Friday, 26. August 2016
12.02.2012
 
 

Hollywood als psychologische Klimakatastrophe: Eine nicht gehaltene Rede

Gerhard Wisnewski

Vom 2. bis 5. Februar 2012 fand in Teheran eine Konferenz über Hollywood, seine Filme und seine Propaganda statt. Titel: »Hollywoodism«. Neben vielen internationalen Filmemachern war auch KOPP-Autor Gerhard Wisnewski eingeladen. Doch ein Blick auf die Webseite der Konferenz überzeugte Wisnewski davon, dass er dort nicht hinfahren kann. Denn der Kongress sah Hollywood stark unter dem Blickwinkel von Zionismus und Judentum, was leicht als Antisemitismus hätte ausgelegt werden können. So blieb Wisnewski zwar zu Hause; seine geplante Rede können Sie aber trotzdem lesen – und zwar hier:

 

Anrede,

als erstes möchte ich mich für die freundliche Einladung bedanken, bei der Konferenz über »Hollywoodism« zu sprechen.


Inoffizielle politische Verfolgung

Leider kann ich der Einladung nicht Folge leisten. So habe ich der Webseite der Konferenz entnommen, dass sie das Phänomen Hollywood sehr stark unter dem Blickwinkel des Judentums und des Zionismus betrachtet. Obwohl dies nicht meine Herangehensweise ist, hätte ich nach der Teilnahme an einer solchen »antisemitischen Konferenz« in Deutschland mit inoffizieller politischer Verfolgung zu rechnen. Inoffizielle politische Verfolgung beinhaltet Denunziationen, Verleumdungen und konzertierte Medienkampagnen, mit denen Existenzen zerstört werden können. Auch meine

Existenz haben die Medien in Deutschland bereits auf diese Weise zu zerstören versucht. Anders als in den westlichen Medien dargestellt ist Deutschland nämlich kein freies Land. Deutschland ist fest in den westlichen Block, das westliche Weltbild, das westliche Kriegsbündnis und in die westliche Kriegspropaganda eingebunden, die sich zurzeit unter anderem gegen den Iran richtet.

 


Ich betrachte und beobachte das Phänomen Hollywood jedoch nicht aus ethnischer oder religiöser Perspektive, sondern eher phänomenologisch, also anhand dessen, was Hollywood tut und bewirkt. Nach dem alten Bibelmotto: »Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.«

 

Wobei man über Hollywood genauso wenig pauschal reden kann wie über »die Juden« oder irgend eine andere Gruppe – und ich distanziere mich auch von solchen pauschalen Sichtweisen. Die Völker, also »die Juden«, »die Christen«, »die Amerikaner« oder »die Deutschen« waren noch nie das Problem, sondern ihre offiziellen Führer, noch häufiger aber deren heimliche Hintermänner.

 


Die Hollywood-Propagandamaschine

Wenn ich von Hollywood spreche, dann meine ich das etablierte Hollywood der millionenschweren Großproduktionen, das die  internationale TV- und Kinolandschaft beherrscht – und damit die Köpfe von Milliarden von Menschen. Ich meine ausdrücklich nicht kleine und engagierte Studios oder unabhängige Produktionen, die sich dem Mainstream entgegenstemmen und andere Perspektiven betonen wollen. Dabei will ich nur ein Beispiel herausheben, nämlich die treffsichere Politsatire Wag the dog, produziert von Barry Levinson und Jane Rosenthal zusammen mit dem Hollywood-Star Robert De Niro.


Die Propagandamaschine, die ich hier kurz mit dem Wort »Hollywood« umschreibe, und ihre Gehirnwäsche sind

a) ein zentrales kulturelles Problem und

b) ein zentrales Sicherheitsproblem der Menschheit.


Erstens, weil Hollywood eine Kultur der Beschönigung, der Verschleierung und der Lüge verbreitet.

Zweitens, weil das etablierte Hollywood, von dem ich oben gesprochen habe, die Menschen zu kaputten, asozialen und menschenfeindlichen Anschauungen und Lebensstilen erzieht.

