Tuesday, 24. May 2016
15.02.2012
 
 

YouTube-Nutzer haben den Kanal voll: Boykott-Wochenende gegen das neue Channeldesign am 18. und 19. Februar 2012

Gerhard Wisnewski

Im Internet braut sich was zusammen: Die Videoplattform YouTube wird kaputt saniert. Ab 7. März 2012 will der von Google eingesackte Video-Riese YouTube allen Nutzern ein neues einheitliches Kanaldesign mit womöglich stark eingeschränkten Kommunikationsoptionen verpassen. YouTube-Nutzer steigen dagegen auf die Barrikaden. Am 18. und 19. Februar 2012 wollen sie ihre Kanäle sperren beziehungsweise den Betrieb stark einschränken. Motto: »Wir sind YouTube

Eine pfiffige Idee, so ein YouTube-Kanal: In der Mitte ein großes Fenster mit dem aktuell vorgestellten Video des Nutzers, an der Seite die thematisch geordneten Playlists mit den

hochgeladenen oder verlinkten Videos. So konnte mit geringstem Aufwand jeder YouTube-Nutzer auf übersichtliche Weise einen eigenen »Fernsehsender« auf die Beine stellen. Mit zahlreichen Gestaltungsfunktionen und Layouts konnte man dem Ganzen überdies ein unverwechselbares Aussehen verleihen. Fertig war die kunterbunte Welt von YouTube – mal spannend, mal künstlerisch, mal schrill und schräg, aber nie langweilig.

 

Doch ab März 2012 soll damit Schluss sein. YouTube will alle Kanäle auf »ein optimiertes und einheitlicheres Design« umstellen. Aber ein »einheitliches Design« ist genau das, was YouTube-Nutzer nicht wollen. Häufig sind ihre Kanäle kreative kleine Kunstwerke aus Farben, Typografien und Hintergrundbildern.

 

 

Design »komplett gekillt«

 

Grau, eiskalt und »unpersönlich wie ein Chemtrail-Himmel«, findet dagegen Channel-Betreiberin Jasinna das neue YouTube-Outfit. »Ich friere schon, wenn ich mir das nur ansehe«, klagt die Nutzerin, die selbst einen äußerst spannenden und bunten Kanal unterhält, in einem Video vom 5. Februar 2012.

»Freundeslisten wurden ja schon flächendeckend abgeschafft«, sagt Jasinna, aber auch die kleinen farbigen Erkennungsbildchen (»Icons«) der Abonnenten, die vielen Kanälen ein buntes Aussehen gaben, sollen demnach nicht mehr im Kanal angezeigt werden, ebenso wenig wie die eigenen Abos – »was beides zur Konsequenz hat, dass es wesentlich schwieriger sein dürfte, mal eben einen neuen interessanten Kanal zu entdecken«. Ebenso gestrichen werde »jede persönliche Message-Möglichkeit an andere«. Weder könne man noch interessante Links posten oder ein persönliches Statement, noch die beliebten Kanalkommentare, die Nutzer einem Kanalbetreiber quasi »ins Stammbuch schreiben können«. »Es wird also jede Möglichkeit der Message-Weitergabe auf dem Kanal an andere absolut unmöglich gemacht. Ich denke, dass exakt das auch gewollt ist, denn ansonsten gibt es keine Erklärung, weshalb man ein eigentlich gutes Design komplett killt.«

 

 

Elektronische Scheuklappen

 

Überdies nerve YouTube, das ja Google gehört, bei jedem Einloggen mit seinen neuen Datenschutzbestimmungen: »Wenn Sie in Google angemeldet sind, können wir Ihnen anhand der Interessen, die Sie in Google+, Google Mail und YouTube zum Ausdruck gebracht haben, Vorschläge für Suchanfragen anzeigen und Ihre Suchergebnisse personalisieren«, heißt es da zum Beispiel. Was man ja wohl kaum anders deuten kann als so, dass Google sämtliche Mails und YouTube-Äußerungen mitliest. »Das bedeutet faktisch, dass Google sämtliche Interessen einer Person, zum Beispiel politische Interessen oder ›Einkaufsverhalten‹ bei Online-Bestellungen sowie sonstige Vorlieben und Abneigungen speichert und ein Profil erstellt«, so Jasinna. Zwar sei das möglicherweise schon länger geschehen, aber jetzt wolle Google alias YouTube, dass man dem auch noch zustimme.

 

Unglaublich – aber noch nicht das ganze Problem. Denn wenn irgendein Internet-Riese  Suchergebnisse »personalisiert«, dann heißt das, dass andere Suchergebnisse unter den Tisch fallen, der Nutzer also praktisch elektronische Scheuklappen bekommt. Fortan könnte man quasi im eigenen »geistigen Saft« schwimmen und keine Anregungen mehr erhalten, mit denen man nicht gerechnet hat.

