Friday, 27. May 2016
19.09.2015
 
 

Geheime Dokumente belegen: Westliche Regierungen planen Verleumdungskampagnen

J. D. Heyes

Der bekannte investigative Journalist Glenn Greenwald, der eng mit dem früheren NSA-Vertragsmitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden zusammenarbeitet, veröffentlicht immer wieder schockierende Enthüllungsartikel über die Machenschaften amerikanischer und westlicher Geheimdienste.

 

Mit seinen jüngsten Veröffentlichungen lässt er nun eine Bombe platzen, die die Ansichten und die Einstellung der Menschen zur Regierung und zum Internet grundsätzlich verändern könnte. Auf der von ihm mitbegründeten Internet-Enthüllungsseite The Intercept erklärte er, aus den Archiven der Dokumente, die Snowden bei seinem Weggang von der National Security Agency (NSA) mitnahm, verdiene besonders eine Story besondere Beachtung.

 

Darin gehe es um die Frage, »wie die westlichen Geheimdienste versuchen, Diskussionen im Internet mit extremen Mitteln wie Täuschung und Zerstörung des Ansehens zu manipulieren und zu kontrollieren«.

 

Seit langer Zeit, so Greenwald weiter, habe er zusammen mit dem amerikanischen Fernsehsender NBC News an einer ganzen Reihe von Sendungen über die »schmutzigen Tricks« des britischen Gegenstücks zur NSA, des britischen Geheimdienstes Government Communications Headquarters (GCHQ) und dessen Abteilung Joint Threat Research Intelligence Group (JTRIG, deutsch etwa: Gemeinsame Geheimdienstabteilung zur Bedrohungsanalyse) gearbeitet.

 

»Verdeckte Internet-Operationen«

 

Die Berichte gründen sich auf vier als geheim eingestufte GCHQ-Dokumente, die nur innerhalb der NSA und den anderen Diensten der sogenannten »Five Eyes« (eine Geheimdienst-Koalition aus den USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland) verbreitet wurden. Im Zentrum des jüngsten Artikels von Greenwald zu diesem Thema steht ein weiteres Dokument mit dem Titel »Die Kunst der Täuschung: Ausbildung für verdeckte Internet-Operationen«.

 

In früheren Artikeln hatten Greenwald und NBC jeweils einen besonderen Aspekt hervorgehoben: z.B. die nachrichtendienstliche Überwachung von YouTube und Blogger, gezielte Angriffe gegen die Hackergruppe Anonymous mit den gleichen Methoden (etwa sogenannte »Distributed Denial of Service«-Angriffe, DDoS), die die Regierung sonst immer den »Hacktivisten« vorwirft, den Einsatz so genannter »Honigfallen«, bei denen Personen in sexuell verfängliche Situationen gebracht werden, sowie zerstörerische Computerviren. In seinem jüngsten Artikel wolle er, so Greenwald weiter,

»auf den übergeordneten Aspekt zu sprechen kommen, den alle Dokumente gleichermaßen enthüllen: Diese Geheimdienste versuchen, Internetdiskussionen zu kontrollieren, zu infiltrieren, zu manipulieren und zu verzerren, um auf diese Weise die Integrität des Internets selbst infrage zu stellen…

Zu den zentralen, von JTRIG selbst beschriebenen Zielen gehören zwei Vorgehensweisen: (1) die Verbreitung aller erdenklichen Arten von Falschinformationen im Internet, um so das Ansehen der Zielpersonen zu ruinieren, und (2) der Einsatz ursprünglich sozialwissenschaftlicher und anderer Methoden, um Internet-Diskussionen und Aktivitäten zu manipulieren, die der Dienst für wünschenswert hält.«

»Diskreditieren von Zielpersonen und auch Unternehmen mit Operationen unter falscher Flagge«

 

Um diese Ziele zu erreichen, setzen die Dienste (wie aus den von Snowden enthüllten Power-Point-Präsentationen hervorgeht) zahlreiche Methoden ein: »Operationen unter falscher Flagge«, die darauf abzielen, »ein Ziel zu diskreditieren« (in einem solchen Fall würde etwa Material ins Internet gestellt, das einem Ziel oder einer Zielperson untergeschoben werden soll); gefälschte Blog-Einträge (in denen man bspw. vorgibt, Opfer eines Ziels oder einer Zielperson zu sein, um so Falschinformationen zu verbreiten) sowie das Posten »negativer Informationen« im Internet, wo immer es zweckdienlich erscheint.

 

In einer Folie mit der Überschrift »Diskreditieren einer Zielperson« werden die Geheimdienstmitarbeiter angespornt:

  • »Honigfallen« zu arrangieren,

  • die Fotos von Zielpersonen in sozialen Netzen zu ändern,

  • einen »Opfer«-Blog zu schreiben und

  • E-Mails oder andere Textnachrichten an Kollegen, Nachbarn, Freunde usw. der Zielperson zu versenden.