Drittens, weil Hollywood die Propaganda, die Weltanschauungen und die Ausgrenzung bereit stellt, die erforderlich sind, um andere Länder zu überfallen und Eroberungs- und Raubkriege zu rechtfertigen.

Viertens, weil Hollywood die Vorstellung eines kriegerischen US-Imperiums fördert, dem die ganze Welt gehorcht.


Hollywood – eine psychologische Klimakatastrophe

Kurz: Hollywood ist ein zentrales Problem der Menschheit, weil es die entscheidende Propagandawaffe skrupelloser Globalisten ist, die sich anmaßen, den Planeten und die Menschheit nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Und damit hat die Menschheit ein Riesenproblem, über das leider viel zu wenig geredet wird. Oder um es anders zu sagen: Unser Problem ist weniger eine meteorologische Klimakatastrophe, sondern eine  psychologische Klimakatastrophe, die ihren Ausgang in Hollywood hat. Niemand vergiftet das globale Klima derart wie Hollywood.


Als Beispiel will ich nur die Attentate des 11.9.2001 herausgreifen. Der 11.9.2001 hätte ohne Hollywood und seine Techniken nicht funktioniert.


Zunächst einmal erweckte das Geschehen den Eindruck, als würde es auf einem schlechten Drehbuch beruhen: »Osama bin Laden und die 19 Räuber« kommen aus ihren  afghanischen Höhlen und überfallen die ahnungslose Supermacht USA, die sich dann in heiligem Zorn gegen ihre Feinde wendet. Zufällig genau jene Feinde, die sie ohnehin schon lange auf ihrer Speisekarte stehen hatte. Die gesamte Dramaturgie des 11.9.2001 roch nach einem Hollywood-Drehbuch mit allen seinen billigen Dramaturgien, Scheinlogiken und Emotionen – und natürlich mit seinen Bildern und Knalleffekten. Das zentrale Bild des 11.9.2001, die beiden Airliner, die in die World Trade Center-Türme krachten, scheinen direkt den Gehirnen von professionellen Bildkünstlern entsprungen zu sein, die sich überlegt haben, wie sie alle anderen Hollywood-Spektakel noch übertreffen können, um die Menschheit aufzurütteln und vor den vermeintlichen Gefahren des Islam zu warnen.

 


Psychologische Massenvernichtungswaffen

Traurig und unentschuldbar ist freilich, dass damit reale Opfer verbunden waren. Auch echte Politik- und Geheimdienstprofis entdeckten in den Ereignissen des 11. September Ähnlichkeiten zu Hollywood-Inszenierungen. Horst Ehmke, Mitglied der Regierung von Bundeskanzler Willy Brandt, erinnerten die Fernsehbilder der Anschläge an eine »Hollywood-Produktion«. Unter Willy Brandt war Ehmke Geheimdienstkoordinator, also ein echter Insider. »Terroristen hätten eine solche Operation mit vier entführten Flugzeugen nicht ohne die Unterstützung eines Geheimdienstes ausführen können«, erklärte Ehmke nach dem 11. September.


Die künstlich wirkende Dramaturgie des 11.9.2001 zeigt die Gefährlichkeit dieser Techniken, die jener von psychologischen Massenvernichtungswaffen gleicht. Denn sofort danach enthüllte der damalige US-Präsident Bush seine globale Speisekarte und legte offen, dass darauf weltweit 60 Staaten stehen. Und wenn das nicht ein Weltkrieg ist – was dann?


Hollywoodtechniken haben aber nicht nur die Inszenierung des 11.9.2001 ermöglicht; Hollywood hat psychologisch auch den Boden für die Anschläge und insbesondere den anschließenden Feldzug gegen zahlreiche islamische Staaten vorbereitet. Allein Hollywood hat dafür gesorgt, dass die zentrale Botschaft des 11.9.2001 von den Amerikanern und der Welt verstanden wurde, nämlich dass der 11. September »ein neues Pearl Harbor« gewesen sei. Also die Wiederholung des Angriffs der Japaner auf die US-Marinebasis auf Hawaii am 7. Dezember 1941, der den USA den Eintritt in den Zweiten Weltkrieg ermöglichte – genauso, wie der 11. September den Eintritt in den Dritten Weltkrieg ermöglichen soll.

