Saturday, 2. July 2016
16.06.2010
 
 

Ölkatastrophe schon vor über 100 Jahren vorhergesagt

Gerhard Wisnewski

Je mehr man sich mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beschäftigt, umso mehr Überraschungen erlebt man. Die neueste: Vor 107 Jahren schrieb der österreichische Dichter und Okkultist Gustav Meyrink eine Kurz-Novelle, in der er ein Attentat beschrieb, bei dem das mexikanische Öl ins Meer geleitet wird. Die Idee, mit einer solchen Katastrophe einen Anschlag auf den Globus auszuführen, spukt demnach schon seit über 100 Jahren herum. Und sie stammt mitten aus dem Schoß von Okkultisten, Freimaurern und Logenbrüdern.

»Eine fürchterliche Detonation erschreckte die Stadt. Sie dröhnte von weit her, vom Süden, und die Schiffer meinten, es müsse in der Nähe der großen Landzunge – ungefähr zwischen Tampiko und Vera-Cruz – der Ursprung der Erscheinung zu suchen sein. … Donner? – jetzt? – und bei heiterem Himmel! – Unmöglich. – Also wahrscheinlich ein Erdbeben.«

 

So steht es in Gustav Meyrinks Novelle Petroleum, Petroleum aus dem Jahr 1903 zu lesen, veröffentlicht in dem Sammelband Des Deutschen Spießers Wunderhorn.

 

Dr. Jessegrim und Dr. No

Doch es war kein Erdbeben. Meyrinks Novelle drehte sich vielmehr um eine Art frühen »Dr. No« (Mega-Schurke in James-Bond-Filmen) namens »Dr. Jessegrim«. Dieser habe im Drogenhandel mit Meskalin Millionen gescheffelt und schließlich den Plan gefasst, die unterirdischen Ölvorkommen Mexikos zunächst durch Sprengungen zu vereinen und schließlich zum Meer hin zu öffnen.

»Alles bekreuzigte sich« nach der Explosion, aber »Dr. Jessegrim beachtete all das gar nicht, er war in sein Studierzimmer getreten und summte etwas wie: ›Ade, mein Land Tirol.‹«. Womit in Wirklichkeit natürlich nicht Tirol, sondern die gesamte Erde gemeint war.

»Ganz Mexiko stand seiner Meinung nach auf Felsenhöhlen im Erdinnern, die zum großen Teil, wenigstens so weit sie mit Petroleum gefüllt waren, miteinander in Verbindung standen. Die vorhandenen Zwischenräume nach und nach wegzusprengen, war seine Lebensaufgabe geworden.«

Nach den letzten Sprengungen »floss das Petroleum, genau wie Dr. Jessegrim berechnet hatte, fleißig aus den unterirdischen Becken Mexikos ins Meer ab und bildete an der Oberfläche eine opalisierende Schicht, die sich immer weiter und weiter ausdehnte und, vom Golfstrom fortgetrieben, bald den ganzen Meerbusen zu bedecken schien. Die Gestade waren verödet, und die Bevölkerung zog sich ins Innere des Landes zurück.«

Statt den Täter festzunehmen, zog man ihn auch in Meyrinks Geschichte als Experten zu Rate – ein Phänomen, das auch bei modernen Attentaten zu beobachten ist: »Die Gelehrten meinten, dass eine präzise Erforschung der Ursachen dieser Erscheinung von hohem wissenschaftlichem Werte sei, und da Dr. Jessegrims Ruf im Lande – wenigstens als Praktiker und Kenner mexikanischer Petroleumlager – begründet war, stand man nicht an, auch seine Meinung einzuholen.«

Jessegrims Einschätzung:

»Wenn das Erdöl in dem Maße weiterströmt, wie bisher, so werden meiner Berechnung nach in 27 bis 29 Wochen sämtliche Ozeane der Erde davon bedeckt sein und ein Regen in Zukunft für immer ausbleiben, da kein Wasser mehr verdunsten kann – im besten Falle wird es dann nur Petroleum regnen.«

Diese »frivole Prophezeiung« habe eine stürmische Missbilligung wachgerufen, »gewann aber täglich an Wahrscheinlichkeit, und als die unsichtbaren Zuflüsse gar nicht versiegen wollten«. Als sie sich sogar »ganz außerordentlich zu vergrößern schienen, befiel ein panisches Entsetzen die gesamte Menschheit«.

»Erdölquellen nehmen stetig zu«, telegrafierte man aus Amerika nach Europa, »Situation äußerst gefährlich. Drahtet umgehend, ob Gestank bei euch auch so unerträglich.«

 

Gustav Meyrink

Ein Thriller mit Gruselqualitäten

Die Geschichte Petroleum, Petroleum von Gustav Meyrink ist ein prophetischer Thriller mit Gruselqualitäten. Was sicher ein Anlass ist, sich einmal mit Herrn Meyrink zu beschäftigen. Nicht, weil damit schon gesagt wäre, dass der Unfall der Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April 2010 ein Anschlag gewesen wäre. Sondern um die verblüffende Weitsicht dieses Herrn zumindest hinsichtlich der geologischen Tatsachen und der sich daraus ergebenden Konsequenzen für den ganzen Globus zu betrachten.