Und an einer anderen Stelle heißt es: »Um ein Unternehmen zu diskreditieren, könnte man Unternehmen oder Medien über Internetblogs vertrauliche Informationen zuspielen, … negative Informationen in dafür geeigneten Foren verbreiten oder die geschäftlichen Beziehungen zwischen Unternehmen schädigen und/oder Geschäfte verhindern.«

 

»Unabhängig davon, wie man zu Anonymous, ›Hacktivisten‹ oder gewöhnlichen Kriminellen steht«, schreibt Greenwald, »kann man unschwer erkennen, wie gefährlich es ist, wenn eine geheime Regierungsbehörde in der Lage ist, jede beliebige Person mit diesen internetbasierten, verdeckten und auf Täuschung beruhenden Methoden der Diskreditierung und der Belästigung ins Visier zu nehmen – Menschen denen niemals eine Straftat vorgeworfen wurde oder die noch nie wegen einer Straftat verurteilt wurden.«

 

Er betont, die Überwachungsbehörden hätten sich selbst die Macht verliehen, möglicherweise unter Anleitung politischer Interessen, bewusst das Ansehen von Personen zerstören und ihre Internetaktivitäten stoppen zu können, ohne dass diesen eine Straftat vorgeworfen wurde oder ihre Aktivitäten in einer nachvollziehbaren Verbindung zu Terrorismus oder sogar einer Bedrohung der nationalen Sicherheit stünden.

 

Die Regierung Obama trägt in dieser Hinsicht eine Mitschuld. Greenwald weist darauf hin, dass der Harvard-Rechtsprofessor Cass Sunstein, ein Berater Obamas und früherer Leiter des Office of Information and Regulatory Affairs des Weißen Hauses, 2008 ein höchst umstrittenes Papier verfasste. Dort schlug er vor, die Regierung solle regierungskritische Gruppen und Internetseiten »erkenntnisbezogen infiltrieren«. Und tatsächlich setzte Obama die Bundessteuerbehörde IRS dazu ein, Tea-Party-Organisationen einzudämmen und zu verunglimpfen.

 

Viele Amerikaner – aber auch Bürger anderer westlicher Länder – hängen der Illusion an, dass ihre Regierung immer auf der Grundlage der Verfassung und aus ehrenwerten Motiven heraus handele und nur das Beste wolle. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass die eigene Regierung ihre Bürger ausforscht oder sogar gegen sie vorgehen will, nur weil diese Personen mit den erklärten Zielen und der Politik der Regierung oder des Parlaments nicht übereinstimmen.

 

Aber die vorgelegten Dokumente beweisen eindeutig, dass genau das der Fall ist.

 

 

 

 

.

Leser-Kommentare (14) zu diesem Artikel

26.09.2015 | 22:51

Zauberrabe

Was man auch wissen sollte: NSU LEAKS: Wer steckt tatsächlich hinter der Döner-Mordserie? https://www.youtube.com/watch?v=i1ixMxb_OsI


22.09.2015 | 11:34

EricRalph

Manipulationen, die früher mit wenigen Ausnahmen problemlos und verdeckt zum Profit weniger und zum Nachteil der breiten Bevölkerungsmehrheit durchgeführt werden konnten (Lügen, False Flag-Operationen, Bestechung, Morde etc.), sind in Zeiten der zunehmenden Transparenz durch das Internet riskanter geworden. Deshalb verlagert sich die Manipulation von der geheimen, verschwiegenen Ebene im engsten Kreis, auf eine auf gigantische Geldmittel und komplexe Technologien beruhende...

Manipulationen, die früher mit wenigen Ausnahmen problemlos und verdeckt zum Profit weniger und zum Nachteil der breiten Bevölkerungsmehrheit durchgeführt werden konnten (Lügen, False Flag-Operationen, Bestechung, Morde etc.), sind in Zeiten der zunehmenden Transparenz durch das Internet riskanter geworden. Deshalb verlagert sich die Manipulation von der geheimen, verschwiegenen Ebene im engsten Kreis, auf eine auf gigantische Geldmittel und komplexe Technologien beruhende Materialschlacht der Geheimdienste. Die Waffe der wenigen, privilegierten beruht schon längere Zeit auf dem Vorsprung an Komplexität (siehe Subprimekrise). Der Filmbeitrag `Thrive` von Foster Gamble auf Youtube legt hier ein beredtes Zeugnis ab.


21.09.2015 | 17:52

Res

Und wie wird das erst bei russischen und chinesischen Geheimdiensten aussehen?


21.09.2015 | 14:11

Nationalliberaler

Den Erfindern des größten antideutsch-internationalistisch angelegten,stramm dyskalkulatorischen Ammenmärchens aller Zeiten ist konkludenterweise alles zuzutrauen.Bishin zum atomaren Erstschlag. Schutz allein bietet ein Europa der Vaterländer mit kleinen Bündnissen nach militärisch-sozioökonomischen Kriterien und einer nationalliberal ausgelegten und republikanisch legitimierten Achse D-F.


