Sunday, 29. May 2016
04.02.2015
 
 

Obdachlosigkeit in Amerika: Seattle plant die Einrichtung von drei Zeltstädten

Jennifer Lilley

Um die wachsende Zahl der Obdachlosen in den Griff zu bekommen, die für Pendler und Einwohner von Seattle immer mehr zur Belastung werden, drängt Bürgermeister Ed Murray darauf, drei Zeltstädte einzurichten. Sie würden den Obdachlosen eine Zuflucht gewähren und sie gleichzeitig von Bürgersteigen und Plätzen fernhalten.

 

Durch die Zeltstädte, die nicht der Aufsicht der Stadt, sondern sozialer Organisationen unterlägen, würde legalisiert, was in der Region für Streit sorgt. Die Obdachlosen erhielten eine sichere Unterkunft, Einwohner und Pendler wären nicht mehr gezwungen, Menschen in Schlafsäcken auszuweichen, und wären nicht mehr dem ekelerregenden Geruch von Urin und Fäkalien ausgesetzt.

»Es macht mich betroffen, weil es so traurig ist«, sagt die Pendlerin Margo Dannemiller. Über die Obdachlosen, die sie täglich sieht, sagt sie: »Sie zünden Feuer an. Sie pinkeln und sch… Es ist nicht schön, aber vor allem wünsche ich für sie etwas anderes«. Viele denken ähnlich wie Dannemiller, sie wünschen sich mehr Sicherheit und bessere Hygiene für die Öffentlichkeit – für die Obdachlosen und alle, die eine Wohnung haben.

 

Der Bürgermeister: Zeltstädte sind nützlich

 

»In den vergangenen Monaten sind auf unseren Straßen und Bürgersteigen mehr illegale Lagerstätten entstanden als je zuvor, der Bedarf nach alternativen Räumen ist immens gewachsen«, schrieb Murray. In einer Nacht wurden mehr als 3000 Menschen gezählt, die in der Stadt und der Umgebung auf der Straße lebten.

 

Gegner des Vorschlags machen jedoch geltend, es würde nicht unbedingt mehr Sicherheit geschaffen, das Problem werde eher eskalieren. Andere haben angeregt, den Obdachlosen den Aufenthalt in Gemeindezentren zu gestatten, sind damit aber auf Widerstand gestoßen. Wie Murray sagt, sollten sich solche Zentren weiterhin auf die Bedürfnisse von Kindern und Senioren konzentrieren. Zeltstädte sollten davon getrennt werden, um den Bedürfnissen der Obdachlosen nachzukommen.

 

»Ich habe von unseren Partnern auf Bundesebene gehört, dass Lager keine nachhaltige Lösung für diese Frage sind«, betont Murray. Seine Worte scheinen sich an das amerikanische Interagency Council on Homelessness zu richten, das gegen die Einrichtung von Zeltstädten ist.

 

Wie er in einem Brief an seine Arbeitsgruppe Obdachlosigkeit erklärt, beabsichtigt der Bürgermeister, »eine begrenzte Zahl nicht genutzter freier Grundstücke auf öffentlichem und privatem Gelände außerhalb der Wohngebiete für Lager zu öffnen; Stadtparks sind hiervon ausgenommen«.

 

»Ich betrachte genehmigte Lager nicht als geeignetes Mittel zur langfristigen Überwindung der Obdachlosigkeit«, sagte der Bürgermeister bei einer Pressekonferenz. »Aber organisierte Lager sind eine geringere Belastung für die Wohnviertel und bieten eine sicherere Umgebung als das, was wir heute auf unseren Straßen sehen.« Sein Vorschlag sieht drei neue Zeltplätze vor, die eine halbe Meile von einer Haltestelle der Transitbahn entfernt errichtet werden sollen. Jeder Platz sei mindestens eine Meile von dem nächsten entfernt und würde von sozialen Gruppen betreut, die dafür eine einjährige Genehmigung erhielten.

 

Andere Regionen haben solche Lager bereits zugelassen, sodass Murray mit seinen Plänen für Seattle wahrscheinlich durchkommen wird. Im Landkreis King im US-Bundesstaat Washington beispielsweise wurde kürzlich eine Regelung verabschiedet, wonach Zeltlager für weitere zehn Jahre betrieben werden dürfen.