 


Hollywoods »neues Pearl Harbor«

Wie hat Hollywood das gemacht?

Ganz einfach: Hollywood hat ohne jeden anderen ersichtlichen Anlass rechtzeitig vor den Anschlägen des 11. September den 60 Jahre alten Mythos von Pearl Harbor wieder aufgewärmt und in das Bewusstsein der Menschen zurück befördert. Warum? Weil die Menschen sonst den Slogan »Der 11.9.2001 ist ein neues Pearl Harbor« nicht verstanden hätten. Das Bildungssystem der westlichen Staaten ist schließlich inzwischen so schlecht, dass nicht einmal zentrale Geschichtsdaten und Zusammenhänge im Bewusstsein verankert sind. Zur Auffrischung benötigt man deshalb Hollywood. Wie es der Zufall so wollte, lief im Frühsommer und Sommer 2001 also der Film Pearl Harbor in den Kinos an, der die Geschichtsversion vom ahnungslos überfallenen Amerika im Bewusstsein der Bürger auffrischte.


Schon die Premiere des Films wies auf seine eigentliche Bestimmung hin, nämlich die Kriegsführung zu ermöglichen. Sie fand nicht etwa in einem Hollywood-Kino statt, sondern auf einem US-Flugzeugträger. Inhaltlich, dramaturgisch und künstlerisch war der Film mindestens so bescheiden wie der 11. September 2001, aber ideal, um die Lektion vom »feigen Angriff auf Amerika« aufzufrischen, den Boden für die Attentate des 11. September und die anschließenden Kriege psychologisch vorzubereiten.

 


Atombomben sind etwas Gutes

Als es am 11. September soweit war, hatten Millionen Menschen sofort parat, was mit dem Stichwort »Pearl Harbor« gemeint war, worum es dabei ging und inwieweit dieses Ereignis den USA die Legitimation für den Eintritt in den Zweiten Weltkrieg verschafft hatte. Besser hätte das Timing gar nicht sein können.


Damit wurde impliziert, dass der 11. September 2001 den USA die Legitimation für den Eintritt in den Dritten Weltkrieg verschafft. Sieht man sich rückwirkend die US-Kinolandschaft vor dem 11. September 2001 an, drängt sich der Eindruck auf, diese Angriffe seien nicht nur schon jahrelang in Strategiepapieren, sondern auch in den Hollywood-Studios vorweggenommen worden.


In dem Film Armageddon, ebenfalls produziert von dem Pearl-Harbor-Produzenten Bruckheimer, rettet die NASA die Welt vor einem heranrasenden Asteroiden – ausgerechnet gemeinsam mit einem Ölbohrteam. Zusammen mit der NASA hecken die Ölbohrer einen Plan aus, wie im All ein Loch in den Gesteinsbrocken zu bohren sei und wie man diesen anschließend mit einer Atombombe sprengen könnte. Nicht nur die USA, die NASA und Ölbohrer sind etwas Gutes, lernen wir dabei, sondern auch Atombomben. Ölbohrer und Atombomben retten die Menschheit, lautet die Botschaft.

 


Hellsehen und Hollywood

Zuvor, im Jahr 1997, hatte sich Bruckheimer schon durch die Fernsehserie Soldier of Fortune hervorgetan. Der Titel ist indes keine Erfindung von Bruckheimer, sondern steht in den USA für eine militaristische Szene von Söldnern und Waffennarren, deren Fachblatt den Namen Soldier of Fortune trägt. Die gleichnamige Serie handelt von einer Sondereinheit aus  Helden, die für die US-Regierung weltweit die Kastanien aus dem Feuer holen. Im Film lautet der offizielle Name der Sondereinheit »Special Operations Force«, so dass auf diese Weise auch gleich Sympathien für die real existierenden »Special Operations Forces« der USA geschaffen werden.


