Israelischer Spionage-Coup oder gezielte Desinformation? Der Sohn des »Hamas«-Gründers soll für den Judenstaat spioniert haben
Udo Ulfkotte
Eine der wichtigsten Grundregeln aller Geheimdienste lautet, Quellen niemals zu verraten. Wenn ein Geheimdienst seine Quellen öffentlich benennt, dann sollte man vorsichtig mit den so gestreuten »Informationen« sein. Genau das hat Israel nämlich jetzt getan: Der Sohn eines Mitbegründers der radikalen islamistischen Palästinenserorganisation »Hamas« hat nach israelischen Angaben mehrere Jahre angeblich als Agent für den israelischen Inlandsgeheimdienst »Schin Bet« gearbeitet – Deckname »Grüner Prinz«.
Ist das alles glaubwürdig, oder will Israel Unruhe unter ranghohen Palästinensern stiften? Die weltweit gestreuten Informationen lauten: Der 32 Jahre alte Mussab Hassan Jussuf ist der Sohn von Scheich Hassan Jussuf, einem Mitbegründer der radikalen Palästinensergruppe Hamas, die den Staat Israel nach eigenen Angaben von der Landkarte auslöschen möchte. Das sind Tatsachen. Soweit stimmen die nachprüfbaren Hinweise.
Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtet nun, Mussab Hassan Jussuf habe über viele Jahre insgeheim unter dem Decknamen »Grüner Prinz« für die Israelis gearbeitet. Der Sohn des Hamas-Gründers sei im Jahre 1996 während seiner Haft in Israel vom Inlandsgeheimdienst angeworben worden. Vor einem Jahrzehnt sei der frühere Muslim zum Christentum konvertiert. Nach seiner Flucht aus dem Westjordanland im Jahr 2007 lebe Jussuf heute angeblich im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Mussab Hassan Jussuf habe einen großen Beitrag dazu geleistet, viele Selbstmordanschläge zu verhindern, berichtet Haaretz. Er habe zudem den Aufenthaltsort ranghoher Führer radikaler Palästinensergruppen verraten. Nach diesen Informationen soll auch die Verhaftung des bekannten Fatah-Führers Marwan al-Barghuti 2002 in Ramallah auf einen entsprechenden Hinweis zurückgehen. Mussab Hassan Jussuf sei in der Vergangenheit eine der wichtigsten israelischen Quellen in Hinblick auf radikale Palästinenser gewesen.
Die Veröffentlichung in der Zeitung Haaretz kann nicht ohne Billigung des israelischen Militärzensors erfolgt sein – es ist klar, dass die »Information« gezielt gestreut wurde. Es ist keine »Enthüllung«, sondern ein Bericht, der alle Alarmglocken angehen lassen müsste. Wer nämlich einen israelischen Agenten enttarnt, der begeht in Israel Hochverrat. Könnte es sein, dass es sich hier um eine Desinformation handelt, zumal das Bild des angeblichen »Verräters« auch noch gleich mit veröffentlicht wurde? Ein Geheimdienst würde das – ohne bestimmte Interessen zu verfolgen – so nie tun. Die ganze Veröffentlichung stinkt zum Himmel. Doch sie wird ihr mögliches Ziel ganz sicher erreichen: Unruhe unter den Palästinensern verbreiten.
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