 

Zeltstädte von Nevada bis New Jersey

 

Zeltstädte sind in den USA mittlerweile ein vertrautes Bild. Wie die National Coalition for the Homeless meldet, beobachten lokale und bundesstaatliche Ableger seit 2007, als die Zwangsversteigerungen begannen, eine wachsende Obdachlosigkeit. Wie sie betonen, hat die instabile Wirtschaft seither von Washington bis Georgia zur Bildung von immer mehr Zeltstädten geführt.

 

»Wir erleben Lager, wie ich sie seit den 1980er Jahren nicht mehr gesehen habe«, sagt Paul Boden, Direktor der Obdachlosenorganisation Western Regional Advocacy Project. In Nevada entstehen Zeltstädte immer dann, wenn Notunterkünfte und ähnliche Einrichtungen für den Winter schließen. Oftmals leben mehrere Hundert Menschen in solchen Gemeinschaften, die Zelte stehen in der Regel nur wenige Zentimeter voneinander entfernt im Dreck.

 

In New Jersey gab es jahrelang Streit über eine Zeltstadt in der Stadt Lakewood. Sie wurde vor Kurzem von den Behörden geschlossen; sie versprachen den Bewohnern eine vorübergehende Unterbringung. Das Lager galt als Sicherheitsproblem. Der Vizebürgermeister von Lakewood, Albert Akerman, sagte, die Schließung der Zeltstadt sei ordnungsgemäß verlaufen.

 

»Das wollten wir die ganze Zeit in Lakewood: ein offizielles Datum für die Schließung der Zeltstadt und einen ordnungsgemäßen Verlauf, indem wir diesen Menschen fair und teilnahmsvoll geholfen haben, eine Unterkunft zu finden.«

 

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (23) zu diesem Artikel

06.02.2015 | 11:21

Pandemius

Eines wird damit vor allem erreicht: Diese unangenehmen Erscheinungen des zu Ende gehenden American Dream verschwinden aus den Augen der Öffentlichkeit und den Kameras.


06.02.2015 | 10:57

stromerhannes

Der Bürgermeister Ed Murray hat bestimmt noch nie etws von FEMA- Camps gehört. Auch bei ihm sind die Lager schon errichtet. Da braucht es keine Zeltstädte in Seattle mehr. Auch die Grossraumsärge liegen schon parat....


05.02.2015 | 12:39

M.Klein

Kleiner Nachtrag @Nur mal so... Ich meinte mit Blödsinn natürlich nicht Ihre inhaltlichen Argumente, sondern mehr den Tenor Ihres Kommentars, der den Eindruck erweckte, in den USA sei alles Tutti la Monte. Das sehe ich definitiv nicht so!


05.02.2015 | 12:27

Beate Hall

Jetzt können sie keine Food Stamps mehr haben, da reicht das Geld nicht mehr für die Wohnung. Wie auch immer, hier müssen die Flchtlinge auch in Zelten wohnen. Vielleicht gibt es den Welfare Staat dort nicht mehr lange auch für Reiche. Immerhin ist es dort nicht ganz so kalt wie hier in Europa, aber wenn da so ein heftiger Schneesturm dazwischen haut, sieht das ganz schön übel aus. Sicher ist das unter Brückenschlafen oder in U-Bahnen verboten. Trotz alledem für das Ansehen ist...

Jetzt können sie keine Food Stamps mehr haben, da reicht das Geld nicht mehr für die Wohnung. Wie auch immer, hier müssen die Flchtlinge auch in Zelten wohnen. Vielleicht gibt es den Welfare Staat dort nicht mehr lange auch für Reiche. Immerhin ist es dort nicht ganz so kalt wie hier in Europa, aber wenn da so ein heftiger Schneesturm dazwischen haut, sieht das ganz schön übel aus. Sicher ist das unter Brückenschlafen oder in U-Bahnen verboten. Trotz alledem für das Ansehen ist das nicht so toll, egal wo. Was macht da eigentlich die Bauwirtschaft, die haben doch viel Holz, das kann doch nicht so teuer sein. Aber klar, wenn Papier in erster Linie aus Holz gewonnen wird, ich weiß auch nicht, ob die dort auf recyclen stehen. Leider kann man da ja nicht mal eben in einer Waldhütte wohnen, die als Ferienwohnung zu vermieten wäre. Irgendwie sieht mir das Problem dort ziemlich hausgemacht aus, wie auch immer.