Die Handlungen der TV-Serie Soldiers of Fortune stellen die geradezu unglaublichen seherischen Fähigkeiten ihrer Autoren unter Beweis. Schon Jahre vor dem 11.9.2001 und dem Irakkkrieg lautete der erste Auftrag für die Filmhelden, vier amerikanische Kriegsgefangene aus dem Irak zu befreien. Im April 2003 wurde dieses plumpe Hollywood-Drehbuch Realität, als ein Greifkommando der realen »Special Operations Forces« die 19 Jahre alte US-Soldatin Jessica Lynch aus irakischer Kriegsgefangenschaft befreite, in die sie am 23. März 2003 geraten war. Eine Heldentat, welche die US-Militärs angesichts schwindender Unterstützung für den Irakkrieg gut gebrauchen konnten. Die Heimkehr der Jessica Lynch wurde ganz groß über die Medien vermarktet, die Besetzung der Rolle war mit einer hübschen, schlanken Blondine optimal. Die USA badeten in Eigenlob und Heldenverehrung.

 


Was heißt in Amerika schon »Realität«?

Aber was heißt in Amerika schon »Realität«: Irakische Ärzte wunderten sich über die Saga von der gefährlichen Befreiung der Soldatin aus einem Krankenhaus. Es seien gar keine irakischen Kämpfer mehr da gewesen, die man hätte überwältigen müssen, sagten sie. Die US-Soldaten hätten sich nicht wie strahlende Retter, sondern eher wie Elefanten im Porzellanladen benommen. Statt irakischen Kriegern hätten sie Ärzten und Patienten des Krankenhauses, darunter eine gelähmte Patientin, Handschellen angelegt. Die einzigen, die Angst und Schrecken verbreitet hätten, seien die Amerikaner gewesen, hieß es. Jessica Lynch sei in dem Krankenhaus keineswegs bedroht gewesen, sondern dort behandelt worden.


Ein anderer Feind der USA ist in Soldiers of Fortune der Iran: »Mithilfe von Milliarden gefälschter Dollar versucht der Iran, den Weltwirtschaftskreislauf zu manipulieren. Hergestellt werden die Blüten in einer Geheimdruckerei des Landes, die Major Shepherd und seine Leute finden und zerstören sollen«, so eine Handlung.


Auch Nordkorea, ein weiterer Fixpunkt in George W. Bushs »Achse des Bösen«, fehlte in der Serie nicht: »Matt und Margo werden beauftragt, einen Repräsentanten der UNO zu beschützen. Als sie ihn jedoch auf seiner Reise nach Nordkorea begleiten, geraten sie prompt in einen Hinterhalt und werden entführt. Nordkoreanische Soldaten klagen sie der Spionage an und stellen sie vor Gericht. Gerade noch rechtzeitig erfahren die restlichen SOF-Teammitglieder von der Verhandlung und machen sich auf, die beiden zu befreien.«

 


Die Achse des Bösen – in Hollywood konstruiert?

So wurde die berühmte »Achse des Bösen« bereits viele Jahre vor der offiziellen Verkündung durch Präsident Bush in Hollywood-Filmen konstruiert. Wie man sieht, nahm Hollywood die amerikanische Geschichte nach dem 11. September 2001 vorweg und bereitete die Menschen psychologisch auf das vor, was danach kommen sollte: Die Kriege gegen Afghanistan, den Irak, aber auch den Iran. Bevor die US-Kampfjets für die Kriege im Irak und in Afghanistan abhoben, waren sie schon x-mal auf der Leinwand gestartet.


Dass das US-Militär mit Hollywood-Drehbuchautoren zusammenarbeitet, ist erwiesen. So berichtete die deutsche Internetseite Spiegel Online im Jahr 2001, dass die Macher von Actionfilmen wie Die Hard und MacGyver »offenbar die neuen Berater der amerikanischen Armee« seien: »Ein geheimes Treffen habe in der vergangenen Woche zwischen Militärvertretern und Filmemachern an der Universität von Südkalifornien stattgefunden«, zitierte Spiegel Online das Branchenblatt Variety. »Unter den ›Krisenberatern‹ befanden sich angeblich die Drehbuchautoren von Die Hard und MacGyver, Steven de Souza und David Engelbach, sowie Joseph Zito, Regisseur der Chuck-Norris-Filme Delta Force One und Missing in Action. In Delta Force One geht es um ein Flugzeug, das von palästinensischen Terroristen nach Beirut entführt wird.«