Mit der Entdeckung von Meyrinks Prophetie über die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat der Dichter wohl die besten Chancen, im Jahre 2010 posthum weltberühmt zu werden. Wobei es ihm auch zu Lebzeiten an Ruhm duchaus nicht mangelte. Am bekanntesten ist wohl Meyrinks Erzählung Der Golem (1915), eine der zahlreichen Aufbereitungen der Golem-Sage und -Tradition von einem durch Magie und Kabbalistik belebten künstlichen Menschen.

Meyrink, der zwischen 1889 und 1902 auch ein Bankhaus betrieb, hielt sich Zeit seines Lebens in der okkulten Welt von christlicher und jüdischer Mystik, Theosophie und Alchemie (mystische und okkulte Vorgängerin der modernen Chemie) auf. Zu den Grundmythen der Alchemie zählte die magisch-chemische Verwandlung von Profanem in Edles, zum Beispiel von Blei in Gold oder von anorganischem Material in lebende Materie, letztlich in einen künstlichen Menschen (Homunkulus).



Die geplante Apokalypse

Daneben wurde Meyrink »Mitglied mehrerer geheimer Gesellschaften, Orden und Bruderschaften (z.B. der Freimaurer und der Rosenkreuzer)«. So war Meyrink Mitglied verschiedener Logen, darunter des sehr einflußreichen okkulten Ordens Hermetic Order of the Golden Dawn (zu Deutsch etwa: Hermetischer Orden der Goldenen Morgendämmerung oder Zeitalters), ein magischer Orden im Großbritannien gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Zu den Mitgliedern zählte unter anderem der häufig als Satanist angesehene Okkultist, Kabbalist, Magier und Mystiker Aleister Crowley, ein Freimaurer des Alten angenommenen schottischen Ritus. In Anlehnung an die Offenbarung des Johannes nannte Crowley sich selbst »The Great Beast 666« (»Der große Satan 666«). Das heißt, Meyrink bewegte sich in Kreisen, die die Apokalypse verehrten, und das ist ja auch genau das, was er in Petroleum, Petroleum beschreibt: Eine Apokalypse. Und zwar eine geplante Apokalypse.

Wobei das rein assoziative und nicht unbedingt kausale Überlegungen sind.

Um 1900 herum bereiste der »Magier und Mystiker« Crowley, in Wirklichkeit ein drogenabhängiger Megalomaner, auch Mexiko. Nun verhielt es sich unter Magiern allerdings seit jeher so, dass sie in Ermangelung echter Zauberei schon immer kräftig nachhelfen mussten, weshalb der einzig wirkliche Hintergrund der Magie auch die Illusion ist – die Darstellung der Magie. Bisher war noch jeder Magier in Wirklichkeit ein Illusionist, der einen natürlichen Vorgang als Magie ausgibt. Oder eine Illusion als natürlichen Vorgang (siehe die Attentate des 11.9.2001). Und während die einen aus der Illusion eine ehrliche und kurzweilige Kunst entwickelten, beharrten die anderen darauf, ihre Illusionen als echte Magie oder natürliche Vorgänge auszugeben. In solchen Kreisen verkehrte wie gesagt auch Meyrink. Nicht nur im Hermetic Order of the Golden Dawn, sondern auch in der Loge Germania, der ersten Loge der Theosophischen Gesellschaft. Die Theosophische Gesellschaft wurde von der von vielen als Hochstaplerin angesehenen Helena Petrovna Blavatsky gegründet, die auch eine Zeitschrift namens Lucifer ins Leben rief.

Ja, Meyrink selbst habe feststellen müssen, dass zum Beispiel bei sogenannten »Séancen« zur Kontaktaufnahme mit Geistern aus dem Jenseits »bei nahezu allen solchen Sitzungen nur Tricks angewendet wurden, oder Selbsttäuschung im Spiel war«.

 

 

Helena Blavatsky

 

Bleibt festzuhalten, dass man schon damals in Meyrinks Kreisen offenbar von Ölreservoiren fantasierte, die sich ins Meer ergossen, und zwar in den Golf von Mexiko. Auch darüber, dass sich das Erdöl über den gesamten Globus verteilen würde, war man sich demnach im Klaren. Darüber hinaus wusste man schon damals, dass ein ins Meer ausströmendes Ölreservoir auf diese Weise zur Apokalypse werden und die ganze Erde vernichten kann. Des Weiteren stellte sich Meyrink vor, wie diese Umstände für ein Verbrechen genutzt werden könnten. Fünftens beginnt dieses Verbrechen mit einer Explosion. Sechstens steuert den Verursacher blinder Hass auf die Menschheit. Die »Erlösung« von »der lieben Menschen breitgestirnter Schar« (Meyrink) sah Meyrink/Jessegrim nur in einer »Gottesgeißel« – sprich der Ölkatastrophe.