21.09.2015 | 12:48

Elisa

"Diese Geheimdienste versuchen, Internetdiskussionen zu kontrollieren, zu infiltrieren, zu manipulieren und zu verzerren, um auf diese Weise die Integrität des Internets selbst infrage zu stellen…"Das wissen die Internet-Benutzer, insbesondere diejenigen, die sich über die alternativen Medien informieren. Keine Information ist 100% wahr, sondern muss immer ins Verhältnis zu anderen Informationen gesetzt werden. Und dabei kommt man schnell zu oft völlig abstrusen...

"Diese Geheimdienste versuchen, Internetdiskussionen zu kontrollieren, zu infiltrieren, zu manipulieren und zu verzerren, um auf diese Weise die Integrität des Internets selbst infrage zu stellen…"

Das wissen die Internet-Benutzer, insbesondere diejenigen, die sich über die alternativen Medien informieren. Keine Information ist 100% wahr, sondern muss immer ins Verhältnis zu anderen Informationen gesetzt werden. Und dabei kommt man schnell zu oft völlig abstrusen Widersprüchen. Tja, die trickreichen Manipulatoren tricksen sich durch ihre vielen Falschmeldungen selbst aus. Und die Leser merken sehr bald, was plausibel tönt und was nicht. Mit dem Internet haben sich die Falsch-Spieler selbst ausgetrickst. Wer andern eine Grube gräbt .....


20.09.2015 | 17:28

Berliner

Im Endeffekt bedeutet das: Abschaffung aller "Überflüssiger Elektronik" im Haushalt. Es geht alles bis auf.: Waschmaschine Kühlschrank Rasierer Wasserkocher Licht Radio

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Ukraine: Reporterin der Deutschen Welle provoziert Feuergefecht für die Kamera

Peter Harth

So wird bei der Deutschen Welle Propaganda gegen Moskau gemacht: Die Kriegsreporterin Kitty Logan war für den öffentlich-rechtlichen Auslandsfunk im Osten der Ukraine unterwegs. Sie wollte dort pro-russische Separatisten filmen, die den Waffenstillstand brechen – fand aber nur streunende Haustiere. Ein Separatisten-Kommandant bot der frustrierten  mehr …

Gelenkte Öffentlichkeit: ARD stellt Asylkritiker »an den Pranger«

Peter Harth

Zum ersten Mal debattieren die Deutschen leidenschaftlich über eine entscheidende Frage: Noch mehr Flüchtlinge aufnehmen oder Schotten dichtmachen? Das ist gelebte Demokratie. Gelenkt wird sie aber von Mehrheitsmedien und der Mehrheitspolitik. Beide haben jetzt ihre Mehrheit verloren. Vor allem die Medien reagieren darauf mit Hass und Propaganda.  mehr …

Die Zeit und ihre Lüge von der Selbstkritik

Peter Harth

Die Deutschen glauben selbst ihren Qualitätsmedien nicht mehr. Deshalb fragt jetzt auch Die Zeit: »Alles Lügen?« Die Selbstkritik bleibt Propaganda – und sinkt noch tiefer. Es ist die Rache an den TV-Satirikern – Sündenböcke, die angeblich das Vertrauen zwischen Publikum und Journalisten zerstört haben. Das ist noch eine Lüge. Denn es bleibt  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Wechselt Deutschland die Seiten?

Peter Koenig

»Die Türkei hat begierig zwei Millionen Flüchtlinge in ihr Land gelassen, um sie in Lagern aufzunehmen, die mit bis zu 6 Mrd. US-Dollar finanziert wurden – nicht aus Altruismus, sondern um die Flüchtlinge gemeinsam mit den USA, der NATO und der EU als geopolitische Waffe zu (be)nutzen«, schreibt Konjunktion.info.  mehr …

Bill Clinton: Flüge in einem Privatflugzeug, in dem angeblich eine Minderjährige sexuell belästigt wurde

J. D. Heyes

Ex-US-Präsident Bill Clinton droht wieder Ärger wegen sexueller Fehltritte, und das genau in dem Moment, wo sich seine Ehefrau, die ehemalige First Lady, US-Senatorin und Außenministerin Hillary Clinton, für den Wahlkampf ums Weiße Haus bereitmacht.  mehr …

Krisen-Studie: Die Leser der Mainstream-Medien sind nicht weg, sie sind jetzt bei Kopp

Peter Harth

Das klassischen Medien fragen sich: Wo sind unsere Leser geblieben? Die Antwort liefert jetzt die Otto-Brenner-Studie Querfront. So wird die publizistische Gegenöffentlichkeit im Land genannt, die immer mehr Deutsche anzieht. Weil sie empört sind und mehr wissen wollen. Der Star unter den neuen »Anti-Lügenpresse-Medien« ist der Kopp Verlag –  mehr …

Mikrobiologe: Biotech ist wie eine Religion, und sie versagt

Christina Sarich

Niemand trifft 1000 Mal das Tor, aber die Biotech-Industrie hat völlig versagt, so der Mikrobiologe Ignacio Chapela von der Universität Berkeley in Kalifornien. In 40 Jahren habe sie lediglich zwei genmanipulierte Merkmale erzeugt, dabei aber Luft, Wasser und Boden belastet, indem sie unsere Nahrung gentechnisch so verändert, dass sie enormen  mehr …

Werbung

Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.