 


Von der Traumfabrik zur Albtraumfabrik

Ein derartiger Erfahrungsaustausch zwischen Armee- und Filmvertretern sei laut Variety nichts Ungewöhnliches: »Die Unterhaltungsindustrie könne durchaus als Ratgeber für das Militär dienen, beispielsweise beim Verständnis von Handlung und Charakteren oder der Erstellung eines ›Drehbuchs‹ – so Variety.« So habe die Armee im Jahr 1999 zusammen mit der University of Southern California das Institute for Creative Technologies (ICT) gegründet. Filmemacher, Videospielerfinder und Computerexperten entwickelten dort unter anderem virtuelle Simulationsprogramme für Militärübungen. Solche Simulationsprogramme sind vielseitig verwendbar. Man kann nicht nur mit ihnen üben, sondern ihre künstlichen Realitäten lassen sich via Fernsehen möglicherweise auch als Realität verkaufen. In Wirklichkeit tauschen sich Filmemacher, Regisseure und Militärs seit Jahrzehnten intensiv aus. Längst ist die Traumfabrik zur Albtraumfabrik geworden, die uns auf die nächsten Kriege des Pentagon vorbereiten soll. Vermutlich könnte man enorme prophetische Fähigkeiten hinsichtlich kommender Feldzüge der USA entwickeln, würde man die Hollywood-Produktionen nur richtig deuten.


Ein weiteres typisches Beispiel aus der Zeit vor dem 11. September: Der amerikanische Präsident eint die Welt im Kampf gegen das Böse, zum Beispiel in den Filmen Air Force One und Independence Day. Wer diese Filme bislang für harmlose Unterhaltung hielt, irrt sich. In Wirklichkeit sind sie nichts anderes als nackte Propaganda und transportieren die gefährliche Ideologie eines angeblich guten US-Präsidenten, der die Führung und Einigung der Welt übernimmt, also das, was nach dem 11. September in der »Koalition der Willigen« geschah. Das Böse sind im einen Fall »Terroristen« (Air Force One), im anderen Fall entmenschte »Aliens« (Independence Day), die verdächtig alten Teufelsdarstellungen ähneln. In der Realität wird dieses Böse dann natürlich durch reale Feinde wie den Irak oder den Iran ersetzt. In Hollywood-Filmen sind »Aliens« nur »Dummys« oder Stellvertreter für das Fremde und Ausgegrenzte, das man vernichten muss.

 


Ein rätselhafter Unterschied

Fünf Jahre vor dem 11.9.2001, im Jahr 1996, erregte Independence Day auch deshalb besonderes Aufsehen, weil erstmals symbolische Gebäude der USA zerstört wurden – unter anderem das Empire State Building in New York. Dabei sieht man genau die gleichen Rauch- und Staubwolken durch die Straßenschluchten wabern wie später am 11. September. Der 11. September ist teilweise ein Remake von Independence Day und anderen Heldenepen. Zum Beispiel tritt der Filmpräsident in Independence Day nach dem Angriff der Aliens genau denselben Irrflug in der Präsidentenmaschine Air Force One an wie George W. Bush am 11. September. Zum Beispiel entstieg auch George W. Bush einem Militärflugzeug, um 2003 seine Rede nach dem »Sieg« über den Irak zu halten – genauso wie einst der Filmpräsident in Independence Day.


Rätselhaft bleibt dagegen ein wichtiger Unterschied zwischen diesen beiden Inszenierungen. Denn es stellt sich die Frage, warum sich der Film Independence Day damals mit der Zerstörung eines zweitrangigen Symbols, des Empire State Building, zufriedengab und ausgerechnet die höchsten Gebäude New Yorks, die Türme des World Trade Center, aussparte. Merkwürdig, dass der Filmemacher Roland Emmerich, der sonst vor keinem Superlativ zurückschreckt, ausgerechnet diese spektakulären Gebäude in seinem Film links liegen ließ, denn damit hätte Independence Day mit Sicherheit noch mehr Aufsehen erregt. Warum wurde das World Trade Center nicht schon in Independence Day zerstört? Hat man es sich etwa für den 11.9.2001 aufbewahrt?

