Thursday, 17. May 2012
28.02.2009
 

Unheimliche Parallelen: Kultregisseur und Satansmörder

Guido Grandt

Mitte Februar 2009 wurde bekannt, dass der berühmte Regisseur (»Tanz der Vampire«, »Rosemarys Baby«, »China Town«, »Die neun Pforten«) und Oscar-Preisträger (»Der Pianist«) Roman Polanski – dessen Ehefrau, US-Schauspielerin Sharon Tate, 1969 durch die berüchtigtete »Satans-Family« des Charles Manson ermordet wurde – eine Festnahme wegen sexuellen Kindesmissbrauchs in Amerika riskiert! Polanski dreht momentan im Studio Babelsberg in Potsdam seinen neuen Film »Ghost« mit Pierce Brosnan, Ewan McGregor und Kim Cattrall in den Hauptrollen. Die Hintergründe für seine Verurteilung werden in den deutschen Medien nur angerissen. Zeit also, diese näher zu betrachten.

Im März 1977 lockte der damals 43 Jahre alte polnische Regisseur unter dem Vorwand, ein paar Fotos für die französische Ausgabe von Vogue zu machen, die 13-jährige Samantha Gailey (spätere Geimer) in das Haus der Schauspielers Jack Nicholson, der nicht in Los Angeles weilte. Wie Samantha später aussagte, hätte Polanski ihr eine Tablette des starken Tranquilizers Quaalude sowie Champagner gegeben, Oben-ohne-Fotos gemacht, im Whirl-Pool vergewaltigt und dann gezwungen, verschiedene sexuelle Akte mit ihr auszuführen.

 

 

Polanskis Strafregister: Drogen, Sodomie, Kindesmissbrauch

Neben dem Kindesmissbrauch und der Abgabe von gefährlichen Drogen an eine Minderjährige sprach die Polizei zusätzlich noch von Sodomie. Polanski meinte später, dass Samantha eine »Lolita« gewesen sei, »die alles über Drogen und Sex gewusst habe«. In der darauffolgenden Nacht wurde er in einem Hotel verhaftet, kam jedoch gegen eine Kaution von 2.500 Dollar (!) bis zur Anklageerhebung wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen, Vergewaltigung unter Zuhilfenahme von Drogen, Oralsex und Sodomie, Begehens unzüchtiger Handlungen an einer Person unter 14 Jahren und Verabreichens von Drogen an Minderjährigen, wieder frei. Ihm drohen bis zu 50 Jahre Gefängnis! Polanski selbst wurde als 16-Jähriger von einem Mann in einen Keller gelockt, vergewaltigt und fast von ihm getötet. Er müsste also wissen, wie sich ein Opfer fühlt!

 

 

Parallelen zu Manson?

Zudem ist es eine Grausamkeit des Schicksals, dass gerade jener Mann, dessen schwangere Frau Sharon Tate erst acht Jahre zuvor von Charles Mansons Satans-Clique bestialisch ermordet worden war, nun selbst ein abscheuliches Verbrechen begangen hat: die Vergewaltigung einer Minderjährigen, die er auch noch unter Drogen setzte!

Assoziationen kommen dabei auf. Die im Manson-Prozess als Kronzeugin aussagende Linda Kassabian berichtete von einem »sexualmagischen Initiationsritual«, in dem Charles Manson eine halbnackte 15-Jährige in die Mitte der Versammlung stellte und diese vergewaltigt wurde, als sie sich wehrte. »Die ganze Szene war von einer Perversion, wie ich es nie zuvor erlebt habe.« (Linda Kassabian)

 

 

Polanskis Flucht aus den USA

90 Tage lang untersuchten Psychiater Polanski. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass er »nachhaltig« durch den brutalen Mord an seiner Ehefrau Sharon Tate beeinflusst worden sei. Angesichts von 50 Jahren Haft bekannte sich der Regisseur dann in einem Anklagepunkt der Vergewaltigung für schuldig. Dafür wurden die anderen fünf niedergeschlagen. Doch kurz vor seiner Verurteilung ließ er die Kaution verfallen und floh im Februar 1978 aus den USA nach Paris. Polanski, französischer Staatsbürger, sagte der Britisch Broadcasting Corp.: »Ich bin für diese Sache ein Jahr lang gequält worden und das reicht.« Doch der Oscar-Preisträger müsste eigentlich wissen, dass die Vergewaltigung einer Minderjährigen, die auch noch unter Drogen gesetzt wurde, keine »Sache«, sondern – und das nicht nur in den USA – ein »Schwerverbrechen« ist! Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles bemühte sich vergeblich um eine Auslieferung des geflüchteten Kinderschänders aus Frankreich. Der Richter stellte einen Haftbefehl für ihn aus. Die in Abwesenheit erfolgte Verurteilung wurde jedoch verschoben, nachdem Polanskis Anwalt dem zuständigen Richter Befangenheit vorwarf und seine Enthebung verlangte. 1988 reichte Samantha Gmeiner Zivilklage wegen tätlichen Angriffs, Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Verführung beim Los Angeles Superior Court ein und verlangte Schmerzensgeld für physisches und emotionales Leid. Ein Berufungsgericht entschied zwei Jahre später, dass sich der »Flüchtling« Polanski in einem Zivilprozess durch einen Anwalt verteidigen lassen konnte. Doch im März 1997 meldete die New Yorker Daily News, dass Samantha Gmeiner, nun Hausfrau und Mutter von drei Söhnen auf Hawaii, Polanski vergeben hätte.

 

 

Filmpreise – trotz Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs

2002 verfilmte Polanski die Autobiographie des polnischen Pianisten und Komponisten Waldyslaw Szpilman und bekam dafür die Goldene Palme in Cannes. 2003 erhielt er den Oscar für die beste Regie, den er aber aufgrund des Haftbefehls in den USA nicht entgegennehmen konnte. 2008 strengten Polanskis Anwälte ein Revisionsurteil an, doch das Berufungsgericht verlegte die Zuständigkeit nicht, wie gefordert, außerhalb von Los Angeles. Er soll nun persönlich erscheinen. Und dabei droht ihm eine Verhaftung. Die Weltöffentlichkeit darf gespannt sein, wie es weitergeht. Auf jeden Fall sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei Roman Polanski nicht nur um einen Kultregisseur handelt, dessen neuer Film in Deutschland gedreht wird, sondern auch um einen in den USA verurteilten Kinderschänder.

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