugt wurden, es ihnen gleich zu tun«. Der chinesische Dissident und Exilant Xiaoping Li habe in einem Artikel einen geborenen Taiwanesen namens Hou Dejian zitiert, der sich auf dem Platz im Hungerstreik befunden habe: »Einige sagen, dass 200 Menschen auf dem Platz gestorben seien, andere sprechen von 2000. Es gab auch Berichte von Panzern, die Studenten überrollt hätten, die den Platz verlassen wollten. Ich kann nur sagen: Ich sah nichts davon. Ich war bis morgens 6.30 Uhr dort.«

 

Der heilige Schrein der Imperialisten

 

Natürlich seien in dieser Nacht viele schreckliche Dinge passiert, so Clark. Aber was leicht vergessen wird: Bevor es zur (friedlichen) Räumung des Platzes am 4. Juni 1989 kam, war er bereits wochenlang von Demonstranten besetzt worden – ganz nach dem (späteren) Muster von Kairo und Kiew. Mehrmals, berichtet Clark, hätten hochrangige Vertreter der Regierung versucht, Kompromisse auszuhandeln; später seien unbewaffnete Truppen von der wütenden Menge zurückgedrängt worden. Als schließlich bewaffnete Soldaten geschickt worden seien, seien deren Fahrzeuge von der Menge in der Umgebung des Platzes in Brand gesetzt worden – häufig mitsamt den Soldaten.

 

Also eine ähnliche Bürgerkriegssituation wie viele Jahre später am Kiewer Maidan-Platz, dem heiligen Schrein der westlichen Imperialisten. Am Tiananmen seien in den anschließenden »panischen Kämpfen« tatsächlich »Hunderte, wenn nicht Tausende von Zivilisten und Studenten getötet worden«, so Clark: »Aber das war ein Aufstand, kein gezieltes Massaker. Und es geschah nicht auf dem Tiananmen-Platz.«

 

Das Massaker als Marke

 

Ja, aber wie gesagt: Ist das nicht egal? Ist Todesopfer nicht gleich Todesopfer? Eben nicht. Sondern was gebraucht wird, ist eine symbolische Leiche – und wenn‘s geht, gleich Hunderte davon. Die Todesopfer dürfen auch nicht in Kämpfe oder Aufstände verwickelt, sondern müssen total unschuldig gewesen sein – und das sind nun mal nur die Opfer eines Massakers, wie zum Beispiel auch die Opfer der Giftgas-Massaker in Syrien. Es geht also um den Mythos, dass in dieser Nacht auf dem Platz des Himmlischen Friedens Hunderte von wehrlosen Studenten niedergeschossen worden seien. Und es geht um die »Marke«: »Das Massaker vom Tiananmen-Platz« klingt natürlich besser als »bei Kämpfen erschossene Aufständische«. In Wirklichkeit hatte es Peking aber mit einem ausgewachsenen Aufstand zu tun, der bereits seit Monaten vor sich hin gärte und nun einen Höhepunkt erreicht hatte.

 

Nicht, dass die Proteste nicht berechtigt gewesen wären – zumindest in Teilen. Nicht, dass die Regierung in Peking nicht korrupt gewesen wäre und es vielleicht heute noch ist. Darum geht es nur am Rande. In Wirklichkeit geht es hauptsächlich um die globale Perspektive. In Wirklichkeit hatten die Pekinger Studenten nicht ganz uneigennützige Verbündete, die hier eigentlich überhaupt nichts zu suchen hatten – nämlich die westlichen Imperialisten. Mit der Sowjetunion sollte 1989 auch das Riesenreich China fallen und so den Weg für eine westliche Weltherrschaft ebnen. Es ist klar, dass es die westlichen Medien und Politiker wurmt, dass diese Strategie nicht aufging.

 

Die »größte geopolitische Katastrophe«

 

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Fall der Sowjetunion einmal als »größte geopolitische Katastrophe« des 20. Jahrhunderts bezeichnet – was von unseren westlichen Medien natürlich gleich hämisch ausgeschlachtet wurde. Dabei sprach er, wie gesagt, von einer »geopolitischen Katastrophe«, also von den Auswirkungen auf den gesamten Globus, einschließlich aller Menschen. Der Fall der Sowjetunion führte nämlich zum Zusammenbruch des globalen Gleichgewichts und zu der Situation, vor der wir heute stehen: Zu einem dreisten westlichen Imperium, das die Welt nach Belieben aufrollt und demnächst unter seine totalitäre Herrschaft zwingen will. NATO und EU haben sich seit 1989 massiv ausgeweitet und Russland in die Ecke getrieben. Auf dem Programm steht die Dominanz über die gesamte Welt – und spätestens dann wird das westliche Imperium die letzte demokratische Maske fallen lassen. Denn wie heißt es so schön: »Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.«

 

Der Meltdown der Macht

 

Man stelle sich einmal vor, neben der Sowjetunion wäre 1989 auch noch das Riesenreich China gekippt. Wahrscheinlich wären wir den nicht weniger korrupten westlichen Eliten jetzt schon total ausgeliefert. Und das ist auch der Grund, warum viele Menschen im Westen zu Putin »halten« – nämlich, weil sie wissen oder spüren, dass sein Gegengewicht gebraucht wird. Was eben nicht heißt, dass die östlichen Eliten nicht fragwürdig wären. Entscheidend ist allein das globale Gleichgewicht und dass die jeweiligen Eliten von der absoluten Macht ferngehalten werden. Nach dem Motto: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte – in diesem Fall der Bürger. Solange keine der globalen Mächte »absolut« wird, bedeutet das, dass sie noch in die Schranken gewiesen werden. Wenn es diese Schranken nicht mehr gäbe, käme es zur globalen Katastrophe – zum globalen »Meltdown der Macht«. Vor diesem Hintergrund muss man auch das angebliche »Massaker vom Tiananmen-Platz« am 4. Juni 1989 sehen. Wie groß wäre die »größte geopolitische Katastrophe« wohl ausgefallen, wenn Peking auch noch gefallen wäre? Das wäre dann wohl »die allergrößte geopolitische Katastrophe« gewesen. Vermutlich würden wir heute schon längst vollständig in Orwells 1984 leben – und nicht nur teilweise.

 

 

 

 


 

 

 


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