 


Der US-Präsident übernimmt das Kommando

Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Aliens (also »die Fremden«) besiegt werden, indem der amerikanische Präsident weltweit das Kommando übernimmt. Am Ende steigt er sogar selbst in das Cockpit eines Kampfjets, um »die Fremden« zu bekämpfen. Psychologisch entscheidend sind auch die folkloristischen Szenen aus aller Welt, in denen sich die Staaten der Erde dem Kampf des US-Präsidenten in einer Art Anti-Alien-Koalition anschließen und seinen Befehlen gehorchen. »Der Kontext der Katastrophen ist immer biblisch«, heißt es in einer Analyse der Filme Independence Day, Deep Impact und Armageddon, »ob es nun das vom Himmel fallende Feuer des Asteroiden ist, die dann zu erwartende Sintflut oder, wie in Independence Day, eine intergalaktische Heuschreckenplage. Und die Menschheit rückt schauernd unter einem Gedanken zusammen, der da ›Überleben‹ heißt. (…) Die Katastrophe kittet alle vorher problematischen Beziehungen. Sowohl die persönlichen als auch die nationalen. (…) In allen drei Filmen ereignet sich analog zu einer Hochzeit die Kooperation der führenden Industrienationen unter Federführung der Vereinigten Staaten.« In vielen Filmen »wird die Gemeinschaft immer als Differenz zu einem fremden anderen (außerirdische Invasoren, kasachische Terroristen, britische Okkupatoren), das diese Gemeinschaft bedroht, konstruiert. Es ist patriotische Pflicht, dieses Andere in seine Schranken zu verweisen«, meint der Filmexperte Timothy Simms.

 


Bei der Produktion von Air Force One mangelte es dem ehemaligen deutschen Starregisseur Wolfgang Petersen an nichts: Der erste Drehort war die Rickenbacher Air National Guard Base. »Die Filmemacher konnten«, vermerkt ein Filmlexikon, »auf die Mitarbeit aller vier Truppengattungen der US-Armee zählen, und das technische Wissen der Militärs garantierte der Produktion eine Authentizität, wie sie nur selten im Kino zu sehen ist.« Hilfreich sei auch »das offizielle O. K. aus dem Weißen Haus [gewesen], Petersen bei seiner Arbeit zu unterstützen … Neben einer ganzen Einheit von Hubschraubern, F-15-Jägern und Transportern standen an die 250 Mann bereit, das Equipment zu warten, zu bedienen und zu fliegen.«

 

 


Die Massenproduktion von Deutungen und Rechtfertigungen

Kurz: Hollywood ist für die Kriegsstrategen des Pentagon unverzichtbar. Niemand hat so viel Erfahrung bei der Massenproduktion von Deutungen, Rechtfertigungen sowie seichten menschlichen und moralischen Motiven wie die Filmindustrie. All das sind Rohstoffe, die man in einem Krieg mindestens ebenso dringend braucht wie Bomben und Cruise Missiles, denn ohne sie lässt sich ein räuberischer Feldzug kaum in ein moralisches Unternehmen zur »Befreiung« der Bevölkerung des überfallenen Landes umwandeln, wie das etwa beim Irak versucht wurde. Die US-Filmindustrie, da können wir ganz sicher sein, ist mit ihren für das jeweilige Ereignis maßgeschneiderten Dramen in der Lage, jeden, aber auch wirklich jeden Raubzug in einen Akt der Menschlichkeit umzudeuten. Und genau deshalb sollten wir aufhören, solche Filme mit Unterhaltung zu verwechseln. Denn am Ende werden möglicherweise wir das andere und das Fremde sein, das mit triefendem Pathos ausgemerzt wird. Erst auf der Leinwand, dann in der Realität.


Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

 

 


 

 

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