Sunday, 24. July 2016
26.01.2016
 
 

Mit Chemikalien durchtränktes und Hormonen versetztes US-Fleisch gefährdet TTIP

Jennifer Lea Reynolds

Anfang des Jahres waren viele Amerikaner über die Tatsache verärgert, dass das amerikanische Landwirtschaftsministerium zugestimmt hatte, amerikanisches Geflügel erst zur Weiterverarbeitung nach China zu verschiffen und dann wieder zurück in die USA zu transportieren, um es dann dort für den menschlichen Verzehr zu verkaufen. Die oft fragwürdigen Umstände, unter denen in China Lebensmittel hergestellt werden, und die ganze logistische Absurdität dieses Import-Export-Geschäfts empörten Verbraucher und die Branche gleichermaßen.

 

Interessanterweise sind es nun gerade die USA, die berechtigterweise der Unbedenklichkeit und Sicherheit chinesischer Nahrungsmittel skeptisch gegenüberstehen und jetzt über ein Abkommen verhandeln, mit dem sie die Europäer ähnlichen Gefahren – diesmal allerdings aus Richtung Amerika – aussetzen würden. Sollte das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) tatsächlich in Kraft treten, entstünde damit ein gigantischer Megamarkt mit 800 Millionen Verbrauchern, der sich geografisch von Hawaii bis nach Griechenland und von Alaska bis nach Finnland erstrecken würde.

Während die Befürworter des Abkommens behaupten, es handele sich dabei um das bisher weltweit größte Freihandelsabkommen, das einen Durchbruch in der Globalisierung herbeiführen, den transatlantischen Handel ausweiten und Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen werde, steht die Mehrheit der Menschen in Europa TTIP extrem ablehnend gegenüber.

 

So wie die Amerikaner nur sehr zögerlich bereit sind, bestimmte Nahrungsmittel chinesischer Herkunft zu kaufen, sind viele Europäer angesichts der Perspektive, eines Tages vielleicht oft als »Frankenfoods« bezeichnete amerikanische Lebensmittel verzehren zu müssen, alles andere als glücklich.

 

Der Druck der USA auf andere Teile der Welt, »Frankenfoods« zu kaufen, wird allgemein nicht gut aufgenommen


»Hormonverseuchtes Rindfleisch, Chlorhühnchen, gentechnisch verändertes Gemüse – dies alles will man uns aufzwingen«, erklärte der französische Bio-Landwirt Jean Cabaret. »In Frankreich geht es beim Essen um Vergnügen, um den Geschmack. Aber in den USA essen sie alles. Nein, das muss auf jeden Fall verhindert werden.«

 

Der französische Staatspräsident François Hollande hat zwar bereits deutlich gemacht, dass er das Abkommen unterstützt, aber Matthias Fekl, der neue französische Staatssekretär für Außenhandel, wehrt sich dagegen, umstrittene amerikanische Nahrungsmittel zur Norm in Europa zu machen. »Hier geht es auch um die Lebensart, um die Lebensweise«, sagte er. »Niemand wird uns zwingen, den europäischen Markt weiter für Chlorhühnchen oder Hormonfleisch zu öffnen.«

 

Cabaret und Fekl haben in der Tat allen Grund, sich angesichts der amerikanischen Vorgehensweise bei der Nahrungsmittelerzeugung, der Aufzucht, der Verarbeitung und der Kennzeichnung große Sorgen zu machen. Gentechnisch veränderte Organismen, riesige Schlupflöcher bei der Kennzeichnungspflicht und die vielen Rückstände von Chemikalien, die sich in amerikanischen Lebensmitteln finden, verweisen auf erschreckende Zustände in den USA. Tatsächlich sind verschiedene Lebensmittel, die in den USA von den Aufsichtsbehörden als sicher eingestuft werden, in anderen Ländern verboten.

 

So ist zum Beispiel das Asthma auslösende Azodicarboxamid, das in den USA in vielen Backwaren und Broten enthalten ist, in Australien, England und vielen anderen europäischen Ländern verboten. Biotechnologisch hergestellte (rekombinante) Hormone und das rekombinante Rinderwachstumshormon Somatropin wurden ebenso wie Arsen, von dem Spuren in amerikanischem Hühnerfutter nachgewiesen wurden, auch in anderen Teilen der Welt verboten.

 

»[Bei TTIP] handelt es sich möglicherweise um eines der gefährlichsten Abkommen überhaupt«, erklärte der bekannte britische Fernsehkoch Jamie Oliver. »Hier sind Hormone in unserem Fleisch verboten, aber nicht in den USA.

 

Wir verzichten auf den Einsatz von hunderten Giftstoffen und Pestiziden, die sich als krebserzeugend erwiesen haben. Sie [die USA] tun das nicht.«

 

Die Befürchtungen gegenüber amerikanischen Lebensmitteln und der Widerstand gegen das TTIP-Abkommen sind in ganz Europa verbreitet, und oft nehmen die Proteste auch lautstarke Formen an.

 

Proteste und Demonstrationen sind ein alltäglicher Anblick. In Belgien ereigneten sich mehrere Flashmobs, und bei Demonstrationen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen war ein mehr als sieben Meter hohes Trojanisches Pferd zu sehen, das die mit dem Abkommen verbundenen verborgenen Risiken symbolisieren sollte.

 

Einige Demonstranten trugen sogar Hühnerkostüme und verteilten Flugblätter bei Bürgerversammlungen oder in Lebensmittelmärkten. In England ergab eine Umfrage, dass nur knapp 13 Prozent der englischen Bevölkerung TTIP befürworten.

 

Um das Abkommen noch während seiner Amtszeit unter Dach und Fach zu bekommen, muss Präsident Obama weitere Zugeständnisse machen. Die nächsten Verhandlungsrunden sollen bereits in den kommenden Monaten stattfinden.

 

 

 

 


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