 

 

YouTube wird kaputt saniert

 

Tatsächlich ist die Umstellung unverständlich. Mit seinem abwechslungsreichen Channel-Design und den verschiedenen Kommunikationswerkzeugen wie Abos, Freunde, Bulletins, E-Mails und anderen schien YouTube den Stein der Weisen der Graswurzel-Videokommunikation gefunden zu haben. Besser und bunter ging es eigentlich nicht. Auf das, was jetzt kommt, passt eigentlich nur der schöne deutsche Ausdruck »Verschlimmbesserung«. Kurz: Youtube wird kaputt saniert. »Neues Kanaldesign? Nein, danke!«, meinen denn auch andere  Nutzer wie zum Beispiel Jens Walko (Kanal: »walkoART«). Für ihn ist die Umstellung »der Tod der alten Kanäle«, aber: »Wir wollen unsere schönen alten Kanäle nicht beerdigen!«  Mit eigenen Videos protestieren YouTube-Benutzer nun massenhaft auf der Plattform des Video-Riesen gegen die geplante Gängelung und Beschneidung: »YouTube schafft sich ab«, meint Jasinna in ihrem eigens produzierten Zwölf-Minuten-Video:

 

 

 

Für Jasinna ist das alles zusammengenommen ein Trennungsgrund: »YouTube will uns ganz offensichtlich nicht mehr«. Die Nutzerin hat ihre Zelte deshalb vorsichtshalber schon mal bei  ZippCAST aufgeschlagen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist ihrem bunten YouTube-Kanal sehr ähnlich. Auch bei YouTube gesperrte Videos liefen bei ZippCAST problemlos. Allerdings sei die Seite noch sehr langsam, weil die Server überlastet seien – schon alles »Zügler« von YouTube? »Viele User, denen es hier auf YouTube zu ›grau‹ wird (Zwangsdesignumstellung, mehr und mehr Zensur und so weiter), wechseln dieser Tage auf die Videoplattform zippcast.com« schrieb mir der Betreiber von Chemtrailwatch Germany. »Es gibt zwar noch einige ›Kinderkrankheiten‹ dort, aber mit der Zeit wird sich das hoffentlich bessern.«

 

 

»Boycott YouTube

 

Für den 18./19. Februar hat die Netzgemeinde ein Protestwochenende auf YouTube anberaumt:

 

  • Nutzer sollen sich nicht einloggen und
  • alle Videos auf »privat« stellen.

 

Eine einfache Möglichkeit besteht auch darin, den ganzen Kanal unsichtbar zu machen (unter »Mein Kanal – Einstellungen«). Nutzer erhalten dann folgende Meldung:

 

 

Oder man kann sämtliche Videos deaktivieren (unter »Mein Kanal – Videos und Playlists«: »Welche Inhalte möchtest du einblenden?«). In das Hauptfenster kann man dann ein  »Pausenvideo« wie das hier stellen:

 

 

 

Man kann auch eine eigene Playlist für Protestvideos anlegen und am kommenden Wochenende vorübergehend nur noch diese anzeigen. Nutzer wie Jens Walko wollen ihren Kanal sogar jeden Sonntag dicht machen.

 

»YouTube bemächtigt sich unserer Homepages und hört nicht auf die Klagen der Nutzer«, meint ein anderer YouTuber und schlägt die Nutzung des Firefox-Browsers mit Werbeblocker vor. Er selbst habe dadurch schon seit zwei Jahren keine Werbung mehr auf YouTube gesehen. »YouTube hört nicht auf unsere Einwände, warum sollten wir uns dann seine Werbung anschauen und ihm beim Geld machen helfen?«.

 

Wobei ein rechtlicher Aspekt noch gar nicht berücksichtigt wurde: Nach Lage der Dinge ist ein YouTube-Kanal ein eigenes Kunstwerk. Diese Hunderttausende von Kunstwerken einfach zu zerstören, ist möglicherweise rechtswidrig. Inwieweit YouTube das überhaupt darf, ist eine ungeklärte Frage. Denn schließlich könnten die Kanalinhaber ein unveräußerliches Urheberrecht an diesen Werken innehaben – Nutzungsbedingungen »hin oder her«.

 

 

»Hasta la vista, YouTube

 

Allerdings sieht es so aus, als sei der Protest bei YouTube nicht ungehört geblieben. Wie sagten schon die alten Griechen: Panta rhei – alles fließt. Der ursprünglich geplante Umstellungstermin wurde vom 1. auf den 7. März 2012 verschoben, »um das Design noch User-freundlicher nachzuarbeiten.« Tatsächlich scheint YouTube alte Gestaltungsmöglichkeiten Schritt für Schritt wieder einzuräumen. Auch die »Möglichkeit, persönliche Nachrichten zu posten«, habe YouTube inzwischen wieder aktiviert, so ein Nutzer. Was erstens beweist, dass bei YouTube für eine so weitreichende Umstellung noch im letzten Moment erstaunlich viel improvisiert wird. Zweitens ist das nur Kosmetik an einem nicht zu rettenden Gesicht. Drittens: warum stellt man das Design aufwändig um, wenn man schließlich Schritt für Schritt wieder beim alten ankommt? Eine salomonische Lösung schlägt indessen ein Video mit dem allseits bekannten beziehungsweise unbekannten »Anonymous«-Konterfei vor: »Manche mögen das neue Design, manche nicht. Ich meine, man sollte die Wahl haben. Wer das neue Design möchte, soll es haben, viele – wie ich – mögen es nicht. … Für mich ist es eine Frage der Kreativität. Das neue Format wird dafür der Todeskuss sein. Hoffen wir, dass YouTube die vielen Stimmen hört.« – »YouTube hat einfach vergessen, wer ihm zu seinem Monopol verholfen hat«, meint Jasinna. Sollte der YouTube-Boykott nichts bringen, heißt es für sie und Tausende anderer Nutzer: »Hasta la vista, YouTube!

 

 


 

 

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