Anders als andere utopische Erzählungen wie etwa 1984 von George Orwell oder Schöne Neue Welt von Aldous Huxley, die ihre Dystopien ohne offenen Anspruch auf eine Beziehung zur Realität in den Raum stellten, nannte Meyrink seine Geschichte ganz offen eine »Prophezeiung«. Und nicht nur das: Zu Beginn der Kurzgeschichte stellte Meyrink quasi notariell fest, dass er diese »Prophezeiung« bereits 1903 getätigt habe. Wörtlich heißt es da: »Um mir die Priorität dieser Prophezeihung zu sichern, stelle ich fest, dass folgende Novelle im Jahre 1903 geschrieben wurde. Gustav Meyrink.«

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Öl-Katastrophe: Doomsday hoch zwei

Gerhard Wisnewski

»Top Kill«: Lustiger Name. Wissen Sie noch? So nannte BP seinen Versuch vom 26. Mai 2010, das Bohrloch im Golf von Mexiko mit einer Schlammkanone zu verschließen. Inzwischen darf man sich fragen, wer oder was hier eigentlich »gekillt« werden sollte – wirklich der Ölstrom aus dem Bohrloch? Oder nicht vielleicht doch ein klitzekleiner Planet? Mit  mehr …

Die Ölkatastrophe »könnte noch Jahre andauern«, wenn es nicht gelingt, sie zu bekämpfen

F. William Engdahl

Die Regierung Obama und hohe BP-Vertreter arbeiten fieberhaft … nicht etwa daran, die schlimmste Ölpest der Geschichte zu bekämpfen, sondern daran, das wahre Ausmaß der Umweltkatastrophe zu verbergen. Hochrangige Forscher berichten uns, BP habe bei der Bohrung einen der Öl-Migrationskanäle getroffen, noch jahrelang könnte Öl austreten, wenn nicht  mehr …

Apokalypse Now: Die Wahrheit über die Bohrinsel-Katastrophe

Gerhard Wisnewski

Niedlich, das kleine Rohr am Meeresgrund, aus dem seit Wochen das Öl sprudelt – nicht wahr? Nur: Warum schaffen es die Ingenieure ums Verrecken nicht, das Ding zu schließen? Warum konnte man nicht einfach eine Glocke mit einer Leitung am oberen Ende draufsetzen und das Öl abpumpen? Ganz einfach: Weil die offene Leitung gar nicht das Problem ist.  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Europäische Union warnt jetzt vor Bürgerkrieg und der Rückkehr der Diktaturen in Europa

Udo Ulfkotte

Während deutsche Qualitätsmedien auf Wunsch des Kanzleramts die Lage weiterhin beschönigen, hat der EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso nun Klartext gesprochen: Bei einem Treffen mit Gewerkschaftsführern in Brüssel sprach er von einer »absehbaren Apokalypse« in Europa, einem Abgleiten in den Bürgerkrieg und der Ablösung demokratischer  mehr …

Apokalypse Now: Die Wahrheit über die Bohrinsel-Katastrophe

Gerhard Wisnewski

Niedlich, das kleine Rohr am Meeresgrund, aus dem seit Wochen das Öl sprudelt – nicht wahr? Nur: Warum schaffen es die Ingenieure ums Verrecken nicht, das Ding zu schließen? Warum konnte man nicht einfach eine Glocke mit einer Leitung am oberen Ende draufsetzen und das Öl abpumpen? Ganz einfach: Weil die offene Leitung gar nicht das Problem ist.  mehr …

Öl-Katastrophe: Doomsday hoch zwei

Gerhard Wisnewski

»Top Kill«: Lustiger Name. Wissen Sie noch? So nannte BP seinen Versuch vom 26. Mai 2010, das Bohrloch im Golf von Mexiko mit einer Schlammkanone zu verschließen. Inzwischen darf man sich fragen, wer oder was hier eigentlich »gekillt« werden sollte – wirklich der Ölstrom aus dem Bohrloch? Oder nicht vielleicht doch ein klitzekleiner Planet? Mit  mehr …

Gender Mainstreaming: Woher kommt eigentlich der Wahnsinn?

Wang Xin Long

Das Gender-Konzept ist ganz sicher nicht gottgegeben. Es ist eine Erfindung des Menschen. Aber welcher Mensch kann sich diese Doktrin ausgedacht haben, und welche Leute sind es, die hinter dieser Doktrin stehen? Irgendwoher muss der Wahnsinn doch kommen! Gehen wir heute gemeinsam auf die Suche nach dem Ursprung.  mehr …

Die Ölkatastrophe »könnte noch Jahre andauern«, wenn es nicht gelingt, sie zu bekämpfen

F. William Engdahl

Die Regierung Obama und hohe BP-Vertreter arbeiten fieberhaft … nicht etwa daran, die schlimmste Ölpest der Geschichte zu bekämpfen, sondern daran, das wahre Ausmaß der Umweltkatastrophe zu verbergen. Hochrangige Forscher berichten uns, BP habe bei der Bohrung einen der Öl-Migrationskanäle getroffen, noch jahrelang könnte Öl austreten, wenn nicht  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.