05.02.2015 | 12:06

Silke

Thomas Jeffersen, Gründervater der USA und 3. US-Präsident zum Geldsystem: "Wenn das amerikanische Volk jemals privaten Banken erlaubt, die Währung zu kontrollieren, dann werden die Banken zuerst durch Inflation, dann durch Deflation das Volk all seines Eigentums berauben, bis die Kinder obdachlos auf dem Kontinent aufwachen, den ihre Vorväter eroberten. Die Geldschöpfung sollte den Banken weggenommen und dem Volk zurückgegeben werden, dem sie rechtmäßig gehört. (...) Ich...

Thomas Jeffersen, Gründervater der USA und 3. US-Präsident zum Geldsystem: "Wenn das amerikanische Volk jemals privaten Banken erlaubt, die Währung zu kontrollieren, dann werden die Banken zuerst durch Inflation, dann durch Deflation das Volk all seines Eigentums berauben, bis die Kinder obdachlos auf dem Kontinent aufwachen, den ihre Vorväter eroberten. Die Geldschöpfung sollte den Banken weggenommen und dem Volk zurückgegeben werden, dem sie rechtmäßig gehört. (...) Ich glaube, daß Banken gefährlicher für unsere Freiheiten sind als stehende Armeen. (...) Die moderne Theorie der Verschuldung hat die Erde mit Blut getränkt und ihre Bewohner in ein Schuldsystem gebracht, das ohne Ende wächst." Weiteres dazu hier: http://www.orwell-staat.de/jfk.htm


05.02.2015 | 11:43

M.Klein

@Nur mal so... das ist doch Blödsinn! Mag sein, dass das teilw. stimmt mit den Sozialwohnungen, aber man darf doch nicht vergessen, das nach der Wirtschaftskrise um 2010/11 herum, viele Menschen in den USA, weiße Mittelschichtler wohlgemerkt, einfach in so einem Zelt schlafen mussten, weil se nicht mehr in der Lage waren, die Kredite für Ihre Häuser zu bedienen, weil sie Ihren Job verloren haben (Detroit z.B.). Im Anschluiss haben dann viele mitsamt Familie im Auto (!) schlafen...

@Nur mal so... das ist doch Blödsinn! Mag sein, dass das teilw. stimmt mit den Sozialwohnungen, aber man darf doch nicht vergessen, das nach der Wirtschaftskrise um 2010/11 herum, viele Menschen in den USA, weiße Mittelschichtler wohlgemerkt, einfach in so einem Zelt schlafen mussten, weil se nicht mehr in der Lage waren, die Kredite für Ihre Häuser zu bedienen, weil sie Ihren Job verloren haben (Detroit z.B.). Im Anschluiss haben dann viele mitsamt Familie im Auto (!) schlafen müssen. Das kann doch nicht wahr sein, in einem zivilisierten Land, wie den USA. Das regt mich schon wieder auf, bedenke ich wie assozial die Regierenden dort sein müssen, wenn sie sich kein Stück für die Belange Ihrer eigenen Bevölkerung interessieren. Statt tonnenweise Finanzmittel in irgendwelche sinnlosen Kriege zu investieren, sollten die Amis lieber mal über die Rückführung ( illegal) Eingwanderter aus Südamerika nachdenken, denn die produzieren dort oben nur Drogenkriminalität und Bandenkriege. Aber das geht mich nichts an, schließlich habe ich mein eigenes Land mit seinen eigenen Problemen. Ich wollte nur mal erwähnen, dass wenn ich US Ami wäre, die desoklaten gesellschaftspolitschen Zustände in dem Land nicht akzeptieren würde. Wie man es besser machen kann, sieht man am Beispiel Kanadas, welches meiner Ansicht nach schon längst, die USA, als westliche Führungsmacht hätten ablösen